Lieber Luther,
lang habe ich gezögert, ob ich dir zu Ostern schreiben soll. Wahrscheinlich setzte ich mich wieder einmal bei einer bestimmten Fraktion in die Nesseln. Ostern, ein Datum, das sich nach den Mondphasen richtet. Was sollen wir von diesem Fest, das die meisten heute nur noch als Familienfest oder zusätzliche Urlaubszeit feiern, halten? Fassen wir zusammen:
Jesus hat wohl gelebt, aber was war er? Ein Charismatiker? Ein Querkopf, der sich mit weltlichen und jüdischen Machthabern angelegt hat? Einer, der in die Mühlen der vermeintlich Rechtwollenden und -schaffenden gekommen ist? Ein Außenseiter? Ein Querdenker? Einer, der Unbeugsam war? Fanatisch?
Er war wohl ein Gläubiger. Ein kritisch Gläubiger. Einer, der nicht geglaubt hat, was die christlichen Kirchen heute über ihn erzählen. Da hätte seine Fantasie und Bildung nicht ausgereicht, um sich das auszudenken oder vorherzusehen. Er war einer, der wie Tausende andere, irgendwann ins Fadenkreuz der politischen und kirchlichen Fahnder geriet und dann ans Kreuz geschlagen wurde und dort elendig zugrunde ging. Ans Kreuz wurden damals nur die Outcasts geschlagen, die gesellschaftlich und sozial Ausgestoßenen. Die Letzten der Letzten.
Was wissen wir historisch von Jesus? Nichts, als dass er wohl gelebt hat und vermutlich am Kreuz starb, aber auch das ist historisch nicht wirklich gesichert. Wie ist er dann zu dem geworden, was er ist? Einer, dessen Folterinstrument, an dem er starb, zu seinem Ruhm wurde, ja zum Symbol für die gesamten christlichen Kirchen. Paradox, dass viele Menschen bis heute ein Folterinstrument, das Kreuz, als Schmuck um den Hals tragen.
Heute würde man das Phänomen „Jesus“ und der Kult, der darum betrieben wird, als Resultat einer genialen Marketingstrategie sehen. Jesus wurde – in heutiger Analyse und Sprache - von guten Marketingstrategen über Jahrhunderte zum Superstar aufgebaut. Mit einer fingierten Biographie, die ihm ein Alleinstellungsmerkmal sicherte: Gezeugt vom Heiligen Geist, geboren von einer Jungfrau, wundertätig – und - am Ende der Clou: Für die Sünden der gesamten Menschheit den Märtyrertod am Kreuz gestorben, um die ganze Welt zu entsündigen, personal von den Toten auferstanden, als Auferstandener seinen Jüngern personal begegnet, personal aufgefahren in den Himmel, wo der zur Rechten seines Vaters, Gott persönlich, sitzt und uns irgendwann im Endgericht zu sich zieht. Irgendwie wird Jesus dann zur 3 Personen in einer: Vater, Sohn und Heiliger Geist. So wird es im Glaubensbekenntnis hergebetet. Das sind die Grundpfeiler christlicher Religion.
Mit diesem kirchlichen Superstar lassen sich seit zwei Jahrtausenden veritable Geschäfte machen und Egos pflegen. Von und in Abhängigkeit von Jesus Christ Super Star verdienten und verdienen viele Menschen auf der ganzen Welt.
Ob Jesus schon durch den geistlichen Zeugungsakt göttlich geboren, durch die Taufe göttlich geworden oder erst durch den finalen Akt seiner Himmelfahrt zum Gott aufgestiegen ist, darüber sind sich schon die Evangelisten nicht einig, geschweige denn nachkommende Kleriker, Theologen und Schriftsteller. Entsprechend wird bis heute debattiert, wie es sich wohl verhält und je nach Kirchenschule, Glaubensüberzeugung und Forschungsrichtung kommt man zu einem anderen Ergebnis. Glaube in christlicher Prägung ist Glaube an die nach Jesus aufgestellten Dogmen und Theorien über ihn. Ohne das ganze theoretische Brimborium und den Personenkult um ihn, wäre Jesus nichts als ein gläubiger Mensch, der für seine Glaubensüberzeugungen, die nicht die herrschenden waren, eingestanden ist.
Wenn wir heute über den christlichen Osterzyklus nachdenken:
Palmsonntag, mit dem Einzug Jesu in Jerusalem,
Gründonnerstag: Abendmahl und Fußwaschung,
Karfreitag, Jesu Kreuzung und Verfinsterung der Welt,
Ostersonntag, seine Auferstehung und sein personales Erscheinen und
Himmelfahrt mit Jesu personalem Auffahren in den Himmel.
Es ist Personenkult, der um Jesus betrieben wird, Jesus-Kult. Davon leben die christlichen Kirchen, die Kleriker und Theologen, all diejenigen, die unter der Marke „Jesus“ Geschäfte machen und Geld verdienen.
Nur, die Welt ist inzwischen global geworden, die Menschen nehmen den christlichen Kirchen ihre Leitsätze und Dogmen nicht mehr ab. Zwar glauben zwei Drittel der Menschen in Deutschland zu glauben, aber bei weitem nicht an alles, was die Kirchen gerne hätten, dass sie glauben. Der moderne Mensch informiert sich über Religionsgrenzen hinweg. Die Menschen glauben, lassen sich aber nicht mehr vorschreiben, was sie glauben sollen. Sie durchschauen das christliche Moralgebäude und sind nicht mehr willens, sich durch es unter Druck setzen oder überhaupt beeinflussen zu lassen. Die Institution „Kirche“ wird, wenn überhaupt, mehr als Sozialeinrichtung, denn als Glaubensinstanz wahrgenommen und von den Menschen, insbesondere den Älteren, genutzt und akzeptiert. Zu schräg und verstaubt sind die Dogmen, die bis heute vertreten werden. Sie schrecken mehr ab, als dass sie anziehen.
An einen personalen Gott glaubt heute nur noch ein kleiner Teil der Menschen, das zeigen statistisch repräsentative Umfragen. Und an Jesus als einen Gott auch nur noch der kleinere Teil der Zeitgenossen. Die Marketingstrategie der Kirchen funktioniert nicht mehr und die Kirchen sind nicht zu einem dogmatischen Frühjahrsputz bereit, da er ihnen weitgehend ihr theologisches und institutionelles Fundament weghauen würde. Sie haben kaum eine andere Wahl. Sie sind gefangen in ihren eigenen Fangstricken.
Zurück zu Ostern. Welche Natur hat das Osterfest unter diesem Blickwinkel? Wir wissen quasi nichts über Jesus. Was überliefert ist, deutet auf einen Menschen hin, der aus ärmlichsten Verhältnissen kam, ungebildet war, aus der untersten Klasse stammte und für die Armen der Ärmsten eingestanden ist, ihnen eine Perspektive, eine Hoffnung, einen Glauben gegeben hat, nicht an ihn als Person, sondern an Gott, den er Vater nannte, von dem er sprach als sei es sein Vater. Er nannte ihn Vater, weil er sich von ihm allein umsorgt fühlte, weil er auf ihn allein vertrauen konnte, weil er sich ihm allein verbunden und verpflichtet fühlte. Er war ganz auf Gott ausgerichtet, einen monotheistischen Gott in jüdischer Tradition, aber ohne weltlich orientierte jüdische Moral- und Verhaltensregeln.
