Lieber Luther

Lieber Luther
Posts mit dem Label Sterben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sterben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 14. März 2015

Stärke

Lieber Luther,
Lätare, freue dich, dieser Ausruf passt perfekt zum Predigttext dieses Fastensonntages (Joh 12, 20-33). Wie das? Ist da nicht von einem Weizenkorn die Rede, das sterben muss? Und ist dieses Bild nicht auf Jesus gemünzt, auf seinen grausamen Tod? Von Verherrlichung ist außerdem die Rede. Was heißt das alles und wieso ist das ein Grund zur Freude? Aber der Reihe nach.
Griechen, das heißt Ungläubige, wollen zu Jesus, wissen aber nicht recht, wie sie das anstellen sollen. So fragen sie erst einen Jünger, der berichtet ihr Anliegen dem nächsten Jünger und schließlich bringen sie es gemeinsam vor Jesus. Jesus hat sie bisher zu den Seinen, zum jüdischen Volk, geschickt, um zu predigen. Nun kommen da Ungläubige daher und wollen auch Jesu Wort hören. Deshalb bedarf es anscheinend beider Mut, dieses Anliegen vor Jesus zu bringen. Jesus konnte, wenn es um Gott ging, um Wahrhaftigkeit und Gottes Wahrheit, grob sein. Deshalb bedurfte es etwas Mut, für die Ungläubigen bei Jesus zu bitten. Wie reagiert Jesus?
Oberflächlich sieht es so aus, als ob Jesus diejenigen, die ihn suchen, einfach links liegen lässt und sich mit sich selbst beschäftigt: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschen Sohn verherrlicht werden soll, sagt er. Jetzt ist sie da, meine Stunde. Die Stunde, in der offenbar wird, wie Gott in mir wirkt, die Stunde, in der ich in mir klar werde, was Gott von mir will. Nicht am Kreuz, jetzt geschieht dies, in der Predigt, beim Predigen. Jetzt ist die Zeit des Gerichts und gleichzeitig die Zeit der Ernte. In Kanaan, am Anfang seiner Predigttätigkeit, war Jeus Zeit noch nicht reif, jetzt ist sie es. Zeit der Ernte, Zeit des Gerichts, Zeit der Entscheidung. Was er zu sagen hat, hat für ihn höchste Bedeutung, höchste Wahrheit und höchste Wichtigkeit, schon an den Eingangsworten erkennbar:
Amen, Amen, wahrlich wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt bringt es viel Frucht.
So einfach ist es. Die Natur macht es vor. Zunächst kommt der Fall. Auch Jesus ist sterblich, er ist ein Menschen Sohn. Jetzt, da meine Stunde gekommen ist, ist meine Seele betrübt, sagt er. Er sieht, was sich um ihn herum zusammenbraut, nicht nur er wird verfolgt und bedroht wegen seines Glaubens, es sind auch andere. Auch andere haben sie schon ans Kreuz genagelt, der öffentlichen Ordnung, der religiösen Schein-Ordnung wegen. Die Versuchung, dem zu entkommen, sich einfach davonzuschleichen, Verkündigung Verkündigung sein zu lassen, Wort Wort, nur seine Haut zu retten. Um diesen Zwiespalt geht es. Jesus will verdeutlichen, wie man sich in solch einer Versuchung legen soll. Jetzt geht das Gericht über die Welt, jetzt entscheidet sich, wie ich mich entscheide. Am Weizenkorn sei es gezeigt.
Das Weizenkorn stirbt nämlich nicht, das Weizenkorn sprengt seine Hülle. Was mit "sterben" übersetzt ist, heißt ursprünglich: von … weg sterben. Das Weizenkorn entledigt sich seiner Hülle, Jesus klebt nicht an seiner Hülle. Das Weizenkorn wandelt sich. Jesus sagt an anderer Stelle, er muss wandeln, es reicht nicht, heroisch den Märtyrertod zu sterben (Lk 13, 31-33), seine Hülle sterben zu lassen. Es ist der fruchtbare Wandel, den Jesus hier predigt.
Das Weizenkorn stirbt nicht, nur seine Hülle stirbt weg. Das Weizenkorn hat Stärke in sich. Die Stärke ist der Nährboden. Sie lässt den Keimling entstehen, Wurzeln treiben, bis er sich selbst ernähren kann. Tief verwurzelt, kann der Keim aus dem Dunkeln wachsen. Der Nährboden, das Salz der Erde, verleiht ihm die Kraft, die Oberfläche zu durchdringen, zu grünen, Sturm und Wind zu widerstehen, Ähren und neue Frucht zu treiben, sich zu vermehren, es dem Mutterkorn gleichzutun. Sprenge deine Hülle und bringe Frucht in Fülle! Das ist die Botschaft, die Jesus hier so wichtig ist. Amen, lass dich von dem, was dich begrenzt oder bedroht, nicht aufhalten!
Es ist die äußerliche Anfechtung, um die es geht, der auch Jesus ausgesetzt ist. Die Zeit für Jesus ist gekommen, seine Zeit, die Zeit der Anfechtung und der Entscheidung. Es entscheidet sich, ob man lieber an der Hülle festhält oder zur Kraft durchdringt, sich auf den inneren Kern verlässt, auf seine Fruchtbarkeit, auf seine Kraft.
Wer sein Leben lieb hat, der wird es verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt nicht lieb hat, der wird es erhalten zum ewigen Leben. Sei ein fruchtbares Weizenkorn, sagt Jesus. Hänge nicht an der Hülle, verlass die nicht auf die Oberflächlichkeit, baue auf die innere Stärke, treibe Wurzeln in Gottes Nährboden, im Wort, dann wirst auch du zu einem Keimling, der wächst und Frucht in Fülle bringt.
Jesus fragt: Was soll ich sagen? Mein Nährboden ist Gott, ich bin seine Frucht, aus seinem Vaterkorn geworden. Was kann ich deshalb nur sagen? Vater, hilf mir in dieser Stunde! Hilf mir in dieser Stunde der Anfechtung, in der es widerstreitet in mir, an der Hülle zu kleben oder auf deine Stärke in mir zu bauen. Vater, mach offenbar, dass meine Stärke du bist, dass ich nicht wanke. Vater, offenbare, verherrliche, vergegenwärtige deinen Namen, mach es so offenbar, dass es jeder, der dich sucht, in mir sieht. Offenbare deinen Namen in mir und in dem, was ich predige und tue. Lass mich nicht wanken, mache mich zu einem Abbild von dir, das in mir offenbar geschehe und im Wort festgehalten und verkündet ist, dem alle nachfolgen können, die es wollen, die sich für dich entscheiden.
Jesus ist fest. Jesus betet in der Anfechtung. Er wird nur oberflächlich fallen, so wie es die Natur eines Menschenkindes vorgibt. Er baut auf Gottes Stärke in sich: Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Jesus, das fruchtbare Weizenkorn, das Frucht bringt in Gottes Scheuer, derjenige, der es wagt, von der Hülle zu lassen und auf Gottes Stärke zu bauen. Jesus, das fruchtbare Weizenkorn, das sagt: Folgt mir nach, tut, was ich getan habe, predigt das Wort, tut das Wort, verfallt nicht in die Versuchung, an der Oberflächlichkeit festzuhalten, sonst erfahrt ihr nie die Fruchtbarkeit eurer inneren Stärke, dann treibt ihr keine Wurzeln, keine Ähren, keine Frucht, sonst erfahrt ihr nie die fruchtbare Fülle Gottes.
Was soll ich sagen? fragt er. Nur dieses: Vater, hilf mir aus dieser Stunde der Versuchung. Verkläre deinen Namen, mache dich offenbar, dass sie glauben, dass du der allmächtige Gott bist. Es ist nicht mehr viel Zeit, deshalb mach deinen Namen offenbar.
Und Gott macht seinen Namen offenbar. Es donnert. Eine Stimme kommt vom Himmel, in aller Klarheit und Deutlichkeit. Für alle vernehmbar: Ich habe verherrlicht und werde auch wieder verherrlichen. Gemeint ist sein Name, nicht Jesus. Um den Sohn der Menschen Jesus geht es nicht. Und damit das auch klar ist, setzt Jesus gleich hinterher: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen. Für Jesus wäre sie nicht notwendig gewesen. Jesus ist Stärke. Jesus ist Glaubensstärke. Jesus ist als leibliche Person nicht wichtig, wohl aber als Gottes Wortträger. Jesus ist Ebenbild Gottes. In Jesus offenbart sich für uns sichtbar Gott. Er hat für uns zum Vorbild der Versuchung widerstanden. Er hat sich ohne zu wanken für die Stärke im Weizenkorn entschieden, nicht für die Hülle. Der Fürst der Welt hat nicht über ihn gesiegt, sondern der innere Fürst ist sein alleiniger König.
