Lieber Luther

Lieber Luther
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Sonntag, 8. März 2015

Gleich, vorher muss ich noch ...

Lieber Luther,
Auf den ersten Blick sieht es im Predigttext zum Sonntag Okuli (Lk 9, 57-62) so aus, als ob Jesus ein bisschen aufstöhne und sage, jeder Fuchs hat einen Bau, in dem er schläft, jeder Vogel ein Nest, in dem der die Nacht verbringt, aber ich, der arme Wanderprediger, weiß nicht, wo ich heute Nacht schlafen kann. "Modernisierte" Bibelübersetzungen führen auf die falsche Spur. Da heißt es: Der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. So steht es im Gesangbuch. Ein kleines s, das einen großen Unterschied macht, materialisiert und die Bibelmodernisierer nicht gerade als Bibelversteher dastehen lässt. Für sie hat Jesus eigentlich das gepredigt, um was es im heutigen Predigttext geht.
In der Lutherübersetzung von 1912 heißt es: Aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hin lege. Er hat keinen irdischen Ort, will Jesus sagen, aber sicher hat er kein "nichts".  Er hat sehr wohl etwas. In der Elberfelder Übersetzung ist nahezu wie in der Lutherübersetzung übersetzt. Aber, anstatt zu materialisieren, wird verortet. Anstatt dem "da" steht ein "wo", und anstatt "hin legt", steht "hinlegt", was auch wiederum in die falsche Richtung geht, eben "wo er sich hinlegt", was Jesus gerade nicht tut und wogegen er anpredigt. Das macht einen gewaltigen Sinn-Unterschied, ist aber, zugegegebenermaßen, nicht leicht zu verstehen. Lieber Luther, wie fast immer, hast du dich als einziger richtig hin gelegt.
Der Schlüssel zum Predigttext für diesen Sonntag liegt in Psalm 110: Der HERR sprach zu meinem Herrn: "Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege…. Er wird trinken vom Bach auf dem Wege; darum wird er das Haupt emporheben."
Im Predigttext heißt es: Es begab sich aber, dass sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wo du hin gehst. So fängt diese Geschichte an. Jesus ist auf dem Weg. Einen Vers vorher heißt es: Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern sie zu erhalten. Das ist der Weg, auf dem Jesus ist und auf den er uns mitnehmen will.
Viele finden Jesus gut, viele wollen ihm nachfolgen, bei vielen ist das Zungenwort stark, der Wille aber schwach. Vor der Nachfolge kommen noch viele andere weltliche und menschliche Dinge. "Ich will dir nachfolgen, wo du hingehst", sagen viele zu Jesus, behaupten auch viele von sich heute. In vielen Geschichten, z.B. der vom frommen Reichen, der von seinem Reichtum nicht lassen will (Mk 10, 20-24), sagt Jesus: Bedenke was du sagst, der Weg, auf den ich führe, ist nicht einfach, ich verlange viel, nämlich dass du es machst wie ich, nur Gottes Wort zu folgen, von allem anderen zu lassen: von der Familie, von Macht und Ehre, von Reichtum, von der Vorsorge, von der Bequemlichkeit.
Ich will dir folgen, wo du hingehst. Wirklich? fragt Jesus. Er prüft auf Herz und Nieren. Er sagt: Die Füchse haben Gruben, die folgen mir nicht nach. Simson fängt Füchse (Ri 15, 4). Sie verderben den Weinberg (Hohelied 2, 15). Füchse können auch falsche Propheten sein (Ps 63,10). Herodes ist ein Fuchs. Er kann mich nicht abhalten. Ich treibe Teufel aus, mache gesund und am 3.Tag werde ich ein Ende haben. Ich muss wandeln, meine Mission ist, die Menschen dazu zu bringen, sich zu ändern, ich muss vorangehen, sie auf den Weg hin zum Reich Gottes bringen. Es reicht nicht, dass ein weiterer Prophet vor den Mauern Jerusalems umkommt. Ich muss das Wort predigen (Lk, 13, 31-33). Füchse fallen am Ende in Gruben, mein Vaterhaus ist woanders. Ich werde mich nicht wie die Füchse in die Grube legen, sondern mich auf seinen Schemel setzen, Haupt an Haupt mit ihm zu seiner Rechten.
