Lieber Luther

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Montag, 13. April 2015

Vaterunser (6) - Und vergib JEDERMANNs Schuld (2)

Lieber Luther,
die Entdeckung der Bildlichkeit in 1.Mose 4, 17-25, von der ich dir gestern geschrieben habe, hat mich nicht ruhen lassen. Das was da erzählt ist, hat schon eine Vorgeschichte. Also muss ich auch die Vorgeschichte mit neuen Augen betrachten. Mein Thema gerade, das Vaterunser,
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsren Schuldigern,
hat ihre Wurzeln ganz am Anfang. Wir müssen also noch einen Schritt zurück gehen.
Ich habe mich schon verschiedentlich mit der Schöpfungsgeschichte, mit Teilen daraus, beschäftigt. Man spricht von der 1. Schöpfungsgeschichte (den 7 Tagen an denen Gott die Welt erschuf) und der 2. Schöpfungsgeschichte, die Paradiesgeschichte. Gestern ist mir aufgegangen, dass das nicht 1. und 2. Schöpfungsgeschichte ist, sondern EINE Schöpfungsgeschichte, bis man anfängt auf der Erde den Namen des HERRN zu predigen.
Gott erschuf Himmel und Erde und auf der Erde war es finster (1.Mose 1). Gott bringt nach und nach, an jedem neuen Tag, durch sein WORT (.. und Gott sprach..), durch seine Stimme, erst sein Licht, dann LEBEN in die Welt. Es interessiert mich heute eigentlich nur der rote Faden, rund um die Erschaffung des Menschen und die ganze damit verbundene Dramatik, für beide, Gott und Mensch, und was es da anders zu lesen gilt, als bisher.
Am sechsten Tag sagte Gott: Lass uns adama machen, Ackerboden, fruchtbaren Boden, Menschen Söhne (das Wort adama wird so in der Bibel auch gebraucht), die mir gleich sind, mir zum Bilde. Er sagt, lass den Erdboden fruchtbar für mich werden. Er macht sich im Menschen die Erde untertan und macht sich damit zum Herrscher über die Erde.
Er erschuf sein Bild, und jetzt muss man genau sei, männlich, eigentlich männliches Tier, als Widder (d.h. männliches SCHAF) und weiblich, vom hebräischen Wortstamm her, aber als Festsetzer, Bestimmer, einen der das Sagen hat auf Erden. Er sagt, herrscht über alle Tiere, stampft das Gewürm nieder, tretet die Kelter. Gott hat den Menschen mit einem Auftrag versehen: Tretet alles Gewürm (= Schlangen) nieder und richtet über sie (tretet die Kelter), seid der HERRscher. Gott in Menschenhülle.
Aber adama, der Erdboden, will bearbeitet sein, sonst ist er nicht fruchtbar. Um ein fruchtbarer Arbeiter auf Gottes Acker zu werden, bedarf es Gottes Atemhauch. Gott hat den Menschen wie sich geschaffen, ihm also auch einen Willen gegeben. So haucht er seinem Schaf und Bestimmer seinen LEBENshauch, seinen Geist ein, damit der Mensch auch fruchtbar für ihn wird, weiß, wie und was er zu bestimmen hat . Der Mensch ist aus Staub gemacht. Es kann kostbarer Goldstaub sein, aber auch lose Erde, Schutt. Alles ist dabei (1.Mose 2):
Gott macht den Menschen durch seinen Atemhauch zu einem selbst atmenden Menschen, einem der eigenen Atem schöpft, zu einem selbständigen Menschen, der eigenes Verlangen, eigene Wünsche und – einen eigenen Willen hat. Das ist, was mit "lebende" Seele, gemeint ist, eine die nicht tot ist, nicht krank, Gottes Atemhauch in sich spürt, der Mensch ausgerichtet auf Gott. Auch ein Leichnam, der tote Körper, hat napas. Erst der Atemhauch Gottes macht ihn zu einem (ewig) lebenden LEBEN. Gottes Schöpfung birgt beide Möglichkeiten: das Leben und den Tod.
Gott weiß um die Zwiespältigkeit dieses von ihm geschaffenen Menschen. Es ist einzwiespältiges Schwert von Anfang an. Die vom lebenden Gottesmenschen beseelte Erde wird zum Garten, in dem alles gedeiht und jeder in Frieden miteinander lebt. Im Mittelpunkt, das Zentrum, ist das LEBEN, der Baum des Lebens. Es gibt keinen Tod. Aber, daneben steht der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, des Negativen.
Gott warnt den Menschen. Höre auf mich, du darfst von allen Früchten des Gartens essen, aber nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Gott erkennt: Es ist nicht gut, wenn adam, der Gottesmensch, so auf sich allein gestellt ist. Ich muss ihm rettend beistehen, einen schicken, der Gott bei ihm anzeigt, damit er ihn hört, damit er adam bleibt, der aus dem fruchtbaren Boden kommt. Deshalb steht im Hüter-Psalm: Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat (Ps 121, 2). Adam hat für alles Namen gefunden, aber für sein Gegenüber, für den, der sich in seinem NAMEN offenbart, hat er keinen Namen gefunden. Adam findet keinen Namen für seinen Schöpfer, in dem er sich offenbaren kann.
Gott lässt Adam einschlafen und baut auf einen neuen Menschen, den Jemand, der auch mit weniger auskommt. Gott nimmt – übersetzt ist falsch "Rippe" - zela vom Gottesmenschen, er nimmt eine Seite (Jesus wird am Kreuz eine Seite aufgeschlitzt), einen tragenden Balken, eine Lehne und erbaut den Jeder-Mann, den is, was auch "jeder" heißt, und in der weiblichen Form "jede", Mann und Männin ist übersetzt. Gott baut einen "Jeder", der nur ein Teil vom Gottesmenschen ist. Die Stelle der (ewig) tragenden Säule des Gottesmenschen (der falsch übersetzten Rippe), nimmt jetzt das Fleisch ein, die Vergänglichkeit.
Adam erkennt das nicht. Als Gott ihm den neu geschaffenen, reduzierten Jedermann bringt, ist er hocherfreut. Der Jedermann erhebt zum ersten Mal seine Stimme. Zum ersten Mal macht mich dieser Schritt stark, sagt er. Der Wortstamm von "Gebein" ist azam, stark sein. Von MEINEM Gebein, von MEINER Stärke ist er, der Jedermann, gekommen. Der Gottesmensch ist zu einem Jedermann geworden, der seine Stärke in sich selbst sucht, nicht im HERRN, seinem Schöpfer.
Deshalb ist es auch nur logisch, was dann kommt: Deshalb wird der Jeder Vater und Mutter, den Lebenserzeuger und die Lebensspenderin, lassen, sich anderen Jedermanns anschließen und mit ihnen zu einem Fleisch werden, das heißt gemeinsam zu einem Vergänglichen werden. Hier wird nicht, wie fälschlicherweise gelehrt wird, die Ehe gestiftet, sondern ganz im Gegenteil der Ehebruch mit Gott beschrieben. Der Mensch vertraut auf sich selbst anstatt auf Gott. Der Mensch entblößt sich vor Gott, erkennt aber gar nicht dass er sich entblößt hat und schämt sich deshalb nicht. Noch hat er kein Bewusstsein von Gut und Böse.
Das kommt aber im Weiteren (1.Mose 3). Der Mensch hört nicht, die Begierde, das Verlangen, der eigene Wille ist lauter als die Stimme des Schöpfers. Der Mensch macht sie zum Herr über die Schöpfung aus eigenem Willen, aus Eigenwillen. Er hat sich von Gott, seinem HERRN, abgewandt, der Verführung nachgegeben, macht sich zum eigenen Herrn, hört nicht von Anfang an. Die Jedermann-Frau, Eva, wird zur neuen Lebensspenderin, ersetzt den Urquell allen Lebens. Die Schuldfrage wird – wie es bei Jedermanns so ist – hin und hergeschoben: Ich war es nicht, es war der andere: Adam schiebt es auf Eva, Eva auf die Schlange. Keiner will es gewesen sein. So ist es auch heute noch. Aber Gott sieht tiefer. Er weist die Jedermanns aus dem Paradies, aus der Sorgenfreiheit. Der Mensch hat nicht gehört und muss die Konsequenz tragen, er erkennt und tut Gutes und Böses.
Gott verlässt den Menschen aber nicht, er begleitet ihn auch in seinem sorgenvollen und beschwerlichen Leben (1.Mose 4). Jedermann hat auch einen Teil von Adam, dem Gottesmenschen. Eva gebiert einen Jedermann, sie sagt: Ich habe einen Jederman (is) erworben mit dem HERRN. Sie hat nicht nur das Böse erkannt, als sie vom Baum der Erkenntnis des Bösen und Guten gegessen hat, sondern auch das Gute. Damit wird sie auch zur Hilfe für den HERRN, seinen NAMEN zu bewahren. Der Bruder des Erworbenen heißt "Atemhauch Gottes". Der eine wird Ackerbauer, der andere Schafhirte. Beides sind Arbeiter im Dienst Gottes. Bilder, die von nun an das dem HERRN-Dienen beschreiben. Jesus greift sie immer wieder in seinen Gleichnissen auf.
