Lieber Luther,
ist das Neue Testament gefährlich, frauenfeindlich, antisemitisch und homophob? So einfach ist die Frage nicht zu beantworten, deshalb muss ich nochmals an meinen letzten Brief anknüpfen. Jeder Text, so auch die biblischen Texte, haben Verfasser, die mit dem Text etwas bewirken wollen. Sie sind in einer bestimmten Zeit und Kultur, mit individuellem Bildungshintergrund des Verfassers, entstanden. Das beeinflusst was und wie sie schreiben. Davon habe ich dir schon geschrieben. Bei der Bibel, Altem und Neuen Testament, handelt es sich um eine Vielzahl solcher Texte, zusammengefasst in „der“ Schrift. Beinhaltet die Schrift das offenbarte Wort Gottes? Damit möchte ich mich heute auseinandersetzen.
Die Bibel ist ein Konglomerat aus Schriftstücken, die über viele Jahrhunderte hinweg produziert worden sind. Die Bibel ist zur Bibel geworden, indem diese verschiedenen Schriftstücke wiederum über Jahrhunderte hinweg letzten Endes kanonisiert und in ein Buch zusammengefasst wurden. Das macht sie an sich noch nicht zu etwas Besonderem. Den Homer‘schen Göttergeschichten ist es ähnlich ergangen oder Grimms Märchen.
Die Bibel wurde erst zur Bibel, indem das, was in ihr steht, durch kirchliche Zuschreibung zum Wort Gottes gemacht wurde. Gott wird zum eigentlichen Autor der Bibel erklärt. Ihr wird dadurch ein Alleinstellungsmerkmal zuerkannt, hinter dem man Gott als unanfechtbare Autorität vermutet. In Wirklichkeit sind es aber kirchliche Amtsinhaber, die diese Texte als Gotteswort postulieren und damit ihre Autorität gleich mit unantastbar machen wollen. Aus vielen Schriften wurde „die“ Schrift, garniert mit „heilig“, was half, die Autorität dieser Schriften zu unterstreichen. In der Bibel ist in keinem Text von „heiliger“ Schrift zu lesen, nur von „Schrift“, womit immer ein ganz bestimmter Text gemeint ist. Von Kirchenpolitik im Sinne von Machtsicherung ist diese angeblich heilige Zuschreibung nicht zu trennen, genauso wenig die Behauptung, dass der Vorgang der Kanonisierung göttlich inspiriert sei.
An die Stelle der traditionellen prophetischen Auslegung des göttlichen Willens im Judentum tritt in christlicher Uminterpretation die Schrift als kodifizierter Wille Gottes. Aus durch Prophetenmund gesprochenem Wort wird eine kodifizierte Buchstabenfolge, über deren Auslegung und Stellenwert bis heute gestritten wird, trotz aller dogmatischer Setzungen, dass sich „die“ Schrift als in sich konsistent selbst auslege.
Um bei der Auslegung der Schrift das Feld nicht Hinz&Kunz zu überlassen, wurde in der frühen Kirche die Auslegungshoheit dem Papst zuerkannt. Luther tat sein Scherflein dazu, um den Wortsinn der jüdischen Texte des Alten Testamentes christologisch umzuinterpretieren. Einzelne Bibeltexte werden ins Feld geführt und mit der ihnen zugesprochenen Autorität der (Schein)Beweis geführt, dass die kirchliche Lehre in ihren dogmatischen Aussagen mit „der“ Schrift und damit dem Wort Gottes übereinstimmt. Dass es „die“ Schrift niemals gegeben hat, fällt unter den Tisch. Der Gesamtzusammenhang und historische Kontext der völlig verschiedenen Texte, die Intention der Schreiber, der Tenor der Glaubenserfahrungen wird der Rechtfertigung der kirchlichen Dogmen geopfert. Theologisch angeleitete Bibelexegese, universal behauptete Verbalinspiration direkt von Gott, stellvertretend für den Rest der Menschheit empfangen.
Ist das von Gott gewollt, dass ich meine Beziehung zu Gott von der herrschenden Lehre bestimmen lasse oder ist es von ihm gewollt, dass ich diese durchschaue? Wieso sollte die kirchliche Position richtig und meine falsch sein? Mit welchem Recht setzt die Kirche mich vor Gott ins Unrecht und sich ins Recht? Kirchenrecht ist nicht Gottes Recht.