Du willst mir nachfolgen? Wirklich? Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber des Menschen Sohn nicht. Du willst mir nachfolgen und sitzt bequem in deinem Nest? Verkriechst dich dort, richtest es dir dort schön ein und denkst, das sei nun Nachfolge? In Wahrheit ist mein Erbe wiesprenklige Vögel, um die sich andere schräge Vögel scharen und sich gegenseitig bekräftigen, dass sie doch in Gottes Reich fliegen, wie immer sie sich auch gebaren (Jer 12, 9). Der Sämannsät auf den Weg und die Vögel kommen und fressen die Saat (Mt 13, 4). Jesus sät das Wort auf den Weg, die falschen Vögel kommen, fressen die Saat, und scheiden das Wort als Sch… wieder aus. Man muss nur den ein oder anderen veröffentlichten Predigttext für heute lesen und weiß sofort, von was Jesus hier spricht. Die Vögel, ob Nesthocker oder nicht, sie folgen mir nicht wirklich, sagt Jesus. Irgendetwas kommt bei ihnen immer dazwischen, Ausreden und Entschuldigungen finden sie genug, nur mein Wort, das finden sie nicht.
Die Bilder aus der Tierwelt, ob Fuchs oder Vogel, haben die potentiellen Nachfolger nicht verstanden, sonst würde einer nicht Jesus fragen: Lass mich vorher noch meinen Vater begraben, dann folge ich dir nach. Das ist nicht bedingungslose Nachfolge, das ist: Wenn ich meinen Vater begraben habe, dann folge ich dir. Jesus sagt: Lass die Toten ihre Toten begraben, entscheide dich für das Leben, auch wenn es hart klingen mag und hart ist. Ich muss erst noch etwas anderes erledigen, dann kommst du, dein Wort und der Weg zum Himmelreich, ist keine Nachfolge, damit verfällst du den vermeintlichen Verpflichtungen im Leben und setzt deine Verpflichtung zur Nachfolge hinten an. Lass dich nicht von falschen Verlockungen und vermeintlichen Verpflichtungen von meinem Weg abbringen. Das ist seine kompromißlose Botschaft.
Poetischer steht dies in Spr 27, 6-8: Die Schläge des Liebhabers meinen's recht gut; aber die Küsse des Hassers sind gar zu reichlich. Eine satte Seele zertritt wohl Honigseim; aber einer hungrigen Seele ist alles Bittere süß. Wie ein Vogel, der aus seinem Nest weicht, also ist, wer von seiner Stätte weicht. Die Schläge des Lieb-Habers Jesus meinen es gut, aber die verführerischen Verlockungen der Welt sind zu reichlich, um bedingungslos nachzufolgen. Sein Honigseim wird zertreten, weil seine Schläge als zu hart erscheinen, nicht tragbar, nicht vermittelbar. Du musst nachfolgen, zählt nicht, du musst im Irdischen, aber wohl. Zuerst kommt etwas anderes, ist nicht Nachfolge, so wie sie Jesus versteht.
Jesus sagt, dein Ort, dein Weg, dein Ziel ist nicht das Ruhekissen, was willst du bei den Toten, da kannst du nichts mehr bewirken, gehe hin und verkündige das Reich Gottes, da kannst du etwas voranbringen in Richtung Reich Gottes, da kannst du etwas bewegen, aber nicht bei den Toten, dabei ist es egal, ob die Toten noch atmen oder nicht. Sie unterscheiden sich nicht voneinander.
