Lieber Luther

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Samstag, 28. März 2015

Hosanna - Herr hilf!

Lieber Luther,
mit dem heutigen Predigttext habe ich mich schon vor einem Jahr beschäftigt, in der Version des Matthäusevangeliums (Mt 21, 1-10), hauptsächlich unter Sicht des Volkes. Wenn man den heutigen Predigttext liest, in der Version des Johannesevangeliums (Joh 12, 12-19), hat man den Eindruck, der Schreiber des Johannesevangeliums ist etwas verwundert, angesichts dessen, was da berichtet wird. So hat er, die Geschichte mit Kommentaren versehen, damit man es denn besser verstehen solle. Ob sie hilfreich sind, sei dahingestellt.
Lässt man die Kommentare weg, ist folgendes beschrieben: Jesus hat Lazarus aus dem Tod gerufen. Dieses Zeichen haben viele verstanden und als die Kunde kommt, dass er auf dem Weg nach Jerusalem ist, kommen sie ihm entgegen. Seine Anhänger behandeln ihn wie einen König und rufen: Hosanna! Gepriesen sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus "findet" im Johannesevangelium das Eselfüllen, mit dem er in Jerusalem einreitet, bei Mt z.B. aber hat dieses Eselfüllen eine eigene Geschichte.
Der Esel trägt die Last der bedürftigen Menschen in die Heilige Stadt, das Neue Jerusalem. Wohl euch, die ihr sät an den Wassern und die Füße der Ochsen und Esel frei gehen lasst (Jes 32, 20), lernt bei Bileam, bei dem der Esel sehender war, als der Mensch, der den weltlichen Fürsten folgte und nicht Gott (4. Mose 22, 21 ff). Folge dem Esel und schlage ihn nicht, wenn er dir einen anderen Weg weisen will. Der Esel sieht den Engel des HERRN am Weg stehen, folge seiner Spur. Finde deinen Esel, damit er dir die Spur zum Engel weißt. Wenn das Leben auch störisch ist, nimm es, wie es sich dir gegeben ist, vertraue deinem Lebensesel, auch wenn es dir vorkommt wie eine Eselei.
Jesaja beginnt seine Botschaft mit dem Satz (Jes 1,2-3): Höret, ihr Himmel! und Erde nimm zu Ohren! denn der HERR redet: Ich habe Kinder auferzogen und erhöht, und sie sind von mir abgefallen. Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt‘s nicht, und mein Volk vernimmt's nicht. Der Esel, auf dem Jesus sitzt, kennt sein Ziel, seine Krippe. Er ist unterwegs zurück zu ihr. In seine Heilige Stadt, zurück in Gottes Höhe, zurück zu seinem Stall, zu seinem Futtertrog. Ochs und Esel standen bei Jesu Geburt an seiner Krippe und der Esel bringt ihn zurück zur Krippe. A&O eng verknüpft.
Wenn man verstehen will, was uns die Geschichte vom Einzug in Jerusalem sagen soll, liest man besser in der Alten Schrift, denn auf sie wird in ihr Bezug genommen. Es gilt Psalm 118 und Sacharja 9 zu verstehen, und zwar den gesamten Kontext. Im Johannesevangelium sind nur kleine Teile herausgenommen, deshalb ist es auch schwierig hinter die Oberfläche zu blicken, was der Evangeliumsschreiber einräumt: Die Jünger verstanden den Sinn nicht. Worin besteht er?
Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. So beginnt und endet Psalm 118. Diejenigen, die den Herrn fürchten, sagen: Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können Menschen mir antun? Es ist gut, sich auf den HERRN zu verlassen und nicht auf den Menschen. Die Rechte des HERRN ist erhöht, sie behält den Sieg. Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. Der HERR züchtigt mich wohl, aber er gibt mich dem Tod nicht preis.
Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich dahin eingehe und dem HERRN danke. Das ist das Tor des HERRN. Die Gerechten werden dahin eingehen. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen. Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. O HERR hilf! o HERR, lass wohl gelingen! Gelobt sei der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch, die ihr vom Hause des HERRN seid. Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien.