Aber der Mensch hat aus Begierde das Böse in sich entfacht. Selbst diejenigen, die auf Gottes Acker arbeiten und seine Schafe hüten, bleiben davon nicht verschont. Gott scheint Abel, den Atemhauch Gottes, den Schafhirten, vorzuziehen. Das äußere Opferzeichen zählt für Kain, der Rauch, der zum Himmel steigt oder nicht. Er lässt sich von der Äußerlichkeit verführen. Gott sagt: Wieso bist du zornig und missgünstig? Wieso fällst du? Es gibt keinen Grund. Sei unbesorgt. Wenn, was du tust, gut ist, erhebt es sich zu mir, unabhängig von äußeren Zeichen. Wenn du aber nicht recht tust, bietest du der Verfehlung ein Einfallstor. Darauf wartet der Verführer, die Schlange, nur, du sollst aber über sie herrschen. Das ist dein Auftrag. Jedoch, der Mensch hört nicht auf Gott, er hört auf den Verführer und so erschlägt Kain den Atemhauch Gottes, seine Stimme buchstäblich.
Kain will vor Gott seine Verfehlung vertuschen, aber vor Gott kann man nichts vertuschen. Gott vertreibt ihn von seinem Ackerboden. Er kann kein Arbeiter mehr in seinem Acker sein. Er hat Gottes Acker entheiligt, er hat nicht gehört, er hat sich widersetzt. Der Acker gibt ihm hinfort keine Kraft mehr, unstet und flüchtig sollst du – gottloser Mensch – sein. Kain fürchtet mehr die anderen Menschen als Gott, sie werden mich erschlagen, da ich eine weitere Last auf sie gebracht habe. Gott setzt sein Friedenszeichen als Mal auf Kains Stirn: Nein, kein Jedermann soll Hand an einen anderen Jedermann setzen, egal, was er getan hat, das würde sich 7fach für ihn rächen. Gott will kein Blutvergießen, das Leben steht für ihn im Mittelpunkt, nicht der Tod und nicht die Rache. Jede Rache ist für ihn ein Vergehen gegen ihn, gegen seinen Willen. Deshalb hat er sie so unter Strafe gestellt. So ging Kain weg vom angesicht des HERRN, bestraft und beschützt in der Bestrafung, und wohnte fortan im Land Nod, in der Heimatlosigkeit, im Elend, östlich von Eden, östlich von Gottes Sorglosigkeit.
Lieber Luther, wie es weitergeht, habe ich gestern schon geschrieben, über die Nachkommenschaft Kains. Die Geschichte von Kain und Abel liest sich wie ein zweiter Sündenfall. Immer die gleichen Verfehlungen, der Mensch hört nicht auf Gottes Wort, gibt Verführung und Begierde nach und klagt dann, wenn er sich im Land Nod wiederfindet.
Aber auch das ist die Botschaft: Gott gibt immer eine neue Chance. Wenn man weiter liest, gibt er auch der Nachkommenschaft Kains wiederum eine Chance, bei ihm Ackerbauer oder Hirte zu werden. So geht es weiter,die ganze Bibel hindurch. Der Mensch fehlt aber immer am eigenen Willen, an seiner Gehörlosigkeit, und Gott gibt ihm immer eine neue Chance. Er lässt den Menschen nicht. Bis hin zu Jesus. Jesus ist der Erste, der wieder zum Gottmenschen wird, zum Menschensohn, zum Ebenbild. Der Erste, der es schafft, nicht zu fehlen. Noch nicht einmal Adam hat das geschafft.
Und vergib uns unsere Schuld! Das muss ich nun, lieber Luther, alles erst einmal sacken lassen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Dienstag, 7. April 2015

Vaterunser (1) - Dein Name werde geheiligt

Lieber Luther,
wie gestern bereits geschrieben, sieht Jesus seine Mission darin, von der Wahrheit zu zeugen. Das hat er Pilatus geantwortet, als dieser ihn gefragt hat, ob er ein König sei. Das ist seinTestament. Unter der Wahrheit versteht er, unverrückbar für die Wahrheit und Wahrhaftigkeit Gottes zu stehen, seine Größe, Zuverlässigkeit und Treue zu seinem Volk. Er steht ein für seinen Vater, den allumspannenden Herrscher, den Anfang und das Ende im Wort und im Leben, den Ausgangs- und Endpunkt, den Kristallisationspunkt von allem, was vom Menschen denkbar ist. Das war sein Credo.
