Lieber Luther

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Sonntag, 10. Mai 2015

Vaterunser (10) - Gottes Demokratie

Lieber Luther,
ein benediktinischer Pater hat einmal vor ein paar Jahren ganz abfällig zu mir gesagt: Das ist nichts, das ist Gefasel, das ist Larifari, ganz als sei es der letzte Dreck. Die Rede war von einem Kernbestandteil des Vaterunsers:
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Amen.
Dieser abfällige Ton hat mich getroffen, so, dass ich es bis heute nicht vergessen habe. Ich habe aber nicht gegengehalten, es einfach so stehen lassen. So will ich heute nachholen, was ich damals versäumt habe.
Das Vaterunser beginnt mit der Bitte: Dein Reich komme, dein Himmelreich komme. Es endet mit: Denn dein ist das Reich, der Anerkenntnis, dass das Reich, um das wir eingangs bitten, auch Gottes Reich ist. Bitternötig. Unser Alltag wird vom Reich des Verführers regiert. Gottes Reich, wer mag dafür Werbung machen? Anscheinend noch nicht einmal jeder Benediktiner. Scheint ein bisschen altmodisch, vom "Reich" zu sprechen. Klingt ein bisschen anstößig, erinnert irgendwie an das Tausendjährige Reich, klingt nach Herrschaft, nach Unterordnung, nach Bedrückung. Der moderne Mensch ist mehr für Demokratie, für Mitsprache, für Mitentscheidung, dafür, dass wir abwählen können, was uns nicht passt. Jedenfalls in der Theorie. Gottes Reich wird gern als Despotie empfunden oder abgelehnt. Unter dieses Joch wollen wir uns nicht begeben. Soweit der neuzeitlich aufgeklärte Mensch. Doch sieht er bei aller Aufklärung auch klar? Gottes Reich ist ein Reich, das er wählen kann oder auch nicht. Gott, lässt uns die Wahl, er stellt sich zur Wahl.
Rückblende. Sein Volk hat Gott als ein brüderliches Volk geschaffen. Die Menschenhändel können Menschen mit weisen Richtern schlichten, das ist Menschensache, nicht Gottessache. Diesen göttlichen Gesellschaftsentwurf der Mitmenschlichkeit unter Brüdern hat der Mensch nicht angenommen. Er wollte einen König über sich gesetzt wissen, freiwillig schuf er ein Oben und Unten. Saul wurde zum ersten irdischen König in Gottes Volk, auch zum ersten König in Gottes Volk, der scheiterte. David rückte an seine Position, nach vielen Machtkämpfen. Mit der neu geschaffenen Position des Königs hielt der irdene Machtkampf Einzug in Gottes Volk, der Kampf um die Krone.
Das sind die Kategorien, in denen Mensch denkt. Macht, Herrschaft, deren Durchsetzung mit Waffengewalt, inklusive Definitionshoheit dessen, was zu Recht und Gesetz deklariert wird und von denen, die unter dieser Herrschaft stehen, unter Androhung von Strafe, anerkannt werden muss. So funktioniert menschliche Macht und Herrschaft in den verschiedenen menschlich geschaffenen Reichen. So hat Mensch dies von Gott herbeigebettelt und selbst ins Werk gesetzt. Gott, denkt Mensch, muss auch so funktionieren.
Kronen, die vom Kopf fallen können: Wer hätte gedacht, dass das prächtige Tyrus je fallen könnte (Jes 23, 8). Sage dem König und der Königin: Setzt euch herunter, den die Krone der Herrlichkeit ist euch von eurem Haupt gefallen (Jer 13, 18).
Die Krone der Herrlichkeit. Sie kann sichtbar sein oder auch nicht. Auch unsichtbare Kronen können vom Kopf fallen: Er hat meine Ehre mir ausgezogen und die Krone von meinem Haupt genommen (Hiob 19, 9). Hiob kennt das Davor und das Danach, welchen Unterschied es macht, sie auf dem Kopf zu haben oder nicht. Nur Demut führt zur Krone der Herrlichkeit.
David, der Geliebte, der Gottesknecht, begreift das (1.Chr 29, 11-16):
Gelobt seist du, HERR, Gott Israels, unseres Vaters, ewiglich. Dir, HERR, gebührt die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Dank. Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein. Dein, HERR, ist das Reich, und du bist erhöht über alles zum Obersten. Reichtum und Ehre ist vor dir; Du herrscht über alles; in deiner Hand steht Kraft und Macht; in deiner Hand steht es, jedermann groß und stark zu machen. Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen den Namen deiner Herrlichkeit. Was bin ich? Was ist mein Volk? Was vermögen wir aus uns selbst heraus?
Jesus war in diesem Gottverständnis gegründet. Deshalb bildet es den Rahmen des Vaterunsers: Denn dein ist das Reich, die Kraft, die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Ich, mein Vermögen, ist gering vor dir, Gott. Verglichen mit deiner Herrlichkeit bin ich nur ein Bettler. David, der Hirte, der zum König wurde, wurde nur zum auch von Gott gesalbten König, weil er Gott gegenüber demütig war, sich nicht von seinem weltlichen Reichtum und seiner weltlichen Macht korrumpieren ließ – bis auf einmal, als er seine Macht ausspielte, aus irdischem Begehren einen Mord beging, und dies dann auch bitter bezahlen musste. Jesus wurde zum alle überragenden von Gott gesalbten König, weil er sich nie von der Welt korrumpieren ließ, was immer sie ihm antun wollten, andichten wollen. So spricht der Herr HERR: Tue weg den Hut und hebe ab die Krone! Denn es wird weder Hut noch die Krone bleiben; sondern der sich erhöht hat, der soll erniedrigt werden, und der sich erniedrigt hat, soll erhöht werden (Hes 21, 31).
Gottes Reich ist ein Wortreich. Es besteht nicht aus Macht und Herrschaft wie menschliche Reiche. Und wenn wir Gottes Reich so denken, ist das die Projektion der Funktionsweise menschlicher Reiche auf Gott, auf das Himmelreich. Wenn wir Gott als einen Despoten denken, der seinen Willen mit aller physischen Gewalt und seiner Allmacht durchsetzen will, projizieren wir menschliche Herrschaftsformen in all ihrer Menschenverachtung auf Gott. Wir denken uns Gott bösartig, herrschsüchtig, selbstsüchtig. Wir haben nicht kapiert, dass – wie in vielen Vaterunser-Folgen dargelegt – das Göttliche nur im Menschen zum Durchbruch kommen kann. Gott lässt den menschlichen Willen gewähren, wie lange es auch dauern mag, den menschlichen Willen mit dem göttlichen in Einklang zu bringen, seine Schöpfung heim zu führen in sein gelobtes Land, in das Paradies, in sein Himmelreich.
Gottes Reich funktioniert nicht nach Gewalt und Herrschaft, es beruht auf Freiwilligkeit, freiwilliger Umkehr, freiwilliger Reue, auf Gewaltverzicht und Brüderlichkeit. Es ist das Gegenteil von Despotie, es beruht auf Langmütigkeit und ewiger Bereitschaft zur Verzeihung, auf Friede zwischen Mensch und Gott. Das ist der göttliche Entwurf seines Reiches, seines Friedensreiches. Seine Macht ist die Macht, warten zu können, bis der letzte, der umkehren will, zu ihm in innerem und äußerem Frieden umgekehrt ist. Er wartet, auf den der umkehren will. Wer nicht umkehren will, den lässt er, lässt ihm seinen Willen und lässt ihn dann, seiner Wahl folgend, auch im Tod sterben. Er lässt ihn in die Grube fallen, wie es sein expliziter Wille ist. Leben nach dem Tod ohne Gottes Atemhauch und ohne menschlichen Willen gibt es nicht.
Gott schuf die Menschen als göttliche Menschen, er gab ihnen seinen Atemhauch, so dass sie ihn als Gott in seiner Kraft und Herrlichkeit erkennen können. Er gab den Menschen einen eigenen Willen, den er sie leben lässt, auch wenn sie sich anstatt für das Leben, freiwillig für das Sterben entscheiden. Zwischen der Masse der Unverständigen findet er genug Verständige, durch die er sprechen kann und durch die er Menschen, die das wollen, zu ihm sammeln kann.
Jakob Israel steht für sein Volk an sich, dafür, dass es Erben gibt, Mose für deren Aufbruch und den langen Weg der Gott untreu seienden Erben zurück in das verheißene Land, ins Paradies, ins Himmelreich. David steht für dieses Reich. An ihm ist gezeigt, wie der Weg über die Weide zur Krone zu gewinnen ist. Jesus steht für Gottes Wort, unkorrumpierte Nachfolge und Demut, reine Sohnschaft, Jesus ist DER Gottessohn, DAS Gotteskind, derjenige, in dem sich Gott unverfälscht spiegelt, in dem er in Klarheit und Wahrheit spricht und handelt. Deshalb spricht Jesus von sich auch immer als "Menschensohn". Wie Jesus sieht ein Gotteskind als Mensch aus, Gott als reines wahres Ebenbild im Menschen. Uns zum Vorbild und zur Nachfolge, um auch uns zur reinen freiwilligen absoluten Kindschaft zu bringen, bis hin und durch die letzte Klärung hindurch, ob wir dem Willen Gottes folgen wollen oder nicht. Auch die letzte Klärung beruht auf dem freien Willen, auf der freien Entscheidung, ob man sich für Gott und das Leben, oder gegen Gott und den Tod entscheiden will. Es ist in den Willen des Menschen gelegt, Gott nachzufolgen. Gottes Wille zur Verzeihung und seine Freude über jeden Umkehrer ist bis zuletzt sicher. An was es mangelt, ist der menschliche Wille, am beidseitigem gleichgerichteten Willen.
Deshalb ist auch die Vorstellung, lieber Luther, Gott sitze auf einem Thron, völlig abwegig. In der Offenbarung und auch im Alten Testament ist immer nur vom "Stuhl" die Rede. Die Krone tragen andere: Und um den Stuhl waren vierundzwanzig Stühle, und auf den Stühlen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan, und hatten auf ihren Häuptern goldene Kronen (Offenb 4, 4). Es sind Kronen der Herrlichkeit Gottes, derjenigen, die sie gewonnen haben. Der Gott folgende Mensch ist die Krone Gottes. Die Krone gewinnen heißt, eins mit dem göttlichen Willen zu werden, ganz in Gott aufzugehen: Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HERRN und ein königlicher Hut in der Hand deines Gottes (Jes 62, 3). Du wirst zur Zier für Gott: Schaut her, mit diesem Menschen kann ich mich schmücken, er ist eine Zier in meinem Himmelreich. Die Krone gewinnen heißt, Anteil am Reich Gottes zu haben.
Wir beten, lieber Luther, dein Reich komme, dein Wille geschehe, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, damit Gottes Wille zu unserem Willen werde, damit Gottes Reich auf Erden werden kann, damit wir Anteil an Gottes Reich und Herrlichkeit in Ewigkeit gewinnen. Allein darum geht es Gott, und damit Jesus, und damit sollte es auch uns alleine darum gehen. Das Vaterunser ist die Bitte, trägt die Hoffnung, auch wir mögen in diese göttliche Reinheit und Wahrheit eines Morgens finden, und sei es in der Ewigkeit. Amen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 26. April 2015

Vaterunser (8) - Versuchungen

Lieber Luther,
… und führe uns nicht in Versuchung. Wie oft habe ich schon gehört, Jesus versucht nicht, das wollen wir von unserem guten Jesus nicht hören und nicht sehen. Er will nur das Beste von uns. Stimmt. Deshalb steht es auch im Vaterunser:
Und führe uns nicht in Versuchung.
Korrekt übersetzt heißt es: Und führe uns nicht in die Prüfung. Was meint das?
Das Vaterunser fasst unsere Beziehung zu Gott, deren Anfang und Ende zusammen. Mit dem Anfang, mit adama, habe ich mich schon ausführlich auseinandergesetzt. Was aber mit dem Ende? Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte. Vom Ersten kommen wir, zum Letzten streben wir:
Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der die Tür öffnet und schließt: Ich kenne deine Werke. Ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand schließen kann. Du hast eine kleine Kraft und in dieser mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet. Weil du das WORT bewahrt hast, in ihm ausgeharrt hast, werde auch ich dich vor der Prüfung bewahren, die über mein ganzes Volk kommen wird, wenn die Zeit da sein wird, um all diejenigen zu prüfen, die sich bei mir eingemietet haben. Bewahre die Treue zu mir, die du hast, damit dir niemand deinen Sieg über das Böse nehme. Wer die Versuchung überwindet, den werde ich im Hause meines Gottes zu einer Säule machen und er wird nie mehr hinausgehen. Wer ein Ohr hat, der höre (Offenb 3, 7-13).
Diese Bibelstelle entschlüsselt, was mit "und führe uns nicht in Versuchung" gemeint ist. Wenn wir beten, "und führe uns nicht in Versuchung", ist es eine Bitte, dass wir zu denen gehören, denen die Tür (zum Schafstall) geöffnet ist, dass wir zu denen gehören, an denen Gottes Prüfung vorbeigeht. Wie das geht, hat Jesus gezeigt, als er in der Wüste die Prüfung bestand. Sein ganzes Leben und auch sein grausames Sterben war eine einzige Prüfung, uns zur Anschauung, damit wir auch eine Chance haben, unsere eigene Prüfung zu bestehen. Er gibt uns Nachhilfeunterricht, in dem er als Paradebeispiel der Selbstprüfung vorangeht.
Das, was unter "Versuchung" gemeint ist, ist die versuchte Verführung durch uns selbst, die eigenen Götter, die wir über Gottes Wort stellen, unseren bösen Ego-Geister in uns, die allgegenwärtig sind und dauernd gehört werden wollen. Gemeint ist die Prüfung, wie weit wir ihnen widerstehen können, auch unter schlechten Bedingungen und in Nöten, auch wenn sie Quälgeister sind.
Die Geschichte von Hiob ist ein weiteres Anschauungsbeispiel, an dem wir lernen können. Hiob ist der ganzen Welt der Versuchungen ausgesetzt. Aber er bewahrt durch alle Versuchungen, durch allen Hader hindurch, Gottes Wort, bis er durch die Versuchung des eigenen Elendes hindurch, zur Demut gefunden hat. Er stellt sich der Auseinandersetzung seines Inneren mit Gott. Er spürt, dass das Böse in ihm die Oberhand gewinnen will. Das eigene Elend ist unser größter Versucher. Das Wieso Gott? Das: Wenn du nicht so willst wie ich, will ich dich nicht. Genau da entscheidet sich, ob wir auf Gott beharren, auch wenn das Leben sich wie Ausharren anfühlt.
Der Satan beschreibt in der Hiobsgeschichte die Verführung: Haut für Haut, und alles, was ein Mensch hat, lässt er für sein Leben (Hiob 2, 4). Genau das ist die Nagelprobe, um die es geht: Nicht das verführte, irdische, fleischlich-menschlich getriebene Leben, das in den Tod führt, zu leben, sondern das wahre, Gottes Wort getriebene, nicht menschlich fehlgeleitete Leben. Die Versuchung ist, im Leben das vermeintliche Leben über den Tod zu stellen und sich dadurch vom wahren Leben zu trennen und den Tod einzuhandeln. Die Verführung ist, dem inneren Verführer des Augenblickes nachzugeben, einen falschen Wechsel auf die Zukunft einzugehen.
Der Satan ist in uns, ist unser verführter Blick auf die Dinge. Deshalb herrscht Jesus Petrus an: Gehe hinter mich, DU SATAN. Das hat Jesus nicht nur so dahin gesagt, das hat er so gemeint. DU Petrus, DU Mensch, DU SATAN. Du meinst nicht, was göttlich ist, sondern was menschlich ist. Du denkst, mein Fleisch ist mein Leben und willst mich dazu verführen, dass ich genauso denke und handle, dass ich jetzt, wo es um meine Haut geht, von Gott abrücke, um mein menschliches Fell zu retten. Du willst mich Gott veruntreuen. DU SATAN (Mt 16, 23). Nicht nur Petrus, wir alle sind angesprochen und aufgefordert: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst.
Uns zur Anschauung und zur Lehre treibt Jesus auch böse Geister offenbar aus. Er setzt damit ein sichtbares Zeichen für uns: Die bösen Geister sind in euch, aber ihr könnt sie loswerden, ich habe die Macht, sie auszutreiben, das Wort ist die Macht, die sie austreibt (Mk 3, 22-28). Das Böse bekämpft das Böse nicht, man muss es selbst bekämpfen, an die Kette legen. Selbstdisziplin ist gefragt, nicht Selbstgefälligkeit. Man kann diese Selbstverantwortung nicht auf Gott abwälzen. Wenn wir den Stein von unserem Grab gewälzt sehen wollen, müssen auch wir den Treuebund halten, das heißt, wir müssen einen Beitrag leisten. Er wälzt sich nicht wie aus Zauberhand selbst weg. Gott ist kein Zauberer. Er hat den Menschen nicht nur als Empfänger seiner Wohltaten geschaffen. Auch wenn es gern so gepredigt wird und so bequem ist, es steht so nicht in der Bibel. Die Verantwortung für einen Selbst auf Gott abzuschieben, eigene Verantwortungslosigkeit führt in dem Fall zur Verantwortungslosigkeit anderen gegenüber.
Lieber Luther: Weil DU das WORT BEWAHRT hast. Nur dieser Weg erspart uns den Weg durch die Abschluss-Prüfung. Und wenn wir beten, führe uns nicht in Versuchung, heißt das: HERR, lass mich stark sein, damit ich dem inneren Versucher widerstehen kann. Der Versuchung und der Verführung ist der Mensch von Anfang an und immer ausgesetzt. Sie ist dem Menschen immanent, da er eben mit einem eigenen Willen ausgestattet ist. Dieser verführt ihn, sich zu wichtig und Gott für zu unwichtig zu halten.
Aber, lieber Luther, auch das ist in der Offenbarung nachzulesen: Es ist ein Treuepakt. Wenn wir wie Hiob durch das Böse in uns hindurchgehen, ohne Gott untreu zu werden, ist Gott auch uns treu. Wenn wir sein Wort bewahren und in uns tragen, auch in unserer Dunkelheit, trägt auch er uns durch unsere Dunkelheit, steht zu seinem Bund und seinem Wort zu uns. Nicht untreu zu werden, nicht abzufallen, ihn zu bewahren, ohne Wenn und Aber, das ist die Prüfung. Auch der Verführung nicht zu verfallen, Jesus hätte durch seinen Tod alles für uns gerichtet, uns von jeder Verpflichtung freigesprochen, ist eine Prüfung. Die Prüfung anzunehmen und nicht wegzulaufen vor lauter Prüfungsangst, ist eine Prüfung. Nicht Gott in die Schuhe zu schieben – "du (böser) Gott, führe mich ja nicht in Versuchung" – man sieht den erhobenen Zeigefinger förmlich, ist eine Prüfung. Anzunehmen, dass wir uns selbst prüfen müssen, um zu lernen, um zu wachsen, damit wir erfahren, was verheißen ist: Ich werde dich vor der Endprüfung bewahren.
Der Mensch ist Gott gegenüber gern ein fauler Arbeiter. Manche stecken den Kopf in den Sand, bereiten sich nicht vor oder treten nicht einmal zur Prüfung an. Wer sich nicht freiwillig selbst der Prüfung stellt, hat keine Chance, sich zu verbessern. Unvorbereitet steht man dann vor dem göttlichen Prüfstand. Da hilft auch nicht, noch so oft: Und führe mich nicht in Versuchung, zu beten. Vorbereitung, Tat, Handeln ist anempfohlen, damit wir nicht Nachsitzen müssen und am Ende nicht durch die Prüfung fallen. Dafür hat Jesus unermüdlich geworben. Faulheit vor Gott hat er nicht gekannt.
So beten wir, lieber Luther:
HERR, lass mich nicht davonschleichen, weil ich es gern bequem habe.
HERR, mach mich stark, wappne mich gegen alle Versuche, mich von Dir abzubringen.
HERR, lass mich den Weg durch Deine offene Tür wählen, auch wenn er durchs Dunkel führt.
Amen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Freitag, 10. April 2015

Vaterunser (4) - Unser täglich Brot gib uns heute

Lieber Luther,
essen muss man jeden Tag. Es fragt sich nur was. Die einen ernähren sich gut, die anderen ungesund, die einen reichlich, die anderen bewusst. Beim Essen scheiden sich die Geister.
Heute, Teil 4 der kleinen Vaterunser Reihe. Es geht um das Brot:
Unser täglich Brot gib uns heute.
Ganz oberflächlich und menschlich leiblich gedacht heißt das: Lieber Gott sorge du dafür, dass ich etwas zu beißen zwischen den Zähnen habe. Ist das so einfach gemeint?
Jesus ist 40 Tage in der Wüste, um dort mit Gott in Berührung zu kommen. Nach 40 Tagen heißt es, hungert ihn. Der Verführer packt den Menschen an der zutiefst menschlichen Seite und denkt, er kann Jesus beim leeren Magen packen. Wenn du Gottes Sohn bist, dann wandle die Steine in Brot, damit du deinen Hunger stellen kannst. Was entgegnet Jesus: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht (Mt 4, 4).
Brot und Wein waren von Anbeginn der Schrift die Bilder für die Gegenwart Gottes. Melchisedek, der König von Salem und Priester Gottes des Höchsten, trägt Abraham Brot und Wein entgegen und segnet ihn: Gesegnet seist du , Abram, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat und gelobt sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand beschlossen hat (1.Mose 14, 18-19). Psalm 110: Der HERR sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. … Der HERR hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks. Ein Zusammenhang ist unmittelbar vorhanden.
Das aus Ägypten ausziehende Volk hat gehungert, rebelliert und von Mose Nahrung gefordert. Mose hatte nichts zu geben. Man hu? (Das heißt: was ist das?). Mose antwortet: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat (2.Mose 16, 15). Gott hat ihnen das "Was ist das?" geschickt, obwohl sie rebellierten. Mose durfte nicht in das gelobte Land, weil er sich vom Hunger und Durst des Volkes verführen ließ und mit seinem Stab gegen den Felsen schlug, sich dem sozialen Druck gebeugt hat und Gott als Mittel zum Zweck eingesetzt hat. Er hat nicht voll auf Gott vertraut.
Was sagt uns die Geschichte? Und gedenke all des Weges, durch den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat, diese 40 Jahre (Jesus: 40 Tage!) in der Wüste. Damit kund würde, was in deinem Herzen ist, ob du das Wort Gottes halten wirst, auch in der Not. Er prüfte deine Demut, ließ dich hungern und speiste dich mit Man, dass du und deine Väter nie gekannt hattet; auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem MUND des HERRN geht (5.Mose 8, 2-3). Aber: das Volk war nicht demütig, es war zügellos und voller Begierde. Entsprechend ihrer Zügellosigkeit und Begierde übersäte Gott den Boden mit Himmelsbrot. Und wieder jammerte das Volk: Nun aber ist unsere Seele matt; denn unsere Augen sehen nichts als das Man. Mose ruft verzweifelt zu Gott: Warum finde ich keine Gnade vor dir, warum muss ich die Last dieses Volkes tragen? (4.Mose 11, 5-11).
Das Manna schickte Gott solange, bis sein Volk seinen Fuß in das gelobte Land setzte. Sie aßen am Tag nach dem Passah vom Getreide des Landes, das ihnen gegeben war, nämlich ungesäuertes Brot und geröstete Körner. Und das Man hörte auf des andern Tages, da sie des Landes Getreide aßen (Jos 5, 11-12).
Josua, hat Gottes erwähltes Volk in das verheißene Land gebracht. Josua-Jesus (Jesus heißt auf Hebräisch Josua), führt uns in das verheißene Land. Gottes Volk zog 40 Jahre durch die Wüste, Jesu hungerte 40 Tage in der Wüste. Alter Wein in neuen Schläuchen. Jesus greift die Botschaft aus der Alten Schrift, die Bilder, wieder auf, die Parallelen sind unübersehbar. Aber, er setzt eine neue Botschaft dahinter. Jesus ist Demut, er ist 100% Demut: Er widersteht dem Versucher, als er hungert. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Was das wandernde Volk nicht geschafft hat, wo Mose gefehlt hat, ihm die Demut ausgegangen ist, weil seine Langmut vom Volk zu sehr strapaziert wurde: Jesus widersteht dem Versucher, verbildlicht im Hunger. Es versucht Gott nicht, indem er ihn bittet den Stein zu Brot zu machen. Mose hat dagegen mit dem Stab gegen den Felsen gehauen.
Das zeigt sich auch bei der Speisung der 5000. Auch hier eine hungrige Menschenmenge. Jesus vermittelt eine neue Botschaft in den alten Bildern: Alle werden satt, aber nicht übersatt. Während in der Manna-Geschichte ein strenges Verbot galt, das Manna einzusammeln, sagt Jesus: Sammelt die übrigen Brocken, dass nichts umkommt. Von den 2 Fischen und 5 Gerstenbroten wurden 5000 Menschen satt, und von den übrigen Brocken wurden noch 12 Körbe gefüllt. Aber das ist nicht das Entscheidende. Es sind nur Zeichen. Ich habe über die Geschichte in der Version von Joh 6 schon einmal geschrieben, das brauche ich hier nicht alles wiederholen.
Die Kernbotschaft ist: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Ich habe nur das, was mir mein Vatergibt. Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen des, der mich gesandt hat (Joh 6, 35-38). Genau deshalb beten wir: Vater unser im Himmel, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. In seiner Brotrede wiederholt er dieses zentrale Kernstück seines Seins.
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist, wer mich isst, gewinnt das ewige Leben. Wer mich isst heißt: Ich bin der Wille Gottes als Mensch, ich setze mich mit meiner ganzen Person ein für das Wort Gottes, ich rücke keinen Millimeter davon ab, denn es geht um euer ewiges Leben. Wie immer sie mich bedrohen. Ich setzte MEIN ganzes LEBEN ein für das LEBEN der Welt. Jesus sagt NICHT mein Tod für die Sünden der Welt, er sagt ich setze mein Leben für das Leben der Welt ein. Ich lebe für das Leben der Welt.
Leben ist Leben. Seines und unseres. Sein Leben ist unser Leben, nicht sein Tod ist unser Leben. Das steht nicht da. Wären hier die Sünden gemeint: Ich gebe mein Fleisch für die Sünden der Welt: Was würde der wichtige, mit WARHlich, WAHRlich, eingeleitete Satz bedeuten?
Wahrlich , Wahrlich ich sage euch: Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tag auferwecken. Denn mein Fleisch ist die WAHRE Speise, und mein Blut ist der WAHRE Trank. Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt und ich LEBE um des Vaters willen, also: Wer mich isst, der wird auch LEBEN um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist; nicht wie eure Väter das Manna gegessen haben und dann gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird in Ewigkeit leben (Joh 6, 53-58).
Ja, lieber Luther, was würde dieser Satz dann bedeuten, wenn man Fleisch für Haut und Knochen nehmen würde: Ich gebe mein Fleisch, halte meine Haut und Knochen hin, für die Sünden der Welt? Und wir essen die Haut und Knochen dann auch? Sind wir Kannibalen? Wir essen die Sünden der Welt mit? Man kann den ganzen Zusammenhang doch nicht einfach ignorieren und einen Satz herausnehmen und die Bildlichkeit völlig ignorieren. Eigentlich ist das unfassbar.
Das Fleisch steht für das Wort Gottes, es ist eine andere Metapher wie das Brot. Ich bin das Brot. Mein Fleisch ist Brot. Das Brot ist die Wortnahrung, die ich euch gebe. Deshalb esst es! Das Blut steht für den Geist Gottes. Ich habe gestern ausführlich darüber geschrieben, wie das zu verstehen ist. Ich bin das Brot, ich bin die (Wort-)Speise, esst mein Fleisch und Blut, nehmt das Wort in euch auf. Von dieser Nahrung könnt ihr leben. Genau das sagt er auch bei dem, was man letztes Abendmahl nennt. Das heißt es und nichts anderes ist gemeint. Es gibt absolut keinen Grund, etwas anderes hineinzulesen. Jesu Wort, der ganzer Bezug in der Alten Schrift, gibt das nicht her.
Lieber Luther, Brot ist eine zentrale Metapher in der gesamten Schrift. Der Unterschied zwischen Mose und Jesus besteht darin, dass Mose nichts zu geben hatte, Gott hat Manna regnen lassen. Ganz anders Jesus. Jesus gibt sich ganz, Fleisch und Blut, ich bin das Brot. Das ist etwas ganz anderes, es ist viel mehr. Jesus bringt Gott vom Himmel auf die Erde, macht ihn auf der Erde gegenwärtig. Jesus tut 100% den Willen Gottes, das sagt er selbst. Mose war dagegen ein Gott gegenüber fehlbarer Knecht, er hat oft gehadert, wollte den Auftrag gar nicht annehmen. Jesus kannte solche Anfechtung nicht, er fehlte gegenüber Gott nicht, er haderte gegenüber Gott nicht. In der Mosegeschichte steht das Brot für mangelnde Demut, bei Jesus steht sie für 100% Demut. Bei ihm steht es für die WAHRE Nahrung, die WAHRE Wortnahrung. Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben (Joh 6, 63). Jesu Wort!
Herzliche Grüße
Deborrah

Mittwoch, 8. April 2015

Vaterunser (2) - Dein Wille geschehe

Lieber Luther,
um den Faden von gestern wieder aufzunehmen. Ich bin auf der Spur nach Jesu Lehre, so wie er sie gelehrt hat, nicht so wie sie uminterpretiert wurde und wir das einfach nachplappern. In den Evangelien und der Alten Schrift ist genug übermittelt, um sich seine Lehre und seine Wurzeln selbst zu erschließen. Die herrschende Lehre geht in vielen Teilen paulusgeleitet fehl, ist jedenfalls nicht Jesu Lehre, auch heute wird sich das wieder zeigen.
Gestern habe ich angefangen, das Vaterunser nach seinem Bedeutungsgehalt aufzuschließen:Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme. Heute:

Dein Wille geschehe. Das ist ein sehr schwerer Teil für uns Menschen, denn was hier eingefordert ist, ist Demut, nicht gerade die Stärke der meisten Menschen. Was Jesus von anderen unterscheidet, ist seine 100prozentige Demut. Er hat sich vollkommen in den Willen Gottes gestellt. Allein sein Wille zählt: Und sollte niemand Vater heißen auf Erden, denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist (Mt 23, 9). Es ist das völlige Aufgehen im Willen des Vaters.
Deshalb sagt er auch: Wer Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben (Mt 15, 4). Wer Gott, den einen Vater, den es für ihn gibt, flucht, lebt nicht, sondern ist tot. Auch wenn er noch lebt, hat er sein ewiges Leben verspielt. Das ist die einzige unverzeihliche Todsünde, die es für Jesus gibt: Alle Sünde und Lästerung wird euch vergeben, auch die gegen mich, aber die Lästerung wider den Geist wird den Menschen nicht vergeben (Mt 12, 31).
Was es heißt, seinen eigenen Willen zurückzustellen, hat Jesus am eigenen Leib erlitten. In höchster Todesangst angesichts seiner Verfolger sagt er: Nicht wie ich will, sondern wie du willst, Vater (Mt 26, 39). Als Petrus bei Jesu Verhaftung das Schwert zückt und zur Gegenwehr schreitet, sagt Jesus zu ihm (Joh 18, 11): Soll ich den Wein (im Kelch) nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Psalm 23: Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein. Der barmherzige Samariter gießt Öl und Wein in die Wunde dessen, der unter die Räuber gefallen ist (Lk 10, 34). Wein ist die Frucht aus Gottes Weinberg, Wein kommt aus der Kelter. Mit Wein ist der reine wahrhaftige Geist Gottes symbolisiert.
Wenn Jesus sagt, er will den Kelch trinken, anerkennt er, dass Gott den Menschen ihren Willen lässt, er nicht als Deus ex Machina korrigierend eingreift, wenn der Mensch abfällt und Abwege geht. Gott lässt den Menschen auch Irrwege gehen. Jesus schwitzt Blut und Wasser angesichts der Abwege der Menschen, aber, er respektiert den Willen Gottes, dem Menschen seinen Willen zu lassen. Es ist für ihn unendlich schwierig, angesichts seiner bedrohten Situation, die Schwachheit des Menschen so zu akzeptieren, wie Gott sie akzeptiert. Das ist die eigentliche Herausforderung für Jesus. Das Wahrhaftige zu erkennen, und das Finstere zuzulassen. Dieser Kampf, dieser Zwiespalt, lässt ihn Blut und Wasser schwitzen (Luk 22, 44). Ihr sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist (Mt 5, 48). Das ist sein Anspruch an die Vollkommenheit vor Gott. Das Finstere im Angesicht des Lichts zuzulassen, zerreißt ihn fasst. Aber, Jesus ist 100% Demut vor dem Vater, er ordnet sich dem väterlichen Willen ohne Wenn und Aber unter: Nicht wie ich, sondern wie du willst.
Jesus kommt keine Sekunde auf die Idee, sich zu widersetzen, sich zu retten, indem er das Feld räumt, seine Predigertätigkeit einstellt und flieht. Ganz im Gegenteil. Er sagt: Ich beuge mich eurem Willen nicht, ich lasse mich nicht einschüchtern von euch, ich tue den Willen meines Vaters, sein Wort zu den Menschen zu bringen. Ich gehe hinauf nach Jerusalem, in die Höhle des reißenden Löwen, ich gehe in die unheilige Stadt, um das wahre Wort dorthin zu bringen, das wahre Wort muss dort gehört werden, damit Babel fällt, ob sie es hören wollen oder nicht. Ich bringe Gott zum Sprechen, auch wenn ihr mich zum Schweigen bringen wollt.
Das heißt, Jesus sieht zwar die Konsequenzen für seine physische Person, aber darauf, wie auf alles Leibliche, nimmt er keinerlei Rücksicht, auch, wenn es seinen physischen Tod bedeutet. Wenngleich er die Schmerzen, wie jeder Mensch fürchtet, weiß er, dass das nicht sein Ende ist. Gott macht Jesus nicht willentlich zum Sündopfer, er hält seinen Bund gegenüber den Menschen, auch wenn sie seine Stimme zum Schweigen bringen wollen. Jesus weiß, dass sie dies nicht wirklich können. Gott lässt sich von einem Menschen nicht zum Schweigen bringen. Er lässt ihnen zwar ihren Willen, er zwingt seinen Willen nicht auf. Seinem Willen zu folgen, beruht auf reiner Freiwilligkeit. Aber er gibt seinen Willen, die Menschen unter dem Wort zu sammeln, nicht auf. Sie können seine Stimme, Jesus, nicht wirklich töten, sie mussten das nach seinem Tod erfahren. Seine Stimme wurde und wird auch nach seinem Tod gehört. Mehr als vorher. Gott lässt sich nicht zum Schweigen bringen.
Wenn gelehrt wird, Gott, der Vater, habe Jesus, den Sohn, absichtlich sterben lassen, weil er ihn, wie in alter mosaischer Tradition die Schlachtopfer, den menschlichen Sünden geopfert hat, ist das in Jesu Ohren Gotteslästerung und damit eine Todsünde. Die einzige Todsünde, die es für ihn gibt. Diese Lehre findet auch in der Alten Schrift keinerlei Grundlage. Auch von Abraham hat Gott den Kindsmord nicht abverlangt. Er wollte Abraham prüfen, ob er in allem Gottes Willen tut. Abraham hat die Prüfung bestanden, wie auch Jesus. Jesus hat in allem 100% Gottes Willen getan.
Menschenopfer passen nicht in Gottes und Jesu Weltbild, das haben schon die Propheten erkannt: Sie verbrennen (oder kreuzigen) ihre Söhne und Töchter, davon ich ihnen nichts befohlen habe. Es ist mir nie in den Sinn gekommen, dass sie solche Greuel tun sollten, und meine Kinder damit zur Sünde verleiten (Jer 32, 35). Das ist eine Verdrehung von Gottes Willen. Der göttliche Wille wird dem menschlichen Willen unterstellt, um sich mit wenig Aufwand – den erbringt ja für den Sünder ein Tier oder das Menschenopfer, in dem Fall Jesus mit seinem Opfertod - auf die Sonnenseite zu stellen. Jesus trägt für uns die Last. So einfach entledigt man sich seiner Missetaten, denkt man. Und vor lauter Dankbarkeit wird hin und wieder halbherzig gefastet und an Karfreitag eine Trauermine aufgesetzt, wenn überhaupt. Ein abstruses Konstrukt. Ein Rückschritt in das Heidentum, wie bei Jeremia nachzulesen (Jer 32, 33): Und obwohl ich sie lehrte, haben sie in das Haus, über dem sie meinen Namen ausrufen, ihre Irrlehren gesetzt. Das würde Jesus mit Sicherheit sagen, angesichts seiner Rolle, die ihm nach seinem Tod in der Sündentheologie antheologisiert wurde und wird.
Dein Wille geschehe heißt also: Den Willen Gottes geschehen zu lassen, auch den Willen, den Menschen ihren Willen zu lassen. Wie oft hört man die Klage: Wie kann Gott das zulassen? Es muss heißen: Wie kann Mensch das zulassen? Es ist eine Absage, Gott etwas zuzuschreiben, was nicht Gottes ist, sondern abgrundtief menschlich. Missetaten gehören nicht zum Göttlichen, sie gehören in den Machtbereich des Finsteren. Sie dem göttlichen Willen zu unterstellen, ist Jesu Lehre entgegengesetzt. Es würde ihn empören. Die Duldung und Geduld Gottes mit dem Finsteren im Menschen samt ihrer unmenschlichen Auswüchse zu akzeptieren, erfordert Demut, ist Demut vor Gott, dagegen Gottes wahrhaftiges Wort zu stellen, ist Nachfolge.
Wie erkenne ich den göttlichen wahren Willen? Eine Antwort hat Jesus schon Pilatus gegeben: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme (Joh 18, 37).
Philippus bittet Jesus, ihm den Vater zu zeigen. Jesus sagt: Wer mich sieht, der sieht den Vater. Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnt, der tut die Werke. Glaubt mir, dass ich im Vater und der Vater in mir ist; und wo ihr die Worte nicht glaubt, glaubt mir wenigstens um der Werke willen. WAHRlich, WAHRlich ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere tun; denn ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht (oder geheiligt) wird (Joh 14, 9-14).
In Gespräch mit der Samariterin, einer Ungläubigen in damaligem Verständnis, geht es auch um das Beten. Jesus sagt: Ihr betet an was ihr nicht kennt. Wir wissen was wir anbeten. Anbeten tut man weder in Jerusalem, noch auf einem anderen irdischen Ort, denn die Rettung kommt nicht von Äußerlichkeiten. Wer das Wasser (= Wort) trinkt, das ich ihm gebe, der wird ewig nicht mehr dürsten, denn das Wasser, das ich ihm gebe wird IN IHM ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. Es kommt die Zeit und ist schon da, da werden die WAHRHAFTIGEN Anbeter den Vater im GEIST anbeten und in der WAHRHEIT. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der WAHRHEIT anbeten (Joh 4, 13-24). Oder, wie es in der Offenbarung steht: Ich will geben den Durstigen vom den Brunnen des lebendigen Wassers umsonst (Offb 21, 6). Das Wort kostet nichts, ist frei zugänglich.
Das heißt also, lieber Luther, um zusammenzufassen: Wer zu Gott wahrhaft betet, unterwirft sich völlig dem göttlichen Willen, auch wenn es in den Konflikt mit menschlichem Willen führt, bis zum Einsatz des physischen Lebens. Jesus hat das in dieser Radikalität und Konsequenz vorgelebt. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme, sagt Jesus, der hört Gott, der ist in Gott und Gott in ihm, der hört und versteht Gottes Willen, weil Gott in ihm spricht und wirkt. Es heißt auch im Umkehrschluss: Wer Jesus nicht hört, ist nicht in Gott und nicht in der Wahrheit. Ein selbstgebastelter Gott, mit oder ohne Jesus, oder Rosinenpicken hat da keinen Platz. Auch diese Botschaft Jesu ist eindeutig.
Lieber Luther, man muss alles verlassen, um Gott zu finden. Das lehrt Jesus. Die Sündentheologie lehrt vereinfacht: Ich bin ein armer Sünder, Jesus ist für mich gestorben und hat für meine Sünden gebüßt und deshalb komme ich doch in den Himmel. Asche auf mein Haupt. Mit Jesu Lehre hat das rein nichts zu tun. Jesus geht nicht für uns den Weg zu Gott, den müssen wir selbst gehen. Er ruft uns zur Nachfolge seines Weges, willentlich den Willen Gottes zu tun. Das ist das Besondere an Jesus: Er ist 100% Demut, er ist 100% Wille Gottes, in ihm spricht zu 100% Gott, in ihm spiegelt sich Gott zu 100%, er ist zu 100% Gottes Sohn, zu 100% sein Ebenbild. Jesus ist 100% Mensch gewordener Gott. Uns Gott zu zeigen, dazu ist er in die Welt gekommen, uns den Weg zu ihm zu weisen.
Herzliche Grüße
Deborrah
PS: Nur ein Satz aus dem Vaterunser geschafft heute: Dein Wille geschehe. Es ist für den Menschen der schwierigste Teil. Morgen: Wie im Himmel, so auf Erden.

Dienstag, 7. April 2015

Vaterunser (1) - Dein Name werde geheiligt

Lieber Luther,
wie gestern bereits geschrieben, sieht Jesus seine Mission darin, von der Wahrheit zu zeugen. Das hat er Pilatus geantwortet, als dieser ihn gefragt hat, ob er ein König sei. Das ist seinTestament. Unter der Wahrheit versteht er, unverrückbar für die Wahrheit und Wahrhaftigkeit Gottes zu stehen, seine Größe, Zuverlässigkeit und Treue zu seinem Volk. Er steht ein für seinen Vater, den allumspannenden Herrscher, den Anfang und das Ende im Wort und im Leben, den Ausgangs- und Endpunkt, den Kristallisationspunkt von allem, was vom Menschen denkbar ist. Das war sein Credo.
Lieber Luther, ich will heute weiter auf Spurensuche nach dem unverfälschten Jesus gehen, um irgendwann zum wahren Ostergeschehen durchzubrechen. Auf dem Weg dorthin gab es ja schon einige Überraschungen, auch heute, das kann ich dir schon jetzt versprechen.
Jesus Positionen sind eigentlich klar. In Gottes Reich werden diejenigen aufgenommen, die vor ihm demütig sind, ihn als den alleinigen Gott und Herrscher anerkennen. Davon habe ich gestern berichtet. Von diesem Verständnis abgeleitet, erklärt er den Jüngern, wie sie mit diesem Gott in Kontakt kommen können, indem sie beten.
Betet nicht wie die Heuchler, sagt er, die in den Gotteshäusern ((!) so steht es in der Interlinearübersetzung) und auf den öffentlichen Plätzen beten, die ihre Frömmigkeit zur öffentlichen Schau stellen. WAHRlich ich sage euch, sie habe ihren Lohn schon verspielt. Gehe zum Beten in dein innerstes Gemach, verschließe die Tür, und bete mit dem, der Sehend ist im Verborgenen. Bete und plappere nicht wie die Heiden, die meinen, ihres Wortschwalls wegen erhört zu werden. Beschränkt euch auf das Wesentliche, denn Gott weiß schon vorher, um was ihr bitten werdet (Mt 6, 5-15):
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute und
vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen,
denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.
Und es kommt noch ein erklärender Zusatz von enormer Wichtigkeit:
Denn so ihr den Menschen ihre Fehler vergebet,
so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.
Wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet,
so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben.
Vater unser. Von Gott spricht Jesus immer als seinen Vater, er ist für ihn der Vater. Irdische Bindungen spielen für ihn geistlich keine Rolle. Ganz im Gegenteil, sie stören. An einer Stelle sagt er sogar, du musst deine Familie hassen, damit sie dich von deiner Gotteszugewandtheit nicht ablenket oder gerade deswegen (Lk 14, 25-35). Sein Vater ist Gott. Sein irdischer Vater ist, im Gegensatz zu seiner Mutter und seinen Brüdern, in der Bibel so gut wie nicht existent. Das steht jedoch auf einem anderen Blatt und sei hier dahingestellt.
Jesus sagt: Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen und werde die Welt wieder verlassen und zum Vater gehen (Joh 16, 28). Der Vater als A&O, als der Anfang und das Ende, in dem sich alles kristallisiert und klärt. Es ist nicht nur sein Vater, es ist UNSER Vater. Wir sind darin Jesus gleich: Gehe aber hin zu meinen BRÜDERN, sagt er zu Maria von Magdala, und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott (Joh 20, 17). Was Jesus von seinem Vater sagt, gilt für jeden, der Gottwahrhaftig als seinen Vater ansieht und sucht.
Dein Name werde geheiligt: Denn ich will meinen großen Namen, der vor den Heiden entheiligt ist, den ihr unter ihnen entheiligt habt, heilig machen. Und die Heiden sollen erfahren, dass ich der HERR sei, spricht der HERR HERR, wenn ich mich vor ihnen an euch erzeige, dass ich heilig bin: Ich will euch aus den Ungläubigen holen, sammeln und in euer Land, mein Reich, führen. Ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Abgöttern will ich euch reinigen (Hes, 36, 23-25).
Auf Jesus gewendet heißt das: Gott heiligt sich durch Jesus. Er zeigt den Ungläubigen durch die Zeichen, die er durch ihn bewirkt, dass er der HERR ist. Er sprengt durch ihn reines Wasser auf uns, damit auch wir rein werden und unsere Abgötterei lassen. Jesus, der Hirte, sammelt uns, um uns in Gottes Reich zu führen. Gott wirkt in Jesus, sein Name wird durch ihn geheiligt und umgekehrt wird Jesus durch das Wirken Gottes in ihm geheiligt. Uns ist gezeigt, dass in Gott und in Jesus, in beider Namen, unser Heil ist.
Wie wir Gott heiligen? Ihr werdet das Himmelreich gewinnen, auch wenn die Menschen euren Namen nicht lieben , sie euch ausschließen, schmähen und euren Namen verwerfen, weil ihr für den Namen Gottes eintretet. Freut euch an jenem Tag und hüpft. Denn euer Lohn im Himmel ist groß, nehmt auch die Propheten zum Beispiel, ihnen haben sie es genauso gemacht (Lk 6, 22-23). Tut es mir nach, scheint Jesus zu sagen, meinen Namen werden sie auch verwerfen, ich gehe voran und zeige euch, was es heißt, Gottes Namen zu heiligen.
Dein Reich komme, dein Wortreich. Es heißt, Gottes Reich komme in uns. Alles in uns trete zurück vor seinem Wort. Alles werde leer in uns, dass sein Wort in uns einfließen kann, dass es seinen Platz in uns einnehmen kann. Dein Reich komme heißt, Gott, mache Platz in mir für dich, lass dein Wort in mich einfließen. Jesus lässt alles andere in sich zurücktreten, um Gottes Wort in seiner ganzen Größe in sich Raum zu schaffen. Alles andere interessiert ihn nicht. Er sagt: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für seine Schafe (Joh 10, 11).
Beim Nachlesen, habe ich eine kleine Überraschung erlebt. Was mit lässt sein "Leben" übersetzt ist, heißt nämlich im Griechischen "psyche". Wie falsch das interpretiert wird, habe ich neulich schon geschrieben. Dein Reich komme heißt, für Jesus also: ich weiße den Schafen den Weg in den Schafstall, dafür gebe ich meine Stimme: Denn wenn er hat seine Schafe ausgelassen, geht er vor ihnen hin und die Schafe folgen ihm nach, denn sie kennen seine Stimme (Joh 10, 4). Es heißt also ganz und gar nicht, wie in der Regel interpretiert und gelehrt wird, er stirbt für die Schafe, ganz im Gegenteil, es heißt, er LEBT AUSSCHLIESSLICH FÜR die Schafe, er stellt sich voll in den Dienst Gottes, in sein Wort. Er sorgt für die Schafe (= Menschen), indem er ihnen das Wort bringt, verirrte Schafe (= Ungläubige) sucht und ihnen den Weg in den Schafstall (=Gottes Reich) weißt.
Das gibt, lieber Luther, vielem einen komplett anderen Sinn als das, was gelehrt und gepredigt wird. Es liegt Jesus fern, das Opferschaf zu sein. Er ist der Hirte der vorangeht, der mit seiner Stimme die Schafe zum Wort ruft und das - und nichts anderes - als seine Lebensaufgabe versteht, der alles andere hinter dieser Berufung zurückstellt. Die vielen Hirtengleichnisse Jesu sagen nichts anderes als: Unser Vater, dein Wortreich komme, ich rufe durch dein Wort deine Schafe, sammle sie unter deinem Wort, damit dein Name durch sie geheiligt werde und sie damit Anteil an dir gewinnen.
Lieber Luther, Jesu ganzes Leben steckt im Vaterunser. Es passt nicht in einen Blog. Morgen der nächste Teil der Spurensuche nach Jesus, der Suche nach dem, für was der Name Jesu wahrhaftig steht, was seine Grundüberzeugungen waren und ob das, was über ihn gelehrt wird, in seiner Lehre eine Grundlage findet oder in vielen Teilen eine Irrlehre ist.
Herzliche Grüße
Deborrah