Lieber Luther

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Sonntag, 3. Mai 2015

Vaterunser (9) - Erste Liebe

Lieber Luther,
niemals kann ein Mensch seinen Bruder von seinen Sünden, seiner Bösartig- und Schlechtigkeit lösen, denn zu kostbar ist seine Seele. Es bedarf des Atemhauches Gottes. So viel kann ein Mensch nicht in die Waagschale werfen, damit es den Atemhauch Gottes aufwiegen würde. Gott allein ist es, der den Menschen von der Gewalt des Scheols, von der menschlichen Hand in ihrer Abgründigkeit, vom Menschen, der ohne Atemhauch Gottes handelt, entreißen kann. Gott allein kann lösen, kann erlösen (Ps. 49, 9-16). In Psalm 49 steht, um was es geht, wenn wir imVaterunser beten:
Und erlöse uns von dem Bösen, von allem Übel.
Wie weltlich reich ein Mensch auch ist, wie angesehen, wie intelligent, wie weise, wie sehr er auch meint, er selbst sei mit vielem gesegnet: Es nützt ihm nichts. Er fährt ins Grab und hat nichts in seinem Fruchtkorb, was ihn vom Tod bewahren könnte. Armer reicher Mensch.
Gott alleine löst und erlöst, kein Mensch, auch kein Menschensohn, kann dies erwirken. Nur der Vater allein. Die Kindschaft, die Sohnschaft, an sich macht Gottes Erben aus. Jesus spricht von sich meistens in der dritten Person, vom Menschensohn oder dem Sohn des Menschen, von dem, den Gott als sein Ebenbild erschaffen hat. Wir sind alle adama, fruchtbarer Ackerboden, aus der Muttererde Gottes. Um jeden einzelnen geht es Gott, um dich und mich.
Jeder bekommt oder IST zu gleichen Teilen. Was er daraus macht, liegt bei jedem selbst. Jesus erzählt im Gleichnis vom verlorenen Sohn davon. Der Sohn, der auf dem falschen Weg war, erkennt in tiefer Not, was er Gutes beim Vater hatte, kehrt um, bereut ehrlich: Vater ich habe gesündigt vor dir und gegen den Himmel, ich bin es nicht wert, dein Sohn zu heißen. Mach mich wenigstens zu einem, dem du nur das gibst, was er jeden Tag verdient. Wie reagiert der Vater: Lasst uns fröhlich sein und ein Fest feiern, denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden (Lk 15, 11-31). Die Sohnschaft hat auch dieser verlorene Sohn nicht verwirkt. Die Arme des Vaters sind weit geöffnet, er wartet jeden Tag auf die Rückkehrer.
Und erlöse uns von dem Übel, heißt, HERR, lass mich umkehren, lass mich abkehren vom falschen Weg. Es heißt, ich bin bereit, mich von meinen Übeltaten und dem Bösen zu lösen, einzusehen, zu bereuen, umzukehren. Ich will aktiv, gewollt, willentlich zum richtigen Weg, zum Vater, zu Gott, zurückkehren, auch, wenn ich bei ihm nur zu den Geringsten zähle.
Der Mensch ist das Kind Gottes, der Mensch, in dem Gottes Atemhauch ist, der Gott in sich atmen lässt, ist sein Erstling. Gott sagt Ja zum Menschen, er will seinen Erstling zurück haben. Er will ihn nicht an Abgötter verloren geben. Er schlägt die ägyptischen Erstlinge, streicht seinBlut, sein Leben, an die Hauspfosten, in denen seine Erstlinge sind, zum Zeichen: Hier ist nicht der Tod, hier, wo ich bin, ist Leben (2.Mose 12, 29). Hier sind die wahren Erstlinge, die das wahre Reich erben.