Lieber Luther, ich will heute weiter auf Spurensuche nach dem unverfälschten Jesus gehen, um irgendwann zum wahren Ostergeschehen durchzubrechen. Auf dem Weg dorthin gab es ja schon einige Überraschungen, auch heute, das kann ich dir schon jetzt versprechen.
Jesus Positionen sind eigentlich klar. In Gottes Reich werden diejenigen aufgenommen, die vor ihm demütig sind, ihn als den alleinigen Gott und Herrscher anerkennen. Davon habe ich gestern berichtet. Von diesem Verständnis abgeleitet, erklärt er den Jüngern, wie sie mit diesem Gott in Kontakt kommen können, indem sie beten.
Betet nicht wie die Heuchler, sagt er, die in den Gotteshäusern ((!) so steht es in der Interlinearübersetzung) und auf den öffentlichen Plätzen beten, die ihre Frömmigkeit zur öffentlichen Schau stellen. WAHRlich ich sage euch, sie habe ihren Lohn schon verspielt. Gehe zum Beten in dein innerstes Gemach, verschließe die Tür, und bete mit dem, der Sehend ist im Verborgenen. Bete und plappere nicht wie die Heiden, die meinen, ihres Wortschwalls wegen erhört zu werden. Beschränkt euch auf das Wesentliche, denn Gott weiß schon vorher, um was ihr bitten werdet (Mt 6, 5-15):
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute und
vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen,
denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.
Und es kommt noch ein erklärender Zusatz von enormer Wichtigkeit:
Denn so ihr den Menschen ihre Fehler vergebet,
so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.
Wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet,
so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben.
Vater unser. Von Gott spricht Jesus immer als seinen Vater, er ist für ihn der Vater. Irdische Bindungen spielen für ihn geistlich keine Rolle. Ganz im Gegenteil, sie stören. An einer Stelle sagt er sogar, du musst deine Familie hassen, damit sie dich von deiner Gotteszugewandtheit nicht ablenket oder gerade deswegen (Lk 14, 25-35). Sein Vater ist Gott. Sein irdischer Vater ist, im Gegensatz zu seiner Mutter und seinen Brüdern, in der Bibel so gut wie nicht existent. Das steht jedoch auf einem anderen Blatt und sei hier dahingestellt.
Jesus sagt: Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen und werde die Welt wieder verlassen und zum Vater gehen (Joh 16, 28). Der Vater als A&O, als der Anfang und das Ende, in dem sich alles kristallisiert und klärt. Es ist nicht nur sein Vater, es ist UNSER Vater. Wir sind darin Jesus gleich: Gehe aber hin zu meinen BRÜDERN, sagt er zu Maria von Magdala, und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott (Joh 20, 17). Was Jesus von seinem Vater sagt, gilt für jeden, der Gottwahrhaftig als seinen Vater ansieht und sucht.
Dein Name werde geheiligt: Denn ich will meinen großen Namen, der vor den Heiden entheiligt ist, den ihr unter ihnen entheiligt habt, heilig machen. Und die Heiden sollen erfahren, dass ich der HERR sei, spricht der HERR HERR, wenn ich mich vor ihnen an euch erzeige, dass ich heilig bin: Ich will euch aus den Ungläubigen holen, sammeln und in euer Land, mein Reich, führen. Ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Abgöttern will ich euch reinigen (Hes, 36, 23-25).
Auf Jesus gewendet heißt das: Gott heiligt sich durch Jesus. Er zeigt den Ungläubigen durch die Zeichen, die er durch ihn bewirkt, dass er der HERR ist. Er sprengt durch ihn reines Wasser auf uns, damit auch wir rein werden und unsere Abgötterei lassen. Jesus, der Hirte, sammelt uns, um uns in Gottes Reich zu führen. Gott wirkt in Jesus, sein Name wird durch ihn geheiligt und umgekehrt wird Jesus durch das Wirken Gottes in ihm geheiligt. Uns ist gezeigt, dass in Gott und in Jesus, in beider Namen, unser Heil ist.
Wie wir Gott heiligen? Ihr werdet das Himmelreich gewinnen, auch wenn die Menschen euren Namen nicht lieben , sie euch ausschließen, schmähen und euren Namen verwerfen, weil ihr für den Namen Gottes eintretet. Freut euch an jenem Tag und hüpft. Denn euer Lohn im Himmel ist groß, nehmt auch die Propheten zum Beispiel, ihnen haben sie es genauso gemacht (Lk 6, 22-23). Tut es mir nach, scheint Jesus zu sagen, meinen Namen werden sie auch verwerfen, ich gehe voran und zeige euch, was es heißt, Gottes Namen zu heiligen.
