Lieber Luther,
"Wir wollen, dass du uns tust, was wir dich bitten". Wie oft sagen
wir das zu Gott, wie oft beten wir das zu ihm? Und was wollt ihr? Wir
wollen, dass wir zu deiner Linken und zu deiner Rechten sitzen! Jesus
sagt: Ihr wisst nicht, was ihr bittet.
Das ist bis heute so, lieber Luther. Schon die Übersetzungen des
Bibeltextes, um den es geht, Mk 10, 35-45, passen in diesen Tenor. Ihr
wisst nicht, was ihr bittet, weil ihr immer noch nicht versteht, was ich
sage. Man hört Jesus förmlich aufstöhnen. Der Text, so wie er deutsch
da steht, verstellt völlig, was Jesus den Jüngern eigentlich sagen
wollte. Man hat den Eindruck, es ist einfach nachgeplappert, was einer
einmal falsch vorgeplappert hat. Das entdeckt man erst, wenn man sich
der Mühe unterzieht, sich den Text Wort für Wort zu erschließen. Dann
bekommt er einen ganz anderen Sinn, der absolut konsistent zu Jesu
Selbstverständnis ist, aber nicht unbedingt zu dem passt, was Jesu hier
zugeschrieben ist. Es ist hinzu – geschrieben, verfälscht. Wieso? Jesus
erklärt es im heutigen Predigttext.
Ihr wisst nicht, was ihr bittet, sagt Jesus. Ihr bittet mich, dass
ich euch zu meiner Rechten und Linken setze. Habt ihr denn noch nicht
begriffen, dass ich das nicht kann? Zu seiner Rechten und Linken setzt
mein Vater, wen er will, diejenigen, die er auserwählt. Es ist nicht in
menschliche Hand gegeben, auch nicht in meine. Diejenigen nehmen dort
ihren Platz ein, für die er bereitet ist, die Gott erweckt, damit sie
seinen Willen tun. Wenn sie zu ihm heimkehren, werden sie dort sitzen.
Jesus fragt, könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke? Gemeint
ist eigentlich der Wein, nicht der Kelch, da man einen Kelch nicht
trinken kann, sondern nur aus einem Kelch. Könnt ihr den Wein trinken,
den ich trinken werde? Die Jünger sind voller Selbstüberschätzung: Ja,
können wir. Könnt ihr euch taufen lassen mit der Taufe mit der ich
getauft werde? Die Jünger antworten auch hier voller Selbstüberschätzung
und ohne jegliche Demut: Ja, können wir. Sie haben noch nicht einmal
bemerkt, dass Jesus von der Zukunft spricht: die Taufe, mit der ich
getauft w-e-r-d-e. Jesus spricht nicht von einer irdischen Taufe, seiner
Taufe durch Johannes. Jesus spricht von seinem Eintauchen in die
göttliche Sphäre, von seiner Rückkehr zum Vater, er der das Ebenbild des
Vaters ist, vom Eintauchen in den väterlichen Geist.
Jesus sagt nicht: ihr könnt den Wein trinken wie ich, oder getauft
werden, wie ich. Weil sie es eben nicht können, weil sie nicht Auftrag,
Reinheit, Wahrheit, Gerechtigkeit und schon gar nicht die Erkenntnis
Gottes haben, wie Jesus. Jesus ist von Gott gesetzt. Sie wollen sich
Jesus gleich machen, völlig verkennend, dass sie nicht seine Größe und
Herrlichkeit haben. Demut sieht anders aus. Sie ordnen sich nicht ihm
unter, wie Jesus seinem Vater, sie ordnen sich ihm selbst bei.
Jesus sagt a-b-e-r: Ihr werdet z-w-a-r den Wein trinken und wie ich
in Gottes Herrlichkeit eintauchen, ob ihr es so tut, wie ich, oder ob
ihr zu seiner Rechten oder Linken sitzen werdet, steht mir nicht zu,
euch zu geben. Steht mir nicht zu, euch zu geben. Meine Lieben, so sieht
Demut aus! Begreift es doch. Ihr bittet mich, euch zu meiner Linken und
Rechten sitzen zu lassen. Ist das Demut? Ist das Demut, wenn ihr die
Ersten sein wollt, diejenigen, die oben sitzen zu richten? Wenn ihr das
Sagen haben wollt? Ihr wollt den Ehrenplatz am Kopf der Hochzeitstafel,
ihr wollt nicht die Hochzeitsgäste bedienen. Ihr wollt euch nicht selbst
hintanstellen.