Jesus vertrat einen Gott, der sich nicht durch Menschen begrenzen oder vereinnahmen lässt, einen, den man im täglichen Leben erfahren kann. Einen, auf den man vertrauen kann, im Leben und im Sterben. Es ist ein Gott, der uns zu sich ins Leben führt, auf wunderbare Weise, die für uns nicht erklärlich ist und die man auch nicht erklären braucht, sondern nur leben und glauben. Jesus predigt einen Gott, der Demut erfordert und ein gutes inneres Ohr, um ihn zu hören. Einen, der keine Religion braucht. Jesus hat sich am Rande oder gar außerhalb seiner Glaubenstradition bewegt. Genau lässt sich das nicht mehr feststellen.
Der feste Glaube an diesen Gott ist das, was wir an Jesus lernen können. Ein Glaube, der auch nicht angesichts der menschlichen Gewalt, Verwüstung und Verrohung der Menschen, der Einsamkeit und Unverlässlichkeit seiner engsten Freunde ins Wanken kam. Und selbst wenn er doch ins Wanken gekommen sein sollte, spricht das nur für sein Menschsein, für das Brudersein Jesu im Glauben.
Die Evangelisten, Theologen, Historiker und Schriftsteller sind sich wie bei Jesu Geburt auch über sein Sterben nicht einig. Wie könnten sie auch, es war keiner dabei, auch keiner, der später aufgeschrieben hat, was Jesu angeblich gesagt und getan hat, als er starb. Absolute Wahrheiten gibt es in dieser Hinsicht nicht. Vielleicht starb Jesus genauso namenlos und unspektakulär wie Tausende andere. Es ist eine Möglichkeit, die genauso plausibel oder unplausibel ist wie jede andere. Das Wie ist reine Spekulation. Nur soweit kann Konsens zwischen allen Menschen hergestellt werden: Sterben muss jeder, musste auch Jesus. Alles andere darüber hinaus kann man glauben, muss es aber nicht, was nicht heißt, dass man nicht glaubt, sondern nur, dass man die Ausschmückungen und Dogmen christlicher Prägung nicht zwangsläufig glauben muss.
Lieber Luther, du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Das ist das erste und vornehmste Gebot. Ich bin sicher, das galt auch und gerade für Jesus. Den christlichen Kult, den man um seinen Tod (und seine Geburt) nachträglich machte, ist – wie das Wort schon sagt – Kult um jemanden, den man – unfreiwillig - zum Superstar ernannt hat, vor dem Hintergrund von mannigfaltigen Interessen. Die Osterbräuche sind eine Umdefinition heidnischer Bräuche in christliche. Man musste dem Volk etwas bieten. Mit Brot und Spielen, das wussten nicht nur die weltlichen Herrscher, ködert man die Massen. Das lässt sich historisch auch nachvollziehen.
Viel Menschenblut und -not kostete das Marketing der kirchlichen Machtstrategen – insbesondere für Protzbauten und Kriege. Vielleicht wäre es eine gute Idee, heute – an Karfreitag – an diese Menschen zu denken: an die Opfer, die den Theologen, Klerikern und Kirchenleuten, den Religionen weltweit zum Opfer fielen und fallen. Karfreitag als Gedenktag an den Tod Jesus und an alle Opfer von Religionen und religiöser Verfolgung. Karfreitag hätte als Gedenktag einen Sinn, den auch Jesus mittragen könnte.
Lieber Luther, Religion und Glauben sind zwei Paar Stiefel: Dafür stand, steht und starb Jesus. Das war sein Ruhm, nicht sein unrühmlicher Tod. Den hat er sich wahrscheinlich auch angenehmer gewünscht, jedenfalls ist er nichts, was es zu feiern gibt. Nicht für den- und diejenigen, die so sterben mussten, nicht für diejenigen, die diese Tode zu verantworten haben, und schon gar nicht für diejenigen, die diesen grausamen Tod nachträglich glorifiziert haben und weiterhin glorifizieren.
Herzliche Grüße
Deborrah
Lieber Luther
Posts mit dem Label Karfreitag werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Karfreitag werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Freitag, 25. März 2016
Montag, 6. April 2015
Wortreich
Lieber Luther,
was hat Jesus gedacht? Wofür stand er? Was waren seine Grundüberzeugungen? Wie sieht er sich selbst? Hat er seine Person so in Vordergrund gestellt, wie wir das tun? Ist das nicht ein großes Missverständnis? Die Antwort lässt sich erschließen.
Die Bergpredigt ist immer eine gute Quelle der Erkenntnis. Gleich der erste Satz der Bergpredigt ist eine Grundsatzerklärung Jesu. Sein Manifest des Glaubens. Von Königsherrschaft und vom Reich Gottes ist die Rede. Schon sein erstes Statement enthält alle Zutaten, aus denen ihm später ein Kreuz gezimmert wird. Er sagt:
Von Gott gesegnet und endgültig in die Gemeinschaft mit ihm aufgenommen werden diejenigen, die sich beugen vor Gottes Wind, das heißt diejenigen, die vor Gott demütig sind. Sie werden Anteil haben an der Königsherrschaft des jenseits aller Materie Allumfassenden, an dem, was Matthäus bildlich das "Himmelreich" nennt. Wie ist das anzustellen? Wie kann man dieses Himmelreich gewinnen?
Jesus beruft sich oft, so auch in der Bergpredigt, auf die Propheten der alten Schrift. Sie sind seine geistige Heimat. Der "Himmel" als Bild für Gottes Wohnung ist nicht neu. David erkennt, dass der HERR ihm, seinem irdischen gesalbten König, hilft, ihn aus seinem "heiligen Himmel" erhört, erkennbar durch die Heilstaten seiner Rechten. Er wirkt allein durch seinen Namen, durch seine Stimme, durch das, was er durch seine ausgewählten Diener - Propheten in der Regel - verkünden lässt. Wer anderes denkt fällt, wer dem folgt, wird stehen und aufrecht bleiben. Deshalb: HERR, du KÖNIG, erhöre uns am Tag unseres Rufens (Ps 20, 7-10).
Gott spricht von Anbeginn von "seinem Volk", er ist der König dieses Volkes. Das Volk ist von Anbeginn als eine brüderliche Gemeinschaft angelegt. Deshalb sagt Gideon: Ich will nicht Herr sein über euch, und auch mein Sohn soll nicht Herr über euch sein, sondern der HERR soll Herr über euch sein (Ri 8, 23). Aber, die Menschen sind intrigant und machtbesessen. Die Mutter Abimelechs hetzte das Volk auf, er kaufte "lose und leichtfertige" Männer und schon fanden sich welche, die ihn zum König machten. Jotham, der jüngste Sohn Gideons, versucht sie aufzuhalten (Ri 9, 9-15):
Die Bäume baten den Ölbaum, dass er König über sie sei. Der Ölbaum lehnt ab, er sagt, ihr schätzt mein Öl, das Götter und Menschen preisen. Ihr müsstet das Fett lassen, damit ich über den Bäumen schwebe. Dann fragten sie den Feigenbaum. Soll ich etwa meine Süßigkeit lassen, damit ich über den Bäumen schwebe? antwortet der Feigenbaum. Dann fragten sie den Weinstock. Der entgegnet: Soll ich meinen Most lassen, der Götter und Mensch fröhlich macht, damit ich über den Bäumen schwebe? Da sprachen die Bäume zum Dornbusch: Komm, sei du unser König. Und der Dornbusch sprach: Ist's wahr, dass ihr mich zum König salbt über euch, so kommt und vertraut euch unter meinen Schatten; wo nicht, so gehe Feuer aus dem Dornbusch und verzehre die Zedern Libanons.
Der Dornbusch- König gibt nichts, was der Mensch so liebt, das Fette, Süße und Gesellige. In der Geschichte ist der Dornbusch die letzte Wahl der Menschen. Erst ist das Üppige, das Füllige, das Fette, das pralle Leben gefragt. Der Dornbusch hat auf den ersten Blick nichts Attraktives zu bieten, nur Dornen und seinen Schatten. Die falschen Könige, die zuerst gefragt sind, dagegen wohl. Was sie bieten, darauf will der Mensch nicht verzichten. Das Volk, das den König sucht, widersteht den Versuchungen des prallen Lebens nicht. Deshalb lieber einen anderen König suchen. Bei dem man scheinbar billiger wegkommt. Aber, weit gefehlt: Der Dornbusch-König fordert. Er fordert nichts materielles, er fordert inwändiges: Vertrauen. Wenn ihr mich zu eurem König macht und kein Vertrauen zu mir habt, sagt der Dornbusch, dann wird Feuer von mir ausgehen und die Zedern des Libanons verbrennen. Er fordert Vertrauen und bietet Schutz und einen Zufluchtsort. Kein Konsumgut, Lebens-gut. Aber: Ihr müsst mich wahrhaftig zu eurem König machen, Lippenbekenntnisse reichen nicht. Wenn ich nur ein Schein-König für euch bin, werdet ihr an eurer Scheinheiligkeit verbrennen. So kommt, sagt der Dornbusch, ihr müsst wahrhaft zu mir kommen, freiwillig.
Gott allein ist König, ein Mensch vermag solchen Schutz nicht zu geben. Er braucht den Schatten Gottes: Behüte mich wie ein Augapfel, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel heißt es in Psalm 17, 8. Jesus ist Dornbusch für uns. Wie erklärt er uns Gottes Königsherrschaft? Sie ist wie ein Senfkorn. Wenn es auf die Erde gesät wird, ist es der kleinste Same (sperma), doch wenn es gesät ist, geht es auf und wird größer als alle Kräuter und es treibt große Zweige, so dass unter ihren Schatten die Vögel des Himmels ihren Platz finden (Mk 4, 30-32). Jotham und Jesus erklären in ähnlichen Bildern die Königsherrschaft Gottes.
Das Volk verlangt trotz alledem nach einem König und bringt es vor Samuel: Gib uns einen König, der uns richte. Samuel will das nicht und betet. Gott antwortet ihm: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht soll König über sie sein. Sie gehorchen nur anderen Königen, sie gehorchen nur ihrer eigenen Stimme. Doch bezeuge ihnen und verkündige ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen wird (1.Sam 8, 5-22):
Er wird euch dienstbar machen und euch vor sich her treiben, er wird euch eure Söhne nehmen und für sich in den Krieg schicken, ihr werdet seine Äcker bebauen müssen, er wird eure Töchter zu Dienstmägden machen, er wird eure besten Äcker, Weinberge und Ölgärten nehmen und denen geben, die ihm willfährig sind. Ihr werdet Steuern zahlen müssen und von ihm abhängig sein. Wenn ihr euch dann über EUREN König beklagt, so werde ich euch nicht hören.
All das schreckte das Volk nicht, sie wollten nicht auf Samuel hören, sondern bestanden darauf, ihren eigenen König zu haben: …, dass uns unser König richte und vor uns her ausziehe und unsere Kriege führe. Der HERR sprach zu Samuel: Gehorche ihrer Stimme und mache ihnen einen König. Und Samuel sprach: Geht hin, ein jeglicher in seine Stadt.
Es hört sich an, wie ein weiterer Sündenfall. Das Volk verwirft Gott als Richter und als denjenigen, der für es in den Streit zieht. Sie tauschen tatsächlich Gott, den weltumspannenden König, gegen ein Menschlein. Sie wollen nicht von Gott gerichtet werden, sondern von einem irdischen Richter. Sie begreifen noch nicht einmal, als Samuel die Konsequenzen aufzeigt, dass sie sich verkaufen, sich versklaven, sich abhängig machen von menschlicher Willkür. Sie gehen sehenden blinden Auges in ihr Unglück. Die irdenen Könige, die kommen werden, Saul, David und alle folgenden, bis auf den heutigen Tag, werden es so machen, wie vorausgesagt.
Aber: Gott gibt die Fäden nicht aus der Hand: Denn siehe, der HERR hat einen König über euch gesetzt (1.Sam 12, 13-18). Er mischt mit und lässt sein Volk nicht. Er gibt ihm immer und jederzeit die Chance umzukehren und auf ihn zu hören. Wenn nicht, soll das Volk seinen Willen haben, es wird darunter immer welche geben, die auf ihn hören und seine Saat weitertragen. Gehorcht, sagt Samuel, seht die großen Zeichen, die Gott tut. Ist nicht Weizenernte? Ich will den HERRN anrufen, dass er es donnern und regnen lassen soll, dass ihr innewerdet, welch großes Übel ihr vor den Augen des HERRN getan habt, als ihr euch einen König erbeten habt. Und Gott ließ donnern und regnen.
Jesus beginnt seine Bergpredigt mit dem, was ihm am wichtigsten ist: die Königsherrschaft Gottes, Gottes Reich. Er fängt an, wieder geradezurücken, was Samuel nicht vermocht hat: Das Volk wieder dazu zu bringen, Gottes Königsherrschaft anzuerkennen: Von Gott gesegnet und endgültig in die Gemeinschaft mit ihm aufgenommen werden diejenigen, die sich beugen vor Gottes Wind, das heißt diejenigen, die ihn als ihren König anerkennen. Sie werden Anteil am Reich des allumspannenden Königs haben.