Dein Reich komme, dein Wortreich. Es heißt, Gottes Reich komme in uns. Alles in uns trete zurück vor seinem Wort. Alles werde leer in uns, dass sein Wort in uns einfließen kann, dass es seinen Platz in uns einnehmen kann. Dein Reich komme heißt, Gott, mache Platz in mir für dich, lass dein Wort in mich einfließen. Jesus lässt alles andere in sich zurücktreten, um Gottes Wort in seiner ganzen Größe in sich Raum zu schaffen. Alles andere interessiert ihn nicht. Er sagt: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für seine Schafe (Joh 10, 11).
Beim Nachlesen, habe ich eine kleine Überraschung erlebt. Was mit lässt sein "Leben" übersetzt ist, heißt nämlich im Griechischen "psyche". Wie falsch das interpretiert wird, habe ich neulich schon geschrieben. Dein Reich komme heißt, für Jesus also: ich weiße den Schafen den Weg in den Schafstall, dafür gebe ich meine Stimme: Denn wenn er hat seine Schafe ausgelassen, geht er vor ihnen hin und die Schafe folgen ihm nach, denn sie kennen seine Stimme (Joh 10, 4). Es heißt also ganz und gar nicht, wie in der Regel interpretiert und gelehrt wird, er stirbt für die Schafe, ganz im Gegenteil, es heißt, er LEBT AUSSCHLIESSLICH FÜR die Schafe, er stellt sich voll in den Dienst Gottes, in sein Wort. Er sorgt für die Schafe (= Menschen), indem er ihnen das Wort bringt, verirrte Schafe (= Ungläubige) sucht und ihnen den Weg in den Schafstall (=Gottes Reich) weißt.
Das gibt, lieber Luther, vielem einen komplett anderen Sinn als das, was gelehrt und gepredigt wird. Es liegt Jesus fern, das Opferschaf zu sein. Er ist der Hirte der vorangeht, der mit seiner Stimme die Schafe zum Wort ruft und das - und nichts anderes - als seine Lebensaufgabe versteht, der alles andere hinter dieser Berufung zurückstellt. Die vielen Hirtengleichnisse Jesu sagen nichts anderes als: Unser Vater, dein Wortreich komme, ich rufe durch dein Wort deine Schafe, sammle sie unter deinem Wort, damit dein Name durch sie geheiligt werde und sie damit Anteil an dir gewinnen.
Lieber Luther, Jesu ganzes Leben steckt im Vaterunser. Es passt nicht in einen Blog. Morgen der nächste Teil der Spurensuche nach Jesus, der Suche nach dem, für was der Name Jesu wahrhaftig steht, was seine Grundüberzeugungen waren und ob das, was über ihn gelehrt wird, in seiner Lehre eine Grundlage findet oder in vielen Teilen eine Irrlehre ist.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 27. Juli 2014

David & Abigail - Speise in Fülle

Lieber Luther,
endlich komme ich dazu, dir zu schreiben, was ich eigentlich schon letzte Woche schreiben wollte, aber in den Rahmenbedingungen der Auseinandersetzung Davids mit dem Widersacher steckengeblieben bin. Es geht um eine der schönsten Stellen in der Bibel, die mich restlos begeistert. Wie meist an solchen Stellen, spielt dabei eine Frau eine entscheidende Rolle, es geht um David und Abigail (1.Samuel 25). Wenn man die Vorgeschichte nicht versteht, versteht man auch den Dialog zwischen David und Abigail nicht, deshalb war erst die Beschäftigung mit den Rahmenbedingungen der Kerngeschichte notwendig.
Abigail war die Frau eines reichen, rücksichtslosen, geldgierigen, jähzornigen Mannes. Sie war – welcher Gegensatz - klug und schön. Die beiden waren wie Feuer und Wasser. Die Frauen waren damals, wie in manchen Gegenden der Welt immer noch, Handelsware, dem ausgeliefert, was Männer über sie bestimmten. Sie mussten ihr mangelndes Recht mit Klugheit ausgleichen. Oft sind sie die entscheidenden Stellschrauben Gottes zur Wende zum Guten. So auch Abigail.
