Lieber Luther

Lieber Luther
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Samstag, 14. März 2015

Stärke

Lieber Luther,
Lätare, freue dich, dieser Ausruf passt perfekt zum Predigttext dieses Fastensonntages (Joh 12, 20-33). Wie das? Ist da nicht von einem Weizenkorn die Rede, das sterben muss? Und ist dieses Bild nicht auf Jesus gemünzt, auf seinen grausamen Tod? Von Verherrlichung ist außerdem die Rede. Was heißt das alles und wieso ist das ein Grund zur Freude? Aber der Reihe nach.
Griechen, das heißt Ungläubige, wollen zu Jesus, wissen aber nicht recht, wie sie das anstellen sollen. So fragen sie erst einen Jünger, der berichtet ihr Anliegen dem nächsten Jünger und schließlich bringen sie es gemeinsam vor Jesus. Jesus hat sie bisher zu den Seinen, zum jüdischen Volk, geschickt, um zu predigen. Nun kommen da Ungläubige daher und wollen auch Jesu Wort hören. Deshalb bedarf es anscheinend beider Mut, dieses Anliegen vor Jesus zu bringen. Jesus konnte, wenn es um Gott ging, um Wahrhaftigkeit und Gottes Wahrheit, grob sein. Deshalb bedurfte es etwas Mut, für die Ungläubigen bei Jesus zu bitten. Wie reagiert Jesus?
Oberflächlich sieht es so aus, als ob Jesus diejenigen, die ihn suchen, einfach links liegen lässt und sich mit sich selbst beschäftigt: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschen Sohn verherrlicht werden soll, sagt er. Jetzt ist sie da, meine Stunde. Die Stunde, in der offenbar wird, wie Gott in mir wirkt, die Stunde, in der ich in mir klar werde, was Gott von mir will. Nicht am Kreuz, jetzt geschieht dies, in der Predigt, beim Predigen. Jetzt ist die Zeit des Gerichts und gleichzeitig die Zeit der Ernte. In Kanaan, am Anfang seiner Predigttätigkeit, war Jeus Zeit noch nicht reif, jetzt ist sie es. Zeit der Ernte, Zeit des Gerichts, Zeit der Entscheidung. Was er zu sagen hat, hat für ihn höchste Bedeutung, höchste Wahrheit und höchste Wichtigkeit, schon an den Eingangsworten erkennbar:
Amen, Amen, wahrlich wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt bringt es viel Frucht.
So einfach ist es. Die Natur macht es vor. Zunächst kommt der Fall. Auch Jesus ist sterblich, er ist ein Menschen Sohn. Jetzt, da meine Stunde gekommen ist, ist meine Seele betrübt, sagt er. Er sieht, was sich um ihn herum zusammenbraut, nicht nur er wird verfolgt und bedroht wegen seines Glaubens, es sind auch andere. Auch andere haben sie schon ans Kreuz genagelt, der öffentlichen Ordnung, der religiösen Schein-Ordnung wegen. Die Versuchung, dem zu entkommen, sich einfach davonzuschleichen, Verkündigung Verkündigung sein zu lassen, Wort Wort, nur seine Haut zu retten. Um diesen Zwiespalt geht es. Jesus will verdeutlichen, wie man sich in solch einer Versuchung legen soll. Jetzt geht das Gericht über die Welt, jetzt entscheidet sich, wie ich mich entscheide. Am Weizenkorn sei es gezeigt.
Das Weizenkorn stirbt nämlich nicht, das Weizenkorn sprengt seine Hülle. Was mit "sterben" übersetzt ist, heißt ursprünglich: von … weg sterben. Das Weizenkorn entledigt sich seiner Hülle, Jesus klebt nicht an seiner Hülle. Das Weizenkorn wandelt sich. Jesus sagt an anderer Stelle, er muss wandeln, es reicht nicht, heroisch den Märtyrertod zu sterben (Lk 13, 31-33), seine Hülle sterben zu lassen. Es ist der fruchtbare Wandel, den Jesus hier predigt.
Das Weizenkorn stirbt nicht, nur seine Hülle stirbt weg. Das Weizenkorn hat Stärke in sich. Die Stärke ist der Nährboden. Sie lässt den Keimling entstehen, Wurzeln treiben, bis er sich selbst ernähren kann. Tief verwurzelt, kann der Keim aus dem Dunkeln wachsen. Der Nährboden, das Salz der Erde, verleiht ihm die Kraft, die Oberfläche zu durchdringen, zu grünen, Sturm und Wind zu widerstehen, Ähren und neue Frucht zu treiben, sich zu vermehren, es dem Mutterkorn gleichzutun. Sprenge deine Hülle und bringe Frucht in Fülle! Das ist die Botschaft, die Jesus hier so wichtig ist. Amen, lass dich von dem, was dich begrenzt oder bedroht, nicht aufhalten!
Es ist die äußerliche Anfechtung, um die es geht, der auch Jesus ausgesetzt ist. Die Zeit für Jesus ist gekommen, seine Zeit, die Zeit der Anfechtung und der Entscheidung. Es entscheidet sich, ob man lieber an der Hülle festhält oder zur Kraft durchdringt, sich auf den inneren Kern verlässt, auf seine Fruchtbarkeit, auf seine Kraft.
Wer sein Leben lieb hat, der wird es verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt nicht lieb hat, der wird es erhalten zum ewigen Leben. Sei ein fruchtbares Weizenkorn, sagt Jesus. Hänge nicht an der Hülle, verlass die nicht auf die Oberflächlichkeit, baue auf die innere Stärke, treibe Wurzeln in Gottes Nährboden, im Wort, dann wirst auch du zu einem Keimling, der wächst und Frucht in Fülle bringt.
Jesus fragt: Was soll ich sagen? Mein Nährboden ist Gott, ich bin seine Frucht, aus seinem Vaterkorn geworden. Was kann ich deshalb nur sagen? Vater, hilf mir in dieser Stunde! Hilf mir in dieser Stunde der Anfechtung, in der es widerstreitet in mir, an der Hülle zu kleben oder auf deine Stärke in mir zu bauen. Vater, mach offenbar, dass meine Stärke du bist, dass ich nicht wanke. Vater, offenbare, verherrliche, vergegenwärtige deinen Namen, mach es so offenbar, dass es jeder, der dich sucht, in mir sieht. Offenbare deinen Namen in mir und in dem, was ich predige und tue. Lass mich nicht wanken, mache mich zu einem Abbild von dir, das in mir offenbar geschehe und im Wort festgehalten und verkündet ist, dem alle nachfolgen können, die es wollen, die sich für dich entscheiden.
Jesus ist fest. Jesus betet in der Anfechtung. Er wird nur oberflächlich fallen, so wie es die Natur eines Menschenkindes vorgibt. Er baut auf Gottes Stärke in sich: Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Jesus, das fruchtbare Weizenkorn, das Frucht bringt in Gottes Scheuer, derjenige, der es wagt, von der Hülle zu lassen und auf Gottes Stärke zu bauen. Jesus, das fruchtbare Weizenkorn, das sagt: Folgt mir nach, tut, was ich getan habe, predigt das Wort, tut das Wort, verfallt nicht in die Versuchung, an der Oberflächlichkeit festzuhalten, sonst erfahrt ihr nie die Fruchtbarkeit eurer inneren Stärke, dann treibt ihr keine Wurzeln, keine Ähren, keine Frucht, sonst erfahrt ihr nie die fruchtbare Fülle Gottes.
Was soll ich sagen? fragt er. Nur dieses: Vater, hilf mir aus dieser Stunde der Versuchung. Verkläre deinen Namen, mache dich offenbar, dass sie glauben, dass du der allmächtige Gott bist. Es ist nicht mehr viel Zeit, deshalb mach deinen Namen offenbar.
Und Gott macht seinen Namen offenbar. Es donnert. Eine Stimme kommt vom Himmel, in aller Klarheit und Deutlichkeit. Für alle vernehmbar: Ich habe verherrlicht und werde auch wieder verherrlichen. Gemeint ist sein Name, nicht Jesus. Um den Sohn der Menschen Jesus geht es nicht. Und damit das auch klar ist, setzt Jesus gleich hinterher: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen. Für Jesus wäre sie nicht notwendig gewesen. Jesus ist Stärke. Jesus ist Glaubensstärke. Jesus ist als leibliche Person nicht wichtig, wohl aber als Gottes Wortträger. Jesus ist Ebenbild Gottes. In Jesus offenbart sich für uns sichtbar Gott. Er hat für uns zum Vorbild der Versuchung widerstanden. Er hat sich ohne zu wanken für die Stärke im Weizenkorn entschieden, nicht für die Hülle. Der Fürst der Welt hat nicht über ihn gesiegt, sondern der innere Fürst ist sein alleiniger König.
Lieber Luther, die Stimme aus dem Himmel ist um unseretwillen geschehen. Weil wir nicht so stark sind wie Jesus, nicht auf unsere innere Stärke setzen, wie Jesus. Die Stimme ist geschehen, dass wir an Jesus nicht nur Gottes Allmacht sehen, sondern sie auch hören, dass alle Sinne die Chance haben, die Botschaft wahrzunehmen, die Chance, zum ewigen Leben durchzubrechen, der Versuchung zu wehren, an der Äußerