Lieber Luther

Lieber Luther
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Sonntag, 19. April 2015

Vaterunser (7) - Schulden (3)

Lieber Luther,
seit ein paar Wochen und Blogs schon beschäftige ich mich mit dem Vaterunser und bin hängengeblieben beim:
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Das Thema ist voller Missverständnisse. Seit wir von Gott wissen, vergibt er uns unsere Missetaten. Bis auf Jesus hat jeder Grund zu sagen: Vater, vergib mir meine Schuld. Zu sehr lassen wir uns ablenken und unsere Aufmerksamkeit von Gott weglenken, denken in unseren rein menschlichen Kategorien, die für Jesus eine Kategorie ohne Bedeutung war. Jesus ist voll auf Gott fokussiert. Jesus dreht die Sichtrichtung wieder um. Er predigt, man muss Vater und Mutter verlassen, Jedermann auf Erden, und zum Vater, zum Lebensspender zurückkehren. Mit Jesus schließt sich der Kreis, ist die Richtung zum Leben wieder in ihren Ursprung zurückgedreht, im Wort und im Tun. Jesus ist der Wendepunkt, der uns wieder auf Gott zurückverweist, uns neu verpflichtet, im neuen Bund.
Und vergib uns unsere Schuld. Allzugern hätten wir, dass Gott uns vergibt, was immer wir tun. Lehrt Jesus dies? Was vergibt Gott? Was ist das Essentielle, das es dabei zu verstehen gibt.
Erzählt wird in Lk 7, 36-39 (Mt 26, 7-13; Mk 14, 3-9; Joh 12, 3-9) von der "Sünderin", d.h. von einer, die das Ziel – Gott – bisher verfehlt hat. Jesus weilt im Haus eines Pharisäers und liegt da zu Tisch, wie es in besseren Kreisen, nach römischer Sitte, üblich war. Die Frau hatte sich ganz auf Jesus ausgerichtet. Er war ihr Ziel, um ihn zu erreichen durchbrach sie alle Schranken, ging einfach zu Jesus hin, inmitten dieser Männerrunde. Sie hatte alles, was sie hatte, in sehr teures wohlriechendes Salböl, Nardenöl, investiert. Es kostete etwa den Jahreslohn eines Arbeiters. Sie kniete sich zu seinen Füßen nieder, weinend, sich ihrer ganzen Unzulänglichkeit und Verlorenheit bewusst, ließ ihre Tränen, das Salz ihres Schmerzes, ungehemmt auf seine Füße rinnen, als habe sich eine Schleuse geöffnet. Sie badete Jesu Füße in ihren Tränen der inneren Not, trocknete sie mit ihrem Haar und küsste sie zärtlich, ihr ganzes Inneres aufbietend. Dann salbte sie seine Füße mit kostbarem Salböl, zum äußeren Zeichen, auf wen sie ihre ganze Hoffnung und ihr völliges Vertrauen geworfen hat.
Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk; alles hast du unter seine Füße getan (Ps 8, 7). Still, versunken, ohne ein Wort zu sagen, ohne für sich zu bitten. Jedes Wort zu viel, er sieht in jedes Herz.