Ich will dir nachfolgen, aber zuerst muss ich noch … z.B. mich vom einen oder anderen verabschieden. Frau Lot ist auch nicht bedingungslos gegangen, deshalb hat sie es nicht geschafft. Ihr Herz hat zu sehr in den Rückspiegel geschaut. Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes. Was könnte Jesus auch anderes darauf antworten? Wer den Boden bereiten will für das Wort Gottes, wer die Verkrustungen aufreißen will, damit die Saat des Wortes aufgehen kann, muss alle Kraft dafür aufwenden, zentriert, konzentriert sein auf dieses Ziel, vorwärts, dem Himmelreich entgegen gehen, ohne sich abzuwenden, um nach irdischen Verlockungen und Verpflichtungen zu sehen, ohne andere Prioritäten zu setzen, ohne Angst vor den Bedrohungen des täglichen Lebens. Pflüget ein Neues (Jer 4, 3), das Neue liegt vor euch, nicht hinter euch. Pflüget ein Neues, weil es Zeit ist, den Herrn zu suchen (Hos 10, 12). Viele Male sagt das Jesus. Aber - die Nachfolger sind rar. Das hat Jesus erkannt und immer wieder thematisiert, um das Bewusstsein, den Blick zu schärfen, die Augen zu öffnen, zu werben, andere Prioritäten zu setzen.
Des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hin lege. Die deutsche Übersetzung von "Haupt" hat nicht die Bedeutungsvielfalt des griechischen oder lateinischen Äquivalentes. "Haupt" bedeutet dort auch Eckstein oder Schlussstein. Das heißt übertragen: Jesus, der Eckstein, vermag nicht den Schlussstein zu setzen. Er findet noch nicht einmal einen Ort, an dem er den Eckstein setzen könnte. Zu viele: Gleich, zuerst muss ich noch ... Der Menschen Sohn findet keinen irdischen Ort, an dem er den Eckstein setzen kann... Diejenigen, die er gerne hätte, hat er nicht. Sie sind gerade anderweitig beschäftigt.
Damit wären wir wieder bei Psalm 110: Der HERR sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. Jesus ist der Eckstein, der von Gott bei Gott gesetzt ist. Der Eckstein und der Schlussstein. Christus ist des Menschen Haupt, Jesu Haupt ist Gott (so auch 1. Kor 11, 3). Sein Haupt, sein menschlich gesprochenes Wort, hat Gott mit Jesus auf den Weg geschickt, mit der einzigen Verpflegung "Wort", das ist der Bach aus dem er auf dem Weg trinkt, das ist das Wasser, das ihn nährt und darum, da dies so ist, lieber Luther, darum hat er das Haupt wieder zu sich emporgehoben. Und erst, wenn wir dorthin gefolgt sind, ist der Schlussstein gesetzt. Es gilt für Jesus, noch viele Nachfolger zu gewinnen, bis es soweit ist. 
Lieber Luther, Okuli heißt der 3. Fastensonntag. Fasst Gott allein ins Auge, geht nur diesen Weg, fastet von allen falschen Verlockungen und Verpflichtungen. Das ist Jesu Botschaft. Legt eure Hand an den Pflug und seht nur nach vorn. Lippenbekenntnisse zur Nachfolge reichen nicht aus. Setzt eure Prioritäten richtig. Sagt nicht, erst muss ich dies und das tun, dann höre ich auf das Wort, dann folge ich nach. Macht aus dem Dann ein Jetzt! Und verfallt nicht in den Fehler der Bibelübersetzer: Es geht hier nicht um Materielles, um Menschliches, es geht um die Nachfolge im Wort. Es heißt nicht, der Menschensohn hat nichts, sondern er hat nicht, er hat sich den Verlockungen nicht hingegeben, er hat keine Bedingungen gestellt, er hat den Küssen des Verführers widerstanden, er hat uns ein Vorbild gegeben, er ist das sichtbare Zeichen,  eines dem wir nacheifern können. Ein "Gleich, vorher muss ich noch ... " gab es bei ihm nicht, wenn es um Gott ging. Lieber Luther, machen wir das "Gleich, vorher muss ich noch.. " zu einem "Jetzt mache ich es". Macht die Augen auf!
