Lieber Luther

Lieber Luther
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Sonntag, 12. Juli 2015

In Gottes Namen

Lieber Luther,
gehet hin und lehret alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, heißt es im heutigen Predigttext (Mt 16-20). Das ist die Kernaufgabe, die Jesus seinen Predigern aufgetragen hat. Tauft auf den NAMEN des Vaters, den NAMEN des Sohnes, den NAMEN des Heiligen Geistes. LEHRT HALTEN, alles, was ich euch gelehrt habe.
Tauft auf den NAMEN der göttlichen Einheit zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist. Lehrt sie halten das WORT, das ich euch gelehrt habe. Jesus sagt nicht, tauft sie in meinen Tod, wie Paulus lehrte, er sagt auch nicht, tauft sie zur Buße, wie Johannes, Jesus sagt: Tauft sie im NAMEN der göttlichen Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Tauft und lehrt sie, heißt stellt sie in den NAMEN Gottes, stellt sie in Gott, macht sie zu Schafen seiner Herde, zu Arbeitern in seinem Garten, zu seinem Samen, der Früchte trägt und sich vermehrt. Werdet zu Menschenfischern. Es geht in der gesamten Bibel um nichts anderes, als um den NAMEN Gottes. Ihn zunächst den Menschen überhaupt bekannt zu machen. Das ist eine Aufgabe, an der wir uns bis heute die Zähne ausbeißen. Ohne Gott einen Namen zu geben, kann man nicht über ihn kommunizieren, kann man nichts von ihm wissen, ist er ein Unbekannter. GOTT ist sein Name, aber was IST er? Was will er? Wie müssen wir uns ihn vorstellen? Wie können wir im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes taufen, wenn wir ratlos sind, was Gott, wer und was der Sohn und was der Heilige Geist ist? Was mit den Menschen, die nicht getauft sind? Was hat das für Konsequenzen? Wann taufen? Das Neugeborene oder den Erwachsenen, der entscheiden kann, ob er das will, wieso auch immer? Was lehren, was predigen, wenn die Erkenntnis schweigt?
Lieber Luther, letzten Sonntag habe ich mit meinem weisen Bruder telefoniert. Er macht sich Gedanken um mich, wegen meines Kirchenaustritts. Er ruft mich regelmäßig an, damit er mit eigenen Ohren nachhören kann, dass es mir nicht entgegen meinen Beteuerungen doch schlecht geht. Dabei ist es ihm wie ein Stoßseufzer entwichen: Du bist ja getauft! Macht das einen Unterschied? habe ich prompt entgegnet, in mir das Bild des 4 Wochen alten Kindes, das am 2. Weihnachtssonntag getauft wurde. Was mit den Massen der Nichtgetauften? Was mit anderen Religionen, die keine Taufe kennen? Ist für sie der EINE Gott, um den es geht, nicht bereit seinen Gnadenschirm über sie aufzuspannen? Zuerst muss getauft sein? Das waren die Menschen des Alten Testamentes auch nicht. Hatten sie einen anderen Gott? Standen sie nicht unter seinem Schirm? Das kann wohl keiner behaupten.
Einen Abraham, einen Jakob, einen Joseph, einen Mose abzuwerten, als vor Gott schlechter gestellt zu betrachten als wir, die priviligierten Getauften, sie als nicht erlöst einzuordnen, weil sie von keinem kirchlich ermächtigten Würdenträger mit H2O betröpfelt sind, ist arrogant, kirchlich theologisch absurd, selbstgefällig und lächerlich. Oder, noch absurder: Ist Erlösung etwa erst seit Jesus möglich und nur für Christen, die das kirchliche Dogma annehmen? Das ist nicht Jesu Lehre. Jesus hätte sich nie gegenüber den Heiligen Männern Gottes, die Gottes Namen erst bekannt gemacht und hochgehalten haben, die für ihn eingestanden sind bis zur Selbstaufgabe, so verfehlt geäußert. Jesus stand in ihrer Reihe. Er wusste, er ist einer dieser Menschen, der wie sie im Auftrag Gottes, im Namen Gottes handeln. Jeder zu seiner Zeit an seinen Platz gestellt. Gottes Name will über die Jahrtausende hochgehalten werden. Menschen sind biologisch zeitlich sehr begrenzt. Auf einen allein kann Gott nicht bauen. Das wusste Jesus besser als jeder andere vor und nach ihm.
Das heißt, das, was von der Taufe gelehrt wird, stimmt nicht. Es stimmt so nicht, wie es gelehrt wird und schon gar nicht, wie es praktiziert wird. Taufe meint etwas anderes, es bedeutet nicht vor einem Taufstein zu stehen, umringt von der fotografierenden Verwandtschaft, der Pfarrer/Priester im Blitzlichtgewitter den Text runterratternd, den manche nach der 500. Taufe noch nicht einmal auswendig zu können scheinen, mit der immer gleichen Zungenrede bekräftigend, wie toll doch der Taufspruch sei. Das tut schon weh. Taufe als Event, bei dem außer formaler Worte aber auch gar keiner das Wort hört, von dem gesprochen wird, geschweige denn versteht oder gar tut. Ein Trauerspiel, eine Tragödie der verpassten Chancen, eine Karikatur der Taufe.
Mit der Taufe an sich, der Geisttaufe, auch mit Jesu Taufe durch Johannes, habe ich mich schon beschäftigt. Was heißt aber, tauft "IM NAMEN" des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes? Sehen wir es ganz im Irdischen verhaftet, dann heißt rechtlich "im Namen" handeln, die Ermächtigung zu haben, im Namen des Ermächtigenden zu handeln. Der Ermächtigende ist in dem Fall Gott selbst, Jesus selbst, der Heilige Geist selbst. Es ist nicht die Kirche und nicht das Amt, das ermächtigt. Das ist eine unangemessene und arrogante Machtanmaßung von Kirche. Nur, wenn die Ermächtigung von Kirche kommt, vom Amt, kann Taufe zu einem Event ausarten, zu reinem Formalismus, zu kirchlicher Folklore, die so üblich ist, oder auch mehr und mehr nicht mehr. Mehr nach Gusto, denn nach Glaube, der bei diesen Anlässen meistens keine größere Rolle spielt. Von der Farce von 99% der Konfirmandentaufen ganz zu schweigen.
Im NAMEN des Vaters taufen heißt, den Geist weitergeben, den der Vater in uns gelegt hat. Das ist nur möglich, wenn man ihn erkennt, erfährt, hört, sieht, schmeckt. Mit Amt und Kirche hat das nichts zu tun. Es hat mit Ermächtigung zu tun, die vom Vater kommt, von Gott selbst, von der Einheit des Willens im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist. Ich als Kind, das in der Nachfolge Jesu in der Sohnschaft nachfolge, und seine direkte Ermächtigung habe, sein Geist in meinem Geist, sein Wille in meinem Willen, seinen Geist und seinen Willen weiterzugeben auf die, die dafür bereit und bereitet sind. Jeder, der die Ermächtigung vom Vater hat, hat den Auftrag Jesu: Geht hin und taufet, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Lehrt sie alles, was ich gelehrt habe, handelt, tauft, lehrt in seinem Namen.
Wahre Taufe geht nur in der Dreiheit der Ermächtigung vom Vater, vom Sohn und in deren Äußerung in mir im Heiligen Geist, der eins ist mit meinem Geist. Sie ist direkte Ermächtigung, nicht von kirchlichen Beamten verliehene Ermächtigung. Taufe ist Geisttaufe, ist Beseeltsein vom Geist Gottes. Wer vom Geist Gottes beseelt ist, ist Teil von Gottes Geist, handelt in seinem Willen und seiner Wahrheit,  ist ermächtigt im Namen des Vaters und des Sohnes zu taufen. Die Taufe im Wasser symbolisiert das Bad im Wort und im Willen Gottes. Derjenige, der sich aus wahrhaftigem Herzen taufen lässt, lässt sich ein in das Bad des Wortes, des Geistes und des Willens Gottes.
Wenn ein Kind getauft wird, ist es das Bekenntnis der Eltern, das Kind im Wort, im Geist und im Willen Gottes baden zu lassen, auf dass das Kind erfahre, was es heißt, im Wort, im Geist und im Willen Gottes zu baden, dass es seinen NAMEN erfahre und Gott in ihm Erkenntnis und offenbar werde. Wenn in dem Kind niemand das Saatkorn zum Wachsen bringt, es unter der Erde vergeht und verschimmelt, ihm niemand von Gott und Jesus erzählt, es sie nicht kennt, hat das Kind keine Chance, war die Taufe nichts als bloße äußere Form ohne Wert und Inhalt, da kann kein Priester, keine Kirche und keine Theologie etwas daran ändern. Nichts als Spektakel.
Wenn der Konfirmand sich taufen lässt, damit er die Kohle von der Verwandtschaft einsacken kann, macht sich das kirchliche Personal, das mitspielt, obwohl es Bescheid weiß, zum Handlanger und Mitkomplizen, verkauft den Heiligen Geist gegen Heilige Moneten und Kirchenmitglieder-Headcount, eine moderne evangelische Form des Ablasses. Mit Taufe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes hat dieses Gebaren nichts zu tun. Hat derjenige, der es tut, eine Ermächtigung von Gott, in seinem Namen seinen Namen zu verkaufen?
Lieber Luther, Taufe und Lehre gehören zusammen. Darum, alle, die ihr ermächtigt seid von Gott und Jesus, geht hin und lehrt sie sein Wort und das Handeln in Wort und Tat in seinem Willen. Tauft sie in ihrem Namen auf diesen Geist. Und wer die Ermächtigung nicht hört, sieht und erkennt, der sollte weder taufen noch in Gottes und Jesu Namen lehren. Amen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 31. Mai 2015