Lieber Luther, das ist Jesu Programm. Jesus sät das Senfkorn Wort, er errichtet die Gottesherrschaft neu, indem er wieder Gottes Reich über jegliches irdische Reich, über jeden irdischen König und Götzen setzt. Jesus sät das Senfkorn Wort, er erzählt kraftvoll von Gott. Er will den Menschen die Gottesherrschaft, das Himmelreich, wieder schmackhaft machen, sie dazu bewegen, die irdischen Könige und Götter zu lassen, ihm darin nachzufolgen, Gott allein zu folgen.
Gottes Reich ist das Wort, ist logos. Für die Erzväter, für Mose, Samuel, David, Salomon, Elia, Jesaja, Jeremia, Hiob, Hesekiel, um nur die Prominentesten zu nennen, war das selbstverständlich. Außer ihnen gab es noch viele, zu denen Gott geredet hat, die sein Wort erkannt und weitergetragen haben. Jesus steht in dieser Reihe. Auch in seinem Verständnis der Anerkenntnis der Königsherrschaft Gottes. Er hat sich immer nur als Sohn, Knecht, Hirte verstanden, seinem himmlischen Königs-Vater gegenüber ohne Ausnahme demütig und gehorsam. Er war Wortdiener, er hatte niemals einen Anspruch, König zu sein. Oberste Autorität war für ihn Gott allein, sein Wort.
Geschichte wiederholt sich, fast bis ins Detail. Auch Glaubensgeschichte. Etwa 1000 Jahre nach Samuel gibt es wieder ein Volk, das nach einem König verlangt. "König der Juden" steht über Jesu Kreuz. Wieder ist es das Nichthörenwollen dessen, der das Wort Gottes verkündet. Sie verwerfen den Eckstein zu Gottes Reich. Gott könnte genauso wie zu Samuel zu Jesus gesagt haben: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht soll König über sie sein.
Nach der Johannesversion fragt Pilatus Jesus (Joh 18, 33-38): Bist du der König der Juden? Jesus antwortet logischerweise: Mein Reich unterliegt nicht dieser Weltordnung, sonst hätten diejenigen, die mich auf dem Weg begleiten, um den Sieg gekämpft. Will heißen: In dem Königreich, von dem ich spreche, braucht man nicht um den Sieg zu kämpfen. Man hat, so man Gottes Wort folgt, Anteil daran.
Pilatus hakt nochmals nach: Bist DU dann doch ein König? Jesus hatte vorher schon auf diese Frage eine Gegenfrage gestellt? Fragst du das von dir aus oder haben dir das andere ins Ohr geflüstert? Bin ich denn Jude, wehrt Pilatus ab. Nun also nochmals ein Versuch: Bist DU mit deinem Reich jenseits dieser Welt dann doch ein König? Jesus sagt: Das sagst DU, ich aber sage: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die WAHRHEIT (der Gottesherrschaft) Zeugnis ablege. Jeder, der wahrhaftig ist, der an Gottes Reich teilhat, hört meine Stimme, da er auf das Wort, das ich geredet habe, hört. Pilatus fragt: Was ist Wahrheit? Er gehört also offensichtlich nicht dazu.
Lieber Luther, Jesus ist der Dornbuschkönig, die Dornenkrone haben sie ihm symbolträchtig aufs Haupt gesetzt. Diese Dornenkrone hat er mit Überzeugung getragen. Seine Botschaft war: Vertraut mir, ich vertraue Gott. Gott allein ist unser König. Sein Reich ist das Wort. Ich bin gekommen, um diese Botschaft zu erneuern, um euch zu sagen, wie ihr an Gottes Reich Anteil haben könnt. Ich lasse durch das Wort, das ich predige, Gottes Reich wachsen, ich lege das Saatkorn. Es ist ganz einfach, Anteil an Gottes Reich zu gewinnen: Hört auf das Wort! Nur das kann euch vor dem Verderben retten. Ich vermag es nicht, was immer die Sündentheologie fabuliert, das vermag nur das Wort meines Vaters. Das Himmelreich ist ein Wortreich!
Herzliche Grüße
Deborrah
Deborrah
Sonntag, 5. April 2015
Ackermann
Lieber Luther,
was hat sich kurz vor der Verhaftung Jesu abgespielt, was an seinem Todestag und was danach? Ein großes Rätsel? Oder ist es nachträglich zum Rätsel gemacht worden? Aus diversen (Macht-) Interessen heraus? Spielt bei der ganzen Diskussion überhaupt Jesus noch eine Rolle? Wird auch nur ein Versuch gemacht, das Geschehene aus seinem Lebenswerk und –wirken heraus zu erklären? Jesus wird zum Sündenopfer für uns alle erklärt, uns mit seinem Tod von aller Sünde befreiend. Stimmt das? Ist das aus Jesu Wort wirklich zu entnehmen oder ist das hineingepredigt worden? Dazu gibt es so viel zu sagen, dass sicher nicht alles in einen Brief passt. Fangen wir also mit Teil 1 an: Was ist verheißen?
Bei Sacharja (Sach 13, 1-9) steht es am kompaktesten. Er braucht nur 9 Verse dazu. Die Übersetzungen sind, gelinde gesagt, wieder einmal schwierig bis völlig irreführend. Ich verzichte heute auf Details, weil es mir auf Sacharjas Botschaft ankommt. Die Elberfelder übersetzt scheinbar völlig zusammenhang-entleert oder man könnte auch sagen unverständig. Sie trennt sogar das "Wach auf, Schwert" in einen gesonderten Abschnitt als "Schwertlied" ab und trennt damit, was unabdingbar zusammengehört. Du, lieber Luther, machst nicht einmal einen Absatz und liegst damit, wie meistens, wieder einmal richtiger als andere. Was steht also bei Sacharja, wenn man den Übersetzungsnebel lichtet?
Zu jenem Tag wird für das Haus David und die Bewohner von Jerusalem ein frei zugänglicher Brunnen geöffnet sein, dessen Heilwasser gegen absichtliche Verfehlungen und das sich Ausscheiden vom (ewigen) Leben hilft. Der Brunnen wird aber sagen müssen: Ich bin kein Prophet, sondern ein Ackermann; denn ich habe Menschen gedient von Jugend auf. So man aber sagen wird zu ihm: Was sind das für Wunden in deinen Händen? wird er sagen: So bin ich geschlagen im Hause meiner Geliebten.
Schwert, mache dich auf über meinen Hirten und über den Mann, der mir der Nächste ist! spricht der HERR Zebaoth. Schlage den Hirten, so wird die Herde sich zerstreuen, so will ich meine Hände kehren zu den Kleinen. Der dritte Teil wird übrigbleiben. Den werde ich durchs Feuer führen und läutern, wie man Silber läutert, und prüfen, wie man Gold prüft. Dieser wird dann meinen Namen anrufen, und ich will sie erhören. Ich will sagen: Es ist mein Volk; und sie werden sagen HERR, mein Gott!