Gott belehrt Kain: Wenn du recht tust, erhebt sich das Rechte zu mir, wenn du aber nicht recht tust, lagert sich die Sünde vor der Tür und hat Verlangen nach dir. Du sollst aber über sie herrschen (1.Mose 4, 7), d.h., du sollst das Böse, die Versuchung beherrschen. Das gelingt dem Menschen nur partiell. Gott kennt die Fehlbarkeit des menschlichen Willens von Anbeginn. Selbst nach dem Brudermord gibt Gott Kain nicht auf, er will ihn nicht als Blutopfer enden sehen. Gott will keine Menschenopfer – kein Sühneopfer – weder Kain, noch Isaak, noch Jesus. Weder den Schuldigen, noch den Unschuldigen, noch jeglichen Sohn der Menschen, für den Jesus steht (= Menschenkind). Gott will seinen Erstling ganz zurück.
Alle Erstgeburt unter meinen Kindern ist mein, seit der Zeit, seit ich die Erstgeburt in Ägypten schlug und sie mir heiligte (4.Mose 8, 17). Unter diesem Blickwinkel ist auch zu verstehen, wieso Esau zum Verhängnis wurde, dass er sein Erstgeburtsrecht für einen vollen Magen an seinen Bruder Jakob verkaufte. Jakob ist uns zum Bild gegeben. Strebt wie Jakob danach, bei Gott Erstling zu werden. Das innere Streben zählt, die menschlichen Verfehlungen zwischen den Menschen sind hierbei zweitrangig. Gott hat Jakob trotz alledem zu seinem Erstling gemacht, ihm den Namen Israel gegeben, ihn zum Erstling für sein auserwähltes Volk gemacht. Der Erstling ist der Haupterbe, er empfängt den väterlichen Segen, ihm gebührt der Ehrenplatz am Tisch.
Mit der menschlichen Erstgeburt hat Gottes Erstling nichts gemein. Ruben, der formal Erstgeborene Jakobs, hat sein Erbe verspielt, indem er "seines Vaters Bett entweihte". Es ist gemeint, er hat sich genommen, was nicht sein war, er hat das, was Gott gehörte, von Gott weg und zu sich hingezogen, hat verführt, war Satan. Jakobs "Fürstentum" ging an Juda, das Erstgeburtsrecht an den Sohn Joseph (1.Chr 5, 1), sie sind vor den formal Erstgeborenen gesetzt worden. Gott schert sich nicht um menschliche Hierarchien. Er setzt seine Wahrheit über menschliches Recht. 
Und erlöse uns von dem Übel. Gemeint ist erstrangig das Übel, Gottes Erbschaft achtlos zu verspielen, die Ehre, Gott in uns zu haben, nach Gottes Ebenbild geschaffen zu sein, mit Füßen zu treten. Menschliche Bösartigkeiten untereinander sind im Verhältnis dazu belanglos. Deshalb sagt Jesus auch: Ihr könnt über alles fluchen, einschließlich mich, nur nicht über den Wind, der weht, über den Atemhauch meines Vaters. Wer dies tut, ist schuldig des ewigen Gerichts (Mk 3, 29). Das ist das Böseste vom Bösen.
Und ich sah das Lamm stehen auf dem Berg Zion und mit ihm 144.000, die hatten seinen Namen und den Namen des Vaters auf die Stirn geschrieben. Sie sangen ein neues Lied, das nur die 144.000 lernen konnten. Sie waren "erkauft" von der Erde. Sie folgen dem Lamm nach, wohin es geht. Sie sind erkauft aus den Menschen zu Erstlingen Gott und dem Lamm, denn in ihrem Mund wurde kein Falsch gefunden (Offb 14, 1-5).
Das heißt, lieber Luther, Gott muss sich seine Erstlinge von der Erde zurückkaufen. Er muss wettbewerben auf dem Marktplatz der irdischen Angebote. Er steht zwischen den Verkaufsständen mit den verschiedenen menschlichen Heils- und Unheils-Sonder-Angeboten und versucht, ein offenes Ohr für sein Wort zu finden. Und erlöse uns von dem Übel, heißt also auch, löse unsere Schwerhörigkeit. Jesus hat nicht umsonst so viele Taube geheilt. Ihr seid die Tauben, öffnet eure Ohren, hört Gottes Angebot. Die Heilungen war nur ein Zeichen, damit ihr überhaupt hinhört. Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlässt (Offb 2,4). Erlöse uns von dem Bösen heißt, HERR, lass den Erstling deiner Liebe zurückkehren zu dir, seiner ersten Liebe.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 27. Oktober 2013

Geisttaufe

Lieber Luther,
ich bin gestern mit meinen Gedanken zur Taufe nicht zu Ende gekommen. Ob man das je tut, ist die Frage. Wir erkennen immer nur Teile von Gottes Wahrheit, wir sind schon sehr begrenzt.