Jesus hatte ihnen gerade gesagt, dass er für das, was er predigt,
einstehen werde, dass er dafür seinen Kopf hinhalten werde und dass er
wisse, was auf ihn zukomme, das ihn aber nicht vom Predigen abhalten
könne. Und was tun seine Nachfolger? Sie wollen ihre Schäfchen ins
Trockene bringen und noch kurz vor Torschluss etwas für sich
herausholen. Ihr habt nicht begriffen, um was es mir geht, sagt Jesus.
Ihr durchblickt nicht, um was ihr mich eigentlich bittet! Jesus ist kurz
angebunden in seiner Antwort.
Aber, es kommt noch schlimmer. Nicht genug, dass sich Johannes und
Jakobus völlig vergaloppiert haben mit ihrem Egoismus, sie stecken damit
auch noch die anderen Jünger an. Sie reagieren "unwillig" über die zwei
Brüder, die vorgeprescht sind und sehen ihre Felle schon
davonschwimmen, eifersüchtig auf die anderen zwei, die sich in Position
bringen wollen. So erklärt Jesus ihnen – ja, was erklärt er ihnen?
Übersetzt ist: ihr wisst, dass die weltlichen Fürsten herrschen und
die Mächtigen unter ihnen haben Gewalt. Aber so soll es nicht unter
euch sein. Wer unter euch groß werden will, der soll euer Diener sein
und wer unter euch der Erste sein will, soll aller Sklave sein. Denn
auch der Sohn der Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden,
sondern zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.
Wie bitte? Wer sich die Mühe macht, die Bedeutung der griechischen
und hebräischen Wörter, die übersetzt wurden, nachzulesen, wird sein
Aha-Erlebnis haben. Fangen wir beim "Lösegeld" an, lieber Luther, du
übersetzt gar "Bezahlung". Das hat Jesus aber gar nicht gesagt. Lytron
ist der Preis für den Loskauf von Gefangenen, mit dem sie aus ihren
Banden gelöst und frei gemacht werden. Es geht um das Lösen der
irdischen Bande, um Nachfolge. Es geht nicht um einen Blutpreis, um die Sündenbande zu lösen, wie die Übersetzung suggeriert.
In Mt 16, 13 ff fragt Jesus seine Jünger: Was sagen sie denn, wer
der Sohn der Menschen sei, was denkt ihr? Petrus sagt: du bist Christus,
der Sohn des lebendigen Gottes. Jesus antwortet: Ich will dir des
Himmelreichs Schlüssel geben: alles, was DU auf Erden binden wirst, soll
auch im Himmel gebunden sein, und alles, was DU auf Erden lösen wirst,
soll auch im Himmel los sein. Jesus sagt: Ich gebe euch den Schlüssel
zum Himmelreich selbst in die Hand, aber was ihr daraus macht, liegt bei
euch selbst. Was ihr auf Erden tut, wird im Himmel für euch bereitet
sein.
Zwischen den Jüngern ist ein Machtkampf ausgebrochen. Wer wird der
Führer nach Jesus sein? Sie verteilen schon die Felle, solange Jesus
noch unter ihnen ist. Wenn sie ihn tatsächlich gefangen nehmen und
kreuzigen,wie viele schon vor ihm, die auch gepredigt haben, wer wird
dann unser Anführer? Es geht um den sehr irdischen Streit untereinander,
wer der Größte, Beste, Geliebteste ist. Bei Lukas steht es in dieser
Deutlichkeit (Lk 22, 24 ff). Wer ist der Größte? Derjenige der zu Tisch
sitzt oder der dient? Ich bin unter euch wie ein Diener, sagt Jesus. Das
gilt auch für euch: Der Größte unter euch sei wie der Jüngste, wie das
Kind, ohne EIGENES Recht, und der, dem gegeben ist, das Wort zu führen,
sei der Dienende (diakoneo). Oder in Mk 9, 35: So jemand will der Erste
sein, so soll er der Letzte sein und aller Knecht. Seid demütig.