David ist nicht damit einverstanden, wie Nadal die Menschen, die sein Eigentum sind, behandelt. Er will deshalb intervenieren. Die Lage droht zu eskalieren. Einer der Botschafter, die David schickt, um – vergebens - zu verhandeln, spricht – und das ist sehr außergewöhnlich für die damaligen Gesellschaftsstrukturen – auch mit seiner Frau. Er erklärt ihr die Hintergründe ihrer Mission und Davids Eintreten für die "Hirten". Der Gute Hirte ist das Bild für Jesus, Gott, der uns behütet, Hirten stehen für Menschen, die Gott nachfolgen und Menschen auf Gottes Wegen behüten. Deshalb werden auch Pfarrer als "Hirten" bezeichnet, obwohl sie manchmal auch zu den verlorenen Schafen zählen. Alles ist zusammengefasst in Psalm 23, dem Psalm Davids. Die Geschichte, um die es hier geht, erklärt Psalm 23 an einem praktischen Beispiel, an David selbst, der hier fast vom Hirten zu einem verlorenen Schaf wird.
Der geldgierige Nadal beutet die Menschen in seinem Herrschaftsgebiet unerbittlich aus und unterdrückt sie. Die Hirten versuchen zu lindern, wo sie lindern können, werden dafür aber von Nadal drangsaliert. David, der zusammen mit diesen Hirten die anvertrauten Schafe gehütet hat, will das nicht dulden und dagegen angehen. David tritt für diese Menschen ein, weil er ihnen danbar ist, dass sie gastfreundlich waren und ihm, dem von Saul Verfolgten und Flüchtling, Unterschlupf und Brot gewährt haben. Sie sind ihm und den Menschen, die mit ihm von einem Ort zum anderen flohen, "Mauern gewesen Tag und Nacht". Sie waren eine Zufluchtsstätte für sie. Jetzt, wo diese Menschen selbst in Not sind, will er eine Mauer und Zufluchtsstätte für diese Menschen sein. Ein Bund der Menschlichkeit und des füreinander Eintretens.
Abigail kann, wie David auch, nicht einfach die Hände in den Schoß legen und tatenlos dem Leid zusehen. Deshalb nimmt sie das in die Hand, was in der Symbolik der Bibel, Altem wie Neuem Testament, die Seite Gottes symbolisiert: Brot, Wein, Mehl Rosinenkuchen, gemacht aus der getrockneten Frucht des Weinstocks, sowie Feigenkuchen. Wo der Feigenbaum Frucht bringt, ist Gott. Jesus erzählt viele Gleichnisse von Feigenbaum, Weinstock und Weizenkorn. Alles Gewächse auf Gottes Acker. Symbole für Gottes Frucht, für Menschen, die Frucht bringen. Es ist also kein Zufall, dass Abigail diese Speisen in die Hand nimmt. Es gilt Hungrige zu sättigen.
Leider ist das Wissen um die Zahlensymbolik der Bibel weitgehend verloren gegangen. Einige Gelehrte versuchen, es wieder herzustellen. Die Liste der "Zutaten" Gottes, die Abigail, in die Hand nimmt, hat eine Bedeutung, deshalb die genaue Mengenangabe. Abigail nimmt z.B. 5 gekochte Schafe. Die Zahl 5 steht für die menschliche Bedürftigkeit und die göttliche Erlösung (s. Adolf Heller, Biblische Zahlensymbolik). Abigail nimmt im Bild der 5 gekochten Schafe die Bedürftigkeit der geknechteten, geschundenen, wehrlosen, weichgekochten Menschen unter der Willkürherrschaft ihres Mannes und lädt sie auf den lastbaren Esel. Wie später Maria und Joseph auf einem Esel vor Herodes fliehen, wie Jesus, der auf dem lastbaren Esel in Jerusalem einreitet, auf seinen Schultern das kommende Leid. Der Esel trägt das Leid der bedürftigen Menschen. Es würde sich sicher lohnen, den Sinn auch hinter den anderen Zahlen und Speisen ihrer Zutatenliste weiter zu ergründen, um die gesamte Botschaft zu entschlüsseln. Leider, liebe Luther, habe ich hier dazu weder Raum noch genügend Zeit.
Abigail macht sich also auf zu David und zwar – und das ist ungeheuerlich in damaliger Zeit – ohne Wissen ihres Mannes. Sie schickt die Boten voraus, "siehe ich komme hernach". David kommt ihr entgegen. Auch dazu gibt es Parallelen, etwa wenn Isaak Rebekka entgegen kommt. Das Entgegen-Gehen ist ein Aufeinander-Zugehen.
David sagt: Ich habe die Menschen, die deinem Mann gehören, umsonst in der Wüste behütet. Es war zu seinem Nutzen, er aber hat es mit Bösem vergolten. Gott wird es ihm entsprechend vergelten und, wenn der "lichte Morgen" anbricht, wird Gottes Licht nichts von ihm übriglassen, er wird nichts von dem Bösen vererben, das heißt alles "was männlich ist" wird nicht überleben. David ist bereit zu streiten und er denkt er streitet für Gott.