Die Bibeltexte insbesondere des Neuen Testaments wurden prägend für das christliche Ethos, für die abendländische Kultur mit ihren Vorstellungen von Gütern, Pflichten und Tugenden. Die Auseinandersetzung zwischen rechter Lehre und Irrlehre vollzieht sich im dogmatisch geleiteten Irrlichtern zwischen der Lehre von der Bibel als Wort Gottes und den modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen, in deren Spiegel diese Position ad absurdum geführt ist.
Wenn ich mein Bibel- und Christenbild, das mir in Jahrzehnten eingetrichtert wurde, so in Trümmern liegen sehe, frage ich mich, was das in der Konsequenz für mich, meinen Glauben, mein Verständnis der Bibel heißt. Eigentlich ist das einfach: Die Schrift, besser die Schriften, als das nehmen, was sie sind: Als Texte, die von Menschen für Menschen geschrieben wurden, um ihre Glaubenserfahrungen zu bezeugen und Zeugnis abzulegen von dem EINEN Gott. Die Autoren haben ihr jeweiliges Verständnis aufgeschrieben, um die Nachwelt zum Glauben an diesen Gott zu bringen, vor dem Hintergrund ihrer sozialen, kulturellen und politischen Lebenswelt. Es sind Zeugnisse dessen, wie Gott im Leben, in vielen unterschiedlichen Leben, über Jahrtausende, zu erfahren ist. Sie berichten von dem was bleibt, wenn der Mensch, der in seiner Lebenswelt verhaftet ist, geht. Ohne diese Zeugnisse weiß Mensch das nicht, hat nicht das Wissen oder die Erfahrung von diesem Gott, keine Chance sich bei diesem Gott zu bergen.
Zum Verständnis der Schriften braucht man Religion und Kirchen nicht, im Gegenteil, sie behindern und hemmen einen im Glauben, nehmen die eigene Offenheit den Texten, der schon einmal erlebten Glaubenserfahrung gegenüber und begrenzen einen auf die dogmatische Brille, verführen einen, unreflektiert nachzuplappern und die Dogmen nicht zu hinterfragen. Nur, dass man in dem Fall nicht Gott und Jesus folgt, sondern den Kirchenoberen. Es ist wie bei dem Rattenfänger von Hameln. Die Hidden Agenda wird nicht offengelegt, sondern einem von Kanzel, Ritus und Liturgie untergejubelt. Man wird, um es direkt auszudrücken, manipuliert. Man hinterfragt nicht mehr oder nicht mehr viel, da als Wahrheit von Kindesbeinen an vermittelt wird, was nichts als subjektive Setzungen, als dogmengetriebene Auslegungen der Schrift durch die Institution Kirche sind. Wenn man diese Brille absetzt, ist es wie eine Befreiung von einem Korsett, dann versteht man, was es heißt, wenn Jesus sagt: Mein Joch ist leicht. Die eigentliche Herausforderung beim Lesen der Schriften ist, die eigenen Scheuklappen, die einem aufgesetzt wurden, die Seh-, Denk-, Lese- und Handlungsverbote, zu überwinden.
Der Mensch vermag noch nicht einmal „das“ wahre Wort unter allen Menschen zu erkennen, schon gar nicht „das“ wahre Wort Gottes. Auch kein Verschriftlichtes. Jede Wahrheit auf Erden ist menschlich eingeschränkt und hält nur solange, bis jemand diese Wahrheit durch eine andere vermeintliche Wahrheit ersetzt und andere davon überzeugen kann. Unsere Wahrheiten sind zeitlich und sozial begrenzt und sind keine objektiven Wahrheiten, das heißt Wahrheiten, die alle Zeit, alle Kulturen, alle Menschen, alles Sein überdauern. Reine Wahrheit ist allein bei Gott und wir werden sie eines Tages erfahren. Menschen zu Göttern zu machen, ist Menschenwerk, nicht Gotteswerk. Wenn sich Menschen anmaßen, für Gott für andere Menschen zu entscheiden, erheben sie sich über Gott. Wenn sie aus Jesus etwas machen, was er selbst nie so gesehen hat, dann erheben sie sich über Gott. Wenn sie aus der Schrift das in Text gemeißelte Wort Gottes machen, erheben sie sich über Gott. Gott und sein Wort steht den Menschen nicht zur Disposition und nicht in ihrer Definitionshoheit.