Für das Haus David und die Bewohner Jerusalems wird ein freier Zugang zu einer Quelle geöffnet sein. Was ist damit gemeint? David heißt: Geliebter, Verbinder, Vereiniger. Jerusalem heißt: Besitztum, Erbteil des Friedens, des Ganzen, des Heilen, des Unversehrten. Wenn vom Haus David die Rede ist, ist der Ort gemeint, an dem Gottes Geliebte wohnen, wenn von Jerusalem die Rede ist, ist Gottes Erbteil des Friedens gemeint, der Ort des Heilen und Unversehrten, die Stadt Davids, die Heilige Stätte, der Zufluchtsort für die Geliebten Gottes. Für die Bewohner dieses Ortes, für die Geliebten Gottes, wird sich eine Quelle öffnen. Was ist nun über diese Quelle gesagt:
Das Wasser, das aus der Quelle fließt, hilft das Ziel – Gottes Wohnung – nicht zu verfehlen, sie hilft, dass Mensch sich nicht selbst abscheidet vom Leben, vom ewigen Leben in beiderlei Leben. Der Brunnen, aus dem die Quelle fließt, ist Jesus. Es ist eine Quelle, die frei zugänglich ist für jeden. Das Wasser, das er schöpft, ist Gottes Wort. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte, spricht Gott der HERR. Ich will den Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Selig sind, die seine Gebote halten, auf dass sie Macht haben an dem Holz des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt (Offb 21, 6; 8; 22, 13-14). Der Born, der Lebensquell, das Wasser, das Holz des Lebens, das die Geliebten Gottes nährt, seine Wohnstätte, ist das Wort: Und sie werden sagen: HERR, mein Gott!
Jedoch: Es ist viel falsches Volk unterwegs, falsche Prediger, falsche Propheten. Sie verkünden nicht, was aus der Quelle kommt, sie führen das Volk in die Irre. Derjenige aber, der aus dem Brunnen schöpft, der das Wort verkündet, ist kein Prophet, sondern ein Ackermann, ein einfacher Mann aus dem Volk, keiner, der hofiert wird. Jesus war ein Ackermann, keinSchriftgelehrter, kein Studierter. Einer, der das Wort gearbeitet hat. Viele Gleichnisse hat er erzählt, wie man seinen Acker richtig bestellt, vom Saatgut, vom Weizen, der Spreu, der Tenne, vom Weingarten, von den Arbeitern im Weingarten, er hat erzählt wie man auf Gottes Acker, in seinem Weinberg, sät und erntet.
Er wird sagen: Ich habe den Menschen gedient mein Leben lang. Er hat gepredigt, er hat disputiert, er hat sich gegen falsche Lehren aufgelehnt, er hat geheilt, er hat Brot und Fischverteilt, er hat gelehrt. Von Gott zu erzählen, von Gott zu zeugen, Gott den Menschen näher zu bringen, für Gott einzustehen – auch unter Einsatz seines Lebens – war sein Leben. Er war kein Prophet, er WAR, IST und WIRD Arbeiter in Gottes Acker sein: Und auf der Wolke saß einer, der gleich war eines Menschen Sohn; der hatte eine goldene Krone auf seinem Haupt und in seiner Hand eine scharfe Sichel. Und der Engel schrie mit großer Stimme: Schlag an mit deiner Sichel und ernte, denn die Zeit zu ernten ist gekommen, … und die Erde ward geerntet (Offb 14, 14-20): Ackermann.
Und was haben sie mit ihm gemacht? Sie haben ihn geschlagen, ans Kreuz geschlagen. Die Wunden an seinen Händen zeugen davon. Er wird sagen: So bin ich geschlagen im Haus meiner Geliebten, in der Stadt Davids, in meinem Erbteil, in Jerusalem. Sie haben den Ort des Friedens geschändet. Da, wo sie meinen, sei mein Heiliger Ort, ist mein Heiliger Ort nicht. Nun ist es offenbar. Gottes Heiliger Ort lässt sich von Menschen nicht verorten.
Sie haben den geschlagen, der mir am Nächsten ist, spricht Gott der HERR, deshalb: Schwert mache dich auf! Das Schwert steht für den Zorn Gottes über die Missetat an seinem Hirten und an dem Menschen-Mann, der ihnen als Menschen-Sohn das Wort brachte. Sein Volk wird zerstreut werden. Wenn man den Hirten schlägt, ist keiner mehr da, der die Schafe physisch hütet, keiner, der die verlorenen Schafe physisch bei der Hand nimmt, keiner, der die Hürdenrepariert, wenn sie Wind und Wetter ausgesetzt sind. Die Zäune brechen und die Schafe zersprengen sich in alle Himmelsrichtungen.
So will ich kehren meine Hand zu den Geringen, spricht Gott der HERR. "Geringe" ist übersetzt, du, lieber Luther, übersetzt gar "Kleine". Und was steht im Hebräischen – man staune: Zoar.Zoar war die Stadt, in die sich Lot geflüchtet hat! Und was ist uns damit gesagt: Die Heilige Stadt, Jerusalem, ist gefallen. Sie haben den Hirten geschlagen. Es ist zu Sodom geworden. Der Zorn Gottes wird über diese Stadt kommen wie über Sodom. Es wird nichts von dieser Stadt übrigbleiben. Aber: Es gibt einen Zufluchtsort, eine Rückzugsmöglichkeit für mein wahres Volk, für diejenigen, die ihr Wasser aus dem Brunnen des Lebens schöpfen. Wie Lot, werde ich ihnen den Weg zeigen, wenn sie auf das hören, was ich sage, wenn sie sich nicht umblicken, sondern von den Missetätern weggehen, werden sie leben. Über Sodom-Jerusalem und die Missetäter wird es aber Feuer regnen wie in Sodom: Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und GELIEBTEN Stadt. Und es fiel Feuer von Gott aus dem Himmel und verzehrte sie (Offb 20, 9).
Die Missetat liegt darin, den Hirten zu schlagen, anstatt aus seinem Mund das Wort entgegen zu nehmen. Missetäter sind nicht nur diejenigen, die dem Hirten die physischen Wunden beigebracht haben, die ihn physisch getötet haben. Missetäter sind alle, die nicht seinem Wort folgen. Das ist die Missetat, von dieser Missetat ist er geschlagen.
Das ist auch bei Jesaja gemeint (Jes 53, 2-12). Bei Jesaja steht sinngemäß das gleiche wie bei Sacharja. Jesaja spricht nicht vom Ackermann, aber genauso von dem den Menschen Dienenden, genauso vom Heiler, der das Heilwasser bringt: Fürwahr, er trug UNSERE Krankheit und lud auf sich UNSERE Schmerzen. Auch bei Jesaja ist er wie der Ackermann, ohne Macht und Ansehen, der Allergeringste und Verachtetste. Er gehört nicht zur Machtkaste, sondern zur Dienstklasse. Und dann kommt der Satz, der immer falsch interpretiert wird: Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsre Sünde willen zerschlagen. Auch bei Jesaja hat es die gleiche Bedeutung wie bei Sacharja: Er wurde und ist zerschlagen, weil wir unsere Treue zu Gott gebrochen haben und brechen, dieser bösen Tat willen. Die böse Tat ist aber, nicht dem Wort Gottes zu folgen.
