Lieber Luther

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Montag, 25. Mai 2015

Heiliger Geist - Pfingsten

Lieber Luther,
heute ist Pfingsten, das Geistfest der Kirchen. Ich habe mich schon viele Male mit dem Geist beschäftigt. Das Wirken des Geistes Gottes ist ein zentrales Element unseres Gottesglaubens. Pfingsten ist eine Erinnerung daran. Pfingsten findet allerdings als sichtbares Ereignis nur in der Apostelgeschichte statt (Apg 2, 1-47), am 49. Tag nach Ostern, am Tag an dem die Juden Schwuot feiern, den Tag der Offenbarung der Tora an das Volk Israel. Es ist sozusagen ein zu einem christlichen Fest umgemodeltes jüdisches Fest. Anstatt Tora, betrachtet man die Aussendung des Heiligen Geistes auf die Apostel und Jünger als Initiation der Kirchengründung. Der vorhandene jüdische Feiertag wurde, wie so mancher heidnische, christlich uminterpretiert.
Bei Lukas öffnet Jesus den Jüngern am Ende das Verständnis, damit sie sein Wort und die Schrift in seinem Sinne verkünden konnten (Lk 24, 45-49): Ihr aber seid des alles Zeugen. Und siehe, ich will auf euch senden die Verheißung meines Vaters. Ihr aber sollt in der Stadt Jerusalem bleiben, bis ihr angetan werdet, mit der Kraft aus der Höhe. Der Heilige Geist, die Kraft aus der Höhe ist etwas, das noch kommt. Da in der Regel angenommen wird, dass der Verfasser der Apostelgeschichte der gleiche ist, wie derjenige, der das Lukasevangelium geschrieben hat, findet in der Apostelgeschichte eine Erklärung, was im Lukasevangelium mit offenen Ende stehen bleibt. Natürlich entstanden daraus Fragen: Was ist die "Kraft aus der Höhe" und vor allem: Wann kommt sie? Wie lange haben die Jünger in Jerusalem zu warten? Wie merken sie, dass die Kraft aus der Höhe kommt?
Auch im Johannesevangelium, dem heutigen Predigttext, wird ein direkter Bezug zwischen Wort, Predigt und Geist hergestellt: Aber der Tröster, der Heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch erinnern alles des, das ich euch gesagt habe (Joh 14, 26-27). Auch im Johannesevangelium bleibt offen, wann der Geist denn kommt.
Die Evangelien bei Matthäus und Markus enden mit der Aussendung der Jünger durch den Auferstandenen, um zu predigen und im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen und alles zu lehren, was er ihnen gelehrt hat. Der Geist ist schon da, er braucht nicht mehr erst zu kommen. Er wird unterstellt. Aber auch hier wird ein Bezug zur Lehre hergestellt.
Geist und Lehre, Geist und Gottes Wort sind verknüpft. Nur wer den Geist hat, versteht und kann das wahre Wort Gottes lehren. Deshalb auch die eifrigen und eitlen Bemühungen desPaulus, sich und seine Lehre durch den Geist zu rechtfertigen. Paulus war ein Machtmensch, er wusste, worauf es ankommt. Nur der Geist kann die Legitimation bringen.
Das kirchliche Pfingstfest vermischt alle Theologien zu einem unklaren, ungeklärten Brei und ist deshalb auch den Gläubigen schwer zu erklären, wohl verstehen es viele Prediger selbst nicht, was die merkwürdige Kraftlosigkeit, ja Hilflosigkeit, vieler Pfingstpredigten erklärt. Was der Prediger nicht versteht, kann er dem Gläubigen auch nicht glaubwürdig und überzeugend vermitteln. Was meint nun der "Heilige Geist", die Kraft aus der Höhe?