Hat man sich erst einmal vom Kirchen-, Dogmen-, Religionsjoch befreit, ist man frei für seine Beziehung zu Gott. Uneingeschränkt kann man die Bibel- und andere Texte lesen und verstehen, was im eigenen Lebenskontext und –zusammenhang zu verstehen an der Reihe ist. Es gibt darin kein objektives Richtig und Falsch. Alles Lesen ist subjektiv und vom jeweiligen subjektiven Augenblick geprägt. In den Texten, die von Gott zeugen, scheint die Vieldimensionalität Gottes in unser eindimensionales Menschschein. Wie oft man die Bibeltexte auch liest, jedes Mal liest man sie anders, weil sich im Menschsein kein Augenblick wiederholt. Gott erschließt sich im Gesamtkontext dieser Texte im Lichte des eigenen Lebenskontexts, in der eigenen Glaubenserfahrung vor dem Hintergrund der Gesamtglaubenserfahrung. Das Zutrauen, Gott selbst in der Bibel zu erfahren, im Gesamtkontext ihn selbst zu finden, ist uns in zwei Jahrtausenden von den Kirchen genommen worden. Die Definitionsmachtanmaßung der Kirchen hat zur Entmündigung der Gläubigen geführt, aus der sie sich wieder Stück für Stück entwinden müssen. Das braucht seine Zeit. Die Entwicklung ist in vollem Gang.
Nun lieber Luther, beinhalten die Bibeltexte nun „das“ offenbarte Wort Gottes, das Gott den Schreibern in die Feder diktiert hat? Nein, „das“ Wort Gottes kennt nur Gott. Wir hören nur das Echo, das es in uns auslöst. Wenn es Stellen in der Bibel gibt, die gefährlich, frauenfeindlich, brutal, homophob sind, dann zeugen sie vom Verfasser, nicht von Gott. Aber nicht nur, auch vom Leser, der dies so wahrnimmt. Davon nächstes Mal mehr.
Herzliche Grüße
Deborrah
Lieber Luther
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Montag, 26. Oktober 2015
Sonntag, 13. Juli 2014
Prophetenwort
Lieber Luther,
manchmal muss man lange Wege gehen, bis einem ein Licht aufgeht und es einem wie Schuppen von den Augen fällt. Ich musste mich bis ans Ende der Bibel durchlesen, bis zur Offenbarung, bis sich mir der Blick öffnete. Mir ist nochmals deutlich geworden, wie wichtig für das Verständnis es ist, die Bibel im gesamten Zusammenhang zu lesen. In Mosaikteilchen gelesen, kann man insbesondere die Offenbarung nicht verstehen, aber auch das Zweite Testament nicht ohne das Erste und umgekehrt. Beide sind Schlüssel und Schloss.
In den Tagen der Stimme des siebenten Engels, wenn das siebte Siegel bricht, wenn er posaunen wird, soll vollendet werden das Geheimnis Gottes, wie er seinen Knechten, den Propheten, verkündet hat (Offb 10,7). Denn der HERR hat euch einen Geist des harten Schlafs eingeschenkt und eure Augen zugetan, dass euch alle Prophezeiungen sein werden wie die Worte eines versiegelten Buches, welches man gäbe einem, der lesen kann, und spräche: Lies doch das! und er spräche: Ich kann nicht, denn es ist versiegelt; oder gleich als wenn man's gäbe dem, der nicht lesen kann, und spräche: Lies doch das! und er spräche: Ich kann nicht lesen (Jes 29, 10-12).
So stehen viele Menschen vor den Buchstaben, die die heiligen Männer in der Schrift überliefert haben und können sie nicht lesen, verstehen Boten und Botschaft nicht. Auch das ist vorhergesagt: Gehe hin und sprich zu diesem Volk: Höret, und verstehet‘s nicht; sehet, und merket's nicht! Das gilt bis auf den heutigen Tag, solange, bis der siebte Engel posaunen wird. Anstatt dem überlieferten Gesetz und dem Zeugnis, das von Gott gegeben ist, glauben sie lieber den selbstgebastelten Göttern. Deshalb werden sie die Morgenröte nicht sehen, sondern hungrig bleiben, in ihrem Elend und Gott fluchen: Sie werden gaffen, unter sich die Erde ansehen und nichts finden als Trübsal und Finsternis; denn sie sind im Dunkel der Angst und gehen irre im Finstern (Jes 8, 20-22). So steht es auch in der Offenbarung (z.B. Offb 16, 9-11). Anstatt Angst vor der Macht der Verführung zu haben, haben sie Angst vor Gottes Gericht. Anstatt diesem freudig entgegenzufiebern, da es die Erlösung bringt, bleiben sie lieber in Babylon, dem Sitz des Bösen, der Hölle auf Erden, verkaufen sich und ihre Seele an andere Götter. "Hurerei" wird das in der Bibel genannt. Denn die geistlichen Leiter dieses Volkes sind Verführer; und die, die sich leiten lassen, sind verloren (Jes 9, 15).