Das Geschehen bei Jesu Taufe sind ohne die Erklärungen, die Johannes gibt, dessen Auftrag die Taufe ist, die Taufe zu leben, zu erklären, zu verbreiten, kaum zu erfassen. Johannes lebt für die Taufe, Johannes lebt, um Jesus zu taufen, um Jesu Taufe in die Welt zu bringen. Gott bewirkt durch Johannes, dass die Taufe mit dem Heiligen Geist wird in der Welt. Jesus ist hier, wie in allem was zu Gott führt, derjenige, der uns vorangeht. Nach Jesu Taufe ist auch unsere Taufe mit dem Heiligen Geist möglich. Vorher war dies nicht der Fall. Jesu Taufe ermöglicht auch uns die Nachfolge. Jesu Taufe ist die Gottes Initiation der Geisttaufe. Deshalb sagt Jesus zu Johannes: Lass es geschehen.
Johannes bringt, um das Taufgeschehen zu erklären, zwei Bilder:
Der Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
Die Spreu wird vom Weizen geschieden und ins Feuer geworfen.
Jesus schaut sich alle Bäume an, diejenigen, die keine Frucht bringen, werden an der Wurzel abgehackt. Der unfruchtbare Baum, das tote Holz, wird verbrannt, die Wurzeln bleiben. Der Baum kann neu treiben, hat eine weitere Chance, ein fruchtbarer Baum zu werden.
Jesus scheidet Fruchtbares von Unfruchtbarem, er schließt uns für Gott auf, drischt uns, so dass die Spreu von uns abfällt, lässt uns neu wachsen. Sein Feuer brennt ewig, so dass alle Spreu, alles tote Holz verbrennen kann.
Jesus tauft mit dem Heiligen Geist und mit Feuer. Beides ist nicht zu trennen. Das Taufwasser spült unsere Seelen frei von allem Müll, der sich auf sie gelegt hat und macht sie empfänglich für Gottes Geist, lässt Gottes Geist in sie einfließen, lässt uns in Gottes Geist eintauchen – das griechische baptizo – taufen – heißt eintauchen. Gottes Geist taucht in uns ein und wir in seinen Geist. Das heißt Geisttaufe. Das tatsächliche Eintauchen in Wasser bei der Taufe verbildlicht unser Eintauchen in Gottes Geist, das Wasser verbildlicht Gott als die Quelle des Lebens, reinigend und nährend.
Bei Jesu Taufe öffnet sich der Himmel, der Heilige Geist fließt in ihn ein, Gott sagt: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Das geschieht in Jesu Nachfolge auch bei unserer Taufe: Gottes Geist fließt in uns ein, Gott sagt zu mir, du bist mein liebes Kind, an dem ich Wohlgefallen habe. Gott begründet unsere Kindschaft mit der Taufe. Die Taufe begründet den "direkten Draht" zu Gott, ob wir seine Stimme hören oder nicht. Sein Geist ist mit uns und wir sind Teil seines Geistes. Die Taufe ist das Herzstück des christlichen Glaubens, unserer Beziehung zu Gott in Jesu Nachfolge. Ohne Taufe ist das nicht möglich.
Deshalb ist auch das Letzte, was Jesus seinen Jüngern mitgibt:
"Geht nun hin und lehret alle Völker und
taufet sie im Namen des Vaters
und des Sohnes und
des heiligen Geistes
und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (Matth 28, 19-20).
Jesus hat bei der Taufe die Worfel in der Hand, scheidet das, was den Geist hindert, in uns einzufließen, mit der Taufe von uns ab, macht es möglich, dass Gott den Heiligen Geist in uns einfließen lässt. Diese Dreiheit begründet die Einheit in der Taufe, Trinitatis.