Abigail demütigt sich vor David, sie fällt zu seinen Füßen: Herr, mein sei die Missetat, höre deiner Magd zu. Setze dein Herz nicht gegen Nabal, denn er ist ein Narr, sein Name bezeugt es. Werde nicht selbst zum Narren. Ich habe verstanden, es ist Gottes Wille, dass du selbst nicht gekommen bist, sondern die Boten. Es geschah zu deinem Schutz, damit du nicht in Gefahr geraten bist, deine Hände mit Missetaten zu verunreinigen, dass du dir nicht mit eigener Hand hilfst, sondern auf Gottes Hand vertraust. Das ist so, "so wahr der HERR lebt und so wahr deine Seele lebt". Es ist Segen auf dem, was ich dir sage, damit du diesen Segen an die Menschen weitergeben kannst, die unter der Herrschaft meines Mannes leiden. Vergib mir, wenn du das als Anmaßung betrachtest. Aber ich weiß, dass der HERR dir dafür ein Haus bauen wird, das ewig besteht. Denn du führst die Kriege des HERRN, nicht deine eigenen Kriege. Es soll nichts Böses an dir gefunden werden, solange du lebst. Und wenn du Verfolgung erleidest, so wird dir nichts geschehen, denn du bist ein Gesegneter Gottes, deine Seele ist im kleinen "Bündlein" der immer Lebendigen Gottes geborgen. Gott wird deine Feinde von dir wegschleudern und dich zum Herzog (nicht König, das wird ein anderer) über Israel setzen. Ich bin gesandt, damit dein Fuß an keinen Stein stößt, du nicht stolperst und vom richtigen Weg abweichst und anstatt auf Gott auf dich selbst vertraust.
Welche Ansprache! Ohne Beispiel in der Bibel, dass eine Frau einen wie David, einen von Gott Gesalbten, so belehrt. Welche Friedensbotschaft! Abigail ist wie David eine Gesegnete, durch die Gott spricht, um David nicht vom richtigen Kurs abweichen zu lassen. Er selbst ist durch sein Ego blockiert, er braucht jemand, der ihm Anleitung gibt. Sie ist ihm ebenbürtig, von der gleichen Wurzel. David erkennt das sofort: Gelobt sei der HERR, der Gott Israel, der dich mir heute entgegen geschickt hat. Gesegnet seist du, dass du verhindert hast, dass ich von Gottes Weg abweiche und anstatt auf Gott auf mich selbst vertraue, dass ich selbst richte, anstatt Gott richten zu lassen. David nimmt demütig stellvertretend von "ihrer Hand" wie von Gottes Hand. Ziehe in Frieden, sagt er, ich gehorche dem, was du sagst. Ich sehe, dass du mir von Gott gesandt bist.
Zwangsläufig ist, was da kommt. Gottes Werk folgt dem Wort. Abigail kehrt zu ihrem Mann zurück, der sich an sich selbst und seinem Reichtum betrinkt. Nach 10 Tagen stirbt er. Zehn steht in der biblischen Zahlensymbolik u.a. für Verantwortlichkeit. Gott., nicht David, richtet. Das Böse, veranschaulicht durch den rücksichtslos weltliche Güter an sich raffenden, sich an sich selbst berauschenden und über Leichen gehenden Nadal, muss sich seiner Verantwortung vor Gott stellen. Irgendwie selbstverständlich ist, dass David nach Nadals Tod für Abigail sorgt und sie zur Frau nimmt. Abigail spielt als Person im Weiteren der Bibel keine Rolle mehr. Es geht in den Geschichten der Bibel nicht um die Person als Individuum an sich, es geht immer um ihre Rolle in der Vermittlung der Botschaft, die transportiert werden soll.
Die Botschaft dieser Geschichte ist: Gott sorgt für unseren Frieden, wenn wir zuhören, ohne Ansehen der Person, die Ohren aufmachen, die Botschaft hören, die einem gesagt ist, nicht irdischen Reichtümern nachrennen, nicht eigenen Gewinn maximieren, demütig sein, innehalten, wenn wir vom Weg abzuweichen drohen, nicht in unsere Hand nehmen, was in seine Hand gehört, nicht richten, sondern Gott richten lassen, Gott folgen, nicht dem Verführer in uns. Es geht in der Geschichte um die äußere und innere Verführung. Für die äußerliche Verführung steht Nadal: für die Rücksichtslosigkeit und Raffgier, die falschen Götter, denen wir nachlaufen. Die innere Verführung ist das Ego, das sich in den Vordergrund vor Gott stellt und David fast vom rechten Weg abweichen lässt. Aber nur fast. Gott weiß das zu verhindern. Das gelingt nur, weil David zuhört und Abigails Worten demütig auch in der Tat folgt. Die ganze Botschaft auch heute noch gültige Botschaft. Anwendbar jeden Tag.