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 6. April 2014

Jesu Testament

Lieber Luther,
in Jesus ist Gottes Wahrheit, Jesus hat immer gewusst was ist, was war und was sein wird. Aus diesem Überblick heraus hat er die Zwangsläufigkeit des Weltenlaufs gesehen, in einer Draufsicht, verklärt. Er weiß, dass ihn Hass verfolgt und dass ihn dieser Hass töten wird. So trifft er Vorbereitungen, er macht sein Testament, das er seinen Jüngern – uns -übergibt.
Jesus stellt sich der Situation, auch wenn sie für ihn lebensbedrohlich ist. Er zögert keinen Augenblick sondern geht auf seinen Vater vertrauend zielstrebig weiter. Soll ich sagen, Vater, hilf mir aus dieser Stunde? fragt Jesus seine Jünger suggestiv. Nein, ist die klare Antwort, „darum bin ich in die Welt gekommen“, als Weizenkorn, das erstirbt, um viel Frucht zu bringen. Sein Tod lässt den Samen aufgehen, ist notwendig, damit die Frucht anfängt zu wachsen und neue Frucht hervorbringt (Joh 12, 26).
Jesus ist bereit, den letzten Schritt zu gehen. Mit Nachdruck bittet Jesus seinen Vater: Verkläre deinen Namen, offenbare deine Herrlichkeit, deine Wahrheit, deine Klarheit, deine Reinheit, verschaffe deinem Namen Geltung, zeig all das Gute, das du bist. Eine Stimme kommt vom Himmel und Gott sagt: Ich habe ihn in der Taufe verherrlicht und will ihn auch jetzt, wo er seinen Weg vollendet, verherrlichen.
Gott macht damit klar, in Jesus ist mein Name, bin ich. Was er tut, tue ich, was er sagt, sagt er in meinem Namen. Gott gibt Zeugnis von sich in Jesus. Er gibt dies Zeugnis nicht um Jesu Willen, um ihn eventuell vor seinen Verfolgern zu retten, er gibt das Zeugnis um unseretwillen, dass wir glauben, was Jesus gesagt hat. Er setzt am Ende seine ganze Kraft ein, um das Werk von Jesu Mission zu vollenden. Es geht um den neuen Bund, den Gott mit uns schließt, in Jesus. Wer mir dienen will, der folge mir nach. Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Darin besteht der Bund und es ist der neue alte Bund, den Gott mit uns schließen will: Dient mir, folgt mir nach, haltet meine Gebote.
Es donnert, das Vorzeichen der Verfinsterung der Welt, dunkle Wolken sind im Anzug. Das Gericht ist da, das Gericht, das die Menschen, diejenigen, die nicht an ihn glauben, über den König, den Herrn, den Herrscher der Welt setzen, das Gericht, das ihn aus der Welt treibt, das Gericht, dass die Menschen meinen, über den Sohn Gottes halten zu müssen, in dem sie ihn hinausführen vor die Stadt und dort kreuzigen. Der Donner verkündet schon unheilvorhersagend die Verfinsterung der Erde auf Golgatha. Die Menschen fragen deshalb zu Recht: Es steht geschrieben, dass der Christus ewig bleibe. Wenn du jetzt gehst, kannst du ja nicht der Christus sein. Du sprichst vom Menschensohn. Wer ist dieser Menschensohn?