Der Geist ist von Gott ausgeschüttet, schon vor allem menschlichen Anfang: Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der GEIST Gottes schwebte auf dem Wasser (1.Mose 1, 2). Die Schrift fängt mit dem Geist an, die erste Äußerung Gottes, die wir kennen, ist Geist, das Sein von Gottes Geist in der Leere, in der Finsternis, sein Schweben auf dem Wasser. Geist ist Gottesäußerung, Gotteswirken, Gottes-Sein, sein Schweben über den Dingen, Gottes Geist ausgegossen in den leeren, Menschensinn entleerten, nur seienden Himmel und Erde. Geist ist neben dem Wort die wesentliche Äußerung des schöpferischen Aktes Gottes, das, worin sich das Göttliche im Materiellen äußert und vom Materiellen unterscheidet.
Deshalb ist es auch nur logisch, dass Gott, als er den Menschen schafft, ihm seinen Atemhauch, seinen Geist, einhaucht, um ihn zu einem göttlichen Menschen zu machen, der ihn von einem mit Verstand versehenen Tier unterscheidet. Mit dem göttlichen Atemhauch, mit seinem Geist, fließt Göttlichkeit in den Menschen ein. Mit dem Verstand kommt aber auch der Eigenwille des Menschen, der ihn ablenkt von seiner Göttlichkeit, ihn seinen göttlichen Ursprung vergessen lässt. Ich habe dir, lieber Luther, davon erst kürzlich ausführlichst mehrfach im Zugemeiner Auseinandersetzung mit der Schöpfungsgeschichte geschrieben. Ich brauche das hier nicht alles wiederholen.
Es führt summa summarum dazu, dass sich der Mensch von Gott abwendet und den menschlichen Versuchungen nachgibt: Da sprach der HERR: Mein GEIST soll nicht immer in den Menschen streiten, da sie ja auch Fleisch sind (1.Mose 6, 3). Gott anerkennt, dass sein Geschöpf Mensch, solange es Fleisch ist, auch fleischlich getrieben ist. Es ist ein AUCH. Das heißt aber auch implizit, in den einen mag er streiten, in den anderen nicht. Das ist in der Schrift mannigfach verbrieft: Gott hat immer wieder Menschen erwählt, in denen sein Geist für ihn gestritten hat.
Von vielen Menschen ist in der alten Schrift berichtet, dass sie vom GEIST Gottes erfüllt wurden, Joseph etwa (1. Mose 41, 38-39): Pharao sprach: Wie könnten wir einen solchen Mann finden, in dem der GEIST Gottes sei? Weil dir Gott solches alles hat kundgetan, ist keiner so verständig und weise wie du. Das anerkennt einer, der andere Götter hat. Mit Gottes Geist ist immer Weisheit und wahres, gerechtes Wort verbunden, immer auch die Fähigkeit weiszusagen, das heißt mehr als andere in die Zukunft zu sehen, für die Wahrheit Gottes zu streiten. Das bringt unweigerlich mit sich, gegen die zu streiten, in denen der Geist von ihrer menschlich-fleischlichen Getriebenheit verschüttet ist. Den Geist in sich streiten lassen, heißt, sich vor dem Konflikt nicht scheuen. Geistgetriebene Menschen zeugen davon durch Jahrtausende. Geist äußert sich in wahrem Wort, Geist äußert sich in vor Gott rechtem Handeln, in von Gott gesegneten Taten, in der Wahrung seiner Wahrheit, was nicht menschlich getriebene Wahrheit sein muss.
Von den Richtern, von denen im Buch Richter berichtet wird, heißt es immer: "Da kam der GEIST des HERRN auf ihn" (z.B. Ri 3, 10; 6,34; 14, 6). Von David heißt es: Da nahm Samuel sein Ölhorn und salbte ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der GEIST des HERRN geriet über David von dem Tage an und darüber hinaus (1. Sam 16, 13). Gottes Geist hat mit Erwählung zu tun. Alle, von denen berichtet wird, dass Gottes Geist über ihnen ist, sind von Gott "erweckt" worden, erwählt, sein Sprachrohr, sein Zungenschwert, seine Streitaxt im Wort und in der Tat zu sein. Sie waren immer unbeirrbar in ihrem geistgetriebenen Weg, wie sehr sie auch darunter litten. Wie sich das im Einzelnen äußerte, ist unterschiedlich: die einen waren Verkaufte, wie Joseph, andere Streiter wider Willen und doch demütig, wie Mose, Gottgeweihte wie Samuel, Normalbürger wie Hiob oder Jona, Aufsteiger wie David, der vom Hirten zum König wurde, Propheten wie Elia oder Jesaja, meistens alle an der Welt Leidende, wie bei Jeremia kaum erträglich gezeigt. Oder: Jesus.
Jesus lässt sich lückenlos hier einreihen. Jesus bringt aber etwas Neues: Jesus ist GEIST UND WORT, Jesus ist völliger Gottesmensch, das reine Ebenbild Gottes, er ist reine Schöpfung. Die Männer (und Frauen), die in der Alten Schrift den Geist Gottes in sich streiten fühlten, beackerten den Alltag, versuchten Gottes Geist in ihrem jeweiligen sozialen Umfeld zu Gehör zu bringen. Sie waren Warner vor den Abwegen. Meistens vergebliche Warner.
Jesus ist Mittler zwischen dem nicht geistgetriebenen Menschen und Gott. Er bringt, was bisher nicht vorhanden war: Eine LEHRE von Gott, die in der Alten Schrift fußt, aber als Gotteslehre so nicht vorhanden war: alter Wein in neuen Schläuchen. Sein ganzes Sein war auf das Wort und die Bestätigung des Wortes durch Tat ausgerichtet, Geist getrieben streitend für Gott und sein Wort, völlig aufgehend in seinem Willen, nicht fleisch-, sondern geistgetrieben: Ich bin von oben, ihr aber seid von unten.
Das, was Mose gebracht hat, war keine Gotteslehre, es war eine Ordnung, auch eine soziale Ordnung, um die Menschen erst einmal hinter dem EINEN Gott zu sammeln und zu einer sozialen Gemeinschaft zu machen. Ohne diese Sammlung zu einem Volk Gottes wäre Jesus nicht denkbar. Sein ganzes Sein konnte nur sein nach dieser Sammlung hinter der mosaischen Ordnung, die Voraussetzung war für das, was durch Jesus folgte.
Es hat also, lieber Luther, mit dem Geist, dem manche an Pfingsten so ratlos gegenüber stehen, nichts Geheimnisvolles oder Unerklärliches auf sich. Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort (Joh 1, 1). Das Wort, die Gotteslehre, wurde durch Jesus gebracht, das wahre, geistgetriebene Wort ist Gottes Wortäußerung, übersetzt von Menschen, die sein Wort durch seinen Geist hören. Wer den Geist hat, hört und versteht und diejenigen, lieber Luther, in denen Gottes Geist streitet, können nicht anders als für ihn streiten, wieviel Leid es ihnen auch einbringt. Du kannst ein Lied davon singen. Genau das ist, was in den Evangelien und in der Apostelgeschichte, in welcher Variante auch immer, beschrieben wird. GEIST, WORT und PREDIGT, geistgetriebene Predigt und geisterfülltes Hören, das ist, lieber Luther, Pfingsten.
Geistlgetriebenes Hören und Verstehen kann man nicht erzwingen, aber man kann etwas dafür tun. Die meisten Geistgetriebenen der Bibel hatten ein Vorleben, mit wenig oder ohne Geist. Aber irgendwann erfüllte sie Gottes Geist, sind sie wieder aufgewacht, wurden sie zu Hörenden und Verstehenden und für Gott Streitende. Das kann jedem passieren, wenn er dazu bereit ist. Dann wird die Verschleierung des fleischlich-menschlichen weggezogen und Gottes Geist wird sichtbar, wie er in uns schwebt und wirkt wie auf einem klaren Wasser. So öffne uns, lieber Luther, der Geist das Hören und das Verstehen des Wortes, er mache uns bereit, dafür zu streiten und wandle uns zu einem geistgeklärten Heilwasser.