Abnabelung

Lieber Luther,
nachdem ich dir über den heutigen Predigttext (Joh 3, 1-11), Jesu Belehrung des Nikodemus, schon zu Himmelfahrt geschrieben haben, finde ich Zeit, das Thema, das mich seit Wochen beschäftigt, weiter zu verfolgen. GEIST, WORT und PREDIGT, das ist die Trinität, über die heute, an Trinitatis, nachgedacht werden sollte, anstatt über Kirchenlehren, die von 3 Personen in einer Person fabulieren.
Nachdem ich mein Bibelleseprojekt abgeschlossen habe, erschließe ich nach und nach andere Schatzkästlein, apogryphe Texte. Und wie es so will kommt mir ein Text unter die Augen, der nahtlos an das anschließt, was ich dir letzte Woche geschrieben habe, es ist der "Brief des Jakobus" aus den Texten aus Nag Hammadi (NHC, 1, 2). Was dort steht, die Botschaft, wird wohl nicht in einen Blog passen. Es lohnt sich in jedem Fall. Es ist ein ganz erstaunlicher Text mit noch erstaunlicher Botschaft.
Zunächst eine Vorbemerkung. Der Text ist nur in einer Abschrift in einem koptischen Dialekt überliefert, mit einigen Lücken. Da ich nicht überraschend diesen Dialekt nicht spreche, stellt sich wieder einmal das Problem der Übersetzungen. Ich habe diesen Text nun in deutscher Übersetzung und 3 verschiedenen englischen gelesen, die deutsche Übersetzung in der Fassung von Hartenstein/Plisch. Es ist, um es vorwegzunehmen, die Schlechteste. Wieso? Die Autoren sagen es selbst: "Für Außenstehende – auch für uns heute – ist die EpJac dagegen oft nicht ohne weiteres verständlich" (Kaiser/Bethge 2013, S.11). Genauso ist übersetzt, ohne Sinn und Verstand oft Buchstaben aneinandergereiht. Ironischerweise – oder auch nicht – ist gerade das das Thema des Jakobusbriefes. Ich empfehle eine der Fassungen der englischen Übersetzung, ich bevorzuge diejenige von Meyer/Barnstone. In der deutschen Übersetzung wurde zudem der Fehler gemacht, in einer heutigen (!) Übersetzung, die von Luthers Übersetzung geprägte Bibelsprache nachahmen zu wollen. Das kann nur misslingen. Die ganze verfehlte Theologie des Tendenzbetriebs evangelische Kirche fließt in die Übersetzung mit ein, anstatt in der heutigen lebendigen Sprache zu übersetzen, was dasteht. Es wäre die Chance einer Korrektur gewesen, was die Bereitschaft voraussetzt, von Irrlehren abzurücken. Das fällt Theologen bekanntlich schwer, auch wenn sie sich dadurch ins Abseits stellen. Aber das nur am Rande, die Wissenschaftlerin geht wieder mit mir durch, weil diese Übersetzung ein einziges Ärgernis ist. Sie will in alt bekannter Manier vertuschen, Kirchenlehren transportieren, anstatt Wortverständnis wachsen lassen. Dass das fehlt, haben die Übersetzer selbst eingeräumt.
Wie schon angedeutet, geht es genau darum in diesem Jakobusbrief, um Geist, Wort, Predigt und geistgeleitete Eigenverantwortung für das Wort. Es ist, als würde uns dort der Spiegel vorgehalten. Deshalb passt dieser Text genau. Zufälle gibt es nicht. Worum geht es? Es ist notwendig, den Text im Zusammenhang zu lesen, nur dann versteht man ihn auch.
Es geht um eine Belehrung, die Jesus seinen noch verständigeren unter den unverständigen Jüngern – Jakobus und Petrus - zugemutet hat. Sie wollen ihre Verantwortung und Aufgabe nicht annehmen, verstehen weder Wort noch das Werk, das von ihnen erwartet wird. So wäscht Jesus ihnen unverblümt den Kopf und tritt sie, die sich sklavisch an ihn klammern, in den Hintern, damit sie endlich in die Gänge kommen, wollen sie das Himmelreich für sich und für andere gewinnen. Ihr seid Prediger, erinnert sie Jesus, redet endlich!
Die beiden Jünger sind jedoch auf einer ganz anderen Ebene unterwegs. Sie fragen ihn, Jesus ist schon gestorben und erscheint ihnen (NHC 1, 2; p.2, 7ff): Hast du uns verlassen und uns selbst überlassen? Nein, ich kehre dorthin zurück, von wo ich gekommen bin. Ihr könnt mit mir kommen, wenn ihr wollt. Die Jünger verstehen das falsch: Befehle es uns, dann folgen wir dir nach.
So geht das nicht, antwortet Jesus. Niemand gewinnt das Himmelreich, indem ich es befehle, sondern in dem ihr vollständig mit dem Geist des Vaters erfüllt seid. Wollt ihr nicht die Fülle haben? Eure Herzen sind trunken, vernebelt. Wollt ihr nicht klar sein, geklärt? Ihr solltet euch schämen. ERINNERT euch, ERINNERT euch von nun an, im Schlafen und Wachen, dass ihr den Menschensohn gesehen und ihm zugehört habt. Schande über euch, dass ihr den Menschensohn gesehen habt, dass ihr es nötig gehabt habt, um zu glauben, mich zu sehen. Segen wird auf denen sein, die glauben ohne dass sie den Menschensohn gesehen, mit ihm gewohnt, mit ihm gesprochen, ihn mit ihren eigenen Ohren gehört haben. Ihnen gehört das Leben.
Versteht, dass er euch geheilt hat, als ihr krank wart, damit IHR regieren möget, die Herrschaft des Geistes, des Vaters, antretet und vertretet auf Erden. Schande auf die, die von ihrer Krankheit genesen sind und sich deshalb befreit fühlen, sie werden wieder in Krankheit verfallen. Segen auf die, die nicht erst krank geworden sind, sondern die Befreiung kannten, bevor sie krank wurden. Ihnen gehört das Himmelreich.
Deshalb sage ich euch, füllt euch mit dem Heiligen Geist an bis an den Rand, lasst nicht auch nur den kleinsten Raum leer, er wird ansonsten gefüllt werden vom Bösen und ihr dient zur Belustigung des Bösen, werdet zum Spielball des Versuchers. Das ist es, was meint: Ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, dass eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde (Mt 5, 30; Mk 9, 43).
Was heißt es aber, sich anzufüllen mit der Fülle? Jesus versucht die Jünger verstehend zu machen. Etwas später sagt er (p.7): Ich habe zu euch in Gleichnissen gesprochen und ihr habt nicht verstanden. Jetzt rede ich zu euch offen und ihr versteht immer noch nicht. Ihr seid selbst eine Parabel als Rahmen für die Gleichnisse, an euch ist offenbart, wie die Sache des Glaubens steht. Nicht nur an meinem Wort, an den Gleichnissen, kann man lernen, auch an euch und eurem Nichtverstehen kann man lernen.
Seid begierig, gerettet zu werden, ohne dass ihr dazu durch Not und Leid gezwungen werdet. Tut es freiwillig, tut es immerzu. Seid SELBST stets eifrig im Glauben, überflügelt mich, wenn möglich. Dafür wird euch der Vater lieben.
Hasst Scheinheiligkeit, Heuchelei, vermeidet, dass das Böse, die Versuchung, euer Ego, in euch Raum bekommt. Es bringt die Scheinheiligkeit und die Heuchelei hervor. Heuchelei, Scheinheiligkeit und Wahrhaftigkeit schließen einander aus.
Lasst das Himmelreich in euch nicht verkümmern. Ihr lasst es wie einen Palmsprössling, nachdem er gekeimt, ausgetrieben, angefangen hat zu grünen, vertrocknen, so dass es nicht weiter wachsen kann. Macht es nicht zu einer Frucht, die sich nur aus einer Wurzel speist. Sie wird geerntet, wird von Hand zu Hand gereicht, schmeckt vielen, aber wie wächst das Himmelreich weiter?
Indem IHR euch füllt. Petrus entgegnet wie so oft auf falscher Spur: Drei mal hast du uns gesagt "seid gefüllt", aber wir SIND gefüllt. Er hat nicht verstanden, um was es Jesus geht. Er hat nicht verstanden, dass er eigentlich schon verstehen müsste, was ihm unverständlich ist, wenn er mit dem Geist angefüllt wäre. Deshalb versucht Jesus ein weiteres Mal, ihn verständig zu machen: Nimm es als Ratschlag, dass du immer darauf achtest, dass du immer bis an den Rand mit dem Geist gefüllt bist. Diejenigen, die das nicht sind, denen es an Geist mangelt, werden nicht gerettet. Wenn der Geist fehlt oder abnimmt, fehlt das Gute in euch. Umgekehrt ist es gut für euch, wenn es des Bösen, der Versuchung mangelt, und gut für euch, wenn ihr nicht erst mit dem Gut des Geistes gefüllt werden müsst. Sobald es eines An- und Auffüllens, eines Ausgießen des Geistes, bedarf, herrscht ein Mangel.
Bei jedem äußert sich der Geistmangel in anderer Weise. Aber der angefüllt wird mit Geist, auf den er ausgegossen wird, der wird es zu einem guten Ende bringen. Darum solltest du anstreben, dass es dir nur dann an Geist mangelt, wenn du DICH SELBST wieder anfüllen kannst, du selbst die sich auftuende Lücke schließen kannst, und angefüllt wirst, wenn es dir an dieser Fähigkeit mangelt, damit du lernst, dich mehr und mehr selbst anzufüllen, lernst, den Geist in dir lebendig zu halten, so dass sich kein Mangel mehr auftut, dass du nicht mehr auf mich angewiesen bist, dass ich dir das Wort erkläre und du mir nur zuhörst. Werde endlich selbständig im Glauben, im Aus- und Einfließenlassen des Geistes, im Hören des Wortes und im Predigen. Sei angefüllt mit dem Geist, aber meide die Vernunft, das Suchen nach Erklärungen. Denke nicht in Ursache und Wirkungen, denn das ist ein Ausdruck der Seele, die fleischgetrieben ist. Das IST Seele. Lass dich nicht von der fleischgetriebenen Seele auffüllen, sondern vom Geist, damit du selbst mit Geist füllen kannst, wo er fehlt. Emanzipiere dich endlich von mir.
Lieber Luther, man sieht Jesus förmlich, wie er seine lethargischen Nachfolger packen und aufrütteln will. Wacht endlich auf! Lebt GEIST, WORT, verständige PREDIGT. Jesus beklagt in diesem "Brief des Jakobus" (NHC 1,2) die Unverständigkeit derer, die als die Stütze seiner Lehre gedacht sind, ihr klammern an ihn als Person, ihre mangelnde Ausgerichtetheit und Geleitetheit von Wort und Geist, ihr Unverständnis des Wortes und Geistes an sich. Er fordert zur Selbständigkeit im Glauben auf, zur Unabhängigkeit von ihm selbst im Denken und im Verständnis. Der Jesus, der in diesem Brief zum Vorschein kommt, ist keiner, der sagt, alles hängt an mir, alles muss auf mich ausgerichtet sein, ihr müsst euch alle an mich hängen, damit ihr das Himmelreich gewinnen könnt. Ganz im Gegenteil. Er versucht seine beiden leitenden Jünger von sich abzunabeln, weil sie es selbst nicht tun, indem er ihnen ein paar unbequeme Wahrheiten ins Stammbuch schreibt. Wie spannend. Davon weiter im nächsten Brief.
Herzliche Grüße
Deborrah
Die deutsche Fassung des Textes stammt aus:Judith Hartenstein/Uwe-Karsten Plisch: Der Brief des Jakobus (NHC 1,2), in: Ursula Ulrike Kaiser/ Hans-Gebhard Bethge (Hrsg): Nag Hammadi Deutsch, Studienausgabe, 3. Auflage, Berlin 2013, S.10-17.