Und dann kommt wieder eine Übersetzungssünde, Tendenzübersetzung könnte man auch sagen. Übersetzt ist: Die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, heißen tut es aber: die Erziehung, unsere Erziehung, lag auf ihm zu unserem Frieden! Genauso wie bei Sacharja: der Brunnen, aus dem das Wort kommt, Jesus, der uns mit dem Wort zu Gottes Frieden führen wollte und will. Nein, Gott wollte ihn nicht schlagen, die Menschen haben ihn geschlagen und schlagen ihn noch. Durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Er ließ sich schlagen und nicht mundtot machen, er hat uns das Heil, den Frieden Gottes verkündet, trotz aller Schläge, die wir ihm zufügten und zufügen. Uns ist Heilung geworden – aber nicht alle nehmen sie an, trinken sein Heilwasser, essen sein Wort.
Deshalb sagt Sacharja wie auch Jesaja im weiteren Verlauf: Es werden nicht viele sein, die übrigbleiben. Nur der dritte Teil, so Sacharja, wird sich in Gottes Wohnung flüchten. Gott der HERR wird sie durch die brennende Stadt, durch das Feuer, aus Sodom heraus führen, wird sie prüfen und rein machen. Lot hat er einen Engel geschickt, uns Jesus. Sie werden sagen: Der HERR ist mein Gott. Und ich werde sagen: Dieser dritte Teil ist mein Volk.
Lieber Luther, Jesus WAR, IST und WIRD Ackermann sein auf dem Acker Gottes, der Heiler, der das heilsame Wort bringt. Bei Sacharja und bei Jesaja ist es vorhergesagt. Wie vorhergesagt ist es gekommen, die Prophezeiungen sind wahr geworden. Jesus hat sich immer wieder auf die Propheten berufen, er wusste warum. So wie er das Wort schöpfte, so wurde auch in ihnen Gottes Wort geschöpft. Gott braucht Sprachrohre, um sich Gehör zu verschaffen. Jesus war nicht nur sein Sprachrohr, er war der Brunnen, der Quell, aus dem Gott sein Wort sprudeln ließ, seine Heilquelle, die Quelle, aus der Gott selbst sprudelte. Er hat sich in den Dienst des Wortes gestellt. Er war kein Lastesel für unsere Sünden. Unsere Missetaten dürfen wir selbst abarbeiten, entweder indem wir aus Jesu Heilbrunnen oder aus unseren eigenen vergifteten Brunnen trinken. Wir haben die Wahl. Alle Propheten sagen es und auch Jesus.
Herzliche Grüße
Deborrah
Deborrah
Labels:
Ackermann,
Endgericht,
Ernten,
Heilen,
Jesus,
Karfreitag,
Kreuz,
Lot,
Nachfolge,
Ostern,
Sünden,
Sündentheologie,
Weizen,
Wort,
Zoar
Freitag, 29. März 2013
Stabat Mater - Marias Schmerz
Lieber Luther,
obwohl Marienverehrung ja nicht gerade evangelisch ist, sollte das Stabat Mater auch in der evangelischen Kirche einen Platz haben. Vielleicht kennst du es ja auch als alter Mönch. Es ist so um 1200/1300 entstanden, bevor die Kirchen sich teilten. Es ist sozusagen eine gemeinsame Wurzel.
Es sei allen Müttern und Vätern zugedacht, die ein Kind verloren haben, auch dir. Sie kennen den Seelenschmerz, den das verursacht und können mit Maria mitfühlen und mitweinen und umgekehrt. Der Schmerz findet im „Stabat Mater“ eine Heimat. Maria ist in diesem Schmerz unsere Schwester und eine Mutter, zu der wir unseren Schmerz tragen können. Sie weiß, von was wir reden, und sie weiß, wie bedürftig wir in unserem Schmerz sind – auch nach langer Zeit.
Stabat mater dolorosa
Iuxta crucem lacrimosa,
Dum pendebat filius.
Cuius animam gementem,
Contristatam et dolentem
Pertransivit gladius.
Iuxta crucem lacrimosa,
Dum pendebat filius.
Cuius animam gementem,
Contristatam et dolentem
Pertransivit gladius.
O quam tristis et afflicta
Fuit illa benedicta
Mater unigeniti!
Quae maerebat et dolebat,
Pia Mater, dum videbat
Nati poenas inclyti.
Fuit illa benedicta
Mater unigeniti!
Quae maerebat et dolebat,
Pia Mater, dum videbat
Nati poenas inclyti.
Quis est homo qui non fleret,
Matrem Christi si videret
In tanto supplicio?
Quis non posset contristari,
Piam matrem contemplari
Dolentem cum Filio?
Matrem Christi si videret
In tanto supplicio?
Quis non posset contristari,
Piam matrem contemplari
Dolentem cum Filio?
Pro peccatis suae gentis
Vidit Iesum in tormentis
Et flagellis subditum.
Vidit suum dulcem natum
Morientem desolatum,
Dum emisit spiritum.
Vidit Iesum in tormentis
Et flagellis subditum.
Vidit suum dulcem natum
Morientem desolatum,
Dum emisit spiritum.
Eia mater, fons amoris,
Me sentire vim doloris
Fac, ut tecum lugeam.
Fac, ut ardeat cor meum
In amando Christum Deum,
Ut sibi complaceam.
Me sentire vim doloris
Fac, ut tecum lugeam.
Fac, ut ardeat cor meum
In amando Christum Deum,
Ut sibi complaceam.
Sancta mater, istud agas,
Crucifixi fige plagas
Cordi meo valide.
Tui nati vulnerati
Tam dignati pro me pati,
Poenas mecum divide!
Crucifixi fige plagas
Cordi meo valide.
Tui nati vulnerati
Tam dignati pro me pati,
Poenas mecum divide!
Fac me vere tecum flere,
Crucifixo condolere,
Donec ego vixero.
Iuxta crucem tecum stare
Ac me tibi sociare
In planctu desidero.
Crucifixo condolere,
Donec ego vixero.
Iuxta crucem tecum stare
Ac me tibi sociare
In planctu desidero.
Virgo virginum praeclara,
Mihi iam non sis amara:
Fac me tecum plangere.
Fac ut portem Christi mortem,
Passionis fac consortem,
Et plagas recolere.
Mihi iam non sis amara:
Fac me tecum plangere.
Fac ut portem Christi mortem,
Passionis fac consortem,
Et plagas recolere.
Fac me plagis vulnerari,
Cruce hac inebriari
Et cruore Filii,
Flammis urar ne succensus,
Per te Virgo, sim defensus
In die iudicii.
Cruce hac inebriari
Et cruore Filii,
Flammis urar ne succensus,
Per te Virgo, sim defensus
In die iudicii.