Lieber Luther, diese Erkenntnis hallt so stark in mir, ich möchte weinen. Weiteres ein anderes Mal.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 26. Mai 2013

Gottes Wind - Trinitatis

Lieber Luther,
es ist, glaube ich, wieder an der Zeit, dass ich dir schreibe, obwohl es mich, wie ich gestehen muss, Disziplin kostet. Der Himmel ist dunkel, der Sturm wütet und zehrt an meiner Kraft.
Heute ist Trinitatis, ein weiteres Hochfest, so kurz nach Pfingsten. Wieso ist es ein Hochfest? In der Volksseele ist das kein Fest, das dort verwurzelt ist. Wieso ist es dort nicht angelangt?
Das Konstrukt "Trinitatis", der Heiligen Dreifaltigkeit, hat dogmatischen Ursprung, ist nachbiblisch, ist eine Lehre: seht so wirkt Gott in seiner Vielfalt – vereinfacht auf Dreifalt, der menschlichen Einfalt angepasst. Es hat keinen direkten Ursprung in der Bibel, ist mehr eine Zusammenfassung, ein Bekenntnis:
Ich glaube an Gott, den Vater
Ich glaube an Gott, den Sohn,
Ich glaube an Gott, den Heiligen Geist.
In diese Dreiheit sind wir getauft, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Ausgehend aus Gott, verweslicht, vermenschlicht, geschöpft aus Gott in seiner Schöpfung, in allem was lebt. Vermenschlichter Gott in Jesus Christus, Gott in seiner Schöpfung und als Teil seiner Schöpfung. Gott mit seiner widerspenstigen Schöpfung. Der Heilige Geist geschickt zur ungreifbar unbegreiflichen Hinleitung seiner Schöpfung zu ihm zurück, zum Schutz seiner Schöpfung, des Menschen, vor sich selbst, des Schutzes Gottes in seinem Ebenbild, wen man so will.
Kirche spricht von "drei Personen". Für Menschen ist Gott vermenschlicht als "Person" – ein Dogma, ein Versuch, das Göttliche zu fassen, was letzten Endes immer Scheitern muss. Dreifaltigkeit meint das A&O, den Ausgang vom göttlichen Ursprung und die Rückkehr dahin zurück. Das göttliche Sein und Wirken in seiner vielfältigen Unbenennbarkeit, das wir, um überhaupt darüber kommunizieren zu können, mit "Vater, Sohn und Heiliger Geist" benannt haben. Gott hat bei uns diese Namen. Gott hat uns diese Namen auf die Stirn und in die Seele gebrannt. Trinitatis ist so gesehen nichts anderes als ein Name für das göttliche Wirken.
Jesus versucht Nikodemus das Göttliche zu erklären. Nikodemus, ein Pharisäer, ein vor dem Gesetz Gott-Gebildeter in menschlichem Unverstand, versteht es nicht, weil er mit dem Verstand zu erfassen sucht, was jenseits menschlichen Verstandes und Verständnisses liegt. Seine menschlich verhafteten Denkmuster versperren ihm den Blick.
Jesus sieht das und versucht es Nikodemus mit einem menschlich verständlichen Bild klarzumachen: Der Wind bläst, wo er will (Joh 3, 8) . Du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, wo er anfängt und wo er endet, wann und wo der Geburtsaugenblick eines Tornados ist und wann er sein Leben wieder aushaucht, aus welcher Richtung er kommt und in welche er geht, ob es ein Lüftchen ist oder sich zu einem Sturm auswächst, ob er hinwegfegt oder nur an einem zerrt, ob er eine Schneise der Verwüstung hinterlässt oder nur ein paar Dächer abdeckt. Der Sturm säuselt, braust, wütet wie er will, nicht wie ich will. Er wirkt und bewirkt an mir ohne mein Zutun.