Das Fest, das in Ps 118 beschrieben ist, ist auch das Fest, mit dem Jesus Einzug in Jerusalem hält. Es ist vom Neuen Jerusalem die Rede. Das Tor durch das Jesus in seine Stadt einreitet, heißt: Gerechtigkeit. Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, damit ich darin einziehe. Die Gerechten werden darin einziehen. Jesus nimmt von seiner Stadt, dem Neuen Jerusalem Besitz. Er errichtet symbolisch sein Königreich, indem er einzieht wie ein König. Der Stein wird mit diesem Einzug zum Eckstein seiner Stadt. Das ist der Tag, den der HERR macht, ruft der Psalmschreiber begeistert aus. Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen EUCH, die IHR vom Hause des HERRN seid. Das heißt: JEDER, der durch dieses Tor einzieht, wird in dieser Stadt der Gerechtigkeit wohnen, zur Rechten des HERRN erhöht werden. Jesus wohnt nicht alleine in seiner Stadt, das wäre sehr einsam. Jesus hat Mitbewohner. Wer durch das Tor der Gerechtigkeit zieht, wird nicht sterben, sondern leben, mit Jesus leben.
Jesus, der Gerechte, zieht in seine Stadt ein, er geht voran und zieht alle nach, das Volk, sein Volk, diejenigen, die an ihn glauben und ihm entgegen gehen, auf ihn zukommen. Deshalb: Du Tochter Zion, freue dich sehr, und du Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem jungen Füllen der Eselin. Denn ich will allen Streit beenden. Er wird den Ungläubigen Gottes Frieden lehren und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis ans andere und vom Strom bis an der Welt Ende.
Der Tag des HERRN, das Neue Jerusalem ist hier beschrieben. Deshalb die Aufforderung: So kehrt euch zu der Festung, ihr, die ihr auf Hoffnung gefangen liegt. Ich will selbst um mein Haus das Lager sein wider das Kriegsvolk, damit nicht mehr über sie der Treiber fahre, der sie in ihr Verderben treibt, denn ich habe mein Haus mit eigenen Augen angesehen (Sach 9, 8-12).
Die Festung ist das Neue Jerusalem. Jesus sind die eigenen Augen Gottes, mit denen er die Stadt angesehen hat. Gelobt sei, der da kommt, IN DEM NAMEN des HERRN, Jesus verkörpert den Namen Gottes, Gottes menschlicher Name heißt Jesus. In der Stadt, in der Jesus einzieht, durch das Tor der Gerechtigkeit hindurch, wird - nachdem jeder durch es gegangen ist - Friede herrschen. Am Tag des HERRN. Das Tor steht offen. Es kann, wer auf Jesus zukommt, sich von ihm nachziehen lässt, in diese Stadt einziehen. Jederzeit! Das ist die Botschaft des Psalmschreibers und diejenige des Einzugs Jesu in Jerusalem, dem Neuen Jerusalem, das gemeint ist. Jehoschua-Josua führt Gottes Volk in das gelobte Land, Jehoschua-Jesus, im hebräischen derselbe Name - in das Neue Jerusalem. Ein Weg der Gerechten Gottes.
Die Klammer für die Geschichte vom Einzug Jesu in die Heilige Stadt bildet dieLazarusgeschichte, der Glaube, der uneingeschränkte Glaube an die Auferweckung nach dem Tod. Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkünden (Ps 118, 17). Lazarus ist bis heute nicht gestorben, bis heute ist er das Zeichen für die Werke Gottes, genauso wie David, genauso wie Jesus. Lazarus steht für den Glauben, der nicht stirbt, was immer geschieht. Was können Menschen mir antun? Der HERR ist mit mir, um mir zu helfen. Er steht für ein Leben, unabhängig vom physischen Tod. Mit dieser Gewissheit ist Jesus in Jerusalem auf dem Esel eingeritten. Mit dieser unbeirrbaren Wahrheit in sich. Es ist gut, auf den HERRN zu vertrauen und sich nicht auf die weltlichen Fürsten zu verlassen. Sie können mir nichts tun. Alle Fesseln will ich zerhauen, im Namen meines Vaters: Diejenigen, der Ungläubigen, diejenigen der falschen Prediger, diejenigen derer, die mich umgeben wie Bienen und mich zerstechen, die Fesseln des Fleisches und die Fesseln des Todes. Im Namen des HERRN will ich sie zerhauen.