Lieber Luther, die Stimme aus dem Himmel ist um unseretwillen geschehen. Weil wir nicht so stark sind wie Jesus, nicht auf unsere innere Stärke setzen, wie Jesus. Die Stimme ist geschehen, dass wir an Jesus nicht nur Gottes Allmacht sehen, sondern sie auch hören, dass alle Sinne die Chance haben, die Botschaft wahrzunehmen, die Chance, zum ewigen Leben durchzubrechen, der Versuchung zu wehren, an der Äußerlichkeit festzuhalten.
Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Vater, hilf mir aus der Versuchung. Um das zu sagen, um zu zeigen, dass dies der Satz ist, um den es geht, darum bin ich in die Welt gekommen, sagt Jesus. Darum bin ich in die Welt gekommen! Um zu zeigen, dass Gott unsere Stärke ist, es zu predigen, ein Beispiel zu geben, dem ihr nachfolgen könnt.
Das lieber, Luther, ist die Antwort für die Jesus suchenden Griechen, die Ungläubigen, die Gottesfürchtigen, diejenigen, die Jesus suchen, um ihm nachzufolgen. Seid ein fruchtbares Weizenkorn, baut auf Gottes Stärke in euch. Euch das zu sagen, euch das vorzuleben, euch zur Nachfolge aufzufordern, dafür hat Gott mich gesandt. Baut auf Gottes Stärke in euch, seid fruchtbar, tragt Gottes Wort weiter, vermehrt es. Bringt es vor die Ohren aller Menschen. Sprengt die Predigt- und Glaubensgrenzen, die ihr bisher hattet, denn: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen. Wenn meine Saat aus dem Dunkel der Erde aufgeht, dann werde ich alle zu mir ziehen. Mein Wort, meine Stärke, wird ihre Stärke sein, ich werde sie anziehen, nachziehen.
Der Zusatz des Evangelium Schreibers: (Das sagte er aber, zu deuten, welches Todes er sterben würde), ist insofern richtig, als er sagte: Ich sterbe keines Todes, ich bin ein fruchtbares Weizenkorn, das durch seine innere Stärke Frucht in Fülle trägt. Deshalb: Sprenge deine Hülle und bringe Frucht in Fülle! Folge mir nach. Breche durch zum ewigen Leben. Lätare! Freue dich an Gottes Stärke in dir! Amen, Amen, wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es fruchtlos. Lieber Luther, lass uns wandeln, lass uns Jesus nachfolgen, lass uns auf Gottes Stärke in uns bauen, auf dass wir Frucht bringen. Amen, ja Amen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 1. Februar 2015

Erste und Letzte - Groschen gefallen?

Lieber Luther,
die Letzten werden Erste sein und die Ersten Letzte. Darum geht es im Predigttext dieser Woche (Mt 20, 1- 16). Man hört quasi die Gutmenschen erschrecken.
Diejenigen, die denken, sie seien die Ersten. Die Ersten an der Macht, die selbsternannten Könige dieser Welt, die Religions- und Glaubenseifrigen, die Kirchenersten, diejenigen, mit vermeintlich selbstlosem Helfersyndrom. Alles umsonst? Kein Verdienst, keine Besserstellung? Keine Belohnung? Im Gegenteil, ich, der Gute, werde am Ende noch hintangestellt: Die Letzten werden die Ersten sein, die Ersten die Letzten. Verkehrte Welt also, nach der menschlichen Logik der eigenen Profitmaximierung, ob zugegeben oder nicht. Die gottlosen Ausbeuter, diejenigen, die die anderen treten, schlagen, töten, verelenden brauchen nur eine Stunde vor Torschluss noch auf den Zug aufspringen und sind sofort wieder diejenigen, die wieder auf der Gewinnerseite sind? Meinst du das wirklich so, lieber Gott? Ist das gerecht? Das menschliche Ego verweigert sich dem, empfindet es als Zumutung, gekränkte Eitelkeit, enttäuschtes persönliches Gerechtigkeitsempfinden. Innere Rebellion.