Ich bin das Licht, geht die kleine Zeit, die ich noch bei euch bin, in meinem Licht, denn wer in der Finsternis geht, weiß nicht, wo es lang geht. Glaubt an das Licht. Aber sie glaubten dennoch nicht, obwohl er so viele Zeichen gewirkt hatte, zum Zeugnis, dass er von Gott kommt. Der Unglaube ist die Finsternis der Welt, der Mensch, der sich nicht zu Gott bekehrt. Denn: Wer mich verachtet und meine Worte nicht aufnimmt, der hat schon seinen Richter. Jeder hat die Möglichkeit, an das Wort zu glauben. Wer die Ohren verschließt, wird er sie am Tag des Gerichts aufmachen müssen, wenn er vor seinem himmlischen Vater stehen wird. Das Wort, der Grad der Nachfolge im Wort, wird der Maßstab sein, an dem gerichtet wird. Denn „ich weiß“, sagt Jesus, dass Gottes Gebot das ewige Leben ist (Joh 12, 47-50. Worin besteht die Nachfolge?
Zunächst im tätigen Dienen. Jesus gibt die Richtung klar vor: Der Apostel ist nicht größer als der Herr, ich wasche euch die Füße und setze mich nicht zuoberst der Hochzeitstafel, weil ich mich für den Wichtigsten halte. Der Wichtigste ist Gott allein. So sollt ihr es auch halten. Seid bescheiden und demütig (Joh 13).
Nachfolge ist Achtsamkeit: Wer aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer mich aufnimmt, der nimmt meinen Vater in sich auf, sagt Jesus (Joh 13, 20). Im Umkehrschluss, wenn ihr den, den ich geschickt habe, ausschließt, schließt ihr Gott und mich aus. Deshalb verschließt eure Herzenstüren nicht, gebt acht und wacht, es könnte ich sein, der an eure Tür klopft.
Folgt mir nach in der Liebe zueinander, fordert Jesus uns auf. Da ich fortgehe, werdet ihr mich suchen, wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen. Deshalb gebe ich euch ein neues Gebot: Liebet einander, wie ich euch geliebt habe. Daran wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid (Joh 13, 34). Ein Gebot, an dem wir uns alle vergeblich abarbeiten, da die Liebe der Menschen untereinander nicht so vollkommen ist, wie die Liebe Jesu zu denen, die an ihn glauben.
Aber, erschreckt nicht: Glaubt an mich und glaubt an Gott, so ihr glaubt, seid ihr sicher, in meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Ich werde auch alle zu mir ziehen (Joh 12, 32), auf dass ihr seid, wo ich bin. Wo ich hingehe und den Weg dorthin wisst ihr (Joh 14, 3). Zweifel? Ungläubig?
Jesus gibt Nachhilfeunterricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Ich bin die Tür, durch die ihr gehen müsst. Viele Gleichnisse habe ich davon erzählt. Wenn ihr mich kennt, so kennt ihr auch meinen Vater. „Von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen“ (Joh 14, 6). Punktum. Keine Ausrede mehr möglich. Ihr kennt den Weg, der im Glauben an mich besteht, ihr kennt die Wahrheit, in den Worten und Gleichnissen, die ich zu euch gesprochen habe, und ihr wisst, dass der Weg zum ewigen Leben nur über mich und mein Wort führt. Alles, was ich bewirke, alle Zeugnisse, alles was ich rede, kommt nur von meinem Vater. „Glaubt mir, dass ich im Vater und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubt mir doch um der Werke willen“ (Joh 14, 11). Glaubt wenigstens, was ihr gesehen habt, beschwört Jesus seine Jünger. Seine Worte sind im Strom der Zeit untergegangen. Er hatte die modernen Wissenschaften noch nicht auf dem Schirm. Jesu Werken und Zeugnissen zu glauben, weigert sich der wissenschaftlich gebildete Mensch standhaft, „denn sie liebten die Ehre bei den Menschen mehr als die Ehre bei Gott“ (Joh 12, 43).