Wie reagieren die Pharisäer: Ihr seht, dass ihr gar nichts ausrichtet; siehe, die Welt ist ihm nachgegangen (Joh 12, 19, Elberfelder Übersetzung). Welch eine – unvermutete – Selbst-Einsicht: Ihr seht, dass ihr gar nichts ausrichtet. Er wird den Sieg davontragen. Was für ein tiefer Satz, lieber Luther. Das Weltliche, das Räumliche, alles Physische, ist ihm nachgegangen. Anfang und Ende. Am Anfang war Logos, das Göttliche an sich, aus dem die Welt geworden ist. Jesus der Mensch gewordene Logos. Er ist der Welt vorangegangen und sie kam nach ihm, ist nach ihm geboren, und sie wird, am Ende, ihm nachfolgen im Sterben ins Leben. Eigentlich heißt es: Siehe, die Welt ist ihm Gastmahl. Er lädt zu seinem Gastmahl im Neuen Jerusalem. Die Welt ist bei ihm zu Gast. Folgt der Einladung!
Deshalb, lieber Luther, Hosanna, Gott hilf, dass wir den Weg finden durch das Tor der Gerechtigkeit zum Neuen Jerusalem, zu Jesu Gastmahl. Fürchtet euch nicht, Jesus ist dort schon eingezogen und hat das Tor weit für uns aufgemacht. Wir sind eingeladen, hindurchzugehen und ihm nachzufolgen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 13. April 2014

Hosianna - Jesu Einzug in Jerusalem

Lieber Luther,
alles läuft so, wie es verheißen war. Die Schrift muss erfüllt werden. Die Schrift ist das Wort Gottes. Gott ist die Weisheit, der Allwissende. Er weiß schon vor dem Anfang das Ende. Es ist alles gewoben, hat aber noch kein IST. Manches IST ist schwer zu ertragen. Für Jesus wie für uns.
Wie muss er sich gefühlt haben als er in Jerusalem einzog (Mt 21, 1-10)? Es muss wie ein Film vor seinen Augen abgelaufen sein, als er in den Tunnel des Massenjubels eintauchte. Befremdlich für ihn die Masse der Menschen, die heute Hosianna rufen und morgen kreuzige ihn. Was hat er wohl gedacht, als sie Palmzweige vor ihm hinwarfen? Palmzweige, die Symbole des Friedens, an einem Ort, wo doch kein Friede war und wo sie ihn nach einer kleinen Weile foltern, lästern, verhöhnen, töten. Jesus wusste das. Wer ist "das Volk"? Es hat nicht ein Gesicht, es hat viele Gesichter.
Jesus sagt: Wehe dir Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind. Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel versammelt, und ihr habt nicht gewollt. Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN (Mt 23, 37)
Wer spricht dieses "Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN"? Wer hatte sich da zum Jubel versammelt? Das arme Volk, diejenigen, die am Rand der Gesellschaft standen, die nichts zu verlieren, nur zu gewinnen hatten, das einfache, ungebildete Volk, das vielleicht nicht Jesu Worte, aber zumindest seine Werke sah und die waren nicht von dieser Welt. Dieses arme, auch geistig arme Volk, sah Jesu Werke, hinterfragte nicht, sah, nahm mit einem gewissen Erschauern hin, was es sah, und lief ihm, dem Zimmermann, in Scharen zu. Ein einfacher Mann aus dem Volk für das Volk. Wie geschrieben steht: Ich will in dir - Jerusalem - ein armes, geringes Volk übriglassen; die werden auf des HERRN Namen trauen (Zeph 3, 12), die Fischer, Zöllner, Aussätzigen, Kranken, von der Gesellschaft ausgestoßenen Frauen. Sie trauen, vertrauen auf das, was sie sehen, selbst wenn es unglaublich ist und nicht zu erklären. Die Hoffnungslosen vertrauen auf den, der ihnen wieder Hoffnung gibt und damit Leben einhaucht. Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr (Mt 5, 3). Sie entledigen sich ihrer alten Kleider, legen sie unter die Füße Jesu (Lk 19,36), und ziehen die Festtagskleider des Glaubens und der Hoffnung an.