Was ist der Zusammenhang? Gleich in einer Reihe von Gleichnissen wird im Matthäusevangelium versucht, den Groschen zum Fallen zu bringen. In Mt 19, 30 steht diese Botschaft, die als Zumutung empfunden wird, schon einmal, etwas anders formuliert: Aber viele, die da sind die Ersten, werden die Letzten, und die Letzten werden die Ersten sein. Genau darin besteht die Hoffnung, die Hoffnung, zu den Letzten zu gehören: Wahrlich ich sage euch, sagt Jesus, ihr, die ihr mir nachfolgt, werdet, wenn ihr in das neue Leben geboren werdet, mit des Menschen Sohn auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit sitzen. Wer Häuser, Brüder, Schwestern, Vater oder Mutter, Frau oder Kinder, all sein Habe verlässt, um meines Namens willen, der wird es hundertfältig nehmen und das ewige Leben ererben (Mt 19, 28-29). Lot und seine Frau lassen grüßen. Kapiert und nicht kapiert. Es geht um bedingungslose Nachfolge, darum, dass man Gott alleine folgt und sich nicht an Menschen und irdische Güter klammert. Es geht um Gottvertrauen, es geht darum, das alte gewinnstrebende Leben zu lassen und das neue Leben zu gewinnen.
Vater, Mutter, Frau und Kinder zugunsten der Nachfolge zu verlassen – bei Lukas heißt es gar hassen – da schluckt der ein oder andere, weil er denkt, das ist nicht möglich, weil er ist, wie der reiche Mann im Gleichnis vorher, der alle Gebote hält, aber seinen irdischen Güter höhere Priorität einräumt als der Nachfolge Jesu (Mt 19, 16-23). Oder im Gleichnis von der Ehescheidung, das wörtlich genommen wird, obwohl Jesus sagt: Das Wort fasst nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist. Und nochmals mit Ausrufezeichen: Wer es fassen kann, der fasse es! Mt 19, 3-12).
Aber, vergebliche Liebesmühe. Gefasst wird es, aber falsch. Eine banale irdische Ehescheidung zu erfassen bedarf es keines höheren oder tieferen Verständnisses seit es Mann und Frau gibt. Der Groschen ist nicht gefallen, bis auf den heutigen Tag. Deshalb also ein weiterer Anlauf Jesu das Einfache in einem weiteren Bild begreiflich zu machen:
Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der Arbeiter gewinnen will, um in seinem Weinberg zu arbeiten. Nur wenn man einen Weinberg pflegt, bringt er auch Frucht. In Gottes Weinberg zu arbeiten, heißt mitzuhelfen, dass die Frucht an Gottes Weinstock auch gedeihen kann. Mitzuhelfen heißt, das geht aus dem Gleichnis Mt 19, 28-29 hervor, Jesus nachzufolgen, Gottes Wort zu dienen, den ewigen Bund mit ihm zu halten, keine Hurerei zu betreiben mit anderen Göttern (Mt 19, 3-12), den irdischen Gütern keine Priorität einzuräumen, wie der reiche Mann, der seine irdischen Gütern der Nachfolge vorzieht (Mt 19, 16-23).
Morgens, mittags, nachmittags versucht der Hausvater, der das himmlische Haus bewohnt, Menschen für die Arbeit in seinem Weinberg zu verpflichten. Irdische Reichtümer sind nicht zu gewinnen: Ein Groschen ist der symbolische Lohn. Bis kurz vor Sonnenuntergang, der elften Stunde, versucht der Hausvater, Arbeiter in seinem Weinberg zu sammeln. Und er hat Erfolg. Wieso steht ihr so nutzlos herum, fragt der Hausvater diejenigen, die er findet: Es hat uns niemand gedingt, sagen sie.
Es hat und niemand gedingt. Diese Antwort bricht einem fasst das Herz: Es hat sie niemand geworben für die Arbeit in Gottes Weinberg. Niemand war da, der sie auf Gottes Acker
hingewiesen hat, der ihnen erzählt hat, dass es da etwas zu tun und zu gewinnen gibt. Ihr armen Leute, denkt man, und möchte sie entschuldigend in die Arme nehmen, es tut mir Leid, dass ich säumig war und euch so lange warten ließ. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn kommt mir in den Sinn. Es ist das gleiche gemeint. Gott freut sich über jeden, der doch noch in seinen Weinberg gefunden hat, sei es früher oder später. Was zählt, ist: Ich folge dir nach und freue mich über den gerechten Lohn, den ich von dir empfangen werde.