Jesus gibt nicht auf. Er setzt dem entgegen: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun“ (Joh 14, 12). Auch in den Werken, die ich getan habe, werdet ihr mir nachfolgen, denn ich gehe zum Vater, ihr werdet Berge im Glauben versetzen, Tote auferwecken und Kranke heilen. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun. Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote. In Jesu Namen beten, in Jesu Namen bitten, ihn lieben, nicht sich selbst. Mit mir könnt ihr Berge versetzen, wenn ihr hört, was ich sage, wenn ihr mich bittet in meinem Namen (nicht in eurem), wenn ihr keine Angst habt und mutig mir darin folgt.
Ich weiß, sagt Jesus, dass ihr in Anfechtung fallen werdet, dass ihr Angst bekommt, das ihr dazu tendiert, beim ersten Gegenwind euch von mir abzukehren und euch in Windrichtung zu drehen. Deshalb braucht ihr etwas, an dem ihr euch aufrichten könnt, wenn ihr es braucht, einen „Tröster“, der nicht fleischlich ist und euch nicht verlässt, sondern ewig bei euch sein wird, den keiner töten und keiner von euch abhalten kann: den Geist der Wahrheit, der euch den Weg zeigt, wenn es dunkel um euch wird, der das Licht ist, das euch leuchtet, wenn die Finsternis nach euch greift. Die Welt der Ungläubigen sieht und kennt ihn nicht, aber ihr, die ihr an mich glaubt, kennt ihn. Ich bleibe bei euch, ich will euch nicht zu Waisen und Verlassenen machen. Den Frieden lasse ich euch, den Frieden gebe ich euch, euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht ((Joh 14, 27).
Und auch das hinterlässt er uns: Hättet ihr mich lieb, würdet ich euch mit mir freuen, dass ich zum Vater gehe. Ich habe es euch ja gesagt. Ich habe euch gesagt, ich gehe hin und komme wieder. Ihr werdet mich suchen. Ich habe es euch gesagt, damit ihr es glaubt, wenn es geschieht (Joh 14,29). Alles ist damit gesagt. Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn der Fürst der Welt wird über mich zu Gericht sitzen, obwohl er mir nichts vorzuwerfen hat. Ich weiß, was mir droht, trotzdem werde ich mich ihm ausliefern, damit ihr erkennt, dass ich den Vater liebe und ich tue, was er mir geboten hat. Damit ihr seht, was Liebe heißt, bedingungslose Liebe, Liebe die liebt ohne nach sich selbst zu fragen, Liebe zu euch, Liebe, in der ich euch belehre, was ich meine, wenn ich sage, liebt mich, wie ich meinen Vater liebe.
Lieber Luther, Jesus sagt uns, ich liebe euch so, dass ich euch den Weg zeige, in dem ich vorangehe, euch das Licht im Wort aufstelle und die Wahrheit lehre, wie ihr im Licht den Weg gehen sollt. Ich bin der Erste, der euch vorangeht, ich bin das Weizenkorn, das erstirbt, damit ihr diese Frucht, die ich euch hinterlassen habe, weitertragt, dass ihr lernt an mir, den Weg geht, , den ich aufgezeigt habe, dem Licht folgt, das ich entzündet habe und in seinem Schein die Wahrheit erkennt.
Freut euch, sagt Jesus, lieber Luther, freut euch, dass ich zum Vater gehe. Wenn wir an Karfreitag weinen, weinen wir über uns selbst, darüber, dass wir uns zum Fürsten der Welt machen. Das Erschrecken an Karfreitag muss ein Erschrecken über uns selbst sein, ein Erschrecken, wie wenig wir bis heute verstanden haben, was Nachfolge heißt, wie wenig wir den Neuen Bund, den Gott in Jesus mit uns aufgerichtet hat, respektieren. Gottes Bund mit uns sehen wir gern als Einbahnstraße von oben nach unten. So ist es ganz und gar nicht. Das Neue Testament in Jesus sagt nichts anderes als der Erste Bund, den Gott mit uns geschlossen hat. Jesus hat uns das nur neu veranschaulicht und begreiflich gemacht. Das sagt sein Testament an uns.
Herzliche Grüße
Deborrah