Wer ist der Größte im Himmelreich? fragen die Jünger Jesus (Mt 18, 4
ff): Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie ein Kind, antwortet Jesus,
werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich selbst erniedrigt,
ist der Größte im Himmelreich. Weh dem Menschen, durch welchen Ärgernis
kommt, weh dem Menschen, der Anstoß erregt. Wehe dem Menschen, der sich
selbst erhöht. Hacke dir eher selbst einen Arm ab, bevor du das tust,
bevor dein Auge zum Fallstrick wird, reiße es aus, sonst landest du im
Höllenfeuer. Hinter jedem, den du Geringer als dich selbst erachtest,
sieht dich Gott an.
Das Ärgernis, der Anstoß, ist Skandalon, der Auslöser einer Falle,
an dem ein Köder befestigt ist, die zuschnappt, sobald sie berührt wird.
Es ist die Ego-Falle, welche heißt: Macht, Führung, Unterdrückung,
Hochmut, wer ist der Erste, derjenige, der das Sagen hat. Das Ärgernis
ist die Verführung, das Schaffen der Gelegenheit, die zu einem Verhalten
führt, das die betreffende Person ruiniert. Wer wird der Wort-Führer
nach Jesus? Das vorhersehbare Machtvakuum ist der Verführer. Und es
finden sich welche, die es schließen wollen.
Jesus sagt: Wer die Kleinen und Geringen zu Fall bringt, der kommt
zu Fall. Wer anderen Menschen Fallen baut, Gruben, in die sie fallen,
der kommt zu Fall. Deshalb hacke lieber deine Hand ab, bevor du dies
tust. Haltet euch davon fern, denn soweit soll es bei euch nicht kommen.
Werdet nicht wie die Regenten der Nation, werdet nicht wie die Könige
dieser Welt, nicht wie die Pharisäer, nicht wie die Eigennützigen. Sucht
nicht euren Vorteil. Euch ist durch mich das Wort gegeben, ich öffne euch das Verständnis,
ihr seid Knechte Gottes. Erster kann nur werden, wer ein Knecht Gottes
(doulos) ist. An mir ist euch gezeigt, was ein Knecht ist, deshalb bin
ich da, folgt mir in diese bedingungslose Gottes-Knechtschaft. Ordnet
euren Willen dem Willen Gottes unter. Seid Diener wie ich, seid ein
Diakoneo, einer, der bei Tisch bedient.
Der gedeckte Tisch ist aber Gottes Gabentisch, das was er dir gibt. Psalm 23:
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest
mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein. Das ist der Wein, um den
es geht, das ist die Macht, die zählt, das ist der Tisch, an dem ihr
dienen sollt. Ich bin gekommen, nicht um bedient zu werden, sondern, um
euch zu helfen, eure Bande zu lösen, eure irdischen Bande, eure
Ego-Bande, durch das Wort und die Erkenntnis, die ich bringe. Ich gebe
nicht mein Leben für euch, sondern ich bin euer Diakoneo, euer Diener,
um euch, die ihr am Tisch des HERRN sitzt, mit dem Wort zu dienen,
bringe das Leben zu euch durch das Wort. Ich gebe Gott meine Stimme
(hebr. napas) und euch durch das Wort, Gotteskraft und Lebendigkeit. Ich
bin der Mittler. Ich hauche euch Gottes Atem ein. Ich bin der Träger
des Lebens (psyche).