Was ist aber der Lohn? Ein Groschen? Für alle gleichermaßen? Auch für diejenigen, die kurz vor Sonnenuntergang kommen? Bei vielen Arbeitern in Gottes Garten ist der Groschen nicht gefallen. Sie haben zwar brav in Gottes Weinberg gearbeitet, aber bitteschön, lieber Gott, dann will ich entsprechend belohnt werden, und besser als diejenigen, die einen Bruchteil der Mühsal für dich auf sich genommen haben. Gott wird die Rechnung für die Arbeit in seinem Acker präsentiert. Die Erwartungshaltung ist beträchtlich, der Neid auch. Wie hieß es doch gleich: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Sieht so Nächstenliebe aus? Deshalb heißt es: Viele sind berufen, aber wenige auserwählt. Es sind noch ein paar Hochzeitsgäste da, die keine Festtagskleider an haben. Zum schönen Schein arbeiten reicht nicht. Das Prinzip muss den ganzen Menschen durchdringen, Leib und Seele. Und wieder hört man Jesus seufzen: Sie haben es immer noch nicht kapiert.
Ihr habt nicht kapiert, dass euer aller Lebenstag einmal zu Ende geht und dass der Lohn, den es zu gewinnen gibt, das Neue Leben ist, in meinem Weinberg, in meiner Stadt, im neuen Jerusalem, in meinem Haus. Ihr habt Zeit, bis eure Sonne untergeht, ich gebe euch viele Chancen und Möglichkeiten, bis zuletzt. Ihr könnt euch für den Weinberg entscheiden oder die Dunkelheit, die Finsternis. Wenn eure Lebenssonne untergegangen ist und ihr eure Chance nicht genutzt habt, habt ihr das Neue Leben verspielt. EINEN Groschen könnt ihr gewinnen, EINEN, den EINEN, das EINS sein mit dem EINEN, keine irdischen Reichtümer, den EINEN Himmel könnt ihr gewinnen, den Stuhl der Herrlichkeit. Bist du nicht mit mir EINS geworden für nur einen Groschen? Oder bist du etwa ein falscher 50iger?
Eifersucht und Neid sind falsch am Platz. Der Hausherr sagt: Ich gebe euch was recht ist. Auf meine Gerechtigkeit kann jeder zählen. Das ist die Währung, auf die ihr setzen müsst. Was rechtet ihr mit mir? Ich übe Gerechtigkeit. Meint ihr, dass Gerechtigkeit ist, ungleich gerecht zu sein? Einer bekommt mehr Gerechtigkeit, mehr Groschen, als die anderen? Ihr schaut mich unwirsch an, weil ich gerecht und gütig bin?
Und wieder hört man Gott seufzen: Ihr habt es immer noch nicht kapiert, was wichtig ist. Der eine Groschen steht für die eine Gerechtigkeit, die Gott allen gleichermaßen zukommen lässt. Gottes Maßband misst alle nach der gleichen Skala. Das ewige Leben, das neue Leben nach Sonnenuntergang, am Ende der Zeit, kennt keinen Unterschied: Entweder du entscheidest dich für den Himmel oder für das ewige Nichts. Jeder, wirklich jeder, ist willkommen. Bis zur allerletzten Stunde ist die Tür zu meinem Weinberg offen, habt ihr die Möglichkeit zu den Letzten zu gehören. Die Letzten sind aber diejenigen, die im Neuen Leben ankommen, im Himmelreich, in Gottes Reich. Diejenigen, die vor mir Erste, Erstlinge sind, Erstlinge in der Nachfolge des Ersten – Jesus -, die werden auch am Ende die Letzten sein, das heißt die Übriggebliebenen, die im Neuen Leben ankommen, im Neuen Jerusalem.
Lieber Luther, die Ersten werden Letzte, Übriggebliebene, sein, und die Letzten diejenigen, die zu Gottes Ersten gezählt haben. Das heißt, dass, wer Gott im irdischen Leben hat, der hat ihn im fleischlichen Sterben und im Erwachen im Neuen Leben. Wahrlich, sagt Jesus, wer mir nachfolgt, wird das ewige Leben ererben. Meine Ersten werden meine Letzten sein. Lieber Luther, hoffen wir, dass der irdische Groschen für immer fallen wird.
Herzliche Grüße
Deborrah

Samstag, 14. September 2013

Gottes Lied vom Leben und Sterben

Lieber Luther,
oft denken wir, wo Gott ist, muss alles gut sein, insbesondere unser Leben, das Leben der anderen, wo Gott ist, muss Friede sein. Wenn wir uns umschauen, müssen wir erkennen, dass das nicht so ist. Welche Rolle spielt da Gott, in diesem Spiel des Lebens?