Und dann der Zusatz: Also ist jeglicher, der aus dem Geist geboren ist (Joh 3, 8). Wow! Was heißt das? Ein Also, ein Ist, das es in sich hat. Wir als Wind, Teil des Windes und des Säuselns, mit Anfang und Ende im Unfassbaren, nur in der kurzen Wegstrecke der menschlichen körperlichen Existenz körperlich greifbar. Wenn der Wind auf Widerstand trifft. Wir sind menschlicher Sturm und Teil des göttlichen Windes oder Sturmes. Wir sind diejenigen, die Sturm säen und Sturm ernten. Wir sind diejenigen, die nicht wissen, ob Frucht bringt, was wir gesät haben, oder der Sturm die Ernte verhagelt. Wir sind diejenigen, die ein Lüftchen im Ganzen des göttlichen Windes sind. Wir wissen nicht, ob der göttliche Sturm die aufgegangenen Pflänzchen hinwegfegt oder das Säuseln des Windes sie reifen lässt und sie am Ende Frucht bringen.
Mensch, ein Wind, dessen Stärke und Richtung nicht wirklich zu fassen ist und damit auch hier Gott ebenbildlich. Ob Wind oder Sturm, entscheidet sich in der göttlichen Großwetterlage. Also wird mit einem Sturm verworfen die große Stadt Babylon und nicht mehr gefunden werden (Offenb 18, 21). Oder er vernichtet, wie in Sodom. Das Säuseln des Windes vernimmt nur derjenige, der aus dem Geist geboren ist. Der tödliche Sturm in Babylon und Sodom, der die Tauben trifft, ist genauso Realität.
Wetterfühlige unter uns fühlen, wenn ein Sturm kommt. Er sitzt einem schon vorher in den Knochen, lässt den Kopf bersten, man spürt förmlich, dass etwas in der Luft liegt. Jedoch, man kann den Wind buchstäblich nicht fassen, nicht anfassen, nicht seiner habhaft werden. Nicht jeder ist wetterfühlig, nicht jeder setzt sich dem Wind aus. Wenn du im Wind oder gar im Sturm stehst, ist es der Sturm, der Orkan, der Tornado, der das Sein oder Nichtsein in seiner Hand hält, der entscheidet über Leben, Tod und Überleben, sei es im Leben oder Sterben. Wir haben keine Macht über den Wind. Er entzieht sich uns unsichtbar. Wir sehen ihn nur mittelbar, wenn er durch die Blätter der Zitterpappel fährt, die Äste knickt, die Blätter vom Baum fegt, gar den Baum bricht, aber die Wurzel stehen lässt. Wenn er Sturm kommt,nimmt Gott die Geist Getauften bei der Hand und führt sie hinaus in sein sicheres Land. Doch auch da gehen Winde, die uns wegraffen können.
Jesus erklärt weiter: Nur wenn man neu geboren wird, sieht man das Reich Gottes (Joh 3, 3), geboren aus Wasser und Geist, geboren aus Gott, der Quelle des Lebens, die Schuld genommen durch den einen, einzigen Sohn, ausgeschüttet über uns der Heilige Geist im Namen des Vaters und des Sohnes und damit uns in diese Drei-Einigkeit hineingehoben. Dies ist immanentes, in sich einiges Geschehen, eines im anderen und das eine wäre ohne das andere nicht. Trinitatis ist der göttliche Lebenskreislauf. Ohne Trinitatis steht Vater, Sohn und Heiliger Geist einzeln da, unverbunden. Trinitatis ist der Versuch zu benennen, dass alles von Gott ausgeht und in Gott eingeht, vermittelt durch den einen Sohn, er uns durch unsere Entschuldung so rein macht, dass wir wieder eins werden können mit Gott. Trinitatis – Dreieinigkeit – ist nicht Trennung, sie ist geistgeborene Einheit des Menschen in Gott.
Lieber Luther, zusammengefasst könnte man ganz einfach sagen: Trinitatis ist uns in Form des Segens gegeben und immer gegenwärtig (4.Mos 6, 24-27):
Ihr sollt meinen Namen auf die Kinder Israel legen, dass ich sie segne:
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Man möchte noch anhängen:
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist.
Trinität, ganz ohne Dogmatik.
Ganz einfach, ganz unverkopft. Gottes Wind. Gegenwärtig. Gefühlt. Geglaubt.
Herzliche Grüße
Deborrah