Fac me cruce custodiri,
Morte Christi praemuniri,
Confoveri gratia.
Quando corpus morietur,
Fac ut animae donetur
Paradisi gloria.
Morte Christi praemuniri,
Confoveri gratia.
Quando corpus morietur,
Fac ut animae donetur
Paradisi gloria.
Lieber Luther, ich glaube, auch der Schmerz über all das Geschehene, für das es keine Worte gibt, muss einen Ort haben, auch ihn muss man durchleben, ihn nicht abprallen, sondern durch einen durchfließen lassen. Das Wasser der Tränen dieses Schmerzes hat heilende Wirkung auf unsere Wunden, wenn auch Meere durchfließen müssen, bis die stärksten Schmerzen nachlassen.
Ohne dem Schmerz und dem Leid seine Zeit und seinen Raum zu geben, gleich zum Halleluja überzugehen, geht nicht. Jesus ist erst am 3.Tag auferstanden. Schmerz und Leid ist notwendig, um zum Ostermorgen zu gelangen. So halten wir diesen Schmerz aus in der Hoffnung, dass irgendwann der Ostermorgen kommt. Dass dieser kommt, sei ein Osterwunsch für all diejenigen, die es betrifft.
Hier geht es zum deutschen Text.
Gergorianisch in Latein:
Donnerstag, 28. März 2013
Wo ist hier Gott? Predigt zu Karfreitag
Lieber Luther,
ich schicke dir unten die Karfreitagspredigt, die ich letztes Jahr gehört habe. Es ist eine Predigt, von einem der weiß, was Karfreitag heißt. Ich werde sie mit Sicherheit mein ganzes Leben nicht vergessen, so eingebrannt hat sie sich in mir.
Was Karfreitag heißt, dem muss man sich erst einmal stellen und den Mut haben, dies auch noch zu äußern. Die Predigt so an Karfreitag zu halten, hat Mut und Kraft gekostet. Ich bin bis heute dankbar, dass ich sie hören durfte, obwohl sie mich fast zerlegt hat und ich sie bis heute kaum ertragen kann. Aber genau das ist Karfreitag: Man kann das Geschehen bis heute kaum ertragen.
Es ist eine Karfreitagspredigt, die dort hingeht, wo es schmerzt, ans Kreuz. Sie soll deshalb nicht vergessen sein.
Liebe Schwestern, liebe Brüder,
Wo ist hier Gott? - seit Jahrtausenden hallt diese Frage über unsere Erde - gesprochen von schreienden und klagenden Lippen aus verzweifelten und verstummten Herzen.
Wo ist hier Gott? - diese Frage lässt die kostbaren Vorhänge unseres Glaubens zerreißen, wenn wir uns mit den Abgründen menschlichen Handelns und Verhaltens konfrontiert sehen, oder wenn wir fassungslos in eine menschliche Tragödie hineingeworfen sind.
Wo ist hier Gott? - Das ist auch die Karfreitagsfrage schlechthin.
In seinem Buch "Die Nacht zu begraben" hat der jüdische Schriftsteller Elie Wiesel, selbst ein Überlebender des Holocaust, dieser Frage ein Gesicht gegeben - ein Kindergesicht.
Er berichtet darin von einer Exekution. Er schreibt:
Er berichtet darin von einer Exekution. Er schreibt:
"Die SS schien besorgter, beunruhigter als gewöhnlich.
Ein Kind vor Tausenden von Zuschauern zu hängen, war keine Kleinigkeit.
Der Lagerchef verlas das Urteil gegen zwei Männer und ein Kind.
Alle Augen waren auf das Kind gerichtet.
Es war aschfahl, aber fast ruhig und biss sich auf die Lippen. Der Schatten des Galgens bedeckte es ganz.
Drei SS-Männer dienten als Henker.
Die drei Verurteilten stiegen zusammen auf ihre Stühle. Drei Hälse wurden zu gleicher Zeit in die Schlingen eingeführt.
„Es lebe die Freiheit!" riefen die beiden Erwachsenen.
Das Kind schwieg.
"Wo ist Gott, wo ist er?" fragte jemand hinter mir.
Auf ein Zeichen des Lagerchefs kippten die Stühle um.
Absolutes Schweigen herrschte im ganzen Lager.
Am Horizont ging die Sonne unter.
„Mützen ab!" brüllte der Lagerchef.
Seine Stimme klang heiser.
Wir weinten.
„Mützen auf!"
Dann begann der Vorbeimarsch. Die beiden Erwachsenen lebten nicht mehr. Ihre geschwollenen Zungen hingen bläulich heraus.
Aber der dritte Strick hing nicht reglos: der leichte Knabe lebte noch ...
Mehr als eine halbe Stunde hing er so und kämpfte vor unseren Augen zwischen Leben und Sterben seinen Todeskampf.
Und wir mussten ihm ins Gesicht sehen.
Er lebte noch, als ich an ihm vorüberschritt, seine Zunge war rot, seine Augen noch nicht erloschen.
Ein Kind vor Tausenden von Zuschauern zu hängen, war keine Kleinigkeit.
Der Lagerchef verlas das Urteil gegen zwei Männer und ein Kind.
Alle Augen waren auf das Kind gerichtet.
Es war aschfahl, aber fast ruhig und biss sich auf die Lippen. Der Schatten des Galgens bedeckte es ganz.
Drei SS-Männer dienten als Henker.
Die drei Verurteilten stiegen zusammen auf ihre Stühle. Drei Hälse wurden zu gleicher Zeit in die Schlingen eingeführt.
„Es lebe die Freiheit!" riefen die beiden Erwachsenen.
Das Kind schwieg.
"Wo ist Gott, wo ist er?" fragte jemand hinter mir.
Auf ein Zeichen des Lagerchefs kippten die Stühle um.
Absolutes Schweigen herrschte im ganzen Lager.
Am Horizont ging die Sonne unter.
„Mützen ab!" brüllte der Lagerchef.
Seine Stimme klang heiser.
Wir weinten.
„Mützen auf!"
Dann begann der Vorbeimarsch. Die beiden Erwachsenen lebten nicht mehr. Ihre geschwollenen Zungen hingen bläulich heraus.
Aber der dritte Strick hing nicht reglos: der leichte Knabe lebte noch ...
Mehr als eine halbe Stunde hing er so und kämpfte vor unseren Augen zwischen Leben und Sterben seinen Todeskampf.
Und wir mussten ihm ins Gesicht sehen.
Er lebte noch, als ich an ihm vorüberschritt, seine Zunge war rot, seine Augen noch nicht erloschen.
Hinter mir hörte ich denselben Mann fragen: „wo ist Gott?"
Und ich hörte eine Stimme in mir antworten:
„Wo ist er? Dort – dort hängt er am Galgen ..."
Und ich hörte eine Stimme in mir antworten:
„Wo ist er? Dort – dort hängt er am Galgen ..."
Dort hängt er - am Galgen.
Ja, das ist die Antwort des Karfreitags auf die Frage nach der Anwesenheit Gottes unter uns Menschen.