Herzliche Grüße
Deborrah

Samstag, 14. März 2015

Stärke

Lieber Luther,
Lätare, freue dich, dieser Ausruf passt perfekt zum Predigttext dieses Fastensonntages (Joh 12, 20-33). Wie das? Ist da nicht von einem Weizenkorn die Rede, das sterben muss? Und ist dieses Bild nicht auf Jesus gemünzt, auf seinen grausamen Tod? Von Verherrlichung ist außerdem die Rede. Was heißt das alles und wieso ist das ein Grund zur Freude? Aber der Reihe nach.
Griechen, das heißt Ungläubige, wollen zu Jesus, wissen aber nicht recht, wie sie das anstellen sollen. So fragen sie erst einen Jünger, der berichtet ihr Anliegen dem nächsten Jünger und schließlich bringen sie es gemeinsam vor Jesus. Jesus hat sie bisher zu den Seinen, zum jüdischen Volk, geschickt, um zu predigen. Nun kommen da Ungläubige daher und wollen auch Jesu Wort hören. Deshalb bedarf es anscheinend beider Mut, dieses Anliegen vor Jesus zu bringen. Jesus konnte, wenn es um Gott ging, um Wahrhaftigkeit und Gottes Wahrheit, grob sein. Deshalb bedurfte es etwas Mut, für die Ungläubigen bei Jesus zu bitten. Wie reagiert Jesus?
Oberflächlich sieht es so aus, als ob Jesus diejenigen, die ihn suchen, einfach links liegen lässt und sich mit sich selbst beschäftigt: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschen Sohn verherrlicht werden soll, sagt er. Jetzt ist sie da, meine Stunde. Die Stunde, in der offenbar wird, wie Gott in mir wirkt, die Stunde, in der ich in mir klar werde, was Gott von mir will. Nicht am Kreuz, jetzt geschieht dies, in der Predigt, beim Predigen. Jetzt ist die Zeit des Gerichts und gleichzeitig die Zeit der Ernte. In Kanaan, am Anfang seiner Predigttätigkeit, war Jeus Zeit noch nicht reif, jetzt ist sie es. Zeit der Ernte, Zeit des Gerichts, Zeit der Entscheidung. Was er zu sagen hat, hat für ihn höchste Bedeutung, höchste Wahrheit und höchste Wichtigkeit, schon an den Eingangsworten erkennbar:
Amen, Amen, wahrlich wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt bringt es viel Frucht.
So einfach ist es. Die Natur macht es vor. Zunächst kommt der Fall. Auch Jesus ist sterblich, er ist ein Menschen Sohn. Jetzt, da meine Stunde gekommen ist, ist meine Seele betrübt, sagt er. Er sieht, was sich um ihn herum zusammenbraut, nicht nur er wird verfolgt und bedroht wegen seines Glaubens, es sind auch andere. Auch andere haben sie schon ans Kreuz genagelt, der öffentlichen Ordnung, der religiösen Schein-Ordnung wegen. Die Versuchung, dem zu entkommen, sich einfach davonzuschleichen, Verkündigung Verkündigung sein zu lassen, Wort Wort, nur seine Haut zu retten. Um diesen Zwiespalt geht es. Jesus will verdeutlichen, wie man sich in solch einer Versuchung legen soll. Jetzt geht das Gericht über die Welt, jetzt entscheidet sich, wie ich mich entscheide. Am Weizenkorn sei es gezeigt.
Das Weizenkorn stirbt nämlich nicht, das Weizenkorn sprengt seine Hülle. Was mit "sterben" übersetzt ist, heißt ursprünglich: von … weg sterben. Das Weizenkorn entledigt sich seiner Hülle, Jesus klebt nicht an seiner Hülle. Das Weizenkorn wandelt sich. Jesus sagt an anderer Stelle, er muss wandeln, es reicht nicht, heroisch den Märtyrertod zu sterben (Lk 13, 31-33), seine Hülle sterben zu lassen. Es ist der fruchtbare Wandel, den Jesus hier predigt.
Das Weizenkorn stirbt nicht, nur seine Hülle stirbt weg. Das Weizenkorn hat Stärke in sich. Die Stärke ist der Nährboden. Sie lässt den Keimling entstehen, Wurzeln treiben, bis er sich selbst ernähren kann. Tief verwurzelt, kann der Keim aus dem Dunkeln wachsen. Der Nährboden, das Salz der Erde, verleiht ihm die Kraft, die Oberfläche zu durchdringen, zu grünen, Sturm und Wind zu widerstehen, Ähren und neue Frucht zu treiben, sich zu vermehren, es dem Mutterkorn gleichzutun. Sprenge deine Hülle und bringe Frucht in Fülle! Das ist die Botschaft, die Jesus hier so wichtig ist. Amen, lass dich von dem, was dich begrenzt oder bedroht, nicht aufhalten!
Es ist die äußerliche Anfechtung, um die es geht, der auch Jesus ausgesetzt ist. Die Zeit für Jesus ist gekommen, seine Zeit, die Zeit der Anfechtung und der Entscheidung. Es entscheidet sich, ob man lieber an der Hülle festhält oder zur Kraft durchdringt, sich auf den inneren Kern verlässt, auf seine Fruchtbarkeit, auf seine Kraft.
Wer sein Leben lieb hat, der wird es verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt nicht lieb hat, der wird es erhalten zum ewigen Leben. Sei ein fruchtbares Weizenkorn, sagt Jesus. Hänge nicht an der Hülle, verlass die nicht auf die Oberflächlichkeit, baue auf die innere Stärke, treibe Wurzeln in Gottes Nährboden, im Wort, dann wirst auch du zu einem Keimling, der wächst und Frucht in Fülle bringt.
Jesus fragt: Was soll ich sagen? Mein Nährboden ist Gott, ich bin seine Frucht, aus seinem Vaterkorn geworden. Was kann ich deshalb nur sagen? Vater, hilf mir in dieser Stunde! Hilf mir in dieser Stunde der Anfechtung, in der es widerstreitet in mir, an der Hülle zu kleben oder auf deine Stärke in mir zu bauen. Vater, mach offenbar, dass meine Stärke du bist, dass ich nicht wanke. Vater, offenbare, verherrliche, vergegenwärtige deinen Namen, mach es so offenbar, dass es jeder, der dich sucht, in mir sieht. Offenbare deinen Namen in mir und in dem, was ich predige und tue. Lass mich nicht wanken, mache mich zu einem Abbild von dir, das in mir offenbar geschehe und im Wort festgehalten und verkündet ist, dem alle nachfolgen können, die es wollen, die sich für dich entscheiden.
Jesus ist fest. Jesus betet in der Anfechtung. Er wird nur oberflächlich fallen, so wie es die Natur eines Menschenkindes vorgibt. Er baut auf Gottes Stärke in sich: Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Jesus, das fruchtbare Weizenkorn, das Frucht bringt in Gottes Scheuer, derjenige, der es wagt, von der Hülle zu lassen und auf Gottes Stärke zu bauen. Jesus, das fruchtbare Weizenkorn, das sagt: Folgt mir nach, tut, was ich getan habe, predigt das Wort, tut das Wort, verfallt nicht in die Versuchung, an der Oberflächlichkeit festzuhalten, sonst erfahrt ihr nie die Fruchtbarkeit eurer inneren Stärke, dann treibt ihr keine Wurzeln, keine Ähren, keine Frucht, sonst erfahrt ihr nie die fruchtbare Fülle Gottes.
Was soll ich sagen? fragt er. Nur dieses: Vater, hilf mir aus dieser Stunde der Versuchung. Verkläre deinen Namen, mache dich offenbar, dass sie glauben, dass du der allmächtige Gott bist. Es ist nicht mehr viel Zeit, deshalb mach deinen Namen offenbar.
Und Gott macht seinen Namen offenbar. Es donnert. Eine Stimme kommt vom Himmel, in aller Klarheit und Deutlichkeit. Für alle vernehmbar: Ich habe verherrlicht und werde auch wieder verherrlichen. Gemeint ist sein Name, nicht Jesus. Um den Sohn der Menschen Jesus geht es nicht. Und damit das auch klar ist, setzt Jesus gleich hinterher: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen. Für Jesus wäre sie nicht notwendig gewesen. Jesus ist Stärke. Jesus ist Glaubensstärke. Jesus ist als leibliche Person nicht wichtig, wohl aber als Gottes Wortträger. Jesus ist Ebenbild Gottes. In Jesus offenbart sich für uns sichtbar Gott. Er hat für uns zum Vorbild der Versuchung widerstanden. Er hat sich ohne zu wanken für die Stärke im Weizenkorn entschieden, nicht für die Hülle. Der Fürst der Welt hat nicht über ihn gesiegt, sondern der innere Fürst ist sein alleiniger König.
Lieber Luther, die Stimme aus dem Himmel ist um unseretwillen geschehen. Weil wir nicht so stark sind wie Jesus, nicht auf unsere innere Stärke setzen, wie Jesus. Die Stimme ist geschehen, dass wir an Jesus nicht nur Gottes Allmacht sehen, sondern sie auch hören, dass alle Sinne die Chance haben, die Botschaft wahrzunehmen, die Chance, zum ewigen Leben durchzubrechen, der Versuchung zu wehren, an der Äußerlichkeit festzuhalten.
Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Vater, hilf mir aus der Versuchung. Um das zu sagen, um zu zeigen, dass dies der Satz ist, um den es geht, darum bin ich in die Welt gekommen, sagt Jesus. Darum bin ich in die Welt gekommen! Um zu zeigen, dass Gott unsere Stärke ist, es zu predigen, ein Beispiel zu geben, dem ihr nachfolgen könnt.
Das lieber, Luther, ist die Antwort für die Jesus suchenden Griechen, die Ungläubigen, die Gottesfürchtigen, diejenigen, die Jesus suchen, um ihm nachzufolgen. Seid ein fruchtbares Weizenkorn, baut auf Gottes Stärke in euch. Euch das zu sagen, euch das vorzuleben, euch zur Nachfolge aufzufordern, dafür hat Gott mich gesandt. Baut auf Gottes Stärke in euch, seid fruchtbar, tragt Gottes Wort weiter, vermehrt es. Bringt es vor die Ohren aller Menschen. Sprengt die Predigt- und Glaubensgrenzen, die ihr bisher hattet, denn: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen. Wenn meine Saat aus dem Dunkel der Erde aufgeht, dann werde ich alle zu mir ziehen. Mein Wort, meine Stärke, wird ihre Stärke sein, ich werde sie anziehen, nachziehen.