Hosianna, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Es muss wie ein Befreiungsschrei aus ihren Kehlen und Herzen geklungen haben. Wie gut ist dieses Hosianna zu verstehen, aus der Sicht der Leidenden in und an der Gesellschaft hat dieser Schrei doppeltes Gewicht. Jesus löst sie aus ihrer hoffnungslosen Erstarrung und macht sie lebendig, bringt jubelnde Freude in ihr Herz. Sie haben nichts als diese Hoffnung auf den, der auf einem Esel daher reitet, der selbst nichts hat als die Kleider, die er am Leib trägt und den unerschütterlichen Glauben an seinen Vater, was immer ihm auch passiert. Das macht ihn authentisch. Er predigte nicht nur Glauben und Armut, er lebte Glauben und Armut.
Nein, Jesus war dieses Volk, das auf ihn hoffte, nicht befremdlich, er war mit ihm eins, eins im Glauben, er muss mit diesem Volk in dem Augenblick verschmolzen sein. Es muss ihn angerührt haben, dieses einfache, unverkopfte Vertrauen, diese Zuneigung der Menschen. Er muss Tränen der Dankbarkeit vergossen haben. Das Weizenkorn hat Frucht gebracht. Das Weizenkorn kann und muss jetzt vergehen, dass neue Frucht entstehen kann. Wie gut hat Gott alles gewirkt.
Die Menschen folgen ihm in den Tempel. Hosianna, gelobt sei, der da kommt, der uns Blinde und Lahme heilt. Der Tempel, der Ort, an dem das Wort zählen müsste und sonst nichts. Jesus hat es immer in den Tempel gezogen. Schon als 12jähriger hat er dort angefangen, mit den Schriftgelehrten zu diskutieren, versucht ihnen aufzuzeigen, wie Gottes Wort richtig auszulegen ist, er der ungebildete Zimmermannssohn. Der Tempel war eigentlich sein Zuhause. Jetzt "besah" er sich alles (Mk 11, 11), nahm voll Trauer Abschied von dem Ort, der ihm heilig war. Und er nimmt die Worfel in die Hand:
Es steht geschrieben "Mein Haus ist ein Bethaus, ihr aber habt's gemacht zur Mördergrube", ihr Schriftgelehrten und Hohepriester, ihr trachtet hier in diesem Haus, wie ihr mich umbringen könnt (Lk 19, 45-48), mit Hinterlist, heimlich, dass es das Volk, das an mich glaubt, nicht abwenden kann. Hier ist die Trennlinie, das macht Jesus unmissverständlich deutlich. Es gibt dieses und jenes Volk.
Lieber Luther, dieses Volk ist das Volk, aus dessen Herz das Hosianna gebrochen ist, jenes Volk ist das Volk, das "kreuzigt ihn" ruft. Auch jenes Volk hat Masse und auf seiner Seite ist die weltliche Macht, ich werde dir später dazu noch ein paar Zeilen schreiben. Jenes Volk wird sich durchsetzen. Jesus in seiner Klage über Jerusalem: Ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis ihr alle ruft: Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN (Mt 21, 39).
Die Quintessenz aber ist, dass wir uns, lieber Luther, an den geistlich Armen orientieren. Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr (Mt 5, 3). Sie haben erkannt: Hosianna, gelobt sei, der da kommt. Es sind diejenigen, die mit der Seele und dem Herz sehen, mit Verstehen, aber nicht mit Intellekt und Wissenschaft. Diese Botschaft ist aktueller denn je. Der intellektuelle Mensch meint heute, die Macht der Erkenntnis liege bei ihm und spricht Jesus, die Macht, Dinge zu tun, die er bis heute nicht versteht, ab. Er setzt sich mit Pilatus in den Richterstuhl und wankt, welchem Gott er dienen soll.
Freuet euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freuet euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Zu der Stunde freute sich Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater und HERR des Himmels und der Erde, dass du solches verborgen hast den Weisen und Klugen, und hast es offenbart den Unmündigen (Lk 10, 20-21). Beim Einzug in Jerusalem ist dieses Wort Wahrheit geworden. Es muss sehr in Jesus gejubelt haben. Jesus hat von seiner Stadt Besitz genommen.
Lieber Luther, es ist auch ein Befreiungsschrei unserer Herzen:
Hosianna, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!
Herzliche Grüße
Deborrah