Es ist die abgründigste Antwort, die es auf die Frage, "Wo ist hier Gott?" überhaupt geben kann.
Ohne diese Antwort als abgründiger Hintergrund wird jeder Tabernakel zum goldenen Kalb.
Es ist wunderschön und ergreifend, Gott loben und danken zu dürfen und zu können, wenn wir voller Glück sind.
Es ist erhebend, ihn zu erfahren inmitten seiner Natur, beim Spiel der Wolken, im Konzert der Vögel und in der Sinfonie der Schöpfung.
Es ist anerkennenswert, ihm durch die regelmäßige Erfüllung der religiösen Pflichten die Ehre zu erweisen.
Es ist einfach, sich diese Frage gar nicht zu stellen und das Leben als von selbst verständlich zu nehmen, ohne dabei Gedanken an einen göttlichen Schöpfer zu bekommen.
Wo ist hier Gott?! - diese Frage halte ich für das große Vermächtnis des jüdischen Volkes an die Menschheit.
In keinem anderen Volk wurde diese Frage so leidenschaftlich gestellt.
In keinem anderen Volk wurden so unterschiedliche und oft auch widersprüchliche Antworten auf sie gefunden.
Die Gottesknechtslieder bei Jesaja, die bereits ein paar Jahrhunderte vor Jesus geschrieben wurden, zeigen Antwortahnungen.
Im vierten Lied vom Gottesknecht, das wir gerade als erste Lesung gehört haben, leuchtet die Erkenntnis durch, auf welcher menschlichen Seite Gott wirklich steht.
In seinem Brief an das jüdische Volk sieht der Verfasser des Hebräerbriefes die leidenschaftliche Solidarität Gottes mit den Menschen im Lebens- und Leidensweg Jesu auf den Punkt gebracht und verdichtet.
In Jesus hält Gott sich weder vom menschlichen Zweifel, noch von seinen Versuchungen, noch von den menschlichen Schwächen und Schmerzen und Hoffnungslosigkeiten fern.
Gott hält sich die menschliche Not nicht vom Leib.
Gott hält sich auch unsere Schmerzen nicht vom Leib.
Gott hält sich auch unsere Ohnmacht nicht vom Leib.
Gott hält sich auch unsere Schmerzen nicht vom Leib.
Gott hält sich auch unsere Ohnmacht nicht vom Leib.
In Jesus hält Gott all das aus.
In Jesus ist er nicht nur solidarisch mit unserer Not.
In Jesus ist er nicht nur solidarisch mit unserer Not.
Er stellt sich nicht nur auf die Seite der Notleidenden und Verzweifelten.
Er wird selber zum Notleidenden und Verzweifelten.
Hier ist er zu finden. Genau hier.
Im fassungslosen Abgrund der menschlichen Ohnmacht.
Im zugeschnürten Herzen angesichts der unmenschlichen Möglichkeiten und Taten so vieler Einflussreicher und Mächtiger quer durch alle Generationen und Kulturen.
Im zugeschnürten Herzen angesichts der unmenschlichen Möglichkeiten und Taten so vieler Einflussreicher und Mächtiger quer durch alle Generationen und Kulturen.
Wo ist hier Gott? -
Mitten drin.
Mitten im Leid. Mitten im Schmerz.
Mitten im Leid. Mitten im Schmerz.
Aber auch: Mitten in Deinem Leid. Mitten in Deinem Schmerz.
Mitten in meinem Leid. Mitten in meinem Schmerz.
Mitten in meinem Leid. Mitten in meinem Schmerz.
Nicht als strafender Richter.
Nicht als willfähriger Henker.
Nicht als Zuschauer.
Nicht mal als Besucher.
Nicht als willfähriger Henker.
Nicht als Zuschauer.
Nicht mal als Besucher.
Sondern er ist da als Schrei eines jeden Menschen,
als Tränen, als Gebet, als Bitte.
als Tränen, als Gebet, als Bitte.
Gott ist da als mein Schrei, als meine Tränen, als mein Gebet, als meine Bitte.
In Jesus hat Gott durch Leiden hindurch Gehorsam gelernt! heißt es im Hebräerbrief.
Das ist der Grund des ewigen Heils.
Es ist seine Ohnmacht, die uns heilt, nicht seine Allmacht.
Gott weiß nicht nur um das Leid, er hat nicht nur Mitleid mit den Leidenden,
er leidet es selbst mit.
er leidet es selbst mit.
Das ist die ungeheuerliche Botschaft des Karfreitags, liebe Schwestern, liebe Brüder.
Hier, mitten drin, mitten drin im Leid, also auch mitten drin in unserem eigenen Leid leuchtet uns das Angesicht Gottes auf - und dadurch werden wir nicht nur, sondern sind wir heil.
Dies glauben zu lernen - durch allen Zweifel und alle Verzweiflung hindurch - ist das Vermächtnis, das weiterzutragen und in die Welt zu leben uns Christen aufgegeben ist.
Mitten drin im Leid unserer großen und auch unserer kleinen Welt leidet und hofft und bangt Gott selber mit.
Er lässt sich den Schmerz unter die eigne Haut gehen.
Als Jesus beim Tod seines Freundes Lazarus die verzweifelten Angehörigen sah fuhr es ihm, wie es wörtlich übersetzt heißt, in die Eingeweide.
Er kann wirklich mitfühlen bei unserem Protestschrei gegen den Tod.
Ja, er betet und bittet selber mit lautem Schreien und unter Tränen.
Cool bleiben ist seine Sache nicht.
Sich den Schmerz fern halten auch nicht.
Sich den Schmerz fern halten auch nicht.
Auch wenn uns die eben als Evangelium gehörte Leidensgeschichte nach Johannes Jesus als den zeigt, der aufrecht, entschlossen und würdevoll, ja schon göttlich entrückt den Weg des Kreuzes zu Ende ging.
Hier bei Johannes erkennen wir Jesus als den göttlich Wissenden.
Da scheint das Menschliche an Jesus etwas übergeblendet zu sein.
Da scheint das Menschliche an Jesus etwas übergeblendet zu sein.
Aber wir dürfen gewiss sein, dass ihm nichts Menschliches fremd ist - auch nicht das Allzumenschliche.
Und auch, dass er sich selbst das Unmenschliche antun lässt.
Das ist seine Antwort auf die Frage: Wo ist hier Gott?
Mitten drin, mitten drin im Leid,
auch mitten drin in unserem eigenen Leid leuchtet uns in Jesus das Angesicht Gottes auf - und dadurch sind wir heil.
auch mitten drin in unserem eigenen Leid leuchtet uns in Jesus das Angesicht Gottes auf - und dadurch sind wir heil.
Möge dies zu unserer Gewissheit werden -
und unser Leben prägen.
und unser Leben prägen.
Amen.
(P. Jonathan Düring OSB, Predigt zu Karfreitag 2012)
Abonnieren
Posts (Atom)