Lieber Luther

Lieber Luther
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Sonntag, 26. April 2015

Vaterunser (8) - Versuchungen

Lieber Luther,
… und führe uns nicht in Versuchung. Wie oft habe ich schon gehört, Jesus versucht nicht, das wollen wir von unserem guten Jesus nicht hören und nicht sehen. Er will nur das Beste von uns. Stimmt. Deshalb steht es auch im Vaterunser:
Und führe uns nicht in Versuchung.
Korrekt übersetzt heißt es: Und führe uns nicht in die Prüfung. Was meint das?
Das Vaterunser fasst unsere Beziehung zu Gott, deren Anfang und Ende zusammen. Mit dem Anfang, mit adama, habe ich mich schon ausführlich auseinandergesetzt. Was aber mit dem Ende? Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte. Vom Ersten kommen wir, zum Letzten streben wir:
Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der die Tür öffnet und schließt: Ich kenne deine Werke. Ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand schließen kann. Du hast eine kleine Kraft und in dieser mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet. Weil du das WORT bewahrt hast, in ihm ausgeharrt hast, werde auch ich dich vor der Prüfung bewahren, die über mein ganzes Volk kommen wird, wenn die Zeit da sein wird, um all diejenigen zu prüfen, die sich bei mir eingemietet haben. Bewahre die Treue zu mir, die du hast, damit dir niemand deinen Sieg über das Böse nehme. Wer die Versuchung überwindet, den werde ich im Hause meines Gottes zu einer Säule machen und er wird nie mehr hinausgehen. Wer ein Ohr hat, der höre (Offenb 3, 7-13).
Diese Bibelstelle entschlüsselt, was mit "und führe uns nicht in Versuchung" gemeint ist. Wenn wir beten, "und führe uns nicht in Versuchung", ist es eine Bitte, dass wir zu denen gehören, denen die Tür (zum Schafstall) geöffnet ist, dass wir zu denen gehören, an denen Gottes Prüfung vorbeigeht. Wie das geht, hat Jesus gezeigt, als er in der Wüste die Prüfung bestand. Sein ganzes Leben und auch sein grausames Sterben war eine einzige Prüfung, uns zur Anschauung, damit wir auch eine Chance haben, unsere eigene Prüfung zu bestehen. Er gibt uns Nachhilfeunterricht, in dem er als Paradebeispiel der Selbstprüfung vorangeht.
Das, was unter "Versuchung" gemeint ist, ist die versuchte Verführung durch uns selbst, die eigenen Götter, die wir über Gottes Wort stellen, unseren bösen Ego-Geister in uns, die allgegenwärtig sind und dauernd gehört werden wollen. Gemeint ist die Prüfung, wie weit wir ihnen widerstehen können, auch unter schlechten Bedingungen und in Nöten, auch wenn sie Quälgeister sind.
Die Geschichte von Hiob ist ein weiteres Anschauungsbeispiel, an dem wir lernen können. Hiob ist der ganzen Welt der Versuchungen ausgesetzt. Aber er bewahrt durch alle Versuchungen, durch allen Hader hindurch, Gottes Wort, bis er durch die Versuchung des eigenen Elendes hindurch, zur Demut gefunden hat. Er stellt sich der Auseinandersetzung seines Inneren mit Gott. Er spürt, dass das Böse in ihm die Oberhand gewinnen will. Das eigene Elend ist unser größter Versucher. Das Wieso Gott? Das: Wenn du nicht so willst wie ich, will ich dich nicht. Genau da entscheidet sich, ob wir auf Gott beharren, auch wenn das Leben sich wie Ausharren anfühlt.
Der Satan beschreibt in der Hiobsgeschichte die Verführung: Haut für Haut, und alles, was ein Mensch hat, lässt er für sein Leben (Hiob 2, 4). Genau das ist die Nagelprobe, um die es geht: Nicht das verführte, irdische, fleischlich-menschlich getriebene Leben, das in den Tod führt, zu leben, sondern das wahre, Gottes Wort getriebene, nicht menschlich fehlgeleitete Leben. Die Versuchung ist, im Leben das vermeintliche Leben über den Tod zu stellen und sich dadurch vom wahren Leben zu trennen und den Tod einzuhandeln. Die Verführung ist, dem inneren Verführer des Augenblickes nachzugeben, einen falschen Wechsel auf die Zukunft einzugehen.
Der Satan ist in uns, ist unser verführter Blick auf die Dinge. Deshalb herrscht Jesus Petrus an: Gehe hinter mich, DU SATAN. Das hat Jesus nicht nur so dahin gesagt, das hat er so gemeint. DU Petrus, DU Mensch, DU SATAN. Du meinst nicht, was göttlich ist, sondern was menschlich ist. Du denkst, mein Fleisch ist mein Leben und willst mich dazu verführen, dass ich genauso denke und handle, dass ich jetzt, wo es um meine Haut geht, von Gott abrücke, um mein menschliches Fell zu retten. Du willst mich Gott veruntreuen. DU SATAN (Mt 16, 23). Nicht nur Petrus, wir alle sind angesprochen und aufgefordert: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst.
Uns zur Anschauung und zur Lehre treibt Jesus auch böse Geister offenbar aus. Er setzt damit ein sichtbares Zeichen für uns: Die bösen Geister sind in euch, aber ihr könnt sie loswerden, ich habe die Macht, sie auszutreiben, das Wort ist die Macht, die sie austreibt (Mk 3, 22-28). Das Böse bekämpft das Böse nicht, man muss es selbst bekämpfen, an die Kette legen. Selbstdisziplin ist gefragt, nicht Selbstgefälligkeit. Man kann diese Selbstverantwortung nicht auf Gott abwälzen. Wenn wir den Stein von unserem Grab gewälzt sehen wollen, müssen auch wir den Treuebund halten, das heißt, wir müssen einen Beitrag leisten. Er wälzt sich nicht wie aus Zauberhand selbst weg. Gott ist kein Zauberer. Er hat den Menschen nicht nur als Empfänger seiner Wohltaten geschaffen. Auch wenn es gern so gepredigt wird und so bequem ist, es steht so nicht in der Bibel. Die Verantwortung für einen Selbst auf Gott abzuschieben, eigene Verantwortungslosigkeit führt in dem Fall zur Verantwortungslosigkeit anderen gegenüber.
Lieber Luther: Weil DU das WORT BEWAHRT hast. Nur dieser Weg erspart uns den Weg durch die Abschluss-Prüfung. Und wenn wir beten, führe uns nicht in Versuchung, heißt das: HERR, lass mich stark sein, damit ich dem inneren Versucher widerstehen kann. Der Versuchung und der Verführung ist der Mensch von Anfang an und immer ausgesetzt. Sie ist dem Menschen immanent, da er eben mit einem eigenen Willen ausgestattet ist. Dieser verführt ihn, sich zu wichtig und Gott für zu unwichtig zu halten.
Aber, lieber Luther, auch das ist in der Offenbarung nachzulesen: Es ist ein Treuepakt. Wenn wir wie Hiob durch das Böse in uns hindurchgehen, ohne Gott untreu zu werden, ist Gott auch uns treu. Wenn wir sein Wort bewahren und in uns tragen, auch in unserer Dunkelheit, trägt auch er uns durch unsere Dunkelheit, steht zu seinem Bund und seinem Wort zu uns. Nicht untreu zu werden, nicht abzufallen, ihn zu bewahren, ohne Wenn und Aber, das ist die Prüfung. Auch der Verführung nicht zu verfallen, Jesus hätte durch seinen Tod alles für uns gerichtet, uns von jeder Verpflichtung freigesprochen, ist eine Prüfung. Die Prüfung anzunehmen und nicht wegzulaufen vor lauter Prüfungsangst, ist eine Prüfung. Nicht Gott in die Schuhe zu schieben – "du (böser) Gott, führe mich ja nicht in Versuchung" – man sieht den erhobenen Zeigefinger förmlich, ist eine Prüfung. Anzunehmen, dass wir uns selbst prüfen müssen, um zu lernen, um zu wachsen, damit wir erfahren, was verheißen ist: Ich werde dich vor der Endprüfung bewahren.
Der Mensch ist Gott gegenüber gern ein fauler Arbeiter. Manche stecken den Kopf in den Sand, bereiten sich nicht vor oder treten nicht einmal zur Prüfung an. Wer sich nicht freiwillig selbst der Prüfung stellt, hat keine Chance, sich zu verbessern. Unvorbereitet steht man dann vor dem göttlichen Prüfstand. Da hilft auch nicht, noch so oft: Und führe mich nicht in Versuchung, zu beten. Vorbereitung, Tat, Handeln ist anempfohlen, damit wir nicht Nachsitzen müssen und am Ende nicht durch die Prüfung fallen. Dafür hat Jesus unermüdlich geworben. Faulheit vor Gott hat er nicht gekannt.
So beten wir, lieber Luther:
HERR, lass mich nicht davonschleichen, weil ich es gern bequem habe.
HERR, mach mich stark, wappne mich gegen alle Versuche, mich von Dir abzubringen.
HERR, lass mich den Weg durch Deine offene Tür wählen, auch wenn er durchs Dunkel führt.
Amen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Montag, 13. April 2015

Vaterunser (6) - Und vergib JEDERMANNs Schuld (2)

Lieber Luther,
die Entdeckung der Bildlichkeit in 1.Mose 4, 17-25, von der ich dir gestern geschrieben habe, hat mich nicht ruhen lassen. Das was da erzählt ist, hat schon eine Vorgeschichte. Also muss ich auch die Vorgeschichte mit neuen Augen betrachten. Mein Thema gerade, das Vaterunser,
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsren Schuldigern,
hat ihre Wurzeln ganz am Anfang. Wir müssen also noch einen Schritt zurück gehen.
Ich habe mich schon verschiedentlich mit der Schöpfungsgeschichte, mit Teilen daraus, beschäftigt. Man spricht von der 1. Schöpfungsgeschichte (den 7 Tagen an denen Gott die Welt erschuf) und der 2. Schöpfungsgeschichte, die Paradiesgeschichte. Gestern ist mir aufgegangen, dass das nicht 1. und 2. Schöpfungsgeschichte ist, sondern EINE Schöpfungsgeschichte, bis man anfängt auf der Erde den Namen des HERRN zu predigen.
Gott erschuf Himmel und Erde und auf der Erde war es finster (1.Mose 1). Gott bringt nach und nach, an jedem neuen Tag, durch sein WORT (.. und Gott sprach..), durch seine Stimme, erst sein Licht, dann LEBEN in die Welt. Es interessiert mich heute eigentlich nur der rote Faden, rund um die Erschaffung des Menschen und die ganze damit verbundene Dramatik, für beide, Gott und Mensch, und was es da anders zu lesen gilt, als bisher.
Am sechsten Tag sagte Gott: Lass uns adama machen, Ackerboden, fruchtbaren Boden, Menschen Söhne (das Wort adama wird so in der Bibel auch gebraucht), die mir gleich sind, mir zum Bilde. Er sagt, lass den Erdboden fruchtbar für mich werden. Er macht sich im Menschen die Erde untertan und macht sich damit zum Herrscher über die Erde.
Er erschuf sein Bild, und jetzt muss man genau sei, männlich, eigentlich männliches Tier, als Widder (d.h. männliches SCHAF) und weiblich, vom hebräischen Wortstamm her, aber als Festsetzer, Bestimmer, einen der das Sagen hat auf Erden. Er sagt, herrscht über alle Tiere, stampft das Gewürm nieder, tretet die Kelter. Gott hat den Menschen mit einem Auftrag versehen: Tretet alles Gewürm (= Schlangen) nieder und richtet über sie (tretet die Kelter), seid der HERRscher. Gott in Menschenhülle.
Aber adama, der Erdboden, will bearbeitet sein, sonst ist er nicht fruchtbar. Um ein fruchtbarer Arbeiter auf Gottes Acker zu werden, bedarf es Gottes Atemhauch. Gott hat den Menschen wie sich geschaffen, ihm also auch einen Willen gegeben. So haucht er seinem Schaf und Bestimmer seinen LEBENshauch, seinen Geist ein, damit der Mensch auch fruchtbar für ihn wird, weiß, wie und was er zu bestimmen hat . Der Mensch ist aus Staub gemacht. Es kann kostbarer Goldstaub sein, aber auch lose Erde, Schutt. Alles ist dabei (1.Mose 2):
Gott macht den Menschen durch seinen Atemhauch zu einem selbst atmenden Menschen, einem der eigenen Atem schöpft, zu einem selbständigen Menschen, der eigenes Verlangen, eigene Wünsche und – einen eigenen Willen hat. Das ist, was mit "lebende" Seele, gemeint ist, eine die nicht tot ist, nicht krank, Gottes Atemhauch in sich spürt, der Mensch ausgerichtet auf Gott. Auch ein Leichnam, der tote Körper, hat napas. Erst der Atemhauch Gottes macht ihn zu einem (ewig) lebenden LEBEN. Gottes Schöpfung birgt beide Möglichkeiten: das Leben und den Tod.
Gott weiß um die Zwiespältigkeit dieses von ihm geschaffenen Menschen. Es ist einzwiespältiges Schwert von Anfang an. Die vom lebenden Gottesmenschen beseelte Erde wird zum Garten, in dem alles gedeiht und jeder in Frieden miteinander lebt. Im Mittelpunkt, das Zentrum, ist das LEBEN, der Baum des Lebens. Es gibt keinen Tod. Aber, daneben steht der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, des Negativen.
Gott warnt den Menschen. Höre auf mich, du darfst von allen Früchten des Gartens essen, aber nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Gott erkennt: Es ist nicht gut, wenn adam, der Gottesmensch, so auf sich allein gestellt ist. Ich muss ihm rettend beistehen, einen schicken, der Gott bei ihm anzeigt, damit er ihn hört, damit er adam bleibt, der aus dem fruchtbaren Boden kommt. Deshalb steht im Hüter-Psalm: Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat (Ps 121, 2). Adam hat für alles Namen gefunden, aber für sein Gegenüber, für den, der sich in seinem NAMEN offenbart, hat er keinen Namen gefunden. Adam findet keinen Namen für seinen Schöpfer, in dem er sich offenbaren kann.
Gott lässt Adam einschlafen und baut auf einen neuen Menschen, den Jemand, der auch mit weniger auskommt. Gott nimmt – übersetzt ist falsch "Rippe" - zela vom Gottesmenschen, er nimmt eine Seite (Jesus wird am Kreuz eine Seite aufgeschlitzt), einen tragenden Balken, eine Lehne und erbaut den Jeder-Mann, den is, was auch "jeder" heißt, und in der weiblichen Form "jede", Mann und Männin ist übersetzt. Gott baut einen "Jeder", der nur ein Teil vom Gottesmenschen ist. Die Stelle der (ewig) tragenden Säule des Gottesmenschen (der falsch übersetzten Rippe), nimmt jetzt das Fleisch ein, die Vergänglichkeit.
Adam erkennt das nicht. Als Gott ihm den neu geschaffenen, reduzierten Jedermann bringt, ist er hocherfreut. Der Jedermann erhebt zum ersten Mal seine Stimme. Zum ersten Mal macht mich dieser Schritt stark, sagt er. Der Wortstamm von "Gebein" ist azam, stark sein. Von MEINEM Gebein, von MEINER Stärke ist er, der Jedermann, gekommen. Der Gottesmensch ist zu einem Jedermann geworden, der seine Stärke in sich selbst sucht, nicht im HERRN, seinem Schöpfer.
Deshalb ist es auch nur logisch, was dann kommt: Deshalb wird der Jeder Vater und Mutter, den Lebenserzeuger und die Lebensspenderin, lassen, sich anderen Jedermanns anschließen und mit ihnen zu einem Fleisch werden, das heißt gemeinsam zu einem Vergänglichen werden. Hier wird nicht, wie fälschlicherweise gelehrt wird, die Ehe gestiftet, sondern ganz im Gegenteil der Ehebruch mit Gott beschrieben. Der Mensch vertraut auf sich selbst anstatt auf Gott. Der Mensch entblößt sich vor Gott, erkennt aber gar nicht dass er sich entblößt hat und schämt sich deshalb nicht. Noch hat er kein Bewusstsein von Gut und Böse.
Das kommt aber im Weiteren (1.Mose 3). Der Mensch hört nicht, die Begierde, das Verlangen, der eigene Wille ist lauter als die Stimme des Schöpfers. Der Mensch macht sie zum Herr über die Schöpfung aus eigenem Willen, aus Eigenwillen. Er hat sich von Gott, seinem HERRN, abgewandt, der Verführung nachgegeben, macht sich zum eigenen Herrn, hört nicht von Anfang an. Die Jedermann-Frau, Eva, wird zur neuen Lebensspenderin, ersetzt den Urquell allen Lebens. Die Schuldfrage wird – wie es bei Jedermanns so ist – hin und hergeschoben: Ich war es nicht, es war der andere: Adam schiebt es auf Eva, Eva auf die Schlange. Keiner will es gewesen sein. So ist es auch heute noch. Aber Gott sieht tiefer. Er weist die Jedermanns aus dem Paradies, aus der Sorgenfreiheit. Der Mensch hat nicht gehört und muss die Konsequenz tragen, er erkennt und tut Gutes und Böses.
Gott verlässt den Menschen aber nicht, er begleitet ihn auch in seinem sorgenvollen und beschwerlichen Leben (1.Mose 4). Jedermann hat auch einen Teil von Adam, dem Gottesmenschen. Eva gebiert einen Jedermann, sie sagt: Ich habe einen Jederman (is) erworben mit dem HERRN. Sie hat nicht nur das Böse erkannt, als sie vom Baum der Erkenntnis des Bösen und Guten gegessen hat, sondern auch das Gute. Damit wird sie auch zur Hilfe für den HERRN, seinen NAMEN zu bewahren. Der Bruder des Erworbenen heißt "Atemhauch Gottes". Der eine wird Ackerbauer, der andere Schafhirte. Beides sind Arbeiter im Dienst Gottes. Bilder, die von nun an das dem HERRN-Dienen beschreiben. Jesus greift sie immer wieder in seinen Gleichnissen auf.
Aber der Mensch hat aus Begierde das Böse in sich entfacht. Selbst diejenigen, die auf Gottes Acker arbeiten und seine Schafe hüten, bleiben davon nicht verschont. Gott scheint Abel, den Atemhauch Gottes, den Schafhirten, vorzuziehen. Das äußere Opferzeichen zählt für Kain, der Rauch, der zum Himmel steigt oder nicht. Er lässt sich von der Äußerlichkeit verführen. Gott sagt: Wieso bist du zornig und missgünstig? Wieso fällst du? Es gibt keinen Grund. Sei unbesorgt. Wenn, was du tust, gut ist, erhebt es sich zu mir, unabhängig von äußeren Zeichen. Wenn du aber nicht recht tust, bietest du der Verfehlung ein Einfallstor. Darauf wartet der Verführer, die Schlange, nur, du sollst aber über sie herrschen. Das ist dein Auftrag. Jedoch, der Mensch hört nicht auf Gott, er hört auf den Verführer und so erschlägt Kain den Atemhauch Gottes, seine Stimme buchstäblich.
Kain will vor Gott seine Verfehlung vertuschen, aber vor Gott kann man nichts vertuschen. Gott vertreibt ihn von seinem Ackerboden. Er kann kein Arbeiter mehr in seinem Acker sein. Er hat Gottes Acker entheiligt, er hat nicht gehört, er hat sich widersetzt. Der Acker gibt ihm hinfort keine Kraft mehr, unstet und flüchtig sollst du – gottloser Mensch – sein. Kain fürchtet mehr die anderen Menschen als Gott, sie werden mich erschlagen, da ich eine weitere Last auf sie gebracht habe. Gott setzt sein Friedenszeichen als Mal auf Kains Stirn: Nein, kein Jedermann soll Hand an einen anderen Jedermann setzen, egal, was er getan hat, das würde sich 7fach für ihn rächen. Gott will kein Blutvergießen, das Leben steht für ihn im Mittelpunkt, nicht der Tod und nicht die Rache. Jede Rache ist für ihn ein Vergehen gegen ihn, gegen seinen Willen. Deshalb hat er sie so unter Strafe gestellt. So ging Kain weg vom angesicht des HERRN, bestraft und beschützt in der Bestrafung, und wohnte fortan im Land Nod, in der Heimatlosigkeit, im Elend, östlich von Eden, östlich von Gottes Sorglosigkeit.
Lieber Luther, wie es weitergeht, habe ich gestern schon geschrieben, über die Nachkommenschaft Kains. Die Geschichte von Kain und Abel liest sich wie ein zweiter Sündenfall. Immer die gleichen Verfehlungen, der Mensch hört nicht auf Gottes Wort, gibt Verführung und Begierde nach und klagt dann, wenn er sich im Land Nod wiederfindet.
Aber auch das ist die Botschaft: Gott gibt immer eine neue Chance. Wenn man weiter liest, gibt er auch der Nachkommenschaft Kains wiederum eine Chance, bei ihm Ackerbauer oder Hirte zu werden. So geht es weiter,die ganze Bibel hindurch. Der Mensch fehlt aber immer am eigenen Willen, an seiner Gehörlosigkeit, und Gott gibt ihm immer eine neue Chance. Er lässt den Menschen nicht. Bis hin zu Jesus. Jesus ist der Erste, der wieder zum Gottmenschen wird, zum Menschensohn, zum Ebenbild. Der Erste, der es schafft, nicht zu fehlen. Noch nicht einmal Adam hat das geschafft.
Und vergib uns unsere Schuld! Das muss ich nun, lieber Luther, alles erst einmal sacken lassen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 4. August 2013

Top, die Wette gilt - Lucifer und Hiob

Lieber Luther,
dass es Bedrohungen für den Menschen gibt von seinen dunklen Seiten, vom Satan, wie du diesen Teil des Menschen genannt hast, war dir selbstverständlich. Satan wohnt irgendwie in der Hölle, was immer wir uns darunter vorstellen. Bedrohlich, dunkel klingt es in jedem Fall.
Daran habe ich gedacht, als ich gefragt wurde, ob ich nicht einmal etwas über Lucifer schreiben könnte. Lucifer, meine erste Assoziation war Unterwelt, Dunkles, Böses. Seit Wochen denke ich über die Dimensionen von Lucifer nach, nicht zuletzt deshalb, weil er mir in letzter Zeit häufiger begegnet ist.
Lucifer hat eine überraschende Seite. Das Wort „Lucifer“ ist lateinisch und heißt „Licht bringend“. Lucifer heißt Morgenstern, der Planet Venus ist Lucifer, in der griechischen Mythologie der Sohn der flatterhaften Eos, der Göttin der Morgenröte. Von ihr hat er das Flatterhafte geerbt. Lucifer steht zunächst für das aufgehende Licht. Lichtbringend und blutrot ist Lucifer. Als ob der über den Menschen aufgehende Tag etwas über die Ambivalenz aller Tage der Menschen wüsste.
Von Lucifer ist in Psalm 139 die Rede. Gott ist mit uns, sieht all unsere Wege, sieht in unsere Herzen, sieht in den finstersten Winkel unseres Seins. Führe ich gen Himmel, so bist du da, bettete ich mich in die Hölle, siehe so bist du auch da, nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde mich auch dort deine Hand halten und deine Rechte mich leiten. Spräche ich, Finsternis möge mich decken, so muss die Nacht auch Licht sein, das mich umhüllt, denn auch Finsternis ist nicht finster bei dir und die Nacht ist dein Licht, das mich umfasst, ich sehe es nur nicht.
Irgendwann ist aus Lucifer im christlichen Verständnis etwas Satanisches geworden. Wann und warum interessiert hier nicht. Im Buch Hiob passiert etwas an sich Unglaubliches. Gott paktiert faustisch mit dem Satan, nur mit entgegengesetztem Ausgang als bei Faust.
Die Kinder Gottes treten vor den Herrn und der Satan ist auch darunter. Der Herr fragt ihn, wo kommst du her? Er antwortet: Ich bin im Land umhergezogen und habe dort gewütet. Gott fragt: Hast du keinen Respekt vor meinem Knecht Hiob gehabt? Es gibt keinen Vergleichbaren im Land, „schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Böse“. Der Satan versucht den Herrn: Meinst du, dass Hiob umsonst Gott fürchtet? Du hast gut für ihn gesorgt, dann ist es auch nicht schwer, gottesfürchtig zu sein. Gott hält dagegen: Nehme ihm alles, was er hat, Satan, sein Habe, seine Gesundheit, nur umbringen darfst du ihn nicht. Der Satan hält dagegen: „Was gilt’s, er wird dir ins Angesicht absagen? (Hiob 1, 6 ff). Top, die Wette gilt.
Das gesamte Buch Hiob beschreibt den Verlauf dieser Wette. Hiob spürt tief in seinem Innern, dass irgendetwas nicht stimmt, dass böse Mächte am Walten sind und er stürzt ob all dem Unglück, das der Satan über ihn bringt, in tiefe Verzweiflung über seinen Gott. Wieso tust du mir das an, o Gott? Was habe ich getan, dass du mich so strafst? Er hadert und klagt an, aber er verliert seinen Glauben nicht.
Seine Freunde eilen herbei, um den verarmten und kranken Hiob zu trösten. Sie sind entsetzt, ob seiner Anklagen an Gott und kommen ihm mit schriftgefälligen Reden, die an seine Demut appellieren. Du versündigst dich Hiob, Gott darf man nicht anklagen, Gott ist Gnade, Gott ist die Liebe. Doch Hiob gibt in allem Elend nicht klein bei, er sieht das Böse, das am Walten ist. Der Satan nimmt ihm nicht nur all seine weltlichen Güter, seine Gesundheit, er kommt auch noch in Gestalt von angeblichen Freunden daher. Hartnäckig versucht der Satan in der Gestalt, Hiob von seinem inneren Gotteswissen abzubringen und auf den Irrweg der schönen Reden und des schönen Gottes-Scheins zu bringen.
Aber Hiob steht felsenfest. Er steht ein für seinen Glauben, auch wenn er arm, krank, verlassen, in die gottlose Ecke gestellt allein auf weiter Flur steht. Er lässt sich nicht beirren. Und Gott verlässt ihn nicht. Der Herr fragt Hiob, wo warst du, als ich die Erde gründete, wer hat das Maß und den Eckstein gesetzt, als mich die Morgensterne miteinander lobten und alle Kinder Gottes jauchzten, wer hat dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Ort gezeigt, dass sie alle Ecken der Erde erfasse und die Gottlosen herausgeschüttelt werden? (Hiob 38, 1-13).
Wer ist der Herr über das Maß, wer setzt den Eckstein, wer zeigt dem Morgenrot seinen Platz, blutrot oder licht? Wer schüttelt den Satan, die Versucher, die Versuchungen, das Böse aus dem anbrechenden Tag heraus? Als Hiob Gott wieder hört, versteht er, was er ihm sagen will. Er demütigt sich vor dem Herrn und findet aus seinem Hader heraus und wieder in die Demut vor Gott hinein. Gott hatte schließlich Erbarmen mit ihm, seinem gottesfürchtigen Diener.
Hiob war der Versuchung, dem Versucher ausgesetzt und Gott hat es ausdrücklich zugelassen. Gott wusste um die Glaubensstärke von Hiob. Er war sich Hiobs so sicher, dass er sogar auf ihn gewettet hat. Deshalb hat er Hiob gewählt, um dem Satan vorzuführen, dass Gott der Herr ist und nicht der Satan. Um das Pharisäertum zu entlarven. Seht, auch die scheinbar Gläubigen können nicht immer das Teuflische vom Göttlichen unterscheiden. Die Versuchung Jesu, als er 40 Tage in der Wüste war, zeigt, wie souverän Gottes Sohn die satanische Herausforderung meistert. Hiob verkörpert den Menschen in dieser Versuchung. Von Souveränität keine Spur.
Gott zeigt der Morgenröte ihren Ort. Lucifer steht nicht nur für den Lichtbringenden, sondern auch für den gefallenen Engel, wie im Buch Henoch beschrieben, für die gefallene Schöpfung Gottes, Adam und Eva, für diejenigen, die Gott gut und böse schuf. Die Versuchungen, die das menschliche Leben bringt, sind für uns oft größer, als Gottes Maß, sein Recht und Gesetz, sein Wille. Lucifer, der gefallene Lichtbringende, verkörpert das Licht, aber auch das Fleischliche, das Blutrot, das Verwundete und Verwundbare. Wir sind alle irgendwie Lucifer. Lichtbringend, gefallen und immer in Gefahr noch weiter zu fallen.
Hiob hat Demut lernen müssen. Er hat das Teuflische durchleiden müssen, seinen Stolz begraben, seine Selbstsicherheit, ein von Gott Geschützter zu sein, dem nichts passieren kann. Gott hat nicht verhindert, dass er so leiden und mit ihm hadern musste. Im Gegenteil, Hiob ist von Gott der Versuchung ausgesetzt, durch all sein Leiden hindurch geschickt worden. Und auch hier: Damit offenbar werde, dass ich, Gott der Herr bin. Gott war sich des Ausgangs von vornherein sicher.
Lieber Luther, diese Hiobsgeschichte ist einzigartig in der Bibel. Ein Buch, das erzählt, wie Gott mit dem Bösen, den dunklen Seiten, der Versuchung, dem Versucher umgeht. Ein Buch, das erzählt, wie Lucifer, der Licht Bringende, am Ende siegt, nicht der Gefallene. Das Hiobsbuch zeigt uns den Weg, gibt Zuversicht und Hoffnung, auch wenn es zunächst nach Hiobsbotschaften aussieht. Ein wunderbares Buch von der Tiefe des Glaubens. Wenn wir von Satan, dem Versucher, bedroht werden oder mehr Lucifer, dem Gefallenen, gleichen, dann sollten wir das Buch Hiob lesen und Psalm 139. Gott und das Böse, im Glauben immer eine Herausforderung für uns Menschen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Freitag, 15. Februar 2013

Fastenzeit der Seele


Lieber Luther,
die Fastenzeit hat begonnen. Das scheint die Phantasie der Menschen in Gang gesetzt zu haben. Fastenvorhaben konzentrieren sich auf Süßigkeiten, Alkohol, Fernsehen, Internet, Smartphone, Müll, Auto, usw.
Lauter Konsumartikel. Willentlicher Verzicht auf Verzichtbares. Ist das mit vorösterlichem Fasten gemeint?
Die Antwort finden wir in Matth.4, 1 ff.: Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt. Er hat eine Bewährungsprobe zu bestehen. 40 Tage und 40 Nächte fastet er. Nun "hungert ihn".
Daraufhin wird Jesus dreimal versucht:
Der erste Angriff gilt dem Ego: Wenn du Gottes Sohn bist, dann kannst du auch Steine zu Brot machen, auf dass es deinen Hunger stille. Jesus hat aber auf etwas ganz anderes Hunger: Auf das Wort Gottes, durch das der Mensch erst wirklich lebt.
Der zweite Angriff gilt dem Glauben in das Wort: Du kannst dich getrost in die Tiefe stürzen, denn es steht ja geschrieben, Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich auf Händen tragen werden (Psalm 91, 12). Jesus kontert: Es steht auch geschrieben, du sollt Gott, deinen Herrn, nicht versuchen.
Der dritte Angriff gilt der Habgier und Käuflichkeit: Ich gebe dir allen Reichtum und weltliche Macht, wenn du vor mir in die Knie gehst und mich anbetest. Jesus bleibt standhaft: Es steht geschrieben, du sollst Gott, deinen Herrn, anbeten und ihm dienen.
Dreimal ist Jesus der Versuchung ausgesetzt und dreimal beruft er sich auf Gottes Wort. Das ist es wonach Jesus hungert.
Wieso konnte er widerstehen? Jesus ist bereits von Johannes getauft, er hat aber seine Lehrtätigkeit noch nicht aufgenommen. Er ist sozusagen noch ein nicht herausragender Mensch. Dann schickt ihn der Geist, der in der Taufe auf ihn gekommen ist, in die Wüste, um ihm seine geistig seelische Rüstung anzulegen.
40 Tage dauert es, bis Jesus den verzichtbaren menschlichen Ballast über Bord geworfen hat, bis er seine Seele geklärt hat und nun für die göttliche Mission bereit ist. Jetzt hungert er danach, für Gottes Wort einzustehen und es zu verbreiten. Er ist zum erwachsenen, nicht mehr anfechtbaren Gottessohn geworden, zum Messias.
Das ist mit vorösterlichem Fasten gemeint. Die Reinigung unserer Seele von menschlich oberflächlichen Anfechtungen: vom Ego, von falschen Göttern, von Konsum, Habgier und Machtstreben. Das ist eine ganz andere Ebene als das oberflächliche Fasten, das wir betreiben. Das wiegt nur das Gewissen in den Schlaf, bringt unsere Seele aber nicht einen Schritt weiter. Mensch, da bist du wieder mal auf der ganz falschen Spur.
Bei Johannes wird am Anfang von Jesu Wirken mit der Erzählung von der Hochzeit von Kanaan bereits der Bogen zu seinem Ende geknüpft. Ähnlich ist das hier bei Matthäus, auch vor Beginn seines Wirkens: Dreimal wird Jesus versucht, drei Mal widersteht er, unverbrüchlich im Wort Gottes verankert. Dreimal ist Petrus gefragt worden, ob er Jesus kenne, dreimal hat er verneint. Dreimal hat er Jesus verleugnet, dreimal hat er nicht darauf gehört, was geschrieben steht.
Petrus konnte dem Versucher nicht widerstehen, wir können ihm nicht widerstehen, was immer wir uns als Fastenübung ausdenken. Wir werden immer scheitern. Das ist der Unterschied zwischen dem Menschensohn und den Söhnen und Töchtern der Menschen. Fasten wie Jesus bleibt bei uns immer nur ein annähernder Versuch.
Trotzdem, lieber Luther, lassen wir uns davon nicht entmutigen. Wir tun, was uns gegeben ist. Ich gehe mal davon aus, dass Du es auch mit dem innerlichen Fasten versuchst und nicht mit dem oberflächlichen. Der Verzicht auf das ein oder andere Fastenbier würde allerdings auch Deiner Linie nicht schaden.
Herzliche Grüße
Deborrah