Die Frau hat Jesus angerührt, aber nicht seinen Gastgeber. Ein "Wie kann er nur", lag auf seinem Gesicht. Wenn dieser ein Vorher-Sager wäre, würde er erkennen, was das für eine Frau ist, wieso sie seine Füße küsst. Die Verachtung lag in seinen Zügen. Wie kann er sich nur von so einer anfassen lassen. Jesus bleibt diese Reaktion nicht verborgen und so antwortet er mit einem Bild:
Wenn einer zwei Schuldner hat, der eine schuldet ihm 500 Groschen, der andere 50. Beide können die Schuld nicht begleichen, so schenkt der Gläubiger beiden den Schuldbetrag. Wer von den beiden, fragt Jesus, wird den Gläubiger am meisten lieben? Derjenige, sagt der Pharisäer, dem er am meisten geschenkt hat. Ebenso ist es mit der Frau, sagt Jesus:
Als ich in dein Haus kam, hast du mir Wasser für meine Füße gegeben? Diese Frau hat meine Füße mit ihren Tränen unter Wasser gesetzt und sie dann mit ihrem Haar getrocknet. Hast du mir einen Bruderkuss gegeben, als ich kam? Diese Frau küsst meine Füße unablässig, seit ich hier bin. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt, sie aber meine Füße mit unverfälschtem, echten, wohlriechendem Salböl. Deshalb sage ich: Ihre Verfehlungen sind ihr vergeben, denn Sie hat mir viel Liebe entgegen gebracht, sie hat alles, was sie hat, ihre ganze Liebe mir gegeben. Wieviel Liebe aber habe ich von dir bekommen? Sie hat mir, um im Bild zu bleiben, für 500 Groschen Liebe entgegengebracht, du aber höchstens für 50:
Wer mich, und in mir den himmlischen Vater, viel liebt, dem wird viel vergeben, wem aber wenig vergeben wird, der liebt mich und ihn, im Umkehrschluss, wenig. Und zu der Frau sagte er: Dein Glaube hat dich gerettet.
Wer Jesus, und mit ihm Gott, den Vater, wenig liebt, dem wird wenig vergeben, wer ihn aber viel liebt, dem wird viel vergeben. Das heißt also: Mensch, du musst etwas dazu tun. Du hast das Maß deiner Vergebung in der eigenen Hand. Schuldner im Glauben seid ihr alle, aber, der eine mehr und der andere weniger. Jesus, Gott wiegt am Ende ab.
Jesus sagt, wenn ihr betet, so vergebt den anderen Menschen ihre Fehler, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber nicht vergebt, wird euch euer Vater, der im Himmel ist, auch nicht vergeben. Diese Botschaft gehört zum richtigen Beten und steht gleich im Anschluss an den Text des Vaterunsers (Mt 6, 14-15.). Bevor du dich mir zuwendest, wende dich demjenigen zu, dem du etwas zu vergeben hast (Mt 23, 23-24). Das ist der Teil, den ihr tun könnt und müsst.
Wer Sünde tut, ist der Sünde Knecht. Der Knecht bleibt aber nicht ewig im Haus, der Sohn wohl. Deshalb überlegt euch, wem ihr anhängt. Folgt nicht den Missetaten, folgt meinem Wort. Ich mache euch frei, meinem Wort zu folgen, ihr seid in Wahrheit frei, mir zu folgen (Joh 8, 34-36). Es ist eure Entscheidung, euer Wille.
Jesus lehrt, was schon in der Alten Schrift gelehrt wurde: Es wird den Gottlosen ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf fallen (Jer 30, 23). Denen aber, die nach ihres Herzens Abgründen und Missetaten wandeln, will ich ihr Tun auf ihren Kopf werfen, spricht der Herr HERR (Hes 11, 21). Ihre Frevel werden auf ihre Scheitel fallen (Ps 7, 17). Das steht sehr häufig im Alten Testament.
Das ist schon am Anfang der Schrift erklärt: Wer Kain schlägt, wird 7mal gerächt, wer aber den Überwinder schlägt, 77mal. Jesus nimmt dieses Wort wieder auf.
Petrus fragt Jesus, wie oft man einem Bruder, der sich an einem versündigt, vergeben muss. Nicht 7mal, sagt Jesus, sondern 70 x 7 mal. Und wieder erklärt er, was er mit Schuld meint, mit Schulden. Ein Schuldner hatte 10.000 Pfund Schulden. Der König (= Gläubiger) verlangte von ihm, sich mit Frau und Kind in seine Knechtschaft zu verkaufen, damit er bezahlen könne. Der Gläubiger kniete nieder, betete den König an und bat um Geduld: Ich bezahle schon noch. Da hatte der König Mitleid und entließ ihn aus der Knechtschaft. Und was tat der Schuldner dann? Er hatte auch einen Schuldner, der ihm nur 100 Groschen schuldete. Dieser bat ihn ebenso, hab Geduld, ich will schon noch zahlen. Er ließ sich aber nicht von der Not des Schuldners berühren und warf seinen Schuldner ins Schuldengefängnis. Da wurde sein Herr sehr zornig und bestellte ihn zum Rapport: Mich bittest du, dir die Schulden zu erlassen, aber mit deinem Mitknecht hast du kein Erbarmen? So überantwortete er ihn dem Gericht, bis er alles bezahlt hat: Also wird euch mein himmlischer Vater auch tun, so ihr nicht vergebt von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler (Mt 18, 21-35).
WIE AUCH WIR vergeben unsern Schuldigern. Es kommt auf das WIE WIR an, das steht nicht umsonst im Vaterunser und ist folglich auch so zu lesen: Wie wir unseren Gläubigern ihre Schulden erlassen, so wird Gott uns auch unsere Schulden erlassen. Für unsere Menschenhändel sind wir aber selbst zuständig, nicht Gott. Bei Gott kommt es nur auf unsere Schulden ihm gegenüber an (Mt 18, 15-18):
Was ihr auf Erden bindet, das soll auch im Himmel gebunden sein, was ihr auf Erden löst, soll auch im Himmel los sein. Das heißt: Sündigt ein Bruder an dir, dann löse das auf Erden auf, schleif es nicht zu mir hinauf. Führe ihn auf den richtigen Weg. Wenn es dir gelingt, hast du einen Bruder gewonnen. Wenn er nicht hört, mach einen weiteren Versuch, zieh weitere Berufene hinzu, vielleicht gelingt es ihnen, ihn auf den rechten Weg zu bringen. Wenn er weiterhin auf seinem Irrweg beharrt, so behandle ihn wie einen Gottlosen. Wenn ihr es nicht auf Erden schafft, auf den rechten Weg zu kommen, dann habt ihr diese Last noch auf eurem Rücken, wenn ihr dereinst vor mir erscheint. Die Schuld, die ihr auf Erden auf euch bindet und nicht löst, wird auch im Himmel noch auf euch gebunden sein.
Das Gebot der Nächstenliebe (Mt 22, 34-40) heißt also nicht, heiße alles, was dein Nächster tut, gut. Es heißt das Gegenteil. Es heißt, versuche alles, um deinen Nächsten zu Gott zu bringen, das allein zählt. Das vornehmste Gebot ist: Du sollst lieben Gott, deinen HERRN, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Das andere aber ist dem GLEICH: Du sollst deinen Nächsten lieben WIE dich selbst. In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz "und die Propheten". Es ist eine analoge Gleichung zum Vaterunser. Es gilt Gott zu lieben, von ganzem Herzen und mit ganzer Seele. Wie ich alles tue, Gottes Wort, Jesu Wort, zu folgen, so soll ich auch alles tun, damit mein Nächster Gott folgt. Wie Jesus das mit dem sündigen Bruder erklärt hat. Das Gebot der Nächstenliebe ist dem Gebot der Gottesliebe GLEICH. Es sagt ein und dasselbe aus. Es geht rein um die Gottesliebe, in keinerlei Sinn um die Liebe unter Menschen. Das ist ein völliges Missverstehen dessen, was Jesus lehrt, was vor Gott zählt.
Lieber Luther, der Mensch denkt immer von sich aus, denkt, er sei der Kosmos, um den sich alles dreht. Jesus hat die Sichtweise verrückt, der Mensch, die Lehre, verrückt Jesu Lehre, wieder weg von Gott, hin zum Menschen, vermenschlicht das Göttliche, damit er im Zentrum bleiben kann. Er macht sich damit zum Abgott, und seine Religion zur Abgötterei. So klar muss man das sehen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Montag, 13. April 2015

Vaterunser (6) - Und vergib JEDERMANNs Schuld (2)

Lieber Luther,
die Entdeckung der Bildlichkeit in 1.Mose 4, 17-25, von der ich dir gestern geschrieben habe, hat mich nicht ruhen lassen. Das was da erzählt ist, hat schon eine Vorgeschichte. Also muss ich auch die Vorgeschichte mit neuen Augen betrachten. Mein Thema gerade, das Vaterunser,
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsren Schuldigern,
hat ihre Wurzeln ganz am Anfang. Wir müssen also noch einen Schritt zurück gehen.
Ich habe mich schon verschiedentlich mit der Schöpfungsgeschichte, mit Teilen daraus, beschäftigt. Man spricht von der 1. Schöpfungsgeschichte (den 7 Tagen an denen Gott die Welt erschuf) und der 2. Schöpfungsgeschichte, die Paradiesgeschichte. Gestern ist mir aufgegangen, dass das nicht 1. und 2. Schöpfungsgeschichte ist, sondern EINE Schöpfungsgeschichte, bis man anfängt auf der Erde den Namen des HERRN zu predigen.
Gott erschuf Himmel und Erde und auf der Erde war es finster (1.Mose 1). Gott bringt nach und nach, an jedem neuen Tag, durch sein WORT (.. und Gott sprach..), durch seine Stimme, erst sein Licht, dann LEBEN in die Welt. Es interessiert mich heute eigentlich nur der rote Faden, rund um die Erschaffung des Menschen und die ganze damit verbundene Dramatik, für beide, Gott und Mensch, und was es da anders zu lesen gilt, als bisher.
Am sechsten Tag sagte Gott: Lass uns adama machen, Ackerboden, fruchtbaren Boden, Menschen Söhne (das Wort adama wird so in der Bibel auch gebraucht), die mir gleich sind, mir zum Bilde. Er sagt, lass den Erdboden fruchtbar für mich werden. Er macht sich im Menschen die Erde untertan und macht sich damit zum Herrscher über die Erde.
Er erschuf sein Bild, und jetzt muss man genau sei, männlich, eigentlich männliches Tier, als Widder (d.h. männliches SCHAF) und weiblich, vom hebräischen Wortstamm her, aber als Festsetzer, Bestimmer, einen der das Sagen hat auf Erden. Er sagt, herrscht über alle Tiere, stampft das Gewürm nieder, tretet die Kelter. Gott hat den Menschen mit einem Auftrag versehen: Tretet alles Gewürm (= Schlangen) nieder und richtet über sie (tretet die Kelter), seid der HERRscher. Gott in Menschenhülle.
Aber adama, der Erdboden, will bearbeitet sein, sonst ist er nicht fruchtbar. Um ein fruchtbarer Arbeiter auf Gottes Acker zu werden, bedarf es Gottes Atemhauch. Gott hat den Menschen wie sich geschaffen, ihm also auch einen Willen gegeben. So haucht er seinem Schaf und Bestimmer seinen LEBENshauch, seinen Geist ein, damit der Mensch auch fruchtbar für ihn wird, weiß, wie und was er zu bestimmen hat . Der Mensch ist aus Staub gemacht. Es kann kostbarer Goldstaub sein, aber auch lose Erde, Schutt. Alles ist dabei (1.Mose 2):
Gott macht den Menschen durch seinen Atemhauch zu einem selbst atmenden Menschen, einem der eigenen Atem schöpft, zu einem selbständigen Menschen, der eigenes Verlangen, eigene Wünsche und – einen eigenen Willen hat. Das ist, was mit "lebende" Seele, gemeint ist, eine die nicht tot ist, nicht krank, Gottes Atemhauch in sich spürt, der Mensch ausgerichtet auf Gott. Auch ein Leichnam, der tote Körper, hat napas. Erst der Atemhauch Gottes macht ihn zu einem (ewig) lebenden LEBEN. Gottes Schöpfung birgt beide Möglichkeiten: das Leben und den Tod.
Gott weiß um die Zwiespältigkeit dieses von ihm geschaffenen Menschen. Es ist einzwiespältiges Schwert von Anfang an. Die vom lebenden Gottesmenschen beseelte Erde wird zum Garten, in dem alles gedeiht und jeder in Frieden miteinander lebt. Im Mittelpunkt, das Zentrum, ist das LEBEN, der Baum des Lebens. Es gibt keinen Tod. Aber, daneben steht der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, des Negativen.
Gott warnt den Menschen. Höre auf mich, du darfst von allen Früchten des Gartens essen, aber nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Gott erkennt: Es ist nicht gut, wenn adam, der Gottesmensch, so auf sich allein gestellt ist. Ich muss ihm rettend beistehen, einen schicken, der Gott bei ihm anzeigt, damit er ihn hört, damit er adam bleibt, der aus dem fruchtbaren Boden kommt. Deshalb steht im Hüter-Psalm: Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat (Ps 121, 2). Adam hat für alles Namen gefunden, aber für sein Gegenüber, für den, der sich in seinem NAMEN offenbart, hat er keinen Namen gefunden. Adam findet keinen Namen für seinen Schöpfer, in dem er sich offenbaren kann.
Gott lässt Adam einschlafen und baut auf einen neuen Menschen, den Jemand, der auch mit weniger auskommt. Gott nimmt – übersetzt ist falsch "Rippe" - zela vom Gottesmenschen, er nimmt eine Seite (Jesus wird am Kreuz eine Seite aufgeschlitzt), einen tragenden Balken, eine Lehne und erbaut den Jeder-Mann, den is, was auch "jeder" heißt, und in der weiblichen Form "jede", Mann und Männin ist übersetzt. Gott baut einen "Jeder", der nur ein Teil vom Gottesmenschen ist. Die Stelle der (ewig) tragenden Säule des Gottesmenschen (der falsch übersetzten Rippe), nimmt jetzt das Fleisch ein, die Vergänglichkeit.
Adam erkennt das nicht. Als Gott ihm den neu geschaffenen, reduzierten Jedermann bringt, ist er hocherfreut. Der Jedermann erhebt zum ersten Mal seine Stimme. Zum ersten Mal macht mich dieser Schritt stark, sagt er. Der Wortstamm von "Gebein" ist azam, stark sein. Von MEINEM Gebein, von MEINER Stärke ist er, der Jedermann, gekommen. Der Gottesmensch ist zu einem Jedermann geworden, der seine Stärke in sich selbst sucht, nicht im HERRN, seinem Schöpfer.
Deshalb ist es auch nur logisch, was dann kommt: Deshalb wird der Jeder Vater und Mutter, den Lebenserzeuger und die Lebensspenderin, lassen, sich anderen Jedermanns anschließen und mit ihnen zu einem Fleisch werden, das heißt gemeinsam zu einem Vergänglichen werden. Hier wird nicht, wie fälschlicherweise gelehrt wird, die Ehe gestiftet, sondern ganz im Gegenteil der Ehebruch mit Gott beschrieben. Der Mensch vertraut auf sich selbst anstatt auf Gott. Der Mensch entblößt sich vor Gott, erkennt aber gar nicht dass er sich entblößt hat und schämt sich deshalb nicht. Noch hat er kein Bewusstsein von Gut und Böse.
Das kommt aber im Weiteren (1.Mose 3). Der Mensch hört nicht, die Begierde, das Verlangen, der eigene Wille ist lauter als die Stimme des Schöpfers. Der Mensch macht sie zum Herr über die Schöpfung aus eigenem Willen, aus Eigenwillen. Er hat sich von Gott, seinem HERRN, abgewandt, der Verführung nachgegeben, macht sich zum eigenen Herrn, hört nicht von Anfang an. Die Jedermann-Frau, Eva, wird zur neuen Lebensspenderin, ersetzt den Urquell allen Lebens. Die Schuldfrage wird – wie es bei Jedermanns so ist – hin und hergeschoben: Ich war es nicht, es war der andere: Adam schiebt es auf Eva, Eva auf die Schlange. Keiner will es gewesen sein. So ist es auch heute noch. Aber Gott sieht tiefer. Er weist die Jedermanns aus dem Paradies, aus der Sorgenfreiheit. Der Mensch hat nicht gehört und muss die Konsequenz tragen, er erkennt und tut Gutes und Böses.
Gott verlässt den Menschen aber nicht, er begleitet ihn auch in seinem sorgenvollen und beschwerlichen Leben (1.Mose 4). Jedermann hat auch einen Teil von Adam, dem Gottesmenschen. Eva gebiert einen Jedermann, sie sagt: Ich habe einen Jederman (is) erworben mit dem HERRN. Sie hat nicht nur das Böse erkannt, als sie vom Baum der Erkenntnis des Bösen und Guten gegessen hat, sondern auch das Gute. Damit wird sie auch zur Hilfe für den HERRN, seinen NAMEN zu bewahren. Der Bruder des Erworbenen heißt "Atemhauch Gottes". Der eine wird Ackerbauer, der andere Schafhirte. Beides sind Arbeiter im Dienst Gottes. Bilder, die von nun an das dem HERRN-Dienen beschreiben. Jesus greift sie immer wieder in seinen Gleichnissen auf.
Aber der Mensch hat aus Begierde das Böse in sich entfacht. Selbst diejenigen, die auf Gottes Acker arbeiten und seine Schafe hüten, bleiben davon nicht verschont. Gott scheint Abel, den Atemhauch Gottes, den Schafhirten, vorzuziehen. Das äußere Opferzeichen zählt für Kain, der Rauch, der zum Himmel steigt oder nicht. Er lässt sich von der Äußerlichkeit verführen. Gott sagt: Wieso bist du zornig und missgünstig? Wieso fällst du? Es gibt keinen Grund. Sei unbesorgt. Wenn, was du tust, gut ist, erhebt es sich zu mir, unabhängig von äußeren Zeichen. Wenn du aber nicht recht tust, bietest du der Verfehlung ein Einfallstor. Darauf wartet der Verführer, die Schlange, nur, du sollst aber über sie herrschen. Das ist dein Auftrag. Jedoch, der Mensch hört nicht auf Gott, er hört auf den Verführer und so erschlägt Kain den Atemhauch Gottes, seine Stimme buchstäblich.
Kain will vor Gott seine Verfehlung vertuschen, aber vor Gott kann man nichts vertuschen. Gott vertreibt ihn von seinem Ackerboden. Er kann kein Arbeiter mehr in seinem Acker sein. Er hat Gottes Acker entheiligt, er hat nicht gehört, er hat sich widersetzt. Der Acker gibt ihm hinfort keine Kraft mehr, unstet und flüchtig sollst du – gottloser Mensch – sein. Kain fürchtet mehr die anderen Menschen als Gott, sie werden mich erschlagen, da ich eine weitere Last auf sie gebracht habe. Gott setzt sein Friedenszeichen als Mal auf Kains Stirn: Nein, kein Jedermann soll Hand an einen anderen Jedermann setzen, egal, was er getan hat, das würde sich 7fach für ihn rächen. Gott will kein Blutvergießen, das Leben steht für ihn im Mittelpunkt, nicht der Tod und nicht die Rache. Jede Rache ist für ihn ein Vergehen gegen ihn, gegen seinen Willen. Deshalb hat er sie so unter Strafe gestellt. So ging Kain weg vom angesicht des HERRN, bestraft und beschützt in der Bestrafung, und wohnte fortan im Land Nod, in der Heimatlosigkeit, im Elend, östlich von Eden, östlich von Gottes Sorglosigkeit.
Lieber Luther, wie es weitergeht, habe ich gestern schon geschrieben, über die Nachkommenschaft Kains. Die Geschichte von Kain und Abel liest sich wie ein zweiter Sündenfall. Immer die gleichen Verfehlungen, der Mensch hört nicht auf Gottes Wort, gibt Verführung und Begierde nach und klagt dann, wenn er sich im Land Nod wiederfindet.
Aber auch das ist die Botschaft: Gott gibt immer eine neue Chance. Wenn man weiter liest, gibt er auch der Nachkommenschaft Kains wiederum eine Chance, bei ihm Ackerbauer oder Hirte zu werden. So geht es weiter,die ganze Bibel hindurch. Der Mensch fehlt aber immer am eigenen Willen, an seiner Gehörlosigkeit, und Gott gibt ihm immer eine neue Chance. Er lässt den Menschen nicht. Bis hin zu Jesus. Jesus ist der Erste, der wieder zum Gottmenschen wird, zum Menschensohn, zum Ebenbild. Der Erste, der es schafft, nicht zu fehlen. Noch nicht einmal Adam hat das geschafft.
Und vergib uns unsere Schuld! Das muss ich nun, lieber Luther, alles erst einmal sacken lassen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 22. Februar 2015

Verführer

Lieber Luther,
es hätte mich gewundert, wenn ich über den Predigttext vom heutigen Sonntag, Mt 4, 1-11, nicht schon einmal geschrieben hätte, habe ich ihn doch schon viele Male gelesen. Was ich vor zwei Jahren geschrieben habe, kann ich so stehen lassen.
Trotzdem will ich etwas hinzufügen. Von der Penetranz Jesu, von seinem Bestehen auf dem Wort und dem, was in der Schrift steht. Was immer die Versuchung ist: Gott allein, antwortet Jesus. Gott allein zählt, er ist meine Referenz, er ist meine Herausforderung, nicht du, du dümmlicher Versucher, der du denkst, ich könnte mich in der Niedrigkeit der Welt verlieren.
Bist du Gottes Sohn, so lass dich hinab. Eben nicht! Was denkt der Versucher sich, wie dumm ich bin, muss Jesus gedacht haben. Warum soll ich mich, als Kind Gottes, in die Niederungen dieser Welt hinablassen? Ich habe mich wohl dorthin begeben, das bedingt mein Menschsein, aber es bedeutet nicht, dass ich mich in die Niederungen der Verführten hinablasse, mich einlasse auf deren Spiel. Ich spiele nicht nach ihren Spielregeln, meine Spielregeln bestimmt Gott allein. Lieber Verführer, ich durchschaue dich und du kannst mich nicht mit deinen durchsichtigen Spielchen ins Wanken bringen. Gott allein, die Schrift ist es, der ich folge, nicht deinen billigen Versprechungen, von denen du genau weißt, dass sie mich ins Unglück treiben. Du zählst auf meine Dummheit, aber auf mich kannst du nicht zählen, such dir einen anderen Dummen.
Du, lieber Verführer, bist in der Welt, seid es Menschen gibt. Der Mensch ist verführbar. Adam und Eva, die ersten Menschen, der Mensch von Anbeginn, ist auf dich hereingefallen. Aber Gott hat Menschen erweckt, die es besser wissen als du, die dir die Maske vom Gesicht reißen, denen du wohl das Fleisch und das irdene Dasein zerstören kannst, wie an Hiob gezeigt, aber nicht den Geist.  Dem Geist Hiobs, der in Gott ruhte, trotz aller Anfechtung, hast du nichts anhaben können. Es ist das Böse in der Welt, du, die Verführung, ist in der Welt. Sie tritt auf in Form von allerlei "Ich will", "Ich möchte", "Warum nicht ich, warum die anderen", in Form von "ich kann nicht lassen". Die Verführung ist allgegenwärtig, täglich, stündlich, sekündlich.
Wie reagieren wir auf die Verführungskünste des Egos, und es ist nichts als das Ego, das uns vom rechten Pfad abbringt, uns in unserem fleischlichen Sein überleben lassen will, uns vom Pfad, den uns unser Innerstes weist, abbringen lässt, uns auf den Irrweg führt, dem wir folgen, mit mehr oder minder schlechtem Gewissen, mit mehr oder weniger Ablenkung und Selbstbetrug, in Pseudo-spirituellen Wegen, die nichts anderes sind als Selbstverführung auf den falschen Weg, Ablenkung – auch wenn es nach dem Gegenteil aussieht – auf den Weg der Verführung. Ablenkung von der ungeschminkten Wirklichkeit in uns selbst, Selbsttäuschung, Selbstverführung – Selbstverirrung.
Der Versucher steht auf der Zinne des Gotteshauses, des Tempels, der angeblichen Wohnung Gottes. Doch ist es tatsächlich die Wohnung Gottes? Steht der Verführer auf der Zinne der Wohnung Gottes? Wohl nicht. Alles Menschengebäude, das angebliche Gotteshaus ist tatsächlich nicht Gottes Wohnung, es ist nur Gottes Wohnung wie Mensch es behauptet und sich gebaut hat. In Gottes tatsächliche Wohnung kommt der Verführer nicht. Jesus sagt über den Verführer im Gotteshaus: Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen! Lass dich hinab, sagt der Verführer, die Engel Gottes werden dich trotzdem in den Himmel tragen. Mitnichten sagt Jesus, auf diese Propaganda fall ich nicht rein: "Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen. Deshalb: Kannst du dich getrost in Sünden fallen lassen, wenn du dich an dem Sündenstein stößt, wird Gott dir vergeben, wie es im Gotteshaus gelehrt wird? Gott wird seinen Engeln befehlen, dich trotzdem auf Händen zu tragen? Mitnichten sagt Jesus: Auf diese Propaganda fall ich nicht rein. Du sollst den HERRN, deinen Gott nicht versuchen. DU, sollst es nicht, tue es nicht, lass dich nicht verführen, was immer die Verführung sagt. Wähle die Gottesfurcht!
Ich habe gerade gelesen: Gott will die Sünden abtun, aber den Sündern vergibt er. Dies hieße, er sieht darüber hinweg, dass du dich in die Tiefe stürzt und fängt dich auf, wenn du so dumm oder so schwach bist, der Verführung zu folgen. Mitnichten sagt Jesus. Steht so fest, wie ich stehe! Folgt mir darin! Deshalb steht diese Geschichte in der Bibel. Mitnichten! Werft euch nicht hinab in die Verführung, in die Sünden: Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen. Du sollst nicht auf ihn bauen, dass er, wenn du im Bewusstsein des Bösen das Böse wählst, seine Engel schickt, um dich im freien Fall aufzufangen. Nein, so geht es nicht. Tut es nicht! sagt Jesus uns mit dieser Geschichte. Wähle die Gottesfurcht!
Der Teufel geht mit Jesus auf einen sehr hohen Berg, auf einen zu hohen Berg für den Verführer. Um das Bild in Erinnerung zu rufen – Gott wohnt in der Höhe, Jesus steht auf diesem hohen Berg und er wankt nicht, er ist verankert in diesen hohen Berg. Dort, wo Gott wohnt und Jesus steht, ist für den Verführer kein Platz, er hat keine Chance. Was immer er tut, was immer er verspricht, es ist durchsichtig, dass es nur dazu dient, mit falschen Versprechungen ins Verderben zu locken. Wähle die Gottesfurcht!
Ich soll mich die Stadtmauer hinabstürzen? fragt Jesus. Jeder Körper zerschellt, wenn er das tut. Fleisch ist etwas, was Gott nicht interessiert, ihn interessiert allein das, was bleibt, der Geist, die Seele, die innere Einstellung. Wieso sollte ich mich in die Tiefe stürzen? Du befindest dich, lieber Verführer, auf der falschen Veranstaltung, du hast die falschen Gäste eingeladen, mit deiner billigen Masche kannst du bei mir keinen Blumentopf gewinnen. Du bietest mir Reichtümer, die nichts als Tand sind, die zerfallen, so wie du zerfällst. Mein Reichtum ist nicht von dieser Welt, meinen Reichtum kannst du, lieber Verführer, nicht antasten. Über meinen Reichtum hast du keine Macht. Mein Reichtum ist Gott allein! Wähle die Gottesfurcht!
Lieber Luther, eigentlich ist diese Geschichte einfach zu verstehen. Jesus steht in der Versuchung, wir stehen in der Versuchung, jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde. Wollen wir nicht, dass dessen wir gerade bedürfen, uns gereicht wird, dass wir, wenn wir fallen, aufgefangen werden, dass wir auf der Gewinnerseite des Lebens stehen? All das sind Versuchungen, unsere irdene Gewinn- und Verlustrechnung so günstig wie möglich zu gestalten. Njet, sagt Jesus, das Wort öffnet euch das Himmelreich, nicht die verführerischen Verlockungen dieser Welt. Das Njet, lieber Luther, sollte uns immer in den Ohren klicken, wenn wir auf dem hohen Berg stehen, und er uns gerade zu hoch ist. Wähle die Gottesfurcht!
Herzliche Grüße
Deborrah