Gott lässt uns Mensch sein und steht mit uns das Menschsein durch. Mit Jesus tat er das fleischlich und konkret. Wie das auf einer abstrakteren Ebene geht, erklärt uns Gott im Lied vom Leben und Sterben, Gottes Lied, gesungen durch Mose (5.Mose 32, 1-43).
Es klingt in unseren Ohren zunächst martialisch, nach einem zornigen, rächenden Gott. Wenn wir es uns aber genau ansehen, erkennen wir, dass es das Gegenteil ist, es zeigt uns, wie Gott mit unseren Verfehlungen umgeht: Gott sichert uns seine Treue und sein Erbarmen zu, wie viel Unrecht wir auch tun, wie oft wir uns auch gegen ihn stellen, wie sehr wir auch fehl gehen.
Wenn wir dieses Lied des Lebens und des Sterbens in unsere Sprache übersetzen, erkennen wir, dass es noch genau so aktuell ist wie vor 3400 Jahren. Ich will mich da auch nicht weiter einmischen:
„Horch auf, du Himmel, ich will reden, und die Erde höre die Worte meines Mundes. Wie Regen träufle meine Lehre, wie Tau riesele meine Rede, wie Regenschauer auf frisches Grün und wie Regengüsse auf (welkes) Kraut!“ (2)
Hört und seht, der Fels ist vollkommen und all meine Wege sind recht. Ich bin ein Gott der Treue, egal wie ihr euch mir darbietet. Ihr versündigt euch gegen mich, ihr verweigert mir eure Kindschaft und macht euch damit selbst zum Schandfleck.
Aber ihr seid ein Teil von mir und ich ein Teil von euch. Ihr seid die Nachkommen Jakobs, den ich behütete wie meinen Augapfel und den ich unter meine Fittiche genommen und auf meinen Flügeln getragen habe. Das will ich auch euch, als seine Erben, tun, wenn ihr auf mein Wort hört und mich euren Gott sein lasst.
Aber, ihr seid eine verkehrte und verdrehte Generation, seit vielen Generationen, die auf mein Wort nicht hört. Ihr seid nicht treu, schafft eure eigenen Götter. Ihr werdet daran zu tragen haben - Männer, Frauen, Kinder, Alte, Junge. Und ich, Gott, lasse es zu, ich rette euch nicht vor euch selbst. Ihr werdet ernten, was ihr sät. Ihr werdet die Konsequenzen eures Tuns selbst tragen müssen. Alles Jammern wird euch nicht helfen, auch nicht, dass ihr mich für eure Taten verantwortlich macht, dass ich retten soll, was ihr verbockt habt.
Dennoch verlasse ich euch nicht, denn ich bin ein treuer Gott. Ich werde nicht zulassen, dass das Böse am Ende über das Gute triumphiert und das Böse sich für das Gute ausgibt.
Du, mein Volk, hörst auf keinen Rat, zeigst keine Einsicht, wie trostlos du dir deine Welt auch bereitest, wie groß die Zeichen auch sind, die ich schicke. Ich kann nicht alles gut heißen, was du tust, deshalb tue ich Zeichen, die nur ich tun kann. Seht sie, hört sie, handelt danach.
Ihr habt immer die Wahl, ihnen zu folgen oder nicht. Jeden Tag könnt ihr euch von neuem für mich entscheiden. Wenn ihr meinem Wort und meinen Zeichen nicht folgt, ist es eure Entscheidung, ihr müsst dann aber auch mit den Konsequenzen leben, im Hier und Jetzt, im Leben und im Sterben. Ich kann euch tot lassen, aber auch zum Leben erwecken, ich kann zulassen, dass ihr euch gegenseitig zerschlagt, aber auch heilen. Ihr solltet erkennen und anerkennen, dass nur ich das kann, so wahr ich ewig lebe.
Wenn du weise wärest, mein Volk, würdest du bedenken, dass du mit all deinem Tun einmal konfrontiert wirst. Dann wirst du dein Böses und Gutes erkennen und mit mir gemeinsam ansehen. Das werde ich dir und mir nicht ersparen, aber es reinigt und versöhnt uns miteinander. Und dann, wenn ich sehe, dass ihr erschreckt vor dem Bösen, das Böse loslasst und euch ihm verschließt, werde ich Erbarmen mit euch haben und ihr werdet erkennen, dass ich euer Gott bin und kein anderer Gott neben mir ist.
Dann wirst du, mein Volk, jubeln, dann werde ich jubeln, dann werden wir gemeinsam jubeln.
So wahr ich euer Gott bin.