Lieber Luther, das ist in der Botschaft ein gewaltiger Unterschied
zu dem, was du übersetzt hast und auch in anderen Übersetzungen mehr
oder minder steht. Du hast ziemlich menschlich gedacht, so wie Jesus
absolut nicht gedacht hat, wogegen er sich immer gewandt hat. Oder eben
nicht mehr nachgedacht, sonst wäre aufgefallen, dass das so nicht sein
kann, wie es übersetzt ist. Jesus war einzig auf das Göttliche
ausgerichtet, nicht auf menschliche Befindlichkeiten. Es geht ihm hier
schon gar nicht um weltliche Macht oder das Dienen zwischen oder
Unterwürfigkeit unter Menschen. Unterwürfigkeit unter Menschen war ihm fern.
Er war Gott allein gegenüber unterwürfig und demütig. An vielen Stellen
des Evangeliums ist das gezeigt. Deshalb sagt er hier im Klartext:
Lasst eure Machtkämpfe, haltet euer Ego in Zaum, dient nicht euch und
nicht den Menschen, dient das Wort, dient Gott allein, dient nur an
seinem Tisch, sonst werdet ihr nie zu den Ersten und Größten im
Himmelreich zählen. Übt Demut, das könnt ihr noch nicht.
Verschafft Gott recht nach seinem Recht, nicht nach eurem! Der
Sonntag Judika hat nicht umsonst seinen Namen. Lieber Luther, um die
Schrift zu verstehen, war es heute notwendig sich durch das übersetzte
Wort hindurch zu kämpfen, Übersetzungs- und Theologieballast abzuwerfen.
Die Übersetzungen verfälschen das Wort, das muss ich hier leider
festhalten, auch deine. Sie sind der Sündentheologie geschuldet, der Ego-Falle, in die die potentiellen Nachfolger getappt sind, um sich in Position zu bringen. Petrus, Paulus, Jakobus, wer ist der Wortführer? Jesus ist nicht für unsere Sünden
gestorben. So ist es nicht. Ihr wollt eure Schäfchen ins Trockene
bringen, so wie Johannes und Jakobus. Jesus hat gesagt, das steht mir
nicht zu, aber ihr maßt es euch an?
Jesus hat einzig für das Wort gelebt, um Gott eine Stimme und ein
Gesicht zu verleihen. Jesus ist logos, kein Selbstmörder und keiner, den
Gott mit Selbstmordauftrag geschickt hat. Er hat ihn geschickt, obwohl
er wusste, dass sie ihm nicht glauben werden, dass sie ihn töten werden.
Er hat das Wort über den Menschen gesetzt. Das ist die Botschaft, die
Gott uns durch Jesus gegeben hat. Das Wort steht über dem Menschen. Der
Mensch diene dem Wort.
Wenn Paulus meint, er und wir seien Heilige, denen Jesus einen
Sündenfreibrief ausgestellt hat, nur weil wir getauft sind, dann maßt er
sich an, was sich Jesus nicht angemaßt hat. Gleich wie Johannes und
Jakobus. Jesus sagt, Taufe sagt nicht, dass wir automatisch zur Rechten
und Linken Gottes landen. Die Theologen sagen, wie Johannes und Jakobus,
wir wollen, dass du für unsere Sünden stirbst, so dass wir uns zu
deiner Rechten und Linken setzen können. Ihr wisst nicht, was ihr
bittet, ihr wisst nicht, was ihr lehrt, sagt Jesus. Das Wort ist über
den Menschen gesetzt!
Herzliche Grüße
Deborrah
Lieber Luther
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Sonntag, 22. März 2015
Sonntag, 18. Januar 2015
Wein-Geist-Schöpfer
Lieber Luther,
über die Hochzeit von Kanaan habe ich dir schon einmal vor zwei Jahren geschrieben. Verstehen entwickelt sich und so sind mir beim Lesen des Textes Dinge aufgefallen, die ich vor zwei Jahren noch nicht verstanden habe. Ich habe viel zu sehr an der Oberfläche gelesen. Ich beschränke mich deshalb auf die Teile, die ich bisher übersehen habe. Es geht um die alte und neue Weise der Reinigung, es geht um Wasser und Wein, um den Speisemeister, um die Hochzeit, den Bräutigam und vor allem um die richtige Reihenfolge.
Ausgangspunkt sind 6 steinerne Wasserkrüge, gesetzt nach der Weise der jüdischen Reinigung. 6 Tage hat Gott gearbeitet, um das Leben in die Welt zu setzen, jeden Tag Leben geschöpft. 66 Seelen flüchteten mit Jakob nach Ägypten (1.Mo 46, 26). Nach 6 Tagen nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes, führte sie auf einen Berg und eine Stimme aus derWolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören (Mt 17, 1-5). Jesus kam, als er müde war von der Reise, um die 6. Stunde am Jakobsbrunnen an (Joh 4, 6). In der 6. Stunde wurde die Welt finster, als Jesus am Kreuz hing (Lk 23, 44). Die Zahl 6 markiert das Ende und gleichzeitig einen neuen Anfang. Es ist der Vorabend zum 7.Tag, dem Tag der Vollendung. Zuvor stehen aber 3 Sechsen: 666, der Inbegriff des Bösen, des Anfechters. Dessen Anfechtung muss erst durchlitten werden, ehe man zur Vollendung durchbricht. Auch Jesus musste das. Er schwitzte Blut und Wasser bis er angesichts seiner Leiden sagen konnte: Vater, nach deinem Willen.
Es standen 6 Wasserkrüge bereit in verschiedenem Maß, gesetzt nach der Weise der jüdischen Reinigung. Jesus verändert den Inhalt der Krüge. Er reinigt anders als bisher gereinigt wurde. Er füllt die Krüge mit seinem Wein. Oder: Niemand fasst Most in alte Schläuche; sonst zerreißt der Most die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche kommen um. Sondern man soll Most in neue Schläuche fassen (Mk 2,22). Beides meint das gleiche: Jesus bringt etwas Neues. Bei Johannes füllt er das Neue in alte rituelle Krüge, bei Markus in neue Schläuche. Das heißt: Egal ob in alter Form oder neuer Form, der Inhalt machts, der Wein.
Wein gehört von alters her zu den heiligen Speisen, wie Semmelmehl, Öl und Weihrauch (1. Chr 9 , 29). Jeremia beweint, dass die Säuglinge und Unmündigen auf den Gassen verschmachten wie die tödlich Verwundeten, dass sie in den Armen ihrer Mutter den Geist aufgeben, sie fragend, wo ist Brot und Wein? (KL 2, 11-12). Ja, Vater und Mutter, wo ist Brot und Wein, wieso habt ihr das Land so zugerichtet, dass wir im Elend sind? Wieso enthaltet ihr uns Gottes Geist vor?
Ohne Gottes Brot und Wein verhungert der Mensch. Jesus sagt, ich bin das Brot. Der Wein steht für Gottes Geist. Wein-Geist. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist vergessen worden. Deshalb teilt Jesus Brot und Wein mit seinen Jüngern im letzten Abendmahl: Das Brot steht für ihn, der Wein für den Geist Gottes. Das tut, damit ihr nicht vergesst, was ich zu euch gesagt habe. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, sagt Jesus, bringt Frucht an meinem Weinstock, sonst wird euch der Wein knapp. Wenn die Zeit des Kelterns kommt, wird sich zeigen, ob ihr guten oder sauren Wein bringt: Jesus wurde am Kreuz mit saurem Wein, mit Essig, getränkt.
Der barmherzige Samariter gießt Öl und Wein in die Wunde dessen, der von Jerusalem ausging und unter die Mörder fiel (Luk 10, 34). (Salb-)Öl und Wein heilen alle Wunden, wo immer man sie einsetzt, auch wenn der Wein zunächst nach saurem Wein schmeckt. Gottes saurer Wein klärt uns, verhilft uns zum richtigen Geschmack, verhindert, dass wir uns im Geschmack irren. Essig hat große Reinigungskraft, das weiß jeder, der putzt.