Der Zusatz des Evangelium Schreibers: (Das sagte er aber, zu deuten, welches Todes er sterben würde), ist insofern richtig, als er sagte: Ich sterbe keines Todes, ich bin ein fruchtbares Weizenkorn, das durch seine innere Stärke Frucht in Fülle trägt. Deshalb: Sprenge deine Hülle und bringe Frucht in Fülle! Folge mir nach. Breche durch zum ewigen Leben. Lätare! Freue dich an Gottes Stärke in dir! Amen, Amen, wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es fruchtlos. Lieber Luther, lass uns wandeln, lass uns Jesus nachfolgen, lass uns auf Gottes Stärke in uns bauen, auf dass wir Frucht bringen. Amen, ja Amen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 10. August 2014

Hirten

Lieber Luther,
Jeremia war ein großer Prediger des Unbequemen, ein Prophet, der Könige und Priester, ihre Gottesferne und ihre Irrlehren anprangerte. Er predigte, was keiner hören wollte und ist dafür von denjenigen, die sich auf den Schlips getreten fühlten, so an den Rand gedrängt worden, verfolgt und verspottet, dass er darüber nicht mehr froh wurde. Dennoch hat er seinen Auftrag erfüllt, immer wieder, hat keinem nach dem Mund geredet, die unbequeme Botschaft wohl gescheut, aber nicht ausgelassen.
Jeremia hat sich vor allem mit den Herrschenden angelegt. Vergebliche Mühe, vergebliches Leiden, sie haben nicht auf ihn gehört, auch die Hirten nicht, bis auf den heutigen Tag (Jeremia 23):
Weh euch Hirten, die ihr die Herde meiner Weide umbringt und zerstreut, spricht der HERR. Ihr vertreibt, anstatt zu hüten und für sie zu sorgen. Deshalb will ich euch heimsuchen, um eures bösen Wesens willen. Ich will diejenigen, die zerstreut sind, selbst sammeln und auf meine Weide bringen. Dort sollen sie wachsen und sich vermehren. Ich will Hirten über sie setzen, die kein Unrecht mehr an meinen Schafen tun. Ich will einen erwecken, der für Recht und Gerechtigkeit auf Erden sorgen wird. Sein Name wird sein: Der HERR unsrer Gerechtigkeit. Er wird euch gerecht machen. Ich sage das und werde das tun, wider alle eure Reden und Predigten!
Das Land ist voll Ehebrecher und Hurerei, voller Menschen, die den Bund mit mir brechen, ihr Treueversprechen, das sie mir gegeben haben, hintanstellen, mich hintergehen. Ihr Leben ist böse und ihr Tun taugt nicht vor meinen Augen. Beide, falsche Propheten und Priester, sind Knechte des Bösen, die auch in meinem Haus zu finden sind.
Sie gehen auf einer schiefen Ebene, die sie unweigerlich ausgleiten und nach unten rutschen lässt. Ich will Unglück über sie kommen lassen, spricht der HERR, im Jahr ihrer Heimsuchung. Sie brechen den Bund mit mir und verbreiten Lügen. Sie stärken die Boshaften, auf dass ja keiner umkehre und sich zu mir bekehre. Sie bewohnen Sodom und Gomorra, das Reich des Verführers. Ich will sie mit Galle tränken, da sie mit ihrer falschen Rede und Heuchelei das Volk verführen. So spricht der HERR: Gehorcht nicht den Worten dieser falschen Propheten, sie betrügen euch, denn sie predigen, was sie in ihren dunklen Herzen sehen, nicht was aus dem Mund des HERRN kommt.
Sie beschwichtigen diejenigen, die mich nicht achten: "Der HERR hat's gesagt, es wird euch wohl gehen," und all denen, die sich nach ihren eigenen Vorstellungen richten, sagen sie: "Es wird kein Unglück über euch kommen." Wie anmaßend seid ihr! Ich frage euch: Wer ist von euch im Rat der Gerechten vor dem HERRN gestanden? Wer von euch hat sein Wort gesehen, vernommen und gehört?
Siehe es wird ein Ungewitter kommen, das auf sie regnen wird. Gottes Zorn über diese Untaten wird nicht nachlassen, bis sein Wille geschehen ist. Am Ende werdet ihr es wohl begreifen müssen und erfahren. Ich habe die falschen Propheten weder gesandt noch mit ihnen geredet. Das hält sie nicht davon ab, in ihrem eigenen Kaffeesatz zu lesen. Wären sie bei meinem Wort geblieben und hätten sie es dem Volk gepredigt, so wäre das Volk nicht davongelaufen, sondern hätte sich zu mir bekehrt. Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, oder auch ein Gott, der über allem steht und alles sieht? Meinst du etwa, vor mir könne jemand sein wahres Wesen verbergen? Bin ich nicht die Fülle, die Himmel und Erde umfasst?
Ich höre die falschen Prediger sehr wohl, die vorgeben, in meinem Namen zu sprechen, die sich eigene Geschichten ausdenken, anstatt sich an mein Wort zu halten und damit bewirken, dass mein Volk meinen Namen vergisst. Der Träumer soll träumen, wer aber mein Wort hat, der predigt recht. Wer mich recht erkennt, zeigt denjenigen, die meiner bedürfen, was mein Recht ist (Jer 22, 16). Es ist wie mit Stroh und Weizen: Wie bringe ich die Frucht in die Scheuer, anstatt Stroh, das unter meinem Wort verbrennt? Versetzt mein Wort nicht Berge? Darum siehe, ich werde den falschen Predigern, die einander gegenseitig in Ammenmärchen übertrumpfen, aber nicht mein Wort verkünden, einmal zeigen, was mein Recht ist. Sie verführen mein Volk mit ihren Lügen und verantwortungslosen Reden. Sie sind kein Nutzen, sondern Schaden.
Wenn ihr gefragt werdet, was die Last des Herrn sei, dem sagt: Ihr seid die Last des Herrn, ich will euch deshalb abwerfen. Wer mein Recht und meine Gerechtigkeit als Last ansieht, den will ich heimsuchen. Der HERR sagt: Nennt mein Recht und meine Gerechtigkeit nicht mehr "Last des HERRN". Denn ihr werdet nach eurem Wort gemessen. Einem jeden wird sein Wort eine "Last" sein, weil ihr die Worte des lebendigen Gottes verdreht.
Und was antwortet ihr den falschen Propheten und Predigern: Weil ihr meine Worte "Last des HERRN" nennt, obwohl hier geschrieben steht, ihr es lesen könnt, dass ihr das lassen sollt, deshalb will ich euch hinwegnehmen und von meinem Angesicht verwerfen, euch zur ewigen Schmach und Schande.
Lieber Luther, kennen wir diese Wehe-Rufe über die Hirten nicht von Jesus? Sind sie nicht wie seine Wehe-Rufe über die Pharisäer und Schriftgelehrten? Er sagt auch, ich bin nicht gekommen zu trennen, sondern das Wort der Propheten zu erfüllen. Er kann zwischen Berufspropheten und berufenen Propheten unterscheiden.
Oder, lieber Luther: Gilt das überlieferte Wort vielleicht gar nicht mehr? Ist ja Altes Testament, interessiert uns nicht mehr? Es waren nur die alten Hirten gemeint, nicht die jetzigen. Oder: Jesus hat alles aufgehoben, was Gott vorher durch die Propheten gesprochen hat? Oder: Mit der Taufe hebt sich alles vorher von Gott Gesprochene auf, insbesondere die Teile, die von Recht, Gesetz und Geboten, Verpflichtungen, zu haltendem Bund verkünden? Oder: Was getauft ist, ist Christ per se, egal was er treibt und tut und wie gottlos er auch im Herzen ist? Oder: Alles hinweggefegt durch Paulus? Der selbsternannte Apostel bekommt das Gewicht von Gottes Wind, bläst das von den Propheten überlieferte Wort Gottes und Jesu Wort in den Evangelien mit seiner Theologie hinweg? Oder, der Gipfel: Hirten und Schafe meinen eine landwirtschaftliche Betätigung? Alles schon von Berufsgeistlichen gehört. Jeremia gibt Orientierung.
Herzliche Grüße
Deborrah