Ihr schwört bei dem Namen des HERRN und gedenkt Gottes, aber nicht in Wahrheit und Gerechtigkeit. Ihr nennt euch Gottes Kinder und trotzt Gott. Alles, was in der Schrift gesagt ist, ist gesagt, damit ihr nicht sagen könnt, es ist Zufall, veraltet, das gilt für mich nicht. Denn: Ich habe es zuvor verkündet, das Zukünftige ist aus meinem Mund gekommen. Ich habe es sagen lassen. Ich tue es auch. Es kommt plötzlich. Denn ich weiß, dass du hart bist. Deshalb habe ich es dir zuvor sagen lassen, damit du nicht sagen kannst: Mein Götze tut's, und mein Bild und Abgott hat es befohlen. Du hast alles gehört, in der Schrift ist es geschrieben, und du verkündest es nicht. Ich habe dir Neues und Verborgenes gesagt, das du zuvor nicht wusstest. Nun ist es geschaffen. Ich weiß wohl, dass du mein Wort verachten und vom Mutterleib an ein Übertreter sein wirst (Jes 48, 1-6)
Lieber Luther, in der Schrift ist uns Gottes Wort gesagt, es ist uns vorhergesagt bis wir vor Gottes Stuhl – Richter- und Gnadenstuhl zugleich – stehen werden. Es ist alles vorausgesagt, damit wir, wenn es eintritt, erkennen, dass es Gott ist, der da am Werk ist. Deshalb hat Jesus auch gesagt: Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen (Mt 5, 17). Als Jesus nach Nazareth kommt, wird ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht und er schlägt auf: Der Geist des Herrn ist bei mir. Er hat mich gesandt um das Evangelium den Armen zu verkünden, zu heilen, die zerstoßenen Herzens sind, den Gefangenen zu predigen, dass sich ihre Fesseln lösen, den Blinden, dass sich ihre Augen öffnen, und den Zerschlagenen, dass sie wieder aufgerichtet werden (Luk 4, 16-18).
Jesu Leben war ein Erfüllen der Schrift, ein Dienst im Wort dessen, was Gott uns schon durch die Schrift im Ersten Testament hat verkünden lassen: Damit wir glauben, dass das, was geschieht, in seinem Namen geschieht, dass alles bereits im Lebensbuch verzeichnet (Offb 3, 5), alles vorgedacht ist. Was im ersten Testament vorausgesagt ist, hat sich im zweiten erfüllt. Vom Anfang Jesu Wirken bis zu dessen Ende: Mit Jesu Taufe durch Johannes erfüllt sich die Schrift (z.B. Mt 3, 3) bis er am Kreuz hängt: Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen (Joh 19,36). Als er wusste, dass schon alles vollbracht ist, dass die Schrift erfüllt ist, spricht er: Mich dürstet, nimmt den sauren Wein des Lebens und stirbt. Es ist vollbracht! (Joh 19, 28). Er hat erfüllt, es hat sich erfüllt. Wie vorhergesagt.
Lieber Luther, wer denkt, er findet den Gott, von dem Jesus spricht, außerhalb der Schrift, irrt gewaltig. Davon zeugt die gesamt Bibel vom ersten bis zu letzten Buch, vom A bis zum O. Die Lehre der Weisen ist eine Quelle des Lebens, zu meiden die Stricke des Todes (Spr 13, 14). Gott gibt in der Schrift durch seine Auserwählten Zeugnis von sich, von seinem Recht und seiner Gerechtigkeit. Die Offenbarung fasst zusammen und gibt uns einen klaren Blick wie Gottes Gerechtigkeit aussieht, wie er uns sammelt und was passiert, wenn wir Widerstand leisten. Was bei Jesaja steht, steht auch in der Offenbarung. Das zweite Testament bekräftigt das erste. Meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, sollen von deinem Mund nicht weichen, noch vom Mund deiner Kindeskinder, spricht der HERR, von nun an bis in Ewigkeit (Jes 59, 21).
An vielen Stellen der Bibel wird vor falschen Predigern gewarnt, auch Jesus hat eindringlich gewarnt und vorhergesagt, dass sie auftreten werden. Der Verführer wird vortäuschen er wäre ich, hat er gesagt. Die Offenbarung gibt reichlich Zeugnis davon. Lieber Luther, wenn man die bibelfernen Predigten unserer Pfarrer anhört, was sie über Gott sagen und was so gar nicht im Geiste der Bibel und damit in Gottes Geist ist, man Zweifel hat, ob sie die Bibel jemals im Zusammenhang gelesen haben, man sich mit Grausen abwendet, kann einem der Gedanke kommen, dass Gott selbst dafür sorgt, dass sie nicht zu viel Unheil anrichten, indem er ihnen einfach die Kundschaft entzieht und sich eigene Wege sucht, sein Wort zu verkünden. Lieber Luther, der Antichrist hat sich massiv in deiner Kirche im Tarntalar eingenistet, so wie im ersten und im zweiten Testament vorausgesagt, zusammengefasst in der Offenbarung. Man lese, aufdass man lesen lerne! Bis ins Mark erschrocken über den Zustand der Prediger deiner Kirche
herzliche Grüße
Deborrah
Deborrah
Sonntag, 6. Juli 2014
Werke
Lieber Luther,
Gott ist ein Gott der Abwägung, der unsere guten Seiten sieht und unsere schlechten. Es entgeht ihm nichts. Sein ganzes Bestreben ist darauf gerichtet, uns zu ihm zu bekehren. Wir sind ein harter Brocken. Unser Alltag frisst uns auf, wir lassen uns aber auch auffressen, so dass wir immer in Gefahr sind, bei allem werkeln das falsche Gewerk anzupacken. Gottes Wort ist Wegzeiger jeden Tag, Maßstab zur kritischen Selbstreflexion, Wegweisung zu Umkehr, Reue und Buße, Betriebsanleitung, dass unser Werk vor ihm gelingen kann.
Die Sendschreiben zu Beginn der Offenbarung sind wie Mahnschreiben, die uns unverblümt eine Analyse unseres Tuns vor Augen halten. Jesus Christus lässt uns ausrichten:
Ich kenne deine Werke, deine Arbeit, deine Geduld um meines Namens willen, deinen unermüdlichen Kampf gegen das Böse, gegen die falschen Apostel und Lehrer, deren Lügen du entlarvst. Aber du lässt dich verwickeln, deine Liebe ist mehr Eigenliebe, mehr Liebe unter Menschen als Gottesliebe, ich nichts als ein Vorwand. Diene Gott anstatt den Menschen. Bedenke, aus was du gefallen bist. Wer die Welt überwindet, dem werde ich vom Holz des Lebens zu essen geben. Tue Buße, sonst sinkt dein Stern und dein Licht wird nicht mehr leuchten (Offb 2, 1-7).
Ich kenne deine Werke, deine Trübsal, deine Nöte, in denen du trotz alledem reich bist , die Anfeindungen, die du von denen erfährst, die von sich behaupten, sie haben die wahre Lehre für sich gepachtet, aber in Wirklichkeit falsche Lehrer sind. Auch wenn sie dich in die Finsternis stoßen, sei getrost, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer die Welt überwindet, dem wird der Tod nichts anhaben können (Offb 2, 8-11).
Ich kenne deine Werke, dass du inmitten Gottloser wohnst, wo das Böse regiert. Du hältst an meinem Namen und an meinem Glauben fest, auch gegen höchste Bedrängung der Gottesverächter. Aber, dein Tun ist zweischneidig. Wie Bileam lässt du dich missbrauchen, heulst mit den Wölfen, verbeugst dich vor Götzenbildern, lehrst vor und von falschen Göttern, wenn es opportun erscheint, und führst dabei meinen Namen im Mund. Lass das sein und tue Buße, sonst schneidest du dich von mir ab. Wer die Welt überwindet, den will ich nähren, der wird ein reiner Stein werden, auf den ich bauen werde, und auf dem der Name stehen wird, bei dem ich dich rufen werde (Offb 2, 12-17).