So sage nun dies Wort: So spricht der HERR, der Gott Israels: Es sollen alle Krüge mit Wein gefüllt werden. So werden sie zu dir sagen: Wer weiß das nicht, dass man alle Krüge mit Wein füllen soll? Siehe, ich will alle, die in diesem Lande wohnen, die Könige, die auf dem Stuhl Davids sitzen, die Priester und Propheten und alle Einwohner zu Jerusalem füllen, dass sie trunken werden sollen und will sie zerstreuen, weder schonen noch übersehen, noch barmherzig sein über ihrem Verderben. So hört nun und merket auf und trotzt nicht; denn der HERR hat's geredet (Jer 13, 12-15). Auch so kann die Fülle von Gottes Wort klingen. Gott will in alle Krüge Wein füllen. Ihr musst das nur erst kapieren. In der Fülle, versteht ihr das nie. Deshalb fürchtet euch nicht. Gottes Geist ist mit euch, auch wenn der Wein gerade sauer schmeckt. Wenn ihr müde seid und in der Wüste nicht mehr weiter wisst, wird Gott da sein und euch seinen rettenden Weinkelch reichen, wenn ihr ihn nehmt, wird er euch mit seinem Geist erfüllen (2.Sam 16, 2). Er lässt euch nicht verdursten, wenn ihr nicht freiwillig verdurstet.
Die sechs rituellen Wasserkrüge stehen für den Menschen. Der Mensch, als Gefäß, von Gott dafür gedacht, Gottes Wort auf- und anzunehmen, angefüllt zu werden mit Gottes süßem oder saurem Wein, beiderlei Gottes Geist. Jesus hat die Macht, das Wasser in den Krügen zu wandeln, allein mit seinem Wort, er kann mit Gottes süßem Wein erfüllen. Nicht alle Krüge haben die gleiche Größe. Die einen sind größer dimensioniert, es gibt welche, die weniger Inhalt aufnehmen können und maßlose. Sie haben keinerlei Krug. Das Quantum, das jeder bereitstellt, ist unterschiedlich.
Jesus sagt: Schöpft! Er sagt es zu den Dienern, seinen Dienern: schöpft von Gottes Geist, schöpft Gottes Wort krügeweise in euch hinein und behaltet es. Werdet Behältnisse meines Wortes. Schöpft von mir. Ich mache euch selbst zu Behältnissen eurer Reinigung. Ich reinige mit Wein, nicht mit Wasser. Mein Wort in euch. Wenn ihr von meinem Wasser schöpft, werde ich daraus Wein machen. Wir sind angesprochen. Schöpft! Gott hat das Leben für euch geschöpft, schöpft mein Wasser, dann schöpfe ich euch für Gottes Geist. Ich bringe guten Wein, auch wenn er nach Wasser aussieht. Jesus, der Gottes-Geist-Schöpfer.
Am Speisemeister geht das alles vorbei. Er versteht in seiner abgehobenen Position nicht, wo dieser besondere Wein herkommt. Die Diener wissen es. Der Speisemeister ist zwar formal Meister seines Faches, der Chef, aber trotzdem ahnungslos und ohne Wissen. Er soll den Wein servieren, ihn zu den Hochzeitsgästen bringen, die davon kosten sollen, versteht aber gar nichts. Anstatt sich zu wundern, wo der Wein herkommt und nachzufragen und sich zu bedanken, ruft er den Bräutigam und belehrt ihn: Den guten Wein serviert man zuerst und den geringeren, wenn die Gäste betrunken sind, dann merken sie nicht, dass du sie mit billigem Fusel (oder Gefasel) abfüllst.
Du hast den guten Wein bisher behalten, beschwert sich der Speisemeister beim Bräutigam. Heißt: lieber Gott, du handelst in der falschen Reihenfolge. Erst kommt das Gute. Wenn die Menschen dann vom Guten berauscht sind, merken sie nichts mehr und wissen nicht, woher der Kater kommt, wenn sie am Morgen aufwachen. Sie bemerken die Moggelpackung gar nicht, wissen nicht, dass ich der böse Bube war, der sie mit Billigem krank gemacht hat, nachdem ich ihnen mit ein paar guten Schlucken aus der Pulle die Sinne vernebelt habe. Meine Reihenfolge ist genau umgekehrt wie deine, lieber Bräutigam. Das ist 3 mal die 6: 666, das ist der Versucher, der so handelt und spricht.
Gott lässt sich die Reihenfolge nicht vorschreiben. Erst muss man sich der Mühe des Schöpfens unterziehen und dann vertrauen, dass Gott aus dem geschöpften Wasser Wein macht. Gottes Geist wandelt Wasser in Wein. In dem Geist hat auch Jesus das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern gefeiert. Vergesst es ja nicht. Wein ohne Geist, ist nichts als Wasser mit Beigeschmack. Der Geist macht den Unterschied. Jesus macht den Unterschied. Insofern hatte der Speisemeister recht, wenn er zum Bräutigam sagt: Du hast den guten Wein bisher behalten. Ja, aber nun ist er in der Welt. Der gute Wein ist da. Jesus bringt den guten Wein. Er kommt und bringt den Wein wann er will, er lässt sich das von keinem Speisemeister der Welt vorschreiben, auch von keiner Mutter. Die Hochzeitsordnung bestimmt er, nicht der Zermonienmeister.
Auf welcher Hochzeit befinden wir uns eigentlich? Das Himmelreich ist gleich einem König, der seinem Sohn Hochzeit macht (Mt 22, 2-3). Nur die klugen Jungfrauen sind bereit, wenn der Bräutigam klopft, um mit ihm Hochzeit zu machen (Mt 25, 10). Das ist wie mit dem Schöpfen: Gott schöpft uns, wir schöpfen Wasser, Jesu Wort schöpft uns für Gott. Am Ende eine einig geschöpfte Hochzeitsgesellschaft.
Jesus ist bereitet, er ist auf der Hochzeit, bereit Wein in Wasser zu verwandeln. Was er euch sagt, das tut, ermahnt Jesu Mutter. Die Diener befolgen den Rat und Wasser wird zu Wein. Wir befinden uns in Ka'naan, d.h. der Niederung und dem Ort der Demut. Demütig sind aber nur die Diener, die dem Wort Jesu folgen, demütig ist auch Jesus in den Niederungen dieser Welt. Allein der Speisemeister ist unwissend, anmaßend und überheblich, sich seines Status bewusst und doch nur Statist.
Der Bräutigam, lieber Luther, nimmt es zur Kenntnis, er antwortet dem Speisemeister nicht. Auch Jesus, der Wein-Geist-Schöpfer nicht. Beredtes Schweigen. Noch ein Schlückchen Wein kann nicht schaden.
Herzliche Grüße
Deborrah
Deborrah
Mittwoch, 20. März 2013
Es walte Gott - Vom Dienen II
am Sonntag habe ich noch einen flammenden Appell über das Dienen an dich geschickt. Heute bin ich einen Schritt weiter. Wovon ich letzten Sonntag geschrieben habe, war nur eine Seite der Medaille, es gibt auch eine andere.
Dietrich Bonhoeffer hat die Medaille umgedreht (in: Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung):
"Ich glaube,
dass Gott aus allem,
auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
dass Gott aus allem,
auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst verlassen.
dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein
Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum [d.h. zeitloser Wille] ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet."
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum [d.h. zeitloser Wille] ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet."
Gott wartet auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten. Er steht uns bei und lässt aus dem, was du tust, nach seinem Willen Gutes entstehen.
In der Sicht bedient sich Gott des Menschen und das funktioniert nur, wenn sich der Mensch von ihm bedienen lässt. Das entspricht meiner Überzeugung, so kann ich mitgehen. Aber, Grundthema bei Dietrich Bonhoeffer ist: der verantwortlich handelnde Mensch, der der nicht nur zuschaut, sondern aktiv handelt, im Vertrauen und ruhend in Gott. Das sind die beiden Seiten der Medaille.
Auch das will gesagt sein: Ich habe in meinem letzten Brief zu kurz gedacht. Ich will mich entschuldigen bei dem, den ich im Blick hatte.
Lieber Luther, wir sollten uns öfter an Menschen wie Bonhoeffer erinnern. Seine Gedanken können ohne weiteres in die Gegenwart transformiert werden. Wir sollten bei ihm lernen.
Herzliche Grüße
Deborrah
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