Montag, 25. Mai 2015

Heiliger Geist - Pfingsten

Lieber Luther,
heute ist Pfingsten, das Geistfest der Kirchen. Ich habe mich schon viele Male mit dem Geist beschäftigt. Das Wirken des Geistes Gottes ist ein zentrales Element unseres Gottesglaubens. Pfingsten ist eine Erinnerung daran. Pfingsten findet allerdings als sichtbares Ereignis nur in der Apostelgeschichte statt (Apg 2, 1-47), am 49. Tag nach Ostern, am Tag an dem die Juden Schwuot feiern, den Tag der Offenbarung der Tora an das Volk Israel. Es ist sozusagen ein zu einem christlichen Fest umgemodeltes jüdisches Fest. Anstatt Tora, betrachtet man die Aussendung des Heiligen Geistes auf die Apostel und Jünger als Initiation der Kirchengründung. Der vorhandene jüdische Feiertag wurde, wie so mancher heidnische, christlich uminterpretiert.
Bei Lukas öffnet Jesus den Jüngern am Ende das Verständnis, damit sie sein Wort und die Schrift in seinem Sinne verkünden konnten (Lk 24, 45-49): Ihr aber seid des alles Zeugen. Und siehe, ich will auf euch senden die Verheißung meines Vaters. Ihr aber sollt in der Stadt Jerusalem bleiben, bis ihr angetan werdet, mit der Kraft aus der Höhe. Der Heilige Geist, die Kraft aus der Höhe ist etwas, das noch kommt. Da in der Regel angenommen wird, dass der Verfasser der Apostelgeschichte der gleiche ist, wie derjenige, der das Lukasevangelium geschrieben hat, findet in der Apostelgeschichte eine Erklärung, was im Lukasevangelium mit offenen Ende stehen bleibt. Natürlich entstanden daraus Fragen: Was ist die "Kraft aus der Höhe" und vor allem: Wann kommt sie? Wie lange haben die Jünger in Jerusalem zu warten? Wie merken sie, dass die Kraft aus der Höhe kommt?
Auch im Johannesevangelium, dem heutigen Predigttext, wird ein direkter Bezug zwischen Wort, Predigt und Geist hergestellt: Aber der Tröster, der Heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch erinnern alles des, das ich euch gesagt habe (Joh 14, 26-27). Auch im Johannesevangelium bleibt offen, wann der Geist denn kommt.
Die Evangelien bei Matthäus und Markus enden mit der Aussendung der Jünger durch den Auferstandenen, um zu predigen und im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen und alles zu lehren, was er ihnen gelehrt hat. Der Geist ist schon da, er braucht nicht mehr erst zu kommen. Er wird unterstellt. Aber auch hier wird ein Bezug zur Lehre hergestellt.
Geist und Lehre, Geist und Gottes Wort sind verknüpft. Nur wer den Geist hat, versteht und kann das wahre Wort Gottes lehren. Deshalb auch die eifrigen und eitlen Bemühungen desPaulus, sich und seine Lehre durch den Geist zu rechtfertigen. Paulus war ein Machtmensch, er wusste, worauf es ankommt. Nur der Geist kann die Legitimation bringen.
Das kirchliche Pfingstfest vermischt alle Theologien zu einem unklaren, ungeklärten Brei und ist deshalb auch den Gläubigen schwer zu erklären, wohl verstehen es viele Prediger selbst nicht, was die merkwürdige Kraftlosigkeit, ja Hilflosigkeit, vieler Pfingstpredigten erklärt. Was der Prediger nicht versteht, kann er dem Gläubigen auch nicht glaubwürdig und überzeugend vermitteln. Was meint nun der "Heilige Geist", die Kraft aus der Höhe?
Der Geist ist von Gott ausgeschüttet, schon vor allem menschlichen Anfang: Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der GEIST Gottes schwebte auf dem Wasser (1.Mose 1, 2). Die Schrift fängt mit dem Geist an, die erste Äußerung Gottes, die wir kennen, ist Geist, das Sein von Gottes Geist in der Leere, in der Finsternis, sein Schweben auf dem Wasser. Geist ist Gottesäußerung, Gotteswirken, Gottes-Sein, sein Schweben über den Dingen, Gottes Geist ausgegossen in den leeren, Menschensinn entleerten, nur seienden Himmel und Erde. Geist ist neben dem Wort die wesentliche Äußerung des schöpferischen Aktes Gottes, das, worin sich das Göttliche im Materiellen äußert und vom Materiellen unterscheidet.
Deshalb ist es auch nur logisch, dass Gott, als er den Menschen schafft, ihm seinen Atemhauch, seinen Geist, einhaucht, um ihn zu einem göttlichen Menschen zu machen, der ihn von einem mit Verstand versehenen Tier unterscheidet. Mit dem göttlichen Atemhauch, mit seinem Geist, fließt Göttlichkeit in den Menschen ein. Mit dem Verstand kommt aber auch der Eigenwille des Menschen, der ihn ablenkt von seiner Göttlichkeit, ihn seinen göttlichen Ursprung vergessen lässt. Ich habe dir, lieber Luther, davon erst kürzlich ausführlichst mehrfach im Zugemeiner Auseinandersetzung mit der Schöpfungsgeschichte geschrieben. Ich brauche das hier nicht alles wiederholen.
Es führt summa summarum dazu, dass sich der Mensch von Gott abwendet und den menschlichen Versuchungen nachgibt: Da sprach der HERR: Mein GEIST soll nicht immer in den Menschen streiten, da sie ja auch Fleisch sind (1.Mose 6, 3). Gott anerkennt, dass sein Geschöpf Mensch, solange es Fleisch ist, auch fleischlich getrieben ist. Es ist ein AUCH. Das heißt aber auch implizit, in den einen mag er streiten, in den anderen nicht. Das ist in der Schrift mannigfach verbrieft: Gott hat immer wieder Menschen erwählt, in denen sein Geist für ihn gestritten hat.
Von vielen Menschen ist in der alten Schrift berichtet, dass sie vom GEIST Gottes erfüllt wurden, Joseph etwa (1. Mose 41, 38-39): Pharao sprach: Wie könnten wir einen solchen Mann finden, in dem der GEIST Gottes sei? Weil dir Gott solches alles hat kundgetan, ist keiner so verständig und weise wie du. Das anerkennt einer, der andere Götter hat. Mit Gottes Geist ist immer Weisheit und wahres, gerechtes Wort verbunden, immer auch die Fähigkeit weiszusagen, das heißt mehr als andere in die Zukunft zu sehen, für die Wahrheit Gottes zu streiten. Das bringt unweigerlich mit sich, gegen die zu streiten, in denen der Geist von ihrer menschlich-fleischlichen Getriebenheit verschüttet ist. Den Geist in sich streiten lassen, heißt, sich vor dem Konflikt nicht scheuen. Geistgetriebene Menschen zeugen davon durch Jahrtausende. Geist äußert sich in wahrem Wort, Geist äußert sich in vor Gott rechtem Handeln, in von Gott gesegneten Taten, in der Wahrung seiner Wahrheit, was nicht menschlich getriebene Wahrheit sein muss.
Von den Richtern, von denen im Buch Richter berichtet wird, heißt es immer: "Da kam der GEIST des HERRN auf ihn" (z.B. Ri 3, 10; 6,34; 14, 6). Von David heißt es: Da nahm Samuel sein Ölhorn und salbte ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der GEIST des HERRN geriet über David von dem Tage an und darüber hinaus (1. Sam 16, 13). Gottes Geist hat mit Erwählung zu tun. Alle, von denen berichtet wird, dass Gottes Geist über ihnen ist, sind von Gott "erweckt" worden, erwählt, sein Sprachrohr, sein Zungenschwert, seine Streitaxt im Wort und in der Tat zu sein. Sie waren immer unbeirrbar in ihrem geistgetriebenen Weg, wie sehr sie auch darunter litten. Wie sich das im Einzelnen äußerte, ist unterschiedlich: die einen waren Verkaufte, wie Joseph, andere Streiter wider Willen und doch demütig, wie Mose, Gottgeweihte wie Samuel, Normalbürger wie Hiob oder Jona, Aufsteiger wie David, der vom Hirten zum König wurde, Propheten wie Elia oder Jesaja, meistens alle an der Welt Leidende, wie bei Jeremia kaum erträglich gezeigt. Oder: Jesus.
Jesus lässt sich lückenlos hier einreihen. Jesus bringt aber etwas Neues: Jesus ist GEIST UND WORT, Jesus ist völliger Gottesmensch, das reine Ebenbild Gottes, er ist reine Schöpfung. Die Männer (und Frauen), die in der Alten Schrift den Geist Gottes in sich streiten fühlten, beackerten den Alltag, versuchten Gottes Geist in ihrem jeweiligen sozialen Umfeld zu Gehör zu bringen. Sie waren Warner vor den Abwegen. Meistens vergebliche Warner.
Jesus ist Mittler zwischen dem nicht geistgetriebenen Menschen und Gott. Er bringt, was bisher nicht vorhanden war: Eine LEHRE von Gott, die in der Alten Schrift fußt, aber als Gotteslehre so nicht vorhanden war: alter Wein in neuen Schläuchen. Sein ganzes Sein war auf das Wort und die Bestätigung des Wortes durch Tat ausgerichtet, Geist getrieben streitend für Gott und sein Wort, völlig aufgehend in seinem Willen, nicht fleisch-, sondern geistgetrieben: Ich bin von oben, ihr aber seid von unten.
Das, was Mose gebracht hat, war keine Gotteslehre, es war eine Ordnung, auch eine soziale Ordnung, um die Menschen erst einmal hinter dem EINEN Gott zu sammeln und zu einer sozialen Gemeinschaft zu machen. Ohne diese Sammlung zu einem Volk Gottes wäre Jesus nicht denkbar. Sein ganzes Sein konnte nur sein nach dieser Sammlung hinter der mosaischen Ordnung, die Voraussetzung war für das, was durch Jesus folgte.
Es hat also, lieber Luther, mit dem Geist, dem manche an Pfingsten so ratlos gegenüber stehen, nichts Geheimnisvolles oder Unerklärliches auf sich. Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort (Joh 1, 1). Das Wort, die Gotteslehre, wurde durch Jesus gebracht, das wahre, geistgetriebene Wort ist Gottes Wortäußerung, übersetzt von Menschen, die sein Wort durch seinen Geist hören. Wer den Geist hat, hört und versteht und diejenigen, lieber Luther, in denen Gottes Geist streitet, können nicht anders als für ihn streiten, wieviel Leid es ihnen auch einbringt. Du kannst ein Lied davon singen. Genau das ist, was in den Evangelien und in der Apostelgeschichte, in welcher Variante auch immer, beschrieben wird. GEIST, WORT und PREDIGT, geistgetriebene Predigt und geisterfülltes Hören, das ist, lieber Luther, Pfingsten.
Geistlgetriebenes Hören und Verstehen kann man nicht erzwingen, aber man kann etwas dafür tun. Die meisten Geistgetriebenen der Bibel hatten ein Vorleben, mit wenig oder ohne Geist. Aber irgendwann erfüllte sie Gottes Geist, sind sie wieder aufgewacht, wurden sie zu Hörenden und Verstehenden und für Gott Streitende. Das kann jedem passieren, wenn er dazu bereit ist. Dann wird die Verschleierung des fleischlich-menschlichen weggezogen und Gottes Geist wird sichtbar, wie er in uns schwebt und wirkt wie auf einem klaren Wasser. So öffne uns, lieber Luther, der Geist das Hören und das Verstehen des Wortes, er mache uns bereit, dafür zu streiten und wandle uns zu einem geistgeklärten Heilwasser.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 8. März 2015