Ich kenne deine Werke, deine Liebe, deinen Glauben, deine Geduld, dass du je länger, je mehr tust. Aber du lässt falsche Propheten gewähren, die meine Knechte dazu verführen, anderen Göttern nachzulaufen, sie davon abhalten, mein Brot zu essen. Ich habe dir Zeit zum Nachdenken und zur Umkehr eingeräumt, aber du willst nicht. Du schiebst keinen Riegel vor und tust nicht Buße. Deshalb wirst du zusammen mit denen untergehen, denen du nicht wehrst, wirst keine Frucht mehr bringen. Alle werden erkennen, dass ich es bin, der bei jedem Herz und Nieren erforscht und jedem nach seinen Werken geben wird. Wer die Welt überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, den werde ich teilhaben lassen an meiner Macht und Herrlichkeit, ihm, gleich wie mir von meinem Vater gegeben ist, Macht über die Heiden geben, sie zu weiden, um das Böse mit ehernem Stab wie Töpfergefäße zu zerschmettern. Ich werde ihnen den Morgenstern geben, sie werden als erste Lichter am neuen Himmel des neuen Tages leuchten (Offb 2, 18-29).
Ich kenne deine Werke, denn du lebst und bist doch tot. Werde wach und stärke das Übrige, das im Begriff steht zu sterben. Du bewirkst nicht, was du bewirken könntest. Denke daran, jeder tue, nachdem er empfangen und das Wort gehört hat. Bewahre dies und tue Buße. Wach auf, damit du bereit bist, wenn ich komme. Wenn du nicht aufwachst, werde ich in dein Haus kommen wie ein Dieb und du wirst überrascht sein über mein Kommen und es verschlafen. Du weißt weder Tag noch Stunde. Besudle dein weißes Kleid nicht in der Dunkelheit. Wer die Welt überwindet, muss mit weißen, reinen Kleidern angetan sein, dann soll sein Name nicht ausradiert werden aus dem Buch des Lebens und ich will mich zu ihm vor meinem Vater bekennen (Offb 3, 1-6).
Ich kenne deine Werke, ich habe vor dir eine Tür aufgeschlossen, die niemand zuschließen kann. Ich habe dir eine kleine Vollmacht gegeben, du hast meine Worte behalten und meinen Namen nicht verleugnet. Diejenigen, die Böses tun und doch sagen, sie seien christlich und sind es nicht wirklich, werden zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe. Weil du geduldig auf mich geharrt hast, werde ich dich vor der Versuchung durch das Böse bewahren, die alle heimsucht, die auf der Erde wohnen. Siehe, ich komme bald, halte, was dir gegeben ist, damit dir niemand deine Krone nehme! Wer die Welt überwindet, den will ich auf ewig zum Pfeiler im Tempel meines Gottes machen. Ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes, den Namen des neuen Jerusalem und meinen neuen Namen (Offb 3, 7-13).
Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist, dass du nicht anecken, nicht Position beziehen willst. Ach, dass du kalt oder warm wärst! Weil du lau bist, werde ich dich ausspeien. Du sagst: Ich bin reich, satt und bedarf nichts. Du weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und deine Schande offenbar. Ich rate dir, von meiner Wahrhaftigkeit zu kaufen, die von allem Selbstbetrug gereinigt ist, damit du reich wirst. Kaufe dir weiße Kleider, damit die schändliche Blöße, die du dir gibst, bedeckt wird. Salbe deine Augen mit Augensalbe, damit du der Wahrheit in Gesicht sehen kannst. Die ich liebhabe, fordere ich auch. Deshalb mache dich auf, beweg dich und tue Buße. Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und seine Tür aufmacht, zu dem werde ich eingehen und mit ihm das Abendmahl halten und er mit mir. Wer die Welt überwindet, der wird mit mir auf meinem Stuhl sitzen, gleich wie ich überwunden habe und mich mit meinem Vater auf seinen Stuhl gesetzt habe (Offb 3, 14-22).
Ich kenne deine Werke. Lieber Luther, man kann sich an der einen oder anderen Stelle ertappt fühlen und feststellen, dass man auf dem Holzweg ist. Das ist Sinn der Sache, nämlich uns zu belehren, uns zu helfen, uns Orientierung und Anstoß zum Nachdenken zu geben, uns die Richtung zu weisen, uns den Weg zu zeigen. Ich kenne deine Werke, sagt Christus, aber kenne ich seine auch? Oder schönfärbe ich? Gehe ich den Weg seiner Werke, den er vorausgegangen ist? Wer die Welt überwindet ... Fast unüberwindlich für uns.
Herzliche Grüße
Deborrah
Deborrah
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