Lieber Luther

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Sonntag, 27. Dezember 2015

Danket dem HERRN

Lieber Luther,

der Weihnachtstrubel ist vorbei, die Menschen rennen zum nächsten Ereignis, die Silvesterparty ruft. Zeit einzuhalten. Psalm 118:

Danket dem Herrn, denn er ist gütig.

Danke, du Volk Gottes.
Danke, du Samen Jakobs.
Danke, der du Gott in Ehrfurcht begegnest.

Du bist angesprochen,
du Volk Gottes,
du Familie seiner Nachfolger,
du Mensch, der sich zu Gott bekennt.

Du verirrtes Volk,
du zerstrittene Familie,
du selbstsüchtiger Mensch,

ihr alle,
die ihr in Not Gott anruft:
Lobet den HERRN,
denn er ist unser Heil.

Öffnet eure Herzenspforten,
befriedet euch,
damit ihr zum Eckstein
in Gottes Haus werdet.

Der HERR lässt's gelingen und
es erscheint wie ein Wunder.
Das ist der Tag,
den der HERR gemacht hat!

Freut euch mit Gott,
wir werden nicht sterben,
sondern von seinen Werken erzählen.
Ach HERR, lass doch gelingen.

Gesegnet sind alle,
die da kommen
im Namen des HERRN.
Ach HERR, erleuchte uns.

Preist den HERRN, denn er ist gütig.

Eckstein
Wer setzt den Eckstein?
Ihr lest es, tut es aber nicht!


Sonntag, 5. Juli 2015

Fischzug

Lieber Luther,
der heutige Predigttext, Lk 5, 1-11, ist wohlbekannt und doch wiederum nicht. Fahrt hinaus in die Höhe und in die Tiefe, damit ihr einen Zug tut und einen Fang macht, ich will euch zu Menschenfischern machen, folgt mir nach. Das ist die zentrale Botschaft Jesu in der Geschichte (vgl auch Mk 1, 17; Mt 4, 19). Etwas genauer steht es bei Johannes (Joh 21, 6): Werft das Netz zur Rechten des Schiffs, so werdet ihr finden.
Wie üblich, wenn Jesus im Dialog mit seinen Anhängern ist, gibt es viel Miss- oder Unverständnis. Jesus spricht von etwas ganz anderem als das, was die Nachfolger verstehen. Sie bewegen sich auf völlig unterschiedlichen Ebenen. Jesus benutzt Bildsprache, um seine Botschaft zu vermitteln, damit jeder, auch der Ungebildetste, verstehen könnte, wenn er will, was er sagt. Die Versammelten sehen jedoch nur das Bild, aber erkennen nicht die Botschaft dahinter. Sehen, dass keine Fische im Fischernetz sind, dann wiederum doch, dass die Boote mit den vielen Fischen überladen sind und sinken, was wiederum jeder versteht, und dass dann Jesus verhindert, dass die überladenen Boote sinken. Glaube es wer da wolle, die Boote mit den Flüchtlingen an Bord sinken auch. Wo ist da Jesus?
Die Geschichte an sich ist, wie in vielen anderen Geschichten auch, über die eigentliche Geschichte hinaus, auf einer Metaebene, eine Lerngeschichte über richtiges Hinhören, über das Wahrnehmen der Botschaft, über die Bereitschaft, sich auf Verantwortung im Sinne Jesu einzulassen, eine Parabel in der Parabel. Man sieht das volle Netz – prima, werfen wir unser Netz auch aus - sieht die vielen Fische bildlich vor Augen, aber überliest und überhört die Voraussetzungen, um das Netz zu füllen und das Boot über Wasser zu halten, mit den Fischen an Bord.
Die Fischer hatten die ganze Nacht nichts gefangen. Was muss sich ändern, damit sie etwas fangen? Das ist die zentrale Frage, die die Geschichte aufwirft und die heute genauso aktuell ist wie vor 2000 Jahren, denn die Netze bleiben zunehmend leer und die Fische, die im Netz sind, fallen wieder durch die Löcher im Netz, da das Netz verwahrlost ist. Das Boot droht, wie das von Simon Petrus, zu sinken, solange die Fischer nur die Fische und den persönlichen Erlös von den gefangenen Fischen, oder die Kosten, sie an Land zu bringen, vor Augen haben. Die Fische an Bord zu haben, reicht nicht aus, ist die Botschaft, das Boot sinkt, trotz oder wegen des großen Fangs, wenn nicht noch etwas dazukommt. Wessen bedarf es noch, um ein erfolgreicher Menschenfischer zu sein, einer wie Jesus? Sagt Jesus nicht: Kommt, und folgt mir nach?
Jesus lehrt das Volk, er predigt. Anschließend sagt er zu Simon Petrus, dem Fischer, auf dessen Boot er war: Fahre auf die Höhe und werft eure Netze aus, dass ihr einen Zug tut. So übersetzt du, lieber Luther. In der Elberfelder steht: Fahre hinaus auf die Tiefe, und lasst eure Netze zu einem Fang hinab (Lk 5, 4). Beide Übersetzungen sind richtig und nur gemeinsam führen sie auf die richtige Spur. Was will Jesus damit sagen?
Er will damit sagen: Ihr müsst euch bewegen, ihr müsst euch in die Höhe bewegen, in die Höhe des Heiligen Geistes, in die Höhe von Gottes Willen, ihr müsst euch selbst von euren materiell bewegten Niederungen erhöhen, damit eure Netze vor Gott nicht leer bleiben. Gott wohnt in der Höhe, dort allein findest du ihn, schau nicht auf den körperlichen Fisch, schau nicht auf die Dollars, die diese Fische bringen oder kosten, schau auf das, was diesen Fischzug ausmacht und ermöglicht, welche Chancen in ihm liegen, wie unterschiedlich das Ergebnis ist, je nachdem, wie du ihn persönlich angehst.
Luther sieht in seiner Übersetzung die Botschaft hinter der Fisch-Tonnage. Dieser Fischzug kann nur gelingen, wenn man seinen Geist sich mit dem Geist aus der Höhe verbinden lässt, wenn die Motivation für den Fischzug eine ist, die aus dem höheren göttlichen Willen geboren ist. Wenn dein Fischzug ein Fischzug ist, der nicht in deinem Willen, sondern im Willen Gottes begründet ist. Deshalb: Fahre auf die Höhe und werfe erst dann, wenn du dort bist, deine Netze aus, sonst wird dein Werk dir nicht gelingen.
Jedoch, Gott ist nicht nur in der Höhe, er ist auch in der Tiefe des Lebens. Jesus selbst steht dafür. Er hat das vorgemacht. Er hat sich selbst aus der Höhe seines göttlichen Vaters in die Tiefe des körperlichen Menschseins begeben. Er weiß, von was er spricht. Die Geschichte sagt: Du, der du aus der Höhe kommst, stelle dich in den Dienst von Jesu Wort, fahre hinaus auf sein Wort, AUF die Tiefe. Versinke nicht in der Tiefe, sondern halte dich oberhalb der Tiefe. Lass die Netze zu einem Fang hinab, setze dich ÜBER die Tiefe und fische in der Tiefe, da wo Trübnis ist, im dunklen Wasser. Vertraue auf Jesu Wort, vertraue auf den Heiligen Geist, der in dir wirkt, so wirst du Menschen finden, die sich aus der Dunkelheit ans Licht ziehen lassen.
Sicher, nicht alles wird gelingen, manchmal reißt das Netz, weil es schlecht gepflegt, verwahrlost ist, und der ein oder andere rutscht durch das Netz und entschwindet wieder in der Dunkelheit, wo er schon fast im Licht, in Gottes Land war. Manche werden willentlich die Dunkelheit vorziehen, weiter im trüben Wasser schwimmen wollen, aber viele kannst du erreichen und deinen Beitrag leisten, dass sie ans sichere Land kommen. Nimm diejenigen, die in deinem Netz sind, als Geschenk. Investiere deine Energie in die, die verbleiben.
Aber gib Acht, dass du nicht übermütig wirst. Solange du nur auf dein Boot vertraust, wird dein Boot sinken, es vermag allein die Last der Fische nicht zu tragen. Menschenlast auf Menschschulter ist zu schwer, Mensch, auf sich alleine gestellt, geht unter mit seiner Last. Allein vermagst du es nicht. Du brauchst andere Menschen, die mit dir am gleichen Strang ziehen, du brauchst Menschen, die sich mit dir auf die Höhe und auf die Tiefe einlassen, Gleichgesinnte, die mit dir auf Gottes Schiff arbeiten. Nicht einmal loszufahren, heißt keinen Fang tun, heißt den Mitmenschen keine Speise bringen, heißt, keiner zu sein, der seinen Teil tut, um in Gottes Erntenetz zu sammeln, heißt, Höhe ohne Tiefe oder Tiefe ohne Höhe. Brotlose Kunst beides gleichermaßen.
Fürchte dich nicht, sagt Jesus. Ich WILL euch zu Menschenfischern machen. So steht es bei Markus und Matthäus. Ich WILL, aber ihr müsst auch wollen, damit es zu dem "WERDE" wird, das bei Lukas steht. Und auch das Wollen reicht nicht aus, es muss auch noch die Tat folgen. Nur schöne Reden schwingen, von der Kanzel oder sonstwo, reicht nicht aus. Man muss auch losgehen, muss handeln, muss sich verändern, muss sich von den Niederungen, den Tiefen, den niedrigen, billigen, vordergründigen, oberflächlichen, ego-getriebenen Wahrnehmungen und Handlungen in eine höhere Wahrnehmungs- und Handlungsebene bewegen wollen und es tun. Sonst bleiben, wie die Geschichte zeigt, die Netze leer.
Ihr versucht, sagt Jesus, in der Dunkelheit zu fischen, einen guten Fang zu machen. Die Anzahl und der Zustand der Fische zwischen heute Nacht und dem heutigen Tag sind unverändert. Und doch ist das Ergebnis völlig unterschiedlich. Ja, ihr ward fleißig, ihr habt die ganze Nacht gearbeitet, aber vergebens, eure Netze bleiben leer. Weil ihr in eurer Dunkelheit und Nacht eure Netze nicht zur rechten, sondern zur falschen Seite auswerft. Ohne mich fangt ihr in eurer Dunkelheit nichts. Erhebt euch aus eurer Nacht. Mit mir im Licht werft ihr eure Netze zur rechten Seite aus, tut ihr einen überreichen Fang und euer Boot geht unter der Last nicht unter.
Aus uns selbst heraus, lieber Luther, vermögen wir nichts. Das sagt die Geschichte. Da verhungern wir entweder, weil wir nichts fangen, das uns nähren könnte, oder die Last ist uns zu schwer, so dass wir mit ihr untergehen. In beiden Fällen scheitern wir, bringen keinerlei Nutzen auf Gottes Acker. Die Geschichte sagt es eindringlich: Erhebt euch zu Gott, auf Jesu Wort hin, dann gelingt euer Werk. Es ist eine Entscheidung zwischen Leben und Sterben, die ihr zu treffen hat. Oder, wie es bei Johannes steht: Werft das Netz zur rechten Seite eures Lebensschiffes, so werdet ihr finden. Zur Rechten sitze ich, sagt Jesus, da werdet ihr im Überfluss leben. Die sinkenden Flüchtlingsschiffe sprechen Bände, auf welcher Seite wir unser Netz auswerfen. Amen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 21. Juni 2015