Gleich, vorher muss ich noch ...

Lieber Luther,
Auf den ersten Blick sieht es im Predigttext zum Sonntag Okuli (Lk 9, 57-62) so aus, als ob Jesus ein bisschen aufstöhne und sage, jeder Fuchs hat einen Bau, in dem er schläft, jeder Vogel ein Nest, in dem der die Nacht verbringt, aber ich, der arme Wanderprediger, weiß nicht, wo ich heute Nacht schlafen kann. "Modernisierte" Bibelübersetzungen führen auf die falsche Spur. Da heißt es: Der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. So steht es im Gesangbuch. Ein kleines s, das einen großen Unterschied macht, materialisiert und die Bibelmodernisierer nicht gerade als Bibelversteher dastehen lässt. Für sie hat Jesus eigentlich das gepredigt, um was es im heutigen Predigttext geht.
In der Lutherübersetzung von 1912 heißt es: Aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hin lege. Er hat keinen irdischen Ort, will Jesus sagen, aber sicher hat er kein "nichts".  Er hat sehr wohl etwas. In der Elberfelder Übersetzung ist nahezu wie in der Lutherübersetzung übersetzt. Aber, anstatt zu materialisieren, wird verortet. Anstatt dem "da" steht ein "wo", und anstatt "hin legt", steht "hinlegt", was auch wiederum in die falsche Richtung geht, eben "wo er sich hinlegt", was Jesus gerade nicht tut und wogegen er anpredigt. Das macht einen gewaltigen Sinn-Unterschied, ist aber, zugegegebenermaßen, nicht leicht zu verstehen. Lieber Luther, wie fast immer, hast du dich als einziger richtig hin gelegt.
Der Schlüssel zum Predigttext für diesen Sonntag liegt in Psalm 110: Der HERR sprach zu meinem Herrn: "Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege…. Er wird trinken vom Bach auf dem Wege; darum wird er das Haupt emporheben."
Im Predigttext heißt es: Es begab sich aber, dass sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wo du hin gehst. So fängt diese Geschichte an. Jesus ist auf dem Weg. Einen Vers vorher heißt es: Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern sie zu erhalten. Das ist der Weg, auf dem Jesus ist und auf den er uns mitnehmen will.
Viele finden Jesus gut, viele wollen ihm nachfolgen, bei vielen ist das Zungenwort stark, der Wille aber schwach. Vor der Nachfolge kommen noch viele andere weltliche und menschliche Dinge. "Ich will dir nachfolgen, wo du hingehst", sagen viele zu Jesus, behaupten auch viele von sich heute. In vielen Geschichten, z.B. der vom frommen Reichen, der von seinem Reichtum nicht lassen will (Mk 10, 20-24), sagt Jesus: Bedenke was du sagst, der Weg, auf den ich führe, ist nicht einfach, ich verlange viel, nämlich dass du es machst wie ich, nur Gottes Wort zu folgen, von allem anderen zu lassen: von der Familie, von Macht und Ehre, von Reichtum, von der Vorsorge, von der Bequemlichkeit.
Ich will dir folgen, wo du hingehst. Wirklich? fragt Jesus. Er prüft auf Herz und Nieren. Er sagt: Die Füchse haben Gruben, die folgen mir nicht nach. Simson fängt Füchse (Ri 15, 4). Sie verderben den Weinberg (Hohelied 2, 15). Füchse können auch falsche Propheten sein (Ps 63,10). Herodes ist ein Fuchs. Er kann mich nicht abhalten. Ich treibe Teufel aus, mache gesund und am 3.Tag werde ich ein Ende haben. Ich muss wandeln, meine Mission ist, die Menschen dazu zu bringen, sich zu ändern, ich muss vorangehen, sie auf den Weg hin zum Reich Gottes bringen. Es reicht nicht, dass ein weiterer Prophet vor den Mauern Jerusalems umkommt. Ich muss das Wort predigen (Lk, 13, 31-33). Füchse fallen am Ende in Gruben, mein Vaterhaus ist woanders. Ich werde mich nicht wie die Füchse in die Grube legen, sondern mich auf seinen Schemel setzen, Haupt an Haupt mit ihm zu seiner Rechten.
Du willst mir nachfolgen? Wirklich? Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber des Menschen Sohn nicht. Du willst mir nachfolgen und sitzt bequem in deinem Nest? Verkriechst dich dort, richtest es dir dort schön ein und denkst, das sei nun Nachfolge? In Wahrheit ist mein Erbe wiesprenklige Vögel, um die sich andere schräge Vögel scharen und sich gegenseitig bekräftigen, dass sie doch in Gottes Reich fliegen, wie immer sie sich auch gebaren (Jer 12, 9). Der Sämannsät auf den Weg und die Vögel kommen und fressen die Saat (Mt 13, 4). Jesus sät das Wort auf den Weg, die falschen Vögel kommen, fressen die Saat, und scheiden das Wort als Sch… wieder aus. Man muss nur den ein oder anderen veröffentlichten Predigttext für heute lesen und weiß sofort, von was Jesus hier spricht. Die Vögel, ob Nesthocker oder nicht, sie folgen mir nicht wirklich, sagt Jesus. Irgendetwas kommt bei ihnen immer dazwischen, Ausreden und Entschuldigungen finden sie genug, nur mein Wort, das finden sie nicht.
Die Bilder aus der Tierwelt, ob Fuchs oder Vogel, haben die potentiellen Nachfolger nicht verstanden, sonst würde einer nicht Jesus fragen: Lass mich vorher noch meinen Vater begraben, dann folge ich dir nach. Das ist nicht bedingungslose Nachfolge, das ist: Wenn ich meinen Vater begraben habe, dann folge ich dir. Jesus sagt: Lass die Toten ihre Toten begraben, entscheide dich für das Leben, auch wenn es hart klingen mag und hart ist. Ich muss erst noch etwas anderes erledigen, dann kommst du, dein Wort und der Weg zum Himmelreich, ist keine Nachfolge, damit verfällst du den vermeintlichen Verpflichtungen im Leben und setzt deine Verpflichtung zur Nachfolge hinten an. Lass dich nicht von falschen Verlockungen und vermeintlichen Verpflichtungen von meinem Weg abbringen. Das ist seine kompromißlose Botschaft.
Poetischer steht dies in Spr 27, 6-8: Die Schläge des Liebhabers meinen's recht gut; aber die Küsse des Hassers sind gar zu reichlich. Eine satte Seele zertritt wohl Honigseim; aber einer hungrigen Seele ist alles Bittere süß. Wie ein Vogel, der aus seinem Nest weicht, also ist, wer von seiner Stätte weicht. Die Schläge des Lieb-Habers Jesus meinen es gut, aber die verführerischen Verlockungen der Welt sind zu reichlich, um bedingungslos nachzufolgen. Sein Honigseim wird zertreten, weil seine Schläge als zu hart erscheinen, nicht tragbar, nicht vermittelbar. Du musst nachfolgen, zählt nicht, du musst im Irdischen, aber wohl. Zuerst kommt etwas anderes, ist nicht Nachfolge, so wie sie Jesus versteht.
Jesus sagt, dein Ort, dein Weg, dein Ziel ist nicht das Ruhekissen, was willst du bei den Toten, da kannst du nichts mehr bewirken, gehe hin und verkündige das Reich Gottes, da kannst du etwas voranbringen in Richtung Reich Gottes, da kannst du etwas bewegen, aber nicht bei den Toten, dabei ist es egal, ob die Toten noch atmen oder nicht. Sie unterscheiden sich nicht voneinander.
Ich will dir nachfolgen, aber zuerst muss ich noch … z.B. mich vom einen oder anderen verabschieden. Frau Lot ist auch nicht bedingungslos gegangen, deshalb hat sie es nicht geschafft. Ihr Herz hat zu sehr in den Rückspiegel geschaut. Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes. Was könnte Jesus auch anderes darauf antworten? Wer den Boden bereiten will für das Wort Gottes, wer die Verkrustungen aufreißen will, damit die Saat des Wortes aufgehen kann, muss alle Kraft dafür aufwenden, zentriert, konzentriert sein auf dieses Ziel, vorwärts, dem Himmelreich entgegen gehen, ohne sich abzuwenden, um nach irdischen Verlockungen und Verpflichtungen zu sehen, ohne andere Prioritäten zu setzen, ohne Angst vor den Bedrohungen des täglichen Lebens. Pflüget ein Neues (Jer 4, 3), das Neue liegt vor euch, nicht hinter euch. Pflüget ein Neues, weil es Zeit ist, den Herrn zu suchen (Hos 10, 12). Viele Male sagt das Jesus. Aber - die Nachfolger sind rar. Das hat Jesus erkannt und immer wieder thematisiert, um das Bewusstsein, den Blick zu schärfen, die Augen zu öffnen, zu werben, andere Prioritäten zu setzen.
Des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hin lege. Die deutsche Übersetzung von "Haupt" hat nicht die Bedeutungsvielfalt des griechischen oder lateinischen Äquivalentes. "Haupt" bedeutet dort auch Eckstein oder Schlussstein. Das heißt übertragen: Jesus, der Eckstein, vermag nicht den Schlussstein zu setzen. Er findet noch nicht einmal einen Ort, an dem er den Eckstein setzen könnte. Zu viele: Gleich, zuerst muss ich noch ... Der Menschen Sohn findet keinen irdischen Ort, an dem er den Eckstein setzen kann... Diejenigen, die er gerne hätte, hat er nicht. Sie sind gerade anderweitig beschäftigt.
Damit wären wir wieder bei Psalm 110: Der HERR sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. Jesus ist der Eckstein, der von Gott bei Gott gesetzt ist. Der Eckstein und der Schlussstein. Christus ist des Menschen Haupt, Jesu Haupt ist Gott (so auch 1. Kor 11, 3). Sein Haupt, sein menschlich gesprochenes Wort, hat Gott mit Jesus auf den Weg geschickt, mit der einzigen Verpflegung "Wort", das ist der Bach aus dem er auf dem Weg trinkt, das ist das Wasser, das ihn nährt und darum, da dies so ist, lieber Luther, darum hat er das Haupt wieder zu sich emporgehoben. Und erst, wenn wir dorthin gefolgt sind, ist der Schlussstein gesetzt. Es gilt für Jesus, noch viele Nachfolger zu gewinnen, bis es soweit ist. 
Lieber Luther, Okuli heißt der 3. Fastensonntag. Fasst Gott allein ins Auge, geht nur diesen Weg, fastet von allen falschen Verlockungen und Verpflichtungen. Das ist Jesu Botschaft. Legt eure Hand an den Pflug und seht nur nach vorn. Lippenbekenntnisse zur Nachfolge reichen nicht aus. Setzt eure Prioritäten richtig. Sagt nicht, erst muss ich dies und das tun, dann höre ich auf das Wort, dann folge ich nach. Macht aus dem Dann ein Jetzt! Und verfallt nicht in den Fehler der Bibelübersetzer: Es geht hier nicht um Materielles, um Menschliches, es geht um die Nachfolge im Wort. Es heißt nicht, der Menschensohn hat nichts, sondern er hat nicht, er hat sich den Verlockungen nicht hingegeben, er hat keine Bedingungen gestellt, er hat den Küssen des Verführers widerstanden, er hat uns ein Vorbild gegeben, er ist das sichtbare Zeichen,  eines dem wir nacheifern können. Ein "Gleich, vorher muss ich noch ... " gab es bei ihm nicht, wenn es um Gott ging. Lieber Luther, machen wir das "Gleich, vorher muss ich noch.. " zu einem "Jetzt mache ich es". Macht die Augen auf!
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 1. März 2015

Reminiscere

Lieber Luther,
der Mensch scheint unbelehrbar. Das war zu Jesu Zeiten so und ist heute so. Im heutigen Predigttext (Mk 12, 1-12) besteht wieder einmal die Chance, die Botschaft zu verkünden, die verstanden werden will. Aber wer tut das? Welcher Pfarrer wagt dies? Kommt heute die Botschaft, um die es geht, von den Kanzeln oder wird fabuliert und abgelenkt, um ja nicht den Verdacht zu erregen, dass der Gott, von dem sie angeblich predigen, etwas verlangt vom Menschen. Es geht, lieber Luther, um den Herrn des Weinbergs.
Die Geschichte ist einfach und an sich von jedem zu begreifen. Es geht um einen Weinberg, der gepflanzt ist, in den eine Kelter und ein Turm gegraben ist und den der Eigner verpachtet. Als er Knechte schickt, um die Frucht einzusammeln, werden diese gefoltert, misshandelt, getötet. Schließlich schickt der Eigentümer seinen Sohn, weil er denkt, dieser werde respektiert. Aber auch ihn töten die Pächter und werfen ihn aus dem Weinberg. Jetzt wird die Geschichte spannend. Was tut der Eigentümer?
Nach gängiger Kanzellesart müsste er den Folterern und Mördern vergeben, Gott ist die Liebe und vergibt jedem Sünder. Das wird verkündet. Mit Referenz auf Jesus. Jesus ist derjenige, der durch seinen Kreuzestod das vollbringt. Wirklich? Jesus verkündet etwas ganz anderes. Jesus predigt mit dem Gleichnis: Der Hausherr wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben. Es steht kein Wörtchen von Vergebung.
In den Weinberg ist die Kelter gegraben. Die Kelter – in manchen Geschichten die Tenne – steht für Gottes Gericht, dafür, dass Gott jeden ansieht und jede Tat ansieht, die jemand tut. Gott sieht das Morden und Foltern. Gott sieht den Egoismus derer, die in seinem Weingarten arbeiten: Sie sind nur an ihrem Vorteil interessiert, sie wollen die Frucht in die eigene Scheuer bringen, nicht Knecht sein, sondern selbst Herr des Weinbergs, sie wollen bestimmen und das Sagen haben.
Jesus ist gestorben uns zu retten? Und da der König Israels an der Mauer einher ging, schrie ihn ein Weib an und sprach: Hilf mir, Mein König! Er sprach: Hilft dir der HERR nicht, woher soll ich dir helfen? Vor der Tenne etwa oder der Kelter? Die Frau sagte: Gib deinen Sohn her, damit wir ihn essen können, morgen essen wir meinen Sohn. Und er gab seinen Sohn und forderte am anderen Tag den Sohn der Frau: Sie versteckte ihn aber und wollte nicht zu dem Bund stehen, den sie mit ihm getroffen hat (2.Kön 6, 26-29). Jesus ist Nahrung, seinen Leib wollen wir essen, wenn Gott aber unseren Leib essen will, mit Haut und Haaren, dann verweigern wir ihn.
Diejenigen, die von der Kanzel predigen, egal, was Jesus erzählt, Gott ist nur Liebe, nicht auch Gericht, nicht auch einer, der auf die Einhaltung des Bundes, des Pachtvertrages dringt, sind wie das Weib, das den Sohn vom Herrn fordert, aber nicht seinen Teil gibt, wie die Pächter des Weinberges, die so tun, als verschenke Gott die Frucht seines Weinberges für nichts, die seinen Sohn, sein Wort, totschlagen und achtlos vor den Weinberg werfen. Weib oder Pächter im Weinberg: sie entgehen der Kelter nicht. Jesus sagt es deutlich: Er wird kommen und die Weingärtner umbringen! Was heißt das?
Wer ist der, so von Edom kommt, mit rötlichen Kleidern, der so geschmückt ist in seinen Kleidern und einher tritt in seiner großen Kraft? "Ich bin's, der Gerechtigkeit lehrt und ein Meister ist zu helfen." Warum ist dein Gewand so rotfarben und dein Kleid wie eines Keltertreters? "Ich trete die Kelter allein, und ist niemand unter den Völkern mit mir. Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn und zertreten in meinem Grimm. Daher ist ihr Blut auf meine Kleider gespritzt, und ich habe all mein Gewand besudelt. Denn ich habe einen Tag der Rache mir vorgenommen; das Jahr, die Meinen zu erlösen ist gekommen. Und ich sah mich um, und da war kein Helfer; und ich verwunderte mich, und niemand stand mir bei; sondern mein Arm musste mir helfen, und mein Zorn stand mir bei (Jes 63, 1-5).
Die Kelter ist DAS Bild für Gottes Gericht. Eine Kelter war, historisch, eine in Felsen gehauene Vertiefung, in der man die Trauben, die Frucht des Weinbergs, mit den Füßen austrat. Die Trauben waren rot. Die roten Trauben – auch Traubenblut genannt – bespritzten die Kleider des Traubentreters. Die Frucht, die anstatt nährt, besudelt. Jesus ist der Traubentreter, sein Kleid ist weiß. Es wird besudelt von denjenigen, die im Weingarten Gottes angesiedelt sind.
Genau davon spricht Jesus in dem Gleichnis. Von der Tragödie der Arbeiter in Gottes Garten. Er kennt die Schrift und das Wort. Er spricht vom Zorn Gottes über seine Arbeiter: Er wird sie töten, er wird es nicht zulassen, dass sie ihren Bund, ihren Pachtvertrag brechen. Wer den Pachtvertrag bricht, zieht sich seinen unerbittlichen Zorn zu. Wer etwas anderes verkündet, ist einer, der den Pachtvertrag zu seinen Gunsten auslegt, aus Feigheit oder Dummheit das Wort bricht, in die falsche Richtung ableitet. Auch das wird, wenn die Zeit da ist, wie Jesus sagt, ausgekeltert. Der Herr des Weinberges wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen aus seiner heiligen Wohnung; er wird brüllen über seine Hürden (= Zäune); er wird singen ein Lied wie die Weintreter über alle Einwohner des Landes, des Hall erschallen wird bis an der Welt Ende (Jer 25, 30).
Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob Ihr's wohl sahet, tatet ihr dennoch nicht Buße, dass ihr ihm danach geglaubt hättet, so ist im Matthäusevangelium das Gleichnis von den dummen Weinbergpächtern eingeleitet. Und Jesus fragt weiter: Kennt ihr nicht die Schrift? Steht da nicht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Es steht vor euren Augen, es steht da, ihr lest es, tut es aber nicht. Deshalb wird das Reich Gottes von euch genommen und einem Volk gegeben, das Früchte bringt. Wer auf den Eckstein fällt, der wird zerschellen; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen (Mt 21, 32-44).
Schlag an mit deiner scharfen Hippe und schneide die Trauben vom Weinstock der Erde; denn seine Beeren sind reif! Und der Engel schlug an mit seiner Hippe an die Erde und schnitt die Trauben der Erde und warf sie in die große Kelter des Zorns Gottes. Und die Kelter ward draußen vor der Stadt getreten; und das Blut ging von der Kelter bis an die Zäume der Pferde durch tausend sechshundert Feld Wegs (Offb 14, 18-20). Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß Treu und Wahrhaftig, und er richtet und streitet mit Gerechtigkeit... Und war angetan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war; und sein Name heißt "das Wort Gottes". Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, dass er damit die Heiden schlüge; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter des Weins des grimmigen Zorns Gottes, des Allmächtigen. Und er hat einen Namen geschrieben auf seinem Kleid: Ein König aller Könige und ein HERR aller Herren" (Offb 19, 11-15).
Lieber Luther, Jesus sagt es immer wieder: Sie hören es und tun es nicht. Das gilt bis heute. Sie hören, was geschrieben steht, bis ins letzte Kapitel der Schrift, und sie lehren etwas anderes. Lieber Luther, er sagt auch: Der Herr des Weingartens wird sie umbringen und anderen den Weingarten geben. Das heißt, er lässt sie ihr Ding machen und geht andere Wege, gibt anderen seinen Weingarten. Er lässt sie sterben heißt, er lässt sie bedeutungslos werden: vor ihm und für seine Botschaft. Der Weingarten ist tot für ihn. Sein Wort wird dort totgeschlagen, über jeden, der es einfordert, fallen sie her und bringen ihn um. Wo "Gottes Weingarten" draufsteht, muss nicht Gottes Weingarten drin sein. Fruchtlose Weingärten. Jesus sagt es mit aller Deutlichkeit. Gott ist der Herr über seinen Weingarten, nicht die Weingärtner, die den Weingarten für sich beanspruchen. Sein Wort gilt, nicht ihr Wort! Reminisce, Arbeiter im Weingarten Gottes, reminisce!
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 15. Februar 2015