Lieber Luther, was für eine Fülle in ein paar Bibelsätzen! Das Gute und das Böse, das Männliche und das Weibliche, der Friede und der Unfriede, Gott und der Verführer im Widerstreit. Was für eine wunderbare Geschichte! Alles in mir freut sich. Es ist einer der schönsten Bibelstellen überhaupt. Der Dialog zwischen David und Abigail ist, als ob Gott sich mit sich selbst unterhält und wir haben das unendliche Glück, zuhören zu dürfen. Brot und Wein in Fülle. Wie genährt dürfen wir in diesen Sonntag gehen!
Herzliche Grüße
Deborrah

Montag, 28. Januar 2013

Stecken und Stab


Lieber Luther,
mein Arbeitsversuch ist heute gescheitert, ich muss der Krankheit Zoll entbieten. Die Zeit habe ich genutzt, wieder einmal über Psalm 23 nachzudenken.
Es gibt dort eine Stelle, über die stolpere ich immer: „dein Stecken und Stab trösten mich“.
Was ist Stecken, was ist Stab und wieso tröstet der Stab und stützt nicht?
Das hat sich mir bisher nicht erschlossen. Zunächst einmal, was ist „Stecken“ und was ist „Stab“? Man muss weit zurückgehen, zu Mose und Aaron, um dem Stecken und dem Stab auf die Spur zu kommen.
Mose und Aaron hatten die Herkulesaufgabe, ein renitentes Volk aus Ägypten zu führen. Immer wieder wurden ihre Entscheidungen angezweifelt, fast hin bis zur Meuterei. Gott musste starke Zeichen schicken, um sein Volk auf Kurs zu halten und seinen Anführern zu Hilfe zu eilen.
Zwölf Stecken ließ er Mose zusammentragen, von jedem Fürsten seines Vaterhauses einen. Auf jeden Stecken schrieb er einen Namen. Den Stecken dessen, den Gott als Anführer auserwählt hat, wird ergrünen. So das Versprechen.
Grün wurde der Stecken Aarons. Vom „Aaronstab“ zu sprechen, stimmt deshalb nicht, es ist der Stecken Aarons, der grün wird. Der Stecken steht für Gottes Volk und der Name darauf, für den Auserwählten, der dieses Volk führen soll. Der Stecken steht für das Volk, das sich in Gottes Namen hinter dem Auserwählten versammelt, dessen Name auf dem Stecken steht.
Wie unter dem Stecken des Kreuzes, auf dem der Name „Jesus, König der Juden“ steht. Unter diesem Stecken und diesem Anführer versammeln wir uns heute noch.
Für was steht aber der Stab? Der Stab steht für die Zeichen, die Gott immer wieder wirkt, um sein ungläubiges Volk bei der Stange zu halten. „Und diesen Stab nimm in deine Hand, mit dem du die Zeichen tun sollst.“ (2.Mose 4,17). Mit diesem Stab schlug Mose den Fels. Er steht für die besondere Kraft, die Gott seinen auserwählten Knechten verleiht, damit sie Zeichen setzen können, die das Volk braucht und versteht.
Das Kreuz ist aus Stecken und Stab gebildet. Als Zeichen für Gottes Volk, sich dahinter zu versammeln und als Zeichen für die besondere Kraft, die von ihm ausgeht. Es ist eine Verortung von Gottes Volk, wo immer das Kreuz steht. Es ist eine Verheißung, dass dieser Stecken grünt, da auf ihm der Name Jesus Christus steht. Dieser Stecken und Stab gibt seinem Volk Trost und Halt, egal, in welchem mehr oder minder verwerflichen Zustand es sich gerade befindet.
Deshalb „dein Stecken und Stab trösten mich“. Egal wie unzulänglich und renitent ich auch bin, unter dieser Führung kann mir nichts passieren. Der gute Hirte wird mit seinem Hirtenstab auf mich aufpassen.
Lieber Luther, wie können wir da froh sein. Mit einem Seufzer der Erleichterung muss ich jetzt schließen. Ich muss morgen früh raus. Ich muss schon wieder fliegen, hoffentlich zerreißt es meinen erkälteten Kopf nicht.
Herzliche Grüße
Deborrah