Glaubt an mein Kreuz

Lieber Luther,
Glaubt an mein Kreuz, sagt Jesus im Jakobusbrief, der in den Texten von Nag Hammadi überliefert ist. Welche Litanei rattert da bei vielen im Kopf herunter? Jesus musste leiden, weil es sein Vater so gewollt hat, für uns, damit er durch sein Leiden und seinen Tod uns von unseren Sünden erlöst. Jesus, der vom Vater für uns geopfert wurde, Jesus, der sich selbst opferte, weil beide uns so lieben, dass ihnen jedes Opfer für unsere Rettung recht ist. Jesus, das Lamm Gottes, das schweigsam und tapfer die Sünden der Welt ans Kreuz trägt. Christus, du (Schlacht)Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarm dich unser. Gott als unbarmherziger Vater, der seinen Sohn opfert, seinen vollkommenen Sohn für die Sünden und Boshaftigkeiten anderer unperfekterer Söhne? Kein Vater handelt so, wieso ausgerechnet Gott, der Inbegriff des Gut.
An sich, lieber Luther, zeigt schon der gesamte Glaubenskontext, der in der Bibel insgesamt, im Ersten Testament aufgeblättert wird, dass das so nicht sein kann. Gott will keine Opfer, schon gar nicht opfert er seinen Sohn. Er opfert nicht eines seiner Kinder. Wie könnte man in einen Vater vertrauen, der vor so etwas nicht zurückschreckt? Wo liegt des Pudels Kern für so eine verdrehte Sichtweise?
Wir gehorchen dir, wenn DU willst, sagt Jakobus, wir haben schon Vater, Mutter, unser Heimatdorf für dich verlassen. Gib uns, dass wir nicht vom Bösen versucht werden. DU Jesus, wenn du willst, folge ich dir nach, verhindere DU, dass das Böse uns etwas anhaben kann. DEIN Wille, DEIN Tun. Mach DU, damit ich fein raus bin.
So geht das nicht, sagt Jesus. Wer mir folgen will, der veleugne sich selbst und nehme sein Kreuz täglich auf sich und folge mir nach (Lk 9, 23; Mt 16, 24). Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein (LK 14,27). Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert (Mt 10, 38). Diese Botschaft ist also: DU Mensch, DU Bruder, musst DEIN Kreuz auf dich nehmen, wie ich MEIN Kreuz auf mich nehme. Zeige, dass du mir tatsächlich im Denken und Tun nachfolgst.
Jesus erklärt im Jakobusbrief (NHC 1,2) näher, was gemeint ist, da weder Jakobus noch Petrus erkannt haben, dass sie selbst einen Beitrag zu leisten haben, um Jesus nachzufolgen, wie auch Jesus seinen ihm zugedachten Beitrag geleistet hat. Wie lernst du, dem Bösen zu widerstehen, wenn du dich ihm nicht stellst, fragt er. Wie willst du deinen Brüdern lehren, das Böse hinter sich zu lassen, wenn du nicht weißt, wie das geht? Du musst es selbst tun, um zu verstehen, was dies heißt, um zu lehren, wie die Abwehr des Bösen geht. Du musst aktiv das Böse lassen und das Gute tun. Ich kann nur zeigen, wie es geht, tun musst du es selbst.
Ihr wollt das Leiden meiden, insbesondere das körperliche, weil ihr Angst vor ihm habt, sagt Jesus. Indem ihr Angst vor ihm habt, gebt ihr eurer Angst Macht über euren Geist. Euch regiert die Angst, und euer Streben, körperliches Leiden zu vermeiden. Das vernebelt euch die Sinne, so dass ihr im Bestreben, eure Haut zu retten, Gott nicht mehr wahrnehmt. Wo ist euer Vertrauen auf ihn? Glaubt ihr, dass er für euch sorgt? Wieso sorgt ihr euch dann? Wollt ihr nicht aufhören, euer Fleisch, euren Körper zu lieben und stattdessen Gott allein? Ihr nennt euch Nachfolger?
Ihr sagt: Sprich ja nicht vom Kreuz und Tod. Beides macht euch Angst. Wieso? Wo ist euer Gottvertrauen? Wo ist euer Glaube?
Was soll euch mein Kreuz sagen? Es soll euch sagen, tragt euer Kreuz, wie ich meines getragen habe. Ich habe mich nicht dem Bösen gebeugt, ich habe mich nicht von meinem Vater trennen lassen, obwohl ich Bösem ausgesetzt war. Ich habe nicht Abbitte geleistet für das, was ich predige, ich bin dazu gestanden. Mein Körper ist eine zeitliche Einrichtung, er wird absterben, mein Geist ist ewig, überlebt nur, wenn ich dem Bösen, dem ich ausgesetzt bin, nicht nachgebe, wenn ich das Böse von mir abscheide.
Mein Geist ist eins mit dem Vater. Das Böse, die Bedrohung meines Körpers, konnte mich nicht von ihm trennen. Der väterliche Geist hat mich durch seine Gegenwart unberührbar gemacht für alle Spielarten des Bösen, dem ich ausgesetzt war, dadurch, dass ich mich nicht von ihm trennen ließ. Ich musste durch diese Versuchung hindurch, wie jeder Mensch zahllose Male durch sie hindurch muss. In welcher Form auch immer er ihr ausgesetzt ist. Jeder hat diesen Teil, auch ich hatte ihn. Ihr jammert schon, bevor ihr der Versuchung im Leiden überhaupt ausgesetzt seid. Zeigt, dass ihr tatsächlich Nachfolger seid.
Ihr nehmt euern Körper zu wichtig. Er ist nur zeitlich, das Leiden, das euch versucht, ist weniger als ein Wimpernschlag, in dem ihr widerstehen müsst. Glaubt an mein Kreuz heißt, seht, mir konnte das Kreuz nichts anhaben. Ich bin durch alles Leid hindurch bei meinem Vater geblieben, habe mich nicht getrennt, habe nicht gehadert, sondern den Tag und die Menschen angenommen, wie sie sind. Ich habe die Irrtümer meiner Brüder als Irrtümer erkannt: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Das gilt bis heute.
Seid nicht verblendet wie diejenigen, die meinen Leib getötet haben. Seht den Tod, wie ich ihn gesehen habe, er ist ein rein leibliches Absterben. Er konnte mich nicht schrecken, ich hatte keine Angst vor ihm, da ich weiß, es ist nicht mein körperliches Sein oder Nichtsein, das über mein Leben entscheidet, es ist der Zustand meines Geistes, seine Unschuld, seine Reinheit, seine Wahrheit, sein Einssein mit Gott, meinem Schöpfer und Vater.
Wenn ich geschwiegen habe wie ein Lamm, ist mir das nicht schwer gefallen, ich hätte sonst meine Unschuld verloren, wäre abgerückt vom ewigen Gut, das beim Vater ist. Wieso sollte ich das? Ich hätte mich verkauft an das Böse. Es galt, Gottes Wahrheit und Wahrhaftigkeit zu verteidigen. Das ist eine Art der Abwehr des Bösen, die nicht angreift, sondern die Wahrheit verteidigt, um jeden Preis. Werdet wie ich Verteidiger der Wahrheit Gottes.
Es ist kein Opfer, das ich gebracht habe. Ich wurde nicht ans Kreuz geschlagen, von meinem Vater bestraft, weil der Mensch irrt. Wieso sollte mich mein Vater für SEINE Schöpfung bestrafen? Mein Vater mag keine Opfer, das wissen wir schon seit Abraham. Warum sollte er dann seinen Sohn opfern? Da stellt man die Wahrheit auf den Kopf. Das Böse kommt von irregeleiteten Menschen, nicht von einem bösartigen Gott, der nicht einmal vor seinem Sohn halt macht. Man kann das menschlich Böse nicht Gott in die Schuhe schieben. Derjenige, der böse denkt und in der Folge böse handelt, verantwortet das ganz allein, er hat sich für das Böse entschieden, nicht für das Gute. Gott ist Vollendung. Vollendung kennt das Böse nicht. Der menschliche Wille denkt das Böse, macht in der Folge das Böse und schreibt dann Gott auch noch das Böse zu. Tappt nicht in die Falle! Erinnert euch an mein Kreuz und meinen Tod und ihr werdet leben, wie ich lebe. Seht euch vor, dass euch euer Geist nicht zum Bösen verführt, ihr der Angst nachgebt, ihr denkt euer Leben zu retten und es doch verliert. Es ist EUER Teil, nicht mein Teil. Der Heilige Geist ist in euch, doch ob ihr ihn wirken lasst, ist eure Entscheidung.
Euch ist ein freier Wille gegeben. Freier Wille heißt, zeigt euch würdig, ein Kind Gottes zu sein, wie ich es getan habe. Macht es besser als ich. Ihr könnt euch dafür entscheiden oder dagegen. Das, was als meine Schwäche angesehen wird, war meine Stärke, meine Entscheidung für die Stärke Gottes, meine Entscheidung gegen das Weichen vor der körperlichen Gewalt der Schwachen. Meine Stärke, meine Entschiedenheit nicht von Gott abzurücken, trotz Leid, ist am Kreuz für alle offenbar geworden. Meine Stärke, die auch eure Stärke werden kann, wenn ihr es zulasst, ist nicht mit körperlicher Stärke zu verwechseln. Es ist geistige Stärke und Unbeugbarkeit, Festigkeit im Geist, ebenbildlich mit dem Heiligen Geist. Ihr mögt das nicht denken, weil es euch etwas abverlangt, es euch Angst macht. Eure Angst hat nur mit euch selbst zu tun, nicht mit Gott, mit der Bildlichkeit die ihr mit Gott verbindet, das Bild, das ihr euch selbst von ihm aufzwingt.
Ihr müsst euren Geist selbst vor solchen Abwegen bewahren, euer Denken gehorcht eurem freien Willen. Der schöpferische Plan meines Vaters hat euch diesen freien Willen gegeben. Deshalb müsst ihr euch bewusst entscheiden, das irrige Denken aufzugeben, ich sei gestorben, damit ihr von aller Sünde befreit seid. Solange ihr das nicht aufgebt, tragt ihr euer Kreuz nicht, sondern leidet unter dem Kreuz, habt ihr euch nicht für meinen Weg, sondern für das leidende Verharren vor meinem Kreuz entschieden. Das bringt euch und die, die ihr anleiten sollt, nicht Gott näher. Tretet ein in die Verantwortung, die euch zugedacht ist, nehmt sie. Wenn ihr diese Verantwortung nicht für euch selbst übernehmt, nicht die richtige eigene willentliche Entscheidung trefft, wie wollt ihr den Willen des Vaters tun, wie wollt ihr nachfolgen? Das ist nicht möglich. Werdet besser als ich, das sollte euer Ansporn sein. Werdet wie ein unschuldiges Kind, das nur dem Heiligen Geist folgt, wahrhaftig, frei von selbst geschaffener Gefangenschaft in eigenen Verstrickungen.
Glaubt meinem Kreuz. Es ist ein Sieg über die Angst. Besiegt die Angst, ihr könnt euer Kreuz nicht tragen, ihr seid überfordert. Alles, was Angst macht, ist menschlich. Ihr denkt Angst, wo keine Angst ist. Ihr macht die Angst selbst, indem ihr Gedankengebäude in eurem Kopf auftürmt, euch Gott vorstellt, wie er nicht ist. Im Göttlichen gibt es keine Angst. Jeder Sieg über die eigene Angst, das eigene Nichtzutrauen, ist ein Sieg der göttlichen Wahrheit in euch über die selbstgemachte Fehlgeleitetheit. Glaubt an mein Kreuz, das Böse konnte mich nicht töten. Besiegt eure Angst, besiegt eure eigene Fehlleitung und ihr werdet sehen, dass es auch euch nicht töten kann. Nehmt euren Anteil, wählt, wie ich, die Befreiung, nicht eure Gefangenschaft im Bösen! Löst eure (Gedanken)Ketten, die ihr euch selbst anlegt.
Lieber Luther, nichts hinzuzufügen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Freitag, 15. Mai 2015

Himmelfahrt

Lieber Luther,
die Menschen sind reichlich verwirrt, wenn es um Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten geht. Sie sind verwirrt, weil sie nicht verstehen, was gezeigt werden soll, weil sie personal fleischlich denken. Wie weit dieses Denken von der Denke Jesus entfernt ist, habe ich dir schon viele Male geschrieben. Jesus interessiert das Fleischliche nicht, weil es vor Gott hinderlich ist. Er versucht immer das Augenmerk davon wegzulenken. So ist es auch mit seiner sog. Himmelfahrt. Was will mit diesem Bild gesagt sein?
Nikodemus ist Oberster der Juden und erkennt – als einer der wenigen seiner Zunft – Jesus. Er sagt: Niemand kann die ZEICHEN tun, die du tust, wenn Gott nicht mit ihm ist (Joh 3, 1-11). Jesus antwortet: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht SEHEN. Was vom Fleisch geboren wird, das IST Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das IST Geist. Deshalb sage ich dir, der du vom Fleisch geboren bist, du musst neu vom Geist geboren werden, damit du in das Reich Gottes kommen kannst. Aber: Der Wind bläst wo er will, du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ergeht es jedem, der aus dem Geist geboren ist.
Wie kann das zugehen? fragt Nikodemus. Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, sagt Jesus, wir reden, was wir wissen, und zeugen, was wir gesehen haben; und ihr nehmt unser Zeugnis nicht an. Ihr glaubt mir nicht, wenn ich von Irdischem rede, wie willst du mir glauben, wenn ich von Göttlichem rede, das du nicht mit eigenen Augen siehst, mit eigenen Ohren hörst, mit deinem Verstand nicht fassen kannst? Und dann der Satz, der den Bogen zu Himmelfahrt schlägt: Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, denn der vom Himmel herabgestiegen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel IST. Und wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muss der Sohn des Menschen ERHÖHT werden, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss auch der Menschensohn erhöht werden. Mose stand wieder einmal einem rebellierenden Volk gegenüber. Es beschwerte sich über das dauernde Wüstenmanna, ihrer Seele ekelte es. Gott war über das Anspruchsdenken und die Verachtung gegenüber seinen Gaben erzürnt und schickte feurige Schlangen, heißt hielt den Versucher nicht ab, der vielen den Tod brachte. Dieses sichtbare Zeichen wurde dann verstanden, Demut kehrte ein – wir haben gesündigt. So baten sie Mose, für sie zu bitten. Mose bat immer für sein Volk, was immer sie taten. Gott sagte zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und tu sie auf einen Stecken; und es wird geschehen, jeder, der gebissen ist und sie ANSIEHT, der wird am LEBEN bleiben (4.Mose 21, 4-9).
Es geht um das Zeichen und es geht um das Sehen. Die Sünden werden auf Gottes Stecken gesteckt und sichtbar, sie werden erhöht auf dem Stecken, wer diese Erhöhung der Sünden sieht, der wird leben, wird vom Schlangenbiss gesunden, wird wieder heil werden. Die Schlange wurde sozusagen bildlich aufgespießt und indem die Sünden von den Sündern in der Erhöhung angesehen werden, gesunden sie. Sie müssen die Schlange auf dem Stecken ansehen, um zu gesunden. Dies ist nur möglich, weil Gott es möglich macht, ihnen auch den Blick für ihre Sünden schärft.
Jesus ist gefragt worden, wer er ist. Er sagt: Ich bin von oben her, ihr von unten her; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. Wenn ihr mir nicht glaubt, dass ich von oben bin, werdet ihr in euren Sünden sterben. Der mich gesandt hat, ist wahrhaftig und was ich von ihm gehört habe, das rede ich vor der Welt. Die Jünger verstanden dieses Wort nicht und so sagte Jesus: Wenn IHR den Sohn des Menschen ERHÖHT haben werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es sei und nichts von mir selber tue, sondern wie mich mein Vater gelehrt hat, das rede ich. Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Der Vater lässt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt (Joh 8, 23-29).
Und es kam eine Stimme vom Himmel: ich habe ihn verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen. Das Volk ist verwirrt, wie kann das sein? Jesus sagt: die Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen. Jetzt geht das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. Und ich, wenn ich ERHÖHT werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen. Und wieder ist das Volk unverständig: Es heißt doch, Christus bleibe ewiglich, wieso muss der Menschen Sohn dann erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn? Jesus versucht zu erklären: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt euch, so lang ihr das Licht (noch physisch) habt, dass euch die Finsternis, das Böse, der Versucher nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hin geht, weil er in der Finsternis das Licht nicht sieht, das ihm den Weg weisen kann. Während ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit ihr Söhne des Lichts werdet (Joh 12, 28-36).
Jesus will sagen: Ihr braucht keine eherne Schlange mehr als Zeichen und als Bild, mit dem ihr daran erinnert werdet, dass, wenn ihr eure Sünden anseht und bereut, Gott sie dann vergibt. Ihr habt mich, ihr habt Gottes Wort, das ich euch gebracht habe, ich bin das Licht, das ihr seht, das Brot, das ihr essen könnt. Bleibt im Wort und in der Wahrheit, dann ist der Fürst der Welt, die Schlange, vom Stecken gestoßen. Ich habe eine andere Qualität als eine eherne Schlange, ich bringe euch Gottes Wort, seine Wahrheit vor eure Augen und Ohren, reduziere Gott nicht auf die Vergebung der Sünden. Durch mich könnt ihr wissen, wenn ihr mir glaubt, was vor Gott wichtig ist, wie der Weg zu ihm ist. Gott erhöht mich, der in allem seinen Willen tut, und ich ziehe euch in seine Höhe, wenn ihr an mich glaubt und mir nachfolgt. Es spielt sich alles im Unsichtbaren ab, deshalb nehmt mich zum Zeugnis, glaubt, dass, was ich sage, IST, wie ich es sage.
Das Heilige ist aber in der Höhe, deshalb muss alles, was heilig ist und sein will, erhöht werden: Und du, Menschenkind, zeige dem Haus Israel den Tempel an, dass sie sich schämen ihrer Missetaten, und lass sie ein reinliches Muster davon nehmen. Und wenn sie sich nun alles ihre Tuns schämen, so zeige ihnen die Gestalt und all seine Gesetze; und schreibe es ihnen vor, dass sie alle seine Weise und alle seine Sitten halten und danach handeln. Das soll aber das Gesetz des Hauses sein: Auf der Höhe des Berges, soweit ihr Umfang ist, soll das Allerheiligste sein (Hes 43, 10-12).
Der Auferstandene sagt zu Maria von Magdala: Umfasse mich nicht, denn ich bin noch nicht zu meinem Vater aufgefahren. Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott (Joh 20, 17). Jesus ist noch nicht zu seinem Vater zurückgegangen, er ist im Zwischenstadium zwischen Fleisch und Geist, noch nicht erhöht. Maria kann ihn erst wieder umfassen, wenn er die Transformation abgeschlossen hat, ganz im Geist wiedergeboren ist. Dann kann sie ihn grenzenlos umarmen und der Geist sie. Und was Jesus hier auch sagt: Es ist mein Vater und euer Vater, mein Gott und euer Gott. Wie ich erhöht werde von meinem Vater, werdet auch ihr erhöht werden von meinem Vater. Ich ziehe euch zu mir, indem ich das Zeichen und das Zeugnis dafür bin. Ich gehe euch auch darin voran.
Himmelfahrt meint, lieber Luther, Erhöhung, heißt Aufnahme in den Himmel, heißt Wiedergeburt im Geist, heißt das Reich Gottes SEHEN. Erhöhung durch Jesus heißt, Gott positiv durch sein Wort festhalten, nicht negativ in der Sündenvergebung. Jesus erhöhen heißt sein Wort auf den Stecken stecken, nicht die sündige Schlange. Wenn ihr mir nachfolgt, überwindet ihr die Schlange und folgt mir in die Erhöhung. Das ist die Verheißung. Wer hinaufsteigt in die Erhöhung, ist auch herabgestiegen in die Niederungen. Wer als Menschenkind erhöht werden will, muss aus Gottes Geist und Wille geboren sein, und, wenn das Fleisch abgelegt wird, wieder in Gottes Geist neu geboren werden.
Lieber Luther, so hoffen und beten wir, dass auch wir einmal unseren ganz persönlichen Himmelfahrtstag haben, dass unser Himmelfahrtswagen von Jesus gezogen wird, dass auch wir in der Höhe ankommen. Egal ob wir uns das als Bollerwagen, Feuerwagen, Wolke oder sonstwie vorstellen: Es sind Bilder für das ansonsten Unbeschreibbare.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 10. Mai 2015

Vaterunser (10) - Gottes Demokratie

Lieber Luther,
ein benediktinischer Pater hat einmal vor ein paar Jahren ganz abfällig zu mir gesagt: Das ist nichts, das ist Gefasel, das ist Larifari, ganz als sei es der letzte Dreck. Die Rede war von einem Kernbestandteil des Vaterunsers:
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Amen.
Dieser abfällige Ton hat mich getroffen, so, dass ich es bis heute nicht vergessen habe. Ich habe aber nicht gegengehalten, es einfach so stehen lassen. So will ich heute nachholen, was ich damals versäumt habe.
Das Vaterunser beginnt mit der Bitte: Dein Reich komme, dein Himmelreich komme. Es endet mit: Denn dein ist das Reich, der Anerkenntnis, dass das Reich, um das wir eingangs bitten, auch Gottes Reich ist. Bitternötig. Unser Alltag wird vom Reich des Verführers regiert. Gottes Reich, wer mag dafür Werbung machen? Anscheinend noch nicht einmal jeder Benediktiner. Scheint ein bisschen altmodisch, vom "Reich" zu sprechen. Klingt ein bisschen anstößig, erinnert irgendwie an das Tausendjährige Reich, klingt nach Herrschaft, nach Unterordnung, nach Bedrückung. Der moderne Mensch ist mehr für Demokratie, für Mitsprache, für Mitentscheidung, dafür, dass wir abwählen können, was uns nicht passt. Jedenfalls in der Theorie. Gottes Reich wird gern als Despotie empfunden oder abgelehnt. Unter dieses Joch wollen wir uns nicht begeben. Soweit der neuzeitlich aufgeklärte Mensch. Doch sieht er bei aller Aufklärung auch klar? Gottes Reich ist ein Reich, das er wählen kann oder auch nicht. Gott, lässt uns die Wahl, er stellt sich zur Wahl.
Rückblende. Sein Volk hat Gott als ein brüderliches Volk geschaffen. Die Menschenhändel können Menschen mit weisen Richtern schlichten, das ist Menschensache, nicht Gottessache. Diesen göttlichen Gesellschaftsentwurf der Mitmenschlichkeit unter Brüdern hat der Mensch nicht angenommen. Er wollte einen König über sich gesetzt wissen, freiwillig schuf er ein Oben und Unten. Saul wurde zum ersten irdischen König in Gottes Volk, auch zum ersten König in Gottes Volk, der scheiterte. David rückte an seine Position, nach vielen Machtkämpfen. Mit der neu geschaffenen Position des Königs hielt der irdene Machtkampf Einzug in Gottes Volk, der Kampf um die Krone.
Das sind die Kategorien, in denen Mensch denkt. Macht, Herrschaft, deren Durchsetzung mit Waffengewalt, inklusive Definitionshoheit dessen, was zu Recht und Gesetz deklariert wird und von denen, die unter dieser Herrschaft stehen, unter Androhung von Strafe, anerkannt werden muss. So funktioniert menschliche Macht und Herrschaft in den verschiedenen menschlich geschaffenen Reichen. So hat Mensch dies von Gott herbeigebettelt und selbst ins Werk gesetzt. Gott, denkt Mensch, muss auch so funktionieren.
Kronen, die vom Kopf fallen können: Wer hätte gedacht, dass das prächtige Tyrus je fallen könnte (Jes 23, 8). Sage dem König und der Königin: Setzt euch herunter, den die Krone der Herrlichkeit ist euch von eurem Haupt gefallen (Jer 13, 18).
Die Krone der Herrlichkeit. Sie kann sichtbar sein oder auch nicht. Auch unsichtbare Kronen können vom Kopf fallen: Er hat meine Ehre mir ausgezogen und die Krone von meinem Haupt genommen (Hiob 19, 9). Hiob kennt das Davor und das Danach, welchen Unterschied es macht, sie auf dem Kopf zu haben oder nicht. Nur Demut führt zur Krone der Herrlichkeit.
David, der Geliebte, der Gottesknecht, begreift das (1.Chr 29, 11-16):
Gelobt seist du, HERR, Gott Israels, unseres Vaters, ewiglich. Dir, HERR, gebührt die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Dank. Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein. Dein, HERR, ist das Reich, und du bist erhöht über alles zum Obersten. Reichtum und Ehre ist vor dir; Du herrscht über alles; in deiner Hand steht Kraft und Macht; in deiner Hand steht es, jedermann groß und stark zu machen. Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen den Namen deiner Herrlichkeit. Was bin ich? Was ist mein Volk? Was vermögen wir aus uns selbst heraus?
Jesus war in diesem Gottverständnis gegründet. Deshalb bildet es den Rahmen des Vaterunsers: Denn dein ist das Reich, die Kraft, die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Ich, mein Vermögen, ist gering vor dir, Gott. Verglichen mit deiner Herrlichkeit bin ich nur ein Bettler. David, der Hirte, der zum König wurde, wurde nur zum auch von Gott gesalbten König, weil er Gott gegenüber demütig war, sich nicht von seinem weltlichen Reichtum und seiner weltlichen Macht korrumpieren ließ – bis auf einmal, als er seine Macht ausspielte, aus irdischem Begehren einen Mord beging, und dies dann auch bitter bezahlen musste. Jesus wurde zum alle überragenden von Gott gesalbten König, weil er sich nie von der Welt korrumpieren ließ, was immer sie ihm antun wollten, andichten wollen. So spricht der Herr HERR: Tue weg den Hut und hebe ab die Krone! Denn es wird weder Hut noch die Krone bleiben; sondern der sich erhöht hat, der soll erniedrigt werden, und der sich erniedrigt hat, soll erhöht werden (Hes 21, 31).
Gottes Reich ist ein Wortreich. Es besteht nicht aus Macht und Herrschaft wie menschliche Reiche. Und wenn wir Gottes Reich so denken, ist das die Projektion der Funktionsweise menschlicher Reiche auf Gott, auf das Himmelreich. Wenn wir Gott als einen Despoten denken, der seinen Willen mit aller physischen Gewalt und seiner Allmacht durchsetzen will, projizieren wir menschliche Herrschaftsformen in all ihrer Menschenverachtung auf Gott. Wir denken uns Gott bösartig, herrschsüchtig, selbstsüchtig. Wir haben nicht kapiert, dass – wie in vielen Vaterunser-Folgen dargelegt – das Göttliche nur im Menschen zum Durchbruch kommen kann. Gott lässt den menschlichen Willen gewähren, wie lange es auch dauern mag, den menschlichen Willen mit dem göttlichen in Einklang zu bringen, seine Schöpfung heim zu führen in sein gelobtes Land, in das Paradies, in sein Himmelreich.
Gottes Reich funktioniert nicht nach Gewalt und Herrschaft, es beruht auf Freiwilligkeit, freiwilliger Umkehr, freiwilliger Reue, auf Gewaltverzicht und Brüderlichkeit. Es ist das Gegenteil von Despotie, es beruht auf Langmütigkeit und ewiger Bereitschaft zur Verzeihung, auf Friede zwischen Mensch und Gott. Das ist der göttliche Entwurf seines Reiches, seines Friedensreiches. Seine Macht ist die Macht, warten zu können, bis der letzte, der umkehren will, zu ihm in innerem und äußerem Frieden umgekehrt ist. Er wartet, auf den der umkehren will. Wer nicht umkehren will, den lässt er, lässt ihm seinen Willen und lässt ihn dann, seiner Wahl folgend, auch im Tod sterben. Er lässt ihn in die Grube fallen, wie es sein expliziter Wille ist. Leben nach dem Tod ohne Gottes Atemhauch und ohne menschlichen Willen gibt es nicht.
Gott schuf die Menschen als göttliche Menschen, er gab ihnen seinen Atemhauch, so dass sie ihn als Gott in seiner Kraft und Herrlichkeit erkennen können. Er gab den Menschen einen eigenen Willen, den er sie leben lässt, auch wenn sie sich anstatt für das Leben, freiwillig für das Sterben entscheiden. Zwischen der Masse der Unverständigen findet er genug Verständige, durch die er sprechen kann und durch die er Menschen, die das wollen, zu ihm sammeln kann.
Jakob Israel steht für sein Volk an sich, dafür, dass es Erben gibt, Mose für deren Aufbruch und den langen Weg der Gott untreu seienden Erben zurück in das verheißene Land, ins Paradies, ins Himmelreich. David steht für dieses Reich. An ihm ist gezeigt, wie der Weg über die Weide zur Krone zu gewinnen ist. Jesus steht für Gottes Wort, unkorrumpierte Nachfolge und Demut, reine Sohnschaft, Jesus ist DER Gottessohn, DAS Gotteskind, derjenige, in dem sich Gott unverfälscht spiegelt, in dem er in Klarheit und Wahrheit spricht und handelt. Deshalb spricht Jesus von sich auch immer als "Menschensohn". Wie Jesus sieht ein Gotteskind als Mensch aus, Gott als reines wahres Ebenbild im Menschen. Uns zum Vorbild und zur Nachfolge, um auch uns zur reinen freiwilligen absoluten Kindschaft zu bringen, bis hin und durch die letzte Klärung hindurch, ob wir dem Willen Gottes folgen wollen oder nicht. Auch die letzte Klärung beruht auf dem freien Willen, auf der freien Entscheidung, ob man sich für Gott und das Leben, oder gegen Gott und den Tod entscheiden will. Es ist in den Willen des Menschen gelegt, Gott nachzufolgen. Gottes Wille zur Verzeihung und seine Freude über jeden Umkehrer ist bis zuletzt sicher. An was es mangelt, ist der menschliche Wille, am beidseitigem gleichgerichteten Willen.
Deshalb ist auch die Vorstellung, lieber Luther, Gott sitze auf einem Thron, völlig abwegig. In der Offenbarung und auch im Alten Testament ist immer nur vom "Stuhl" die Rede. Die Krone tragen andere: Und um den Stuhl waren vierundzwanzig Stühle, und auf den Stühlen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan, und hatten auf ihren Häuptern goldene Kronen (Offenb 4, 4). Es sind Kronen der Herrlichkeit Gottes, derjenigen, die sie gewonnen haben. Der Gott folgende Mensch ist die Krone Gottes. Die Krone gewinnen heißt, eins mit dem göttlichen Willen zu werden, ganz in Gott aufzugehen: Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HERRN und ein königlicher Hut in der Hand deines Gottes (Jes 62, 3). Du wirst zur Zier für Gott: Schaut her, mit diesem Menschen kann ich mich schmücken, er ist eine Zier in meinem Himmelreich. Die Krone gewinnen heißt, Anteil am Reich Gottes zu haben.
Wir beten, lieber Luther, dein Reich komme, dein Wille geschehe, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, damit Gottes Wille zu unserem Willen werde, damit Gottes Reich auf Erden werden kann, damit wir Anteil an Gottes Reich und Herrlichkeit in Ewigkeit gewinnen. Allein darum geht es Gott, und damit Jesus, und damit sollte es auch uns alleine darum gehen. Das Vaterunser ist die Bitte, trägt die Hoffnung, auch wir mögen in diese göttliche Reinheit und Wahrheit eines Morgens finden, und sei es in der Ewigkeit. Amen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 26. April 2015

Vaterunser (8) - Versuchungen

Lieber Luther,
… und führe uns nicht in Versuchung. Wie oft habe ich schon gehört, Jesus versucht nicht, das wollen wir von unserem guten Jesus nicht hören und nicht sehen. Er will nur das Beste von uns. Stimmt. Deshalb steht es auch im Vaterunser:
Und führe uns nicht in Versuchung.
Korrekt übersetzt heißt es: Und führe uns nicht in die Prüfung. Was meint das?
Das Vaterunser fasst unsere Beziehung zu Gott, deren Anfang und Ende zusammen. Mit dem Anfang, mit adama, habe ich mich schon ausführlich auseinandergesetzt. Was aber mit dem Ende? Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte. Vom Ersten kommen wir, zum Letzten streben wir:
Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der die Tür öffnet und schließt: Ich kenne deine Werke. Ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand schließen kann. Du hast eine kleine Kraft und in dieser mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet. Weil du das WORT bewahrt hast, in ihm ausgeharrt hast, werde auch ich dich vor der Prüfung bewahren, die über mein ganzes Volk kommen wird, wenn die Zeit da sein wird, um all diejenigen zu prüfen, die sich bei mir eingemietet haben. Bewahre die Treue zu mir, die du hast, damit dir niemand deinen Sieg über das Böse nehme. Wer die Versuchung überwindet, den werde ich im Hause meines Gottes zu einer Säule machen und er wird nie mehr hinausgehen. Wer ein Ohr hat, der höre (Offenb 3, 7-13).
Diese Bibelstelle entschlüsselt, was mit "und führe uns nicht in Versuchung" gemeint ist. Wenn wir beten, "und führe uns nicht in Versuchung", ist es eine Bitte, dass wir zu denen gehören, denen die Tür (zum Schafstall) geöffnet ist, dass wir zu denen gehören, an denen Gottes Prüfung vorbeigeht. Wie das geht, hat Jesus gezeigt, als er in der Wüste die Prüfung bestand. Sein ganzes Leben und auch sein grausames Sterben war eine einzige Prüfung, uns zur Anschauung, damit wir auch eine Chance haben, unsere eigene Prüfung zu bestehen. Er gibt uns Nachhilfeunterricht, in dem er als Paradebeispiel der Selbstprüfung vorangeht.
Das, was unter "Versuchung" gemeint ist, ist die versuchte Verführung durch uns selbst, die eigenen Götter, die wir über Gottes Wort stellen, unseren bösen Ego-Geister in uns, die allgegenwärtig sind und dauernd gehört werden wollen. Gemeint ist die Prüfung, wie weit wir ihnen widerstehen können, auch unter schlechten Bedingungen und in Nöten, auch wenn sie Quälgeister sind.
Die Geschichte von Hiob ist ein weiteres Anschauungsbeispiel, an dem wir lernen können. Hiob ist der ganzen Welt der Versuchungen ausgesetzt. Aber er bewahrt durch alle Versuchungen, durch allen Hader hindurch, Gottes Wort, bis er durch die Versuchung des eigenen Elendes hindurch, zur Demut gefunden hat. Er stellt sich der Auseinandersetzung seines Inneren mit Gott. Er spürt, dass das Böse in ihm die Oberhand gewinnen will. Das eigene Elend ist unser größter Versucher. Das Wieso Gott? Das: Wenn du nicht so willst wie ich, will ich dich nicht. Genau da entscheidet sich, ob wir auf Gott beharren, auch wenn das Leben sich wie Ausharren anfühlt.
Der Satan beschreibt in der Hiobsgeschichte die Verführung: Haut für Haut, und alles, was ein Mensch hat, lässt er für sein Leben (Hiob 2, 4). Genau das ist die Nagelprobe, um die es geht: Nicht das verführte, irdische, fleischlich-menschlich getriebene Leben, das in den Tod führt, zu leben, sondern das wahre, Gottes Wort getriebene, nicht menschlich fehlgeleitete Leben. Die Versuchung ist, im Leben das vermeintliche Leben über den Tod zu stellen und sich dadurch vom wahren Leben zu trennen und den Tod einzuhandeln. Die Verführung ist, dem inneren Verführer des Augenblickes nachzugeben, einen falschen Wechsel auf die Zukunft einzugehen.
Der Satan ist in uns, ist unser verführter Blick auf die Dinge. Deshalb herrscht Jesus Petrus an: Gehe hinter mich, DU SATAN. Das hat Jesus nicht nur so dahin gesagt, das hat er so gemeint. DU Petrus, DU Mensch, DU SATAN. Du meinst nicht, was göttlich ist, sondern was menschlich ist. Du denkst, mein Fleisch ist mein Leben und willst mich dazu verführen, dass ich genauso denke und handle, dass ich jetzt, wo es um meine Haut geht, von Gott abrücke, um mein menschliches Fell zu retten. Du willst mich Gott veruntreuen. DU SATAN (Mt 16, 23). Nicht nur Petrus, wir alle sind angesprochen und aufgefordert: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst.
Uns zur Anschauung und zur Lehre treibt Jesus auch böse Geister offenbar aus. Er setzt damit ein sichtbares Zeichen für uns: Die bösen Geister sind in euch, aber ihr könnt sie loswerden, ich habe die Macht, sie auszutreiben, das Wort ist die Macht, die sie austreibt (Mk 3, 22-28). Das Böse bekämpft das Böse nicht, man muss es selbst bekämpfen, an die Kette legen. Selbstdisziplin ist gefragt, nicht Selbstgefälligkeit. Man kann diese Selbstverantwortung nicht auf Gott abwälzen. Wenn wir den Stein von unserem Grab gewälzt sehen wollen, müssen auch wir den Treuebund halten, das heißt, wir müssen einen Beitrag leisten. Er wälzt sich nicht wie aus Zauberhand selbst weg. Gott ist kein Zauberer. Er hat den Menschen nicht nur als Empfänger seiner Wohltaten geschaffen. Auch wenn es gern so gepredigt wird und so bequem ist, es steht so nicht in der Bibel. Die Verantwortung für einen Selbst auf Gott abzuschieben, eigene Verantwortungslosigkeit führt in dem Fall zur Verantwortungslosigkeit anderen gegenüber.
Lieber Luther: Weil DU das WORT BEWAHRT hast. Nur dieser Weg erspart uns den Weg durch die Abschluss-Prüfung. Und wenn wir beten, führe uns nicht in Versuchung, heißt das: HERR, lass mich stark sein, damit ich dem inneren Versucher widerstehen kann. Der Versuchung und der Verführung ist der Mensch von Anfang an und immer ausgesetzt. Sie ist dem Menschen immanent, da er eben mit einem eigenen Willen ausgestattet ist. Dieser verführt ihn, sich zu wichtig und Gott für zu unwichtig zu halten.
Aber, lieber Luther, auch das ist in der Offenbarung nachzulesen: Es ist ein Treuepakt. Wenn wir wie Hiob durch das Böse in uns hindurchgehen, ohne Gott untreu zu werden, ist Gott auch uns treu. Wenn wir sein Wort bewahren und in uns tragen, auch in unserer Dunkelheit, trägt auch er uns durch unsere Dunkelheit, steht zu seinem Bund und seinem Wort zu uns. Nicht untreu zu werden, nicht abzufallen, ihn zu bewahren, ohne Wenn und Aber, das ist die Prüfung. Auch der Verführung nicht zu verfallen, Jesus hätte durch seinen Tod alles für uns gerichtet, uns von jeder Verpflichtung freigesprochen, ist eine Prüfung. Die Prüfung anzunehmen und nicht wegzulaufen vor lauter Prüfungsangst, ist eine Prüfung. Nicht Gott in die Schuhe zu schieben – "du (böser) Gott, führe mich ja nicht in Versuchung" – man sieht den erhobenen Zeigefinger förmlich, ist eine Prüfung. Anzunehmen, dass wir uns selbst prüfen müssen, um zu lernen, um zu wachsen, damit wir erfahren, was verheißen ist: Ich werde dich vor der Endprüfung bewahren.
Der Mensch ist Gott gegenüber gern ein fauler Arbeiter. Manche stecken den Kopf in den Sand, bereiten sich nicht vor oder treten nicht einmal zur Prüfung an. Wer sich nicht freiwillig selbst der Prüfung stellt, hat keine Chance, sich zu verbessern. Unvorbereitet steht man dann vor dem göttlichen Prüfstand. Da hilft auch nicht, noch so oft: Und führe mich nicht in Versuchung, zu beten. Vorbereitung, Tat, Handeln ist anempfohlen, damit wir nicht Nachsitzen müssen und am Ende nicht durch die Prüfung fallen. Dafür hat Jesus unermüdlich geworben. Faulheit vor Gott hat er nicht gekannt.
So beten wir, lieber Luther:
HERR, lass mich nicht davonschleichen, weil ich es gern bequem habe.
HERR, mach mich stark, wappne mich gegen alle Versuche, mich von Dir abzubringen.
HERR, lass mich den Weg durch Deine offene Tür wählen, auch wenn er durchs Dunkel führt.
Amen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Mittwoch, 8. April 2015

Vaterunser (2) - Dein Wille geschehe

Lieber Luther,
um den Faden von gestern wieder aufzunehmen. Ich bin auf der Spur nach Jesu Lehre, so wie er sie gelehrt hat, nicht so wie sie uminterpretiert wurde und wir das einfach nachplappern. In den Evangelien und der Alten Schrift ist genug übermittelt, um sich seine Lehre und seine Wurzeln selbst zu erschließen. Die herrschende Lehre geht in vielen Teilen paulusgeleitet fehl, ist jedenfalls nicht Jesu Lehre, auch heute wird sich das wieder zeigen.
Gestern habe ich angefangen, das Vaterunser nach seinem Bedeutungsgehalt aufzuschließen:Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme. Heute:

Dein Wille geschehe. Das ist ein sehr schwerer Teil für uns Menschen, denn was hier eingefordert ist, ist Demut, nicht gerade die Stärke der meisten Menschen. Was Jesus von anderen unterscheidet, ist seine 100prozentige Demut. Er hat sich vollkommen in den Willen Gottes gestellt. Allein sein Wille zählt: Und sollte niemand Vater heißen auf Erden, denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist (Mt 23, 9). Es ist das völlige Aufgehen im Willen des Vaters.
Deshalb sagt er auch: Wer Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben (Mt 15, 4). Wer Gott, den einen Vater, den es für ihn gibt, flucht, lebt nicht, sondern ist tot. Auch wenn er noch lebt, hat er sein ewiges Leben verspielt. Das ist die einzige unverzeihliche Todsünde, die es für Jesus gibt: Alle Sünde und Lästerung wird euch vergeben, auch die gegen mich, aber die Lästerung wider den Geist wird den Menschen nicht vergeben (Mt 12, 31).
Was es heißt, seinen eigenen Willen zurückzustellen, hat Jesus am eigenen Leib erlitten. In höchster Todesangst angesichts seiner Verfolger sagt er: Nicht wie ich will, sondern wie du willst, Vater (Mt 26, 39). Als Petrus bei Jesu Verhaftung das Schwert zückt und zur Gegenwehr schreitet, sagt Jesus zu ihm (Joh 18, 11): Soll ich den Wein (im Kelch) nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Psalm 23: Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein. Der barmherzige Samariter gießt Öl und Wein in die Wunde dessen, der unter die Räuber gefallen ist (Lk 10, 34). Wein ist die Frucht aus Gottes Weinberg, Wein kommt aus der Kelter. Mit Wein ist der reine wahrhaftige Geist Gottes symbolisiert.
Wenn Jesus sagt, er will den Kelch trinken, anerkennt er, dass Gott den Menschen ihren Willen lässt, er nicht als Deus ex Machina korrigierend eingreift, wenn der Mensch abfällt und Abwege geht. Gott lässt den Menschen auch Irrwege gehen. Jesus schwitzt Blut und Wasser angesichts der Abwege der Menschen, aber, er respektiert den Willen Gottes, dem Menschen seinen Willen zu lassen. Es ist für ihn unendlich schwierig, angesichts seiner bedrohten Situation, die Schwachheit des Menschen so zu akzeptieren, wie Gott sie akzeptiert. Das ist die eigentliche Herausforderung für Jesus. Das Wahrhaftige zu erkennen, und das Finstere zuzulassen. Dieser Kampf, dieser Zwiespalt, lässt ihn Blut und Wasser schwitzen (Luk 22, 44). Ihr sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist (Mt 5, 48). Das ist sein Anspruch an die Vollkommenheit vor Gott. Das Finstere im Angesicht des Lichts zuzulassen, zerreißt ihn fasst. Aber, Jesus ist 100% Demut vor dem Vater, er ordnet sich dem väterlichen Willen ohne Wenn und Aber unter: Nicht wie ich, sondern wie du willst.
Jesus kommt keine Sekunde auf die Idee, sich zu widersetzen, sich zu retten, indem er das Feld räumt, seine Predigertätigkeit einstellt und flieht. Ganz im Gegenteil. Er sagt: Ich beuge mich eurem Willen nicht, ich lasse mich nicht einschüchtern von euch, ich tue den Willen meines Vaters, sein Wort zu den Menschen zu bringen. Ich gehe hinauf nach Jerusalem, in die Höhle des reißenden Löwen, ich gehe in die unheilige Stadt, um das wahre Wort dorthin zu bringen, das wahre Wort muss dort gehört werden, damit Babel fällt, ob sie es hören wollen oder nicht. Ich bringe Gott zum Sprechen, auch wenn ihr mich zum Schweigen bringen wollt.
Das heißt, Jesus sieht zwar die Konsequenzen für seine physische Person, aber darauf, wie auf alles Leibliche, nimmt er keinerlei Rücksicht, auch, wenn es seinen physischen Tod bedeutet. Wenngleich er die Schmerzen, wie jeder Mensch fürchtet, weiß er, dass das nicht sein Ende ist. Gott macht Jesus nicht willentlich zum Sündopfer, er hält seinen Bund gegenüber den Menschen, auch wenn sie seine Stimme zum Schweigen bringen wollen. Jesus weiß, dass sie dies nicht wirklich können. Gott lässt sich von einem Menschen nicht zum Schweigen bringen. Er lässt ihnen zwar ihren Willen, er zwingt seinen Willen nicht auf. Seinem Willen zu folgen, beruht auf reiner Freiwilligkeit. Aber er gibt seinen Willen, die Menschen unter dem Wort zu sammeln, nicht auf. Sie können seine Stimme, Jesus, nicht wirklich töten, sie mussten das nach seinem Tod erfahren. Seine Stimme wurde und wird auch nach seinem Tod gehört. Mehr als vorher. Gott lässt sich nicht zum Schweigen bringen.
Wenn gelehrt wird, Gott, der Vater, habe Jesus, den Sohn, absichtlich sterben lassen, weil er ihn, wie in alter mosaischer Tradition die Schlachtopfer, den menschlichen Sünden geopfert hat, ist das in Jesu Ohren Gotteslästerung und damit eine Todsünde. Die einzige Todsünde, die es für ihn gibt. Diese Lehre findet auch in der Alten Schrift keinerlei Grundlage. Auch von Abraham hat Gott den Kindsmord nicht abverlangt. Er wollte Abraham prüfen, ob er in allem Gottes Willen tut. Abraham hat die Prüfung bestanden, wie auch Jesus. Jesus hat in allem 100% Gottes Willen getan.
Menschenopfer passen nicht in Gottes und Jesu Weltbild, das haben schon die Propheten erkannt: Sie verbrennen (oder kreuzigen) ihre Söhne und Töchter, davon ich ihnen nichts befohlen habe. Es ist mir nie in den Sinn gekommen, dass sie solche Greuel tun sollten, und meine Kinder damit zur Sünde verleiten (Jer 32, 35). Das ist eine Verdrehung von Gottes Willen. Der göttliche Wille wird dem menschlichen Willen unterstellt, um sich mit wenig Aufwand – den erbringt ja für den Sünder ein Tier oder das Menschenopfer, in dem Fall Jesus mit seinem Opfertod - auf die Sonnenseite zu stellen. Jesus trägt für uns die Last. So einfach entledigt man sich seiner Missetaten, denkt man. Und vor lauter Dankbarkeit wird hin und wieder halbherzig gefastet und an Karfreitag eine Trauermine aufgesetzt, wenn überhaupt. Ein abstruses Konstrukt. Ein Rückschritt in das Heidentum, wie bei Jeremia nachzulesen (Jer 32, 33): Und obwohl ich sie lehrte, haben sie in das Haus, über dem sie meinen Namen ausrufen, ihre Irrlehren gesetzt. Das würde Jesus mit Sicherheit sagen, angesichts seiner Rolle, die ihm nach seinem Tod in der Sündentheologie antheologisiert wurde und wird.
Dein Wille geschehe heißt also: Den Willen Gottes geschehen zu lassen, auch den Willen, den Menschen ihren Willen zu lassen. Wie oft hört man die Klage: Wie kann Gott das zulassen? Es muss heißen: Wie kann Mensch das zulassen? Es ist eine Absage, Gott etwas zuzuschreiben, was nicht Gottes ist, sondern abgrundtief menschlich. Missetaten gehören nicht zum Göttlichen, sie gehören in den Machtbereich des Finsteren. Sie dem göttlichen Willen zu unterstellen, ist Jesu Lehre entgegengesetzt. Es würde ihn empören. Die Duldung und Geduld Gottes mit dem Finsteren im Menschen samt ihrer unmenschlichen Auswüchse zu akzeptieren, erfordert Demut, ist Demut vor Gott, dagegen Gottes wahrhaftiges Wort zu stellen, ist Nachfolge.
Wie erkenne ich den göttlichen wahren Willen? Eine Antwort hat Jesus schon Pilatus gegeben: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme (Joh 18, 37).
Philippus bittet Jesus, ihm den Vater zu zeigen. Jesus sagt: Wer mich sieht, der sieht den Vater. Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnt, der tut die Werke. Glaubt mir, dass ich im Vater und der Vater in mir ist; und wo ihr die Worte nicht glaubt, glaubt mir wenigstens um der Werke willen. WAHRlich, WAHRlich ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere tun; denn ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht (oder geheiligt) wird (Joh 14, 9-14).
In Gespräch mit der Samariterin, einer Ungläubigen in damaligem Verständnis, geht es auch um das Beten. Jesus sagt: Ihr betet an was ihr nicht kennt. Wir wissen was wir anbeten. Anbeten tut man weder in Jerusalem, noch auf einem anderen irdischen Ort, denn die Rettung kommt nicht von Äußerlichkeiten. Wer das Wasser (= Wort) trinkt, das ich ihm gebe, der wird ewig nicht mehr dürsten, denn das Wasser, das ich ihm gebe wird IN IHM ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. Es kommt die Zeit und ist schon da, da werden die WAHRHAFTIGEN Anbeter den Vater im GEIST anbeten und in der WAHRHEIT. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der WAHRHEIT anbeten (Joh 4, 13-24). Oder, wie es in der Offenbarung steht: Ich will geben den Durstigen vom den Brunnen des lebendigen Wassers umsonst (Offb 21, 6). Das Wort kostet nichts, ist frei zugänglich.
Das heißt also, lieber Luther, um zusammenzufassen: Wer zu Gott wahrhaft betet, unterwirft sich völlig dem göttlichen Willen, auch wenn es in den Konflikt mit menschlichem Willen führt, bis zum Einsatz des physischen Lebens. Jesus hat das in dieser Radikalität und Konsequenz vorgelebt. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme, sagt Jesus, der hört Gott, der ist in Gott und Gott in ihm, der hört und versteht Gottes Willen, weil Gott in ihm spricht und wirkt. Es heißt auch im Umkehrschluss: Wer Jesus nicht hört, ist nicht in Gott und nicht in der Wahrheit. Ein selbstgebastelter Gott, mit oder ohne Jesus, oder Rosinenpicken hat da keinen Platz. Auch diese Botschaft Jesu ist eindeutig.
Lieber Luther, man muss alles verlassen, um Gott zu finden. Das lehrt Jesus. Die Sündentheologie lehrt vereinfacht: Ich bin ein armer Sünder, Jesus ist für mich gestorben und hat für meine Sünden gebüßt und deshalb komme ich doch in den Himmel. Asche auf mein Haupt. Mit Jesu Lehre hat das rein nichts zu tun. Jesus geht nicht für uns den Weg zu Gott, den müssen wir selbst gehen. Er ruft uns zur Nachfolge seines Weges, willentlich den Willen Gottes zu tun. Das ist das Besondere an Jesus: Er ist 100% Demut, er ist 100% Wille Gottes, in ihm spricht zu 100% Gott, in ihm spiegelt sich Gott zu 100%, er ist zu 100% Gottes Sohn, zu 100% sein Ebenbild. Jesus ist 100% Mensch gewordener Gott. Uns Gott zu zeigen, dazu ist er in die Welt gekommen, uns den Weg zu ihm zu weisen.
Herzliche Grüße
Deborrah
PS: Nur ein Satz aus dem Vaterunser geschafft heute: Dein Wille geschehe. Es ist für den Menschen der schwierigste Teil. Morgen: Wie im Himmel, so auf Erden.

Sonntag, 5. April 2015

Ackermann

Lieber Luther,
was hat sich kurz vor der Verhaftung Jesu abgespielt, was an seinem Todestag und was danach? Ein großes Rätsel? Oder ist es nachträglich zum Rätsel gemacht worden? Aus diversen (Macht-) Interessen heraus? Spielt bei der ganzen Diskussion überhaupt Jesus noch eine Rolle? Wird auch nur ein Versuch gemacht, das Geschehene aus seinem Lebenswerk und –wirken heraus zu erklären? Jesus wird zum Sündenopfer für uns alle erklärt, uns mit seinem Tod von aller Sünde befreiend. Stimmt das? Ist das aus Jesu Wort wirklich zu entnehmen oder ist das hineingepredigt worden? Dazu gibt es so viel zu sagen, dass sicher nicht alles in einen Brief passt. Fangen wir also mit Teil 1 an: Was ist verheißen?
Bei Sacharja (Sach 13, 1-9) steht es am kompaktesten. Er braucht nur 9 Verse dazu. Die Übersetzungen sind, gelinde gesagt, wieder einmal schwierig bis völlig irreführend. Ich verzichte heute auf Details, weil es mir auf Sacharjas Botschaft ankommt. Die Elberfelder übersetzt scheinbar völlig zusammenhang-entleert oder man könnte auch sagen unverständig. Sie trennt sogar das "Wach auf, Schwert" in einen gesonderten Abschnitt als "Schwertlied" ab und trennt damit, was unabdingbar zusammengehört. Du, lieber Luther, machst nicht einmal einen Absatz und liegst damit, wie meistens, wieder einmal richtiger als andere. Was steht also bei Sacharja, wenn man den Übersetzungsnebel lichtet?
Zu jenem Tag wird für das Haus David und die Bewohner von Jerusalem ein frei zugänglicher Brunnen geöffnet sein, dessen Heilwasser gegen absichtliche Verfehlungen und das sich Ausscheiden vom (ewigen) Leben hilft. Der Brunnen wird aber sagen müssen: Ich bin kein Prophet, sondern ein Ackermann; denn ich habe Menschen gedient von Jugend auf. So man aber sagen wird zu ihm: Was sind das für Wunden in deinen Händen? wird er sagen: So bin ich geschlagen im Hause meiner Geliebten.
Schwert, mache dich auf über meinen Hirten und über den Mann, der mir der Nächste ist! spricht der HERR Zebaoth. Schlage den Hirten, so wird die Herde sich zerstreuen, so will ich meine Hände kehren zu den Kleinen. Der dritte Teil wird übrigbleiben. Den werde ich durchs Feuer führen und läutern, wie man Silber läutert, und prüfen, wie man Gold prüft. Dieser wird dann meinen Namen anrufen, und ich will sie erhören. Ich will sagen: Es ist mein Volk; und sie werden sagen HERR, mein Gott!
Für das Haus David und die Bewohner Jerusalems wird ein freier Zugang zu einer Quelle geöffnet sein. Was ist damit gemeint? David heißt: Geliebter, Verbinder, Vereiniger. Jerusalem heißt: Besitztum, Erbteil des Friedens, des Ganzen, des Heilen, des Unversehrten. Wenn vom Haus David die Rede ist, ist der Ort gemeint, an dem Gottes Geliebte wohnen, wenn von Jerusalem die Rede ist, ist Gottes Erbteil des Friedens gemeint, der Ort des Heilen und Unversehrten, die Stadt Davids, die Heilige Stätte, der Zufluchtsort für die Geliebten Gottes. Für die Bewohner dieses Ortes, für die Geliebten Gottes, wird sich eine Quelle öffnen. Was ist nun über diese Quelle gesagt:
Das Wasser, das aus der Quelle fließt, hilft das Ziel – Gottes Wohnung – nicht zu verfehlen, sie hilft, dass Mensch sich nicht selbst abscheidet vom Leben, vom ewigen Leben in beiderlei Leben. Der Brunnen, aus dem die Quelle fließt, ist Jesus. Es ist eine Quelle, die frei zugänglich ist für jeden. Das Wasser, das er schöpft, ist Gottes Wort. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte, spricht Gott der HERR. Ich will den Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Selig sind, die seine Gebote halten, auf dass sie Macht haben an dem Holz des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt (Offb 21, 6; 8; 22, 13-14). Der Born, der Lebensquell, das Wasser, das Holz des Lebens, das die Geliebten Gottes nährt, seine Wohnstätte, ist das Wort: Und sie werden sagen: HERR, mein Gott!
Jedoch: Es ist viel falsches Volk unterwegs, falsche Predigerfalsche Propheten. Sie verkünden nicht, was aus der Quelle kommt, sie führen das Volk in die Irre. Derjenige aber, der aus dem Brunnen schöpft, der das Wort verkündet, ist kein Prophet, sondern ein Ackermann, ein einfacher Mann aus dem Volk, keiner, der hofiert wird. Jesus war ein Ackermann, keinSchriftgelehrter, kein Studierter. Einer, der das Wort gearbeitet hat. Viele Gleichnisse hat er erzählt, wie man seinen Acker richtig bestellt, vom Saatgut, vom Weizen, der Spreu, der Tenne, vom Weingarten, von den Arbeitern im Weingarten, er hat erzählt wie man auf Gottes Acker, in seinem Weinberg, sät und erntet.
Er wird sagen: Ich habe den Menschen gedient mein Leben lang. Er hat gepredigt, er hat disputiert, er hat sich gegen falsche Lehren aufgelehnt, er hat geheilt, er hat Brot und Fischverteilt, er hat gelehrt. Von Gott zu erzählen, von Gott zu zeugen, Gott den Menschen näher zu bringen, für Gott einzustehen – auch unter Einsatz seines Lebens – war sein Leben. Er war kein Prophet, er WAR, IST und WIRD Arbeiter in Gottes Acker sein: Und auf der Wolke saß einer, der gleich war eines Menschen Sohn; der hatte eine goldene Krone auf seinem Haupt und in seiner Hand eine scharfe Sichel. Und der Engel schrie mit großer Stimme: Schlag an mit deiner Sichel und ernte, denn die Zeit zu ernten ist gekommen, … und die Erde ward geerntet (Offb 14, 14-20): Ackermann.
Und was haben sie mit ihm gemacht? Sie haben ihn geschlagen, ans Kreuz geschlagen. Die Wunden an seinen Händen zeugen davon. Er wird sagen: So bin ich geschlagen im Haus meiner Geliebten, in der Stadt Davids, in meinem Erbteil, in Jerusalem. Sie haben den Ort des Friedens geschändet. Da, wo sie meinen, sei mein Heiliger Ort, ist mein Heiliger Ort nicht. Nun ist es offenbar. Gottes Heiliger Ort lässt sich von Menschen nicht verorten.
Sie haben den geschlagen, der mir am Nächsten ist, spricht Gott der HERR, deshalb: Schwert mache dich auf! Das Schwert steht für den Zorn Gottes über die Missetat an seinem Hirten und an dem Menschen-Mann, der ihnen als Menschen-Sohn das Wort brachte. Sein Volk wird zerstreut werden. Wenn man den Hirten schlägt, ist keiner mehr da, der die Schafe physisch hütet, keiner, der die verlorenen Schafe physisch bei der Hand nimmt, keiner, der die Hürdenrepariert, wenn sie Wind und Wetter ausgesetzt sind. Die Zäune brechen und die Schafe zersprengen sich in alle Himmelsrichtungen.
So will ich kehren meine Hand zu den Geringen, spricht Gott der HERR. "Geringe" ist übersetzt, du, lieber Luther, übersetzt gar "Kleine". Und was steht im Hebräischen – man staune: Zoar.Zoar war die Stadt, in die sich Lot geflüchtet hat! Und was ist uns damit gesagt: Die Heilige Stadt, Jerusalem, ist gefallen. Sie haben den Hirten geschlagen. Es ist zu Sodom geworden. Der Zorn Gottes wird über diese Stadt kommen wie über Sodom. Es wird nichts von dieser Stadt übrigbleiben. Aber: Es gibt einen Zufluchtsort, eine Rückzugsmöglichkeit für mein wahres Volk, für diejenigen, die ihr Wasser aus dem Brunnen des Lebens schöpfen. Wie Lot, werde ich ihnen den Weg zeigen, wenn sie auf das hören, was ich sage, wenn sie sich nicht umblicken, sondern von den Missetätern weggehen, werden sie leben. Über Sodom-Jerusalem und die Missetäter wird es aber Feuer regnen wie in Sodom: Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und GELIEBTEN Stadt. Und es fiel Feuer von Gott aus dem Himmel und verzehrte sie (Offb 20, 9).
Die Missetat liegt darin, den Hirten zu schlagen, anstatt aus seinem Mund das Wort entgegen zu nehmen. Missetäter sind nicht nur diejenigen, die dem Hirten die physischen Wunden beigebracht haben, die ihn physisch getötet haben. Missetäter sind alle, die nicht seinem Wort folgen. Das ist die Missetat, von dieser Missetat ist er geschlagen.
Das ist auch bei Jesaja gemeint (Jes 53, 2-12). Bei Jesaja steht sinngemäß das gleiche wie bei Sacharja. Jesaja spricht nicht vom Ackermann, aber genauso von dem den Menschen Dienenden, genauso vom Heiler, der das Heilwasser bringt: Fürwahr, er trug UNSERE Krankheit und lud auf sich UNSERE Schmerzen. Auch bei Jesaja ist er wie der Ackermann, ohne Macht und Ansehen, der Allergeringste und Verachtetste. Er gehört nicht zur Machtkaste, sondern zur Dienstklasse. Und dann kommt der Satz, der immer falsch interpretiert wird: Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsre Sünde willen zerschlagen. Auch bei Jesaja hat es die gleiche Bedeutung wie bei Sacharja: Er wurde und ist zerschlagen, weil wir unsere Treue zu Gott gebrochen haben und brechen, dieser bösen Tat willen. Die böse Tat ist aber, nicht dem Wort Gottes zu folgen.
Und dann kommt wieder eine Übersetzungssünde, Tendenzübersetzung könnte man auch sagen. Übersetzt ist: Die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, heißen tut es aber: die Erziehung, unsere Erziehung, lag auf ihm zu unserem Frieden! Genauso wie bei Sacharja: der Brunnen, aus dem das Wort kommt, Jesus, der uns mit dem Wort zu Gottes Frieden führen wollte und will. Nein, Gott wollte ihn nicht schlagen, die Menschen haben ihn geschlagen und schlagen ihn noch. Durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Er ließ sich schlagen und nicht mundtot machen, er hat uns das Heil, den Frieden Gottes verkündet, trotz aller Schläge, die wir ihm zufügten und zufügen. Uns ist Heilung geworden – aber nicht alle nehmen sie an, trinken sein Heilwasser, essen sein Wort.
Deshalb sagt Sacharja wie auch Jesaja im weiteren Verlauf: Es werden nicht viele sein, die übrigbleiben. Nur der dritte Teil, so Sacharja, wird sich in Gottes Wohnung flüchten. Gott der HERR wird sie durch die brennende Stadt, durch das Feuer, aus Sodom heraus führen, wird sie prüfen und rein machen. Lot hat er einen Engel geschickt, uns Jesus. Sie werden sagen: Der HERR ist mein Gott. Und ich werde sagen: Dieser dritte Teil ist mein Volk.
Lieber Luther, Jesus WAR, IST und WIRD Ackermann sein auf dem Acker Gottes, der Heiler, der das heilsame Wort bringt. Bei Sacharja und bei Jesaja ist es vorhergesagt. Wie vorhergesagt ist es gekommen, die Prophezeiungen sind wahr geworden. Jesus hat sich immer wieder auf die Propheten berufen, er wusste warum. So wie er das Wort schöpfte, so wurde auch in ihnen Gottes Wort geschöpft. Gott braucht Sprachrohre, um sich Gehör zu verschaffen. Jesus war nicht nur sein Sprachrohr, er war der Brunnen, der Quell, aus dem Gott sein Wort sprudeln ließ, seine Heilquelle, die Quelle, aus der Gott selbst sprudelte. Er hat sich in den Dienst des Wortes gestellt. Er war kein Lastesel für unsere Sünden. Unsere Missetaten dürfen wir selbst abarbeiten, entweder indem wir aus Jesu Heilbrunnen oder aus unseren eigenen vergifteten Brunnen trinken. Wir haben die Wahl. Alle Propheten sagen es und auch Jesus.
Herzliche Grüße
Deborrah