Pfarrer Latzel - Eine Mutmachgeschichte

Lieber Luther,
eigentlich dachte ich, ich würde heute mal wieder Zeit finden, über Grundlagen zu schreiben, da ich über den Predigttext von heute schon vor 2 Jahren geschrieben habe, über dasRosinenpicken. Das Thema ist aktueller denn je. Wieso? Obwohl mich die innerkirchlichen Streitigkeiten über Nichtigkeiten eher anöden und ich damit keine Zeit verschwende, bin ich über einen neuen Twitter-Follower über den Streit um den Bremer Pfarrer Olaf Latzel gestolpert. Zufall?
Also habe ich mich informiert. Gelesen, was so über ihn geschrieben wird, wie seine Kirche über ihn herfällt. Aber – vor allem – ich habe mir seine Predigt selbst angehört, Wort für Wort, auch die, über das Gleichnis vom Sämann. Und ich habe mir verwundert die Augen gerieben: Was geschieht hier? Es predigt hier einer, was in der Bibel steht und – anstatt dass sich seine Kirche vor ihn stellt – schlachtet sie ihn mit ab. Ja, sie schlachtet ihn, sie steht ihm nicht bei, sagt nicht, was dieser Mann predigt, ist was in der Bibel steht. Er ist nicht das erste Beispiel:Evangelische Kirche, quo vadis?
Ich gehe davon aus, dass die Mehrzahl derer, die über ihn her schmieren, die Predigt nicht gehört haben, sonst könnten sie keinen solchen Unsinn schreiben. Da ist von Hassprediger die Rede, von Volksverhetzung usw, es ist übelste Verleumdung am Werk. Herr Latzel hat in seiner Predigt ausdrücklich und nachdrücklich hervorgehoben, dass es die Pflicht eines Christenmenschen ist, seinen Nächsten zu lieben, ihm beizustehen, sich um ihn zu kümmern, egal welcher Religion er angehört. Wo ist da die Hasspredigt, die Hassbotschaft, die er angeblich verkündet?
Ist es Hassbotschaft, wenn er sagt, es gibt nur den EINEN Gott, es gibt den dreieinigen Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, Jesus, den Christus, so wie es in der Bibel steht? Was, wenn nicht das, soll ein evangelischer Pfarrer predigen? Folgt Jesus nach, hört das Wort, versucht es selbst mit dem Lesen der Bibel, macht euch euer eigenes Bild. Was kann ein evangelischer Pfarrer, für den sein Beruf Berufung und nicht Job ist, wie für die meisten dieser Zunft, anderes predigen?
Worüber kann man sich da empören?
Dass er sagt, wenn ich einen Knochen, das Grabestuch, eine Monstranz oder sonst eine Relique, Amulette, Wuduanhänger, Talismänner und was es sonst noch so gibt, anbete, ist das Götzendienst? Wenn ich zu Maria bete, anstatt zu Christus? Wo in der Bibel steht bitte, dass zu Maria zu beten ist? Jesus würde sicher nicht auf die Idee gekommen sein, das zu lehren. Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Das sind alles Hilfskonstrukte, wenn man streng ist, Götzendienst oder kirchlicher Machterhaltungsdienst, wenngleich ich das nicht so streng sehe. Alles, was hilft, auf Gottes Weg zu kommen, taugt, auch wenn es zunächst wie Fetisch aussieht. Manchmal braucht der Mensch etwas, um sich festzuhalten, damit er weiter gehen kann. Wieso das aber nicht Christus direkt ist, ist die Frage, der man sich stellen muss. Da sind sie wieder, die grundlegend unterschiedlichen Glaubensauffassungen zwischen katholischer und evangelischer Kirche. In Wahrheit ist es aber nicht der Glaube, der differiert, es ist die unterschiedliche Lehre.
Lieber Luther, auf dich bezieht sich die evangelisch-lutherische Kirche, aber sie erschrickt, wenn man heute ausspricht, was der Grund war, wieso es letztendlich zur Abspaltung von der katholischen Kirche kam. Sie erschrickt, wenn man ausspricht, dass sich seither nichts geändert hat. Sie erschrickt, wenn man zu ihren Grundpfeilern steht. Sie erschrickt, wenn man ausspricht, was du vor über 500 Jahren ausgesprochen hast, unter noch sehr viel mehr persönlichem Risiko als das, das heute Pfarrer Latzel eingeht, oder noch vorher Jesus. Wie falsch und heuchlerisch ist diese Kirche und ihre Vertreter und Vertreterinnen! Vertreten sie überhaupt etwas, was in der Schrift steht, oder sind sie nur verständnislos, blind, taub oder Bibel unbelesen? Wahrscheinlich eine Mischung aus allem zusammen.
Worüber kann man sich empören?
Dass Pfarrer Latzel sagt, wenn ihr Jesus neben eure Buddhas stellt oder in die Reihe der Hindu-Götter einreiht, seid ihr keine wahren Christen?
Dass er sagt, man muss für den EINEN Gott einstehen, auch wenn man dafür gesteinigt wird, sozial ausgegrenzt, als Hassprediger hingestellt wird?
Zu hart? Nein, das passiert gerade mit ihm, ein Kesseltreiben, das frappierend an die Kesseltreiben der Herrschenden und des Pöbels erinnert, denen fast alle Prediger, die es gewagt haben, das Scheinmäntelchen zu lüften, ausgesetzt waren. In der Bibel sind sie mannigfach dokumentiert, bei Jesus hat es zum Tod geführt, manche sind auf dem Scheiterhaufen gelandet. Heute hetzt einen die Internetmeute zu Tode.
Wer sind hier eigentlich die Hassprediger? Herr Latzel mit absoluter Sicherheit nicht. Es sind alle Schreiberlinge, denen es nicht um den Glauben geht, von denen die meisten keine Ahnung haben, von was Herr Latzel überhaupt spricht, die seine Predigt absichtlich verdrehen, so, dass es in ihre Argumentationskette passt, die ihrer eigenen Profitmaximierungslogik folgt. Es geht um Auflage, um Sensationsmache, um Aufmerksamkeit im Internetkampf um die Klicks und die Werbekohle. That's it. Das Bekenntnis zum EINEN Gott ist all diesen Menschen völlig Humpe. Es geht nicht darum, was Pfarrer Ltzel gesagt hat, sondern wie sie das für ihre Zwecke ausschlachten können.
Es geht um Politik, auch um Kirchenpolitik. Um was es am wenigsten geht, ist das, um was es Herrn Latzel geht: um die Verkündigung des Wortes, um die Nachfolge Jesu, für die er kämpft und sich – hoffentlich – nicht einschüchtern und mundtot machen lässt. Seiner Kirche wäre das am liebsten. Ihre Vertreter sind es nicht gewöhnt, für Jesus, die Schrift und das Wort in die Bresche zu springen, das Gesicht und die ganze Person für das in den Wind zu halten, für das sie ihre monatliche Kohle bekommen, so wie das Herr Latzel tut. Kirchenbeamtentum hat nicht nötig für das einzustehen, was auf dem Werbebanner steht. Sie drehen sich, wie die Wetterfahne im Wind, springen mehr den diversen Erwartungshaltungen und Talkshow-Wetterlagen hinterher: Nur nicht anecken. Und wenn wir Jesus, das Wort und die Schrift dabei verlieren – macht nichts, wir können sowieso nicht viel damit anfangen, genauso wenig wie mit dem Lutherjubiläum, alles schwer zu vermitteln heutzutage. Bauen wir doch unser eigenes wetterwendiges weichgespültes Gottesgerüst, wer weiß es schon besser? Das ist Abgötterei! Herr Latzel hat völlig recht.
War Jesus political correct als er über die Pharisäer herzog und das Unwesen, das sich eingeschlichen hatte wie der Dieb bei Nacht, war er angepasst? War Gideon political correct als er nachts die Götzentempel niederriss? Er erscheint in der Bibel, weil er in der Nachfolge konsequent war, beispielhaft, lehrhaft, trotz der vorherzusehenden persönlichen Nachteile. Wäre Jesus je gehört worden, wenn er diplomatisch und political correct gepredigt hätte? Die evangelische Kirche steht nicht zu Jesus, nicht zu Gott – Herr Latzel hat auch hier recht: Wer wagt von diesen Kirchenvertretern in einer Talk Show noch das Wort Jesus in den Mund zu nehmen? Sie folgen dem politischen Mainstream, den sozialen Erwartungen, dem sozialen Druck, aber nicht dem Wort und nicht Jesus.
Lieber Luther, den Medienvertretern und -tätern kann man das noch nachsehen, sie wissen es nicht besser und wenn es arglistig ist, was sie tun, wird auch das kurze Beine haben. Da bin ich voll Vertrauen. An die Kirchenvertreter muss man einen strengeren Maßstab anlegen. Wie scheinheilig bereiten sie, lieber Luther, dein Jubliäum vor, reden von Lutherdekade: Sie haben auch nach 500 Jahren noch nicht begriffen, um was es dir eigentlich ging, wieso sie eigentlich evangelisch und nicht katholisch oder buddhistisch oder hinduistisch oder jüdisch oder Moslime sind. Sie schämen sich deiner und wollen nicht für das einstehen, für das du gekämpft hast. Sie haben nicht kapiert, dass du dich auf das Wort zurückgezogen hast, dass für dich nur das Wort gegolten hat, ohne Rücksicht auf Politik oder Political Correctness, scheuen sich aber nicht, "Am Anfang war das Wort" auf ihre Lutherdekadenfeierfähnchen zu schreiben. Für dich hat nur das Wort gezählt und dafür bist du mit allen Konsequenzen eingestanden. Deshalb bist du für viele, die jetzt dein Jubiläum zelebrieren sollen, eher peinlich. So wie Pfarrer Latzel. Sie merken nicht, dass die eigentlich Peinlichen eigentlich sie selbst sind. Sie, die Gott im Mund führen, Jesus am liebsten verschweigen und für nichts eintreten, am wenigsten für das Wort, so wie es in der Bibel steht. Diese Kirche mit solchen Vertretern ist dem Untergang geweiht und das mit Recht. Sie ist nur noch ein leeres Gebäude, ein lahmer Kleppergaul, dem jegliche inhaltliche Substanz fehlt und auch jedes Zutrauen zum eigenen Glauben.
Lieber Luther, Gott ist mit denen, die für sein Wort einstehen. So wie Pfarrer Latzel. Es gibt nur wenige von der Sorte, aber dass er Schlagzeilen macht, ist – so paradox es klingt und wie persönlich schwer es für ihn sein mag - ein Hoffnungsschimmer. Denn, lieber Luther, er hat geschafft, was der ganzen Kirchenprominenz – abgesehen vom Götzen-Dienst an der eigenen Eitelkeit – nicht gelungen ist: Er hat geschafft, dass über den evangelischen Glauben in der Öffentlichkeit diskutiert wird, dass er plötzlich wieder ein Thema ist. Es bleibt zu hoffen, dass es eine Glaubensdiskussion wird, eine Diskussion, ein Ringen um das Wort, kein Religionskrieg, den die Schreiberlinge schon ausgerufen haben. Es sind die schreibenden Täter, die Pfarrer Latzels Predigt zu einer Hasspredigt machen, sie sind die Hassprediger, die Sturm säen. Die Intention und das, was wirklich von Pfarrer Latzel gesagt wurde, hat mit dem, was jetzt daraus gemacht wird, rein nichts zu tun. Die Predigten von Pfarrer Latzel hätte auch ich halten können. Es geht nicht um Kirche, es geht nicht um Politik, es geht schon gar nicht um Hasspredigten, es geht um Gottes Wort allein! Pfarrer wie Olaf Latzel ermutigen mich, weil ich plötzlich weiß, ich stehe nicht allein, wo mich – und nicht nur mich - die evangelische Kirche seit Jahrzehnten, alleine lässt. Ohne Pfarrer Latzel hätte ich das bis jetzt nicht gewusst. Für mich ist er eine Mutmachgeschichte! Endlich mal ein Pfarrer der Farbe bekennt! Endlich ein Pfarrer der die Bibel im Zusammenhang versteht! Es höre sich jeder, bevor er anfängt zu hetzen, seine Predigten Wort für Wort an, sie sind auf Youtube zugänglich:
Herzliche Grüße
Deborrah

Samstag, 24. Januar 2015

Klarheit

Lieber Luther,
der Schlüssel zu dem Predigttext dieser Woche, die Verklärung Jesu in der Version bei Matthäus (Mt 17, 1-9) steht eigentlich in der Bibel schon ein Kapitel vorher:
Denn es wird geschehen, dass des Menschen Sohn komme in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln (Mt 16, 27).
Nach sechs Tagen nahm Jesus die 3 Jünger, die ihm am Nächsten waren – Petrus, Jakobus und Johannes – mit sich auf einen hohen Berg. Immer wieder kommt der "hohe Berg" als Bild in der Bibel vor. Gott wohnt in der Höhe. Mose hat mit Gott auf einem hohen Berg geredet, Elia ist vor seinen Verfolgern ins Gebirge geflohen, ebenso David. Wenn in der Bibel von Abgöttern die Rede ist, wird meistens gesagt: Ihr betet auf den Höhen zu Baal & Co., tut sie ab von den Höhen, denn – das ist implizit gemeint – allein Gott ist in der Höhe, Gott ist die Höhe. Dieser Platz gehört nur ihm. Gott kam vom Mittag und der Heilige vom Gebirge Pharan. Seines Lobes war der Himmel voll, und seiner Ehre war die Erde voll. Sein Glanz war wie ein Licht; Strahlen gingen aus von seinen Händen; darin war verborgen seine Macht (Hab 3, 3)
Jesus stieg nach sechs Tagen mit den Jüngern auf den Berg, auf dem Gott ihn mit seinem Licht erleuchtete. Auch auf Moses Angesicht hat Gott seinen Glanz gelegt (2.Mose 34, 29), auch nachdem er auf einem hohen Berg, dem Berg Sinai, mit ihm geredet und ihm sein Wort gegeben hat: Den hört, diese beiden hört. Beides beschreibt einen hohen göttlichen Legitimationsakt. Paulus Polemik gegen Mose ist völlig unberechtigt, undemütig, arrogant und selbstherrlich angesichts solch göttlich-herrlichem Geschehen (2.Kor 3, 13-14), Jesus würde Mose, den Freund Gottes (2.Mo 33,11) nie so abgewertet haben. Nicht ein einziges abwertendes Wort ist von ihm über Mose übermittelt. Aber das nur am Rande.
Über die Zahl sechs habe ich dir, lieber Luther, erst kürzlich geschrieben, ich brauche hier nicht alles wiederholen. Dass das weiße Kleid auf Jesus nach sechs Tagen fällt ist konsistent: Die Sieben steht für die Vollendung, für das reine weiße Kleid, das denen angetan wird, die Gott in seinem neuen Jerusalem sammelt: Und der siebte Engel posaunte: und es wurden große Stimmen im Himmel, die sprachen: Es sind die Reiche der Welt unsers HERRN und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit (Offb 11, 15). Jesus zieht in die Heilige Stadt ein, in das Neue Jerusalem. Deshalb war es so hell. Als er später in das alte Jerusalem einzog, war es nur laut. Er hat seine Meisterprüfung bestanden! Das heißt "Verklärung". Er zieht in das Neue Jerusalem ein und wir, ja wir sind aufgefordert, nachzufolgen, irgendwann, wenn unsere Zeit da ist. Er ist derjenige, der uns als Erster vorangeht, uns zeigt, was auch für uns sein wird.
Die Jünger sehen Gottes Herrlichkeit nicht, sie sind noch nicht im Neuen Jerusalem angekommen. Sie sehen nur den Abglanz. Sie sind voll des Schlafes (Lk 9, 32), wie später in Gethsemane. Was geschieht, ist für die Jünger und Jesu Nachfolger nicht in Jesu Klarheit zu sehen, hören und zu erfahren.
Hier ist Wohlsein, soviel begreifen sie, und wollen für Mose, Elia und Jesus je eine Hütte bauen. Intuitiv spüren sie, dass sie hier an etwas Großartigem teilhaftig werden, an etwas, das ihr Verstehen übersteigt. Sie spüren: Hier ist Wohlsein, hier will ich bleiben, hier will ich meine Wohnung und mein Haus bauen.
Und ich hörte eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein (Offb 21, 3). Gott hat seine Hütte in Jesus aufgerichtet: Eine lichte Wolke überschattet sie und eine Stimme kommt aus der Wolke, die sagt: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören! (Mt 17,5). Eine andere Hütte muss nicht aufgerichtet werden. Das ist mein lieber Sohn: Das ist die Hütte, das ist die Wohnung.
Die Jünger erschraken, fielen auf ihr Angesicht. Gottes Herrlichkeit übersteigt jedes menschliche Verstehen, das Unbegreifliche schürt Ängste. Jesus rührte sie an und sprach: Fürchtet euch nicht. … und siehe, es kam einer in des Himmels Wolken wie eines Menschen Sohn bis zu dem Alten und ward vor ihn gebracht. Der gab ihm Gewalt, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen sollten. Seine Gewalt ist ewig, die nicht vergeht, und sein Königreich hat kein Ende. Ich, Daniel, entsetzte mich davor, und solches Gesicht erschreckte mich (Dan 7, 13-15). Der Mensch kann sich Gott nur begrenzt aussetzen.
Das ist mein Lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe: Und als ich mich umwandte sah ich .. einen, der war eines Menschen Sohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und begürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee … und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne. Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie ein Toter; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! (Offb 1, 12-17).
Er rührte ihn an und sage: Fürchte dich nicht! Sein Kleid war weiß wie Schnee, dass kein Färber auf Erden kann so weiß machen (Mk 9, 3). Fürchtet euch nicht! Denn: Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, sei von dir. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben; und sie haben es angenommen und erkannt wahrhaftig, dass sie glauben, dass du mich gesandt hast. Ich bitte nicht für die Welt, sondern für die, die mir gegeben sind; denn sie sind dein. Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verklärt. Und ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt (Joh 17, 7-11).
Auch bei Jesu Taufe kam dieses Wort aus dem Himmel: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe (Mt 3, 13). Seither war aber schon vieles geschehen, Jesus hat gelehrt, Gottes Wort durch Jesus war geschehen, Jesu Meisterschaft des Wortes, deshalb heißt es jetzt: Den sollt ihr hören, den Prediger!
Lieber Luther, was zeigt uns das alles? Hört! Hört Jesus zu. Folgt nach, werdet zur Hütte, werdet zur Wohnung Gottes wie Jesus. Wo Gottes Wohlgefallen ist, ist unser Wohlsein. Selbst wenn ihr es nicht verstehen, unverständig seid wie die Jünger. Lasst euch anrühren von Jesus, fürchtet euch nicht, hört den, der euch vorangegangen ist, folgt nach, strebt nach dem weißen Kleid. Hört den Prediger, was er gesagt hat, führt zur Klarheit, verklart ihn in uns.  Das Neue Jerusalem ist dort, wo Jesus mit seiner Klarheit in uns ist, wo er in uns verklärt ist. Lasst euch von Jesus anrühren!
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 18. Januar 2015

Wein-Geist-Schöpfer

Lieber Luther,
über die Hochzeit von Kanaan habe ich dir schon einmal vor zwei Jahren geschrieben. Verstehen entwickelt sich und so sind mir beim Lesen des Textes Dinge aufgefallen, die ich vor zwei Jahren noch nicht verstanden habe. Ich habe viel zu sehr an der Oberfläche gelesen. Ich beschränke mich deshalb auf die Teile, die ich bisher übersehen habe. Es geht um die alte und neue Weise der Reinigung, es geht um Wasser und Wein, um den Speisemeister, um die Hochzeit, den Bräutigam und vor allem um die richtige Reihenfolge.
Ausgangspunkt sind 6 steinerne Wasserkrüge, gesetzt nach der Weise der jüdischen Reinigung.  6 Tage hat Gott gearbeitet, um das Leben in die Welt zu setzen, jeden Tag Leben geschöpft. 66 Seelen flüchteten mit Jakob nach Ägypten (1.Mo 46, 26). Nach 6 Tagen nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes, führte sie auf einen Berg und eine Stimme aus derWolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören (Mt 17, 1-5). Jesus kam, als er müde war von der Reise, um die 6. Stunde am Jakobsbrunnen an (Joh 4, 6). In der 6. Stunde wurde die Welt finster, als Jesus am Kreuz hing (Lk 23, 44). Die Zahl 6 markiert das Ende und gleichzeitig einen neuen Anfang. Es ist der Vorabend zum 7.Tag, dem Tag der Vollendung.  Zuvor stehen aber 3 Sechsen: 666, der Inbegriff des Bösen, des Anfechters. Dessen Anfechtung muss erst durchlitten werden, ehe man zur Vollendung durchbricht. Auch Jesus musste das. Er schwitzte Blut und Wasser bis er angesichts seiner Leiden sagen konnte: Vater, nach deinem Willen.
Es standen 6 Wasserkrüge bereit in verschiedenem Maß, gesetzt nach der Weise der jüdischen Reinigung. Jesus verändert den Inhalt der Krüge. Er reinigt anders als bisher gereinigt wurde. Er füllt die Krüge mit seinem Wein. Oder:  Niemand fasst Most in alte Schläuche; sonst zerreißt der Most die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche kommen um. Sondern man soll Most in neue Schläuche fassen (Mk 2,22). Beides meint das gleiche: Jesus bringt etwas Neues. Bei Johannes füllt er das Neue in alte rituelle Krüge, bei Markus in neue Schläuche. Das heißt: Egal ob in alter Form oder neuer Form, der Inhalt machts, der Wein.
Wein gehört von alters her zu den heiligen Speisen, wie Semmelmehl, Öl und Weihrauch (1. Chr 9 , 29). Jeremia beweint, dass die Säuglinge und Unmündigen auf den Gassen verschmachten wie die tödlich Verwundeten, dass sie in den Armen ihrer Mutter  den Geist aufgeben, sie fragend, wo ist Brot und Wein? (KL 2, 11-12). Ja, Vater und Mutter, wo ist Brot und Wein, wieso habt ihr das Land so zugerichtet, dass wir im Elend sind? Wieso enthaltet ihr uns Gottes Geist vor?
Ohne Gottes  Brot und Wein verhungert der Mensch. Jesus sagt, ich bin das Brot. Der Wein steht für Gottes Geist. Wein-Geist. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist vergessen worden. Deshalb teilt Jesus Brot und Wein mit seinen Jüngern im letzten Abendmahl:  Das Brot steht für ihn, der Wein für den Geist Gottes. Das tut, damit ihr nicht vergesst, was ich zu euch gesagt habe.  Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, sagt Jesus, bringt Frucht an meinem Weinstock, sonst wird euch der Wein knapp. Wenn die Zeit des Kelterns kommt, wird sich zeigen, ob ihr guten oder sauren Wein bringt: Jesus wurde am Kreuz mit saurem Wein, mit Essig, getränkt.
Der barmherzige Samariter gießt Öl und Wein in die Wunde dessen, der von Jerusalem ausging und unter die Mörder fiel (Luk 10, 34). (Salb-)Öl und Wein heilen alle Wunden, wo immer man sie einsetzt, auch wenn der Wein zunächst nach saurem Wein schmeckt. Gottes saurer Wein klärt uns, verhilft uns zum richtigen Geschmack, verhindert, dass wir uns im Geschmack irren. Essig hat große Reinigungskraft, das weiß jeder, der putzt.
So sage nun dies Wort: So spricht der HERR, der Gott Israels: Es sollen alle Krüge mit Wein gefüllt werden. So werden sie zu dir sagen: Wer weiß das nicht, dass man alle Krüge mit Wein füllen soll? Siehe, ich will alle, die in diesem Lande wohnen, die Könige, die auf dem Stuhl Davids sitzen, die Priester und Propheten und alle Einwohner zu Jerusalem füllen, dass sie trunken werden sollen und will sie zerstreuen, weder schonen noch übersehen, noch barmherzig sein über ihrem Verderben. So hört nun und merket auf und trotzt nicht; denn der HERR hat's geredet (Jer 13,  12-15). Auch so kann die Fülle von Gottes Wort klingen. Gott will in alle Krüge Wein füllen. Ihr musst das nur erst kapieren. In der Fülle, versteht ihr das nie. Deshalb fürchtet euch nicht. Gottes Geist ist mit euch, auch wenn der Wein gerade sauer schmeckt. Wenn ihr müde seid und in der Wüste nicht mehr weiter wisst, wird Gott da sein und euch seinen rettenden Weinkelch reichen, wenn ihr ihn nehmt, wird er euch mit seinem Geist erfüllen (2.Sam 16, 2). Er lässt euch nicht verdursten, wenn ihr nicht freiwillig verdurstet.
Die sechs rituellen Wasserkrüge stehen für den Menschen. Der Mensch, als Gefäß, von Gott dafür gedacht, Gottes Wort auf- und anzunehmen, angefüllt zu werden mit Gottes süßem oder saurem Wein, beiderlei Gottes Geist. Jesus hat die Macht, das Wasser in den Krügen zu wandeln, allein mit seinem Wort, er kann mit Gottes süßem Wein erfüllen. Nicht alle Krüge haben die gleiche Größe. Die einen sind größer dimensioniert, es gibt welche, die weniger Inhalt aufnehmen können und maßlose. Sie haben keinerlei Krug. Das Quantum, das jeder bereitstellt, ist unterschiedlich.
Jesus sagt: Schöpft! Er sagt es zu den Dienern, seinen Dienern: schöpft von Gottes Geist, schöpft Gottes Wort krügeweise in euch hinein und behaltet es. Werdet Behältnisse meines Wortes. Schöpft von mir. Ich mache euch selbst zu Behältnissen eurer Reinigung. Ich reinige mit Wein, nicht mit Wasser. Mein Wort in euch. Wenn ihr von meinem Wasser schöpft, werde ich daraus Wein machen. Wir sind angesprochen. Schöpft! Gott hat das Leben für euch geschöpft, schöpft mein Wasser, dann schöpfe ich euch für Gottes Geist. Ich bringe guten Wein, auch wenn er nach Wasser aussieht. Jesus, der Gottes-Geist-Schöpfer.
Am Speisemeister geht das alles vorbei. Er versteht in seiner abgehobenen Position nicht, wo dieser besondere Wein herkommt. Die Diener wissen es. Der Speisemeister ist zwar formal Meister seines Faches, der Chef, aber trotzdem ahnungslos und ohne Wissen. Er soll den Wein servieren, ihn zu den Hochzeitsgästen bringen, die davon kosten sollen, versteht aber gar nichts. Anstatt sich zu wundern, wo der Wein herkommt und nachzufragen und sich zu bedanken, ruft er den Bräutigam und belehrt ihn: Den guten Wein serviert man zuerst und den geringeren, wenn die Gäste betrunken sind, dann merken sie nicht, dass du sie mit billigem Fusel (oder Gefasel) abfüllst.
Du hast den guten Wein bisher behalten, beschwert sich der Speisemeister beim Bräutigam. Heißt: lieber Gott, du handelst in der falschen Reihenfolge. Erst kommt das Gute. Wenn die Menschen dann vom Guten berauscht sind, merken sie nichts mehr und wissen nicht, woher der Kater kommt, wenn sie am Morgen aufwachen. Sie bemerken die Moggelpackung gar nicht, wissen nicht, dass ich der böse Bube war, der sie mit Billigem krank gemacht hat, nachdem ich ihnen mit ein paar guten Schlucken aus der Pulle die Sinne vernebelt habe.  Meine Reihenfolge ist genau umgekehrt wie deine, lieber Bräutigam. Das ist 3 mal die 6: 666, das ist der Versucher, der so handelt und spricht.
Gott lässt sich die Reihenfolge nicht vorschreiben. Erst muss man sich der Mühe des Schöpfens unterziehen und dann vertrauen, dass Gott aus dem geschöpften Wasser Wein macht. Gottes Geist wandelt Wasser in Wein. In dem Geist hat auch Jesus das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern gefeiert. Vergesst es ja nicht. Wein ohne Geist, ist nichts als Wasser mit Beigeschmack. Der Geist macht den Unterschied. Jesus macht den Unterschied. Insofern hatte der Speisemeister recht, wenn er zum Bräutigam sagt: Du hast den guten Wein bisher behalten. Ja, aber nun ist er in der Welt. Der gute Wein ist da. Jesus bringt den guten Wein. Er kommt und bringt den Wein wann er will, er lässt sich das von keinem Speisemeister der Welt vorschreiben, auch von keiner Mutter. Die Hochzeitsordnung bestimmt er, nicht der Zermonienmeister.
Auf welcher Hochzeit befinden wir uns eigentlich? Das Himmelreich ist gleich einem König, der seinem Sohn Hochzeit macht (Mt 22, 2-3). Nur die klugen Jungfrauen sind bereit, wenn der Bräutigam klopft, um mit ihm Hochzeit zu machen (Mt 25, 10). Das ist wie mit dem Schöpfen: Gott schöpft uns, wir schöpfen Wasser, Jesu Wort schöpft uns für Gott. Am Ende eine einig geschöpfte Hochzeitsgesellschaft.
Jesus ist bereitet, er ist auf der Hochzeit, bereit Wein in Wasser zu verwandeln. Was er euch sagt, das tut, ermahnt Jesu Mutter. Die Diener befolgen den Rat und Wasser wird zu Wein. Wir befinden uns in Ka'naan, d.h. der Niederung und dem Ort der Demut. Demütig sind aber nur die Diener, die dem Wort Jesu folgen, demütig ist auch Jesus in den Niederungen dieser Welt. Allein der Speisemeister ist unwissend, anmaßend und überheblich, sich seines Status bewusst und doch nur Statist.
Der Bräutigam, lieber Luther, nimmt es zur Kenntnis, er antwortet dem Speisemeister nicht. Auch Jesus, der Wein-Geist-Schöpfer nicht. Beredtes Schweigen. Noch ein Schlückchen Wein kann nicht schaden.
Herzliche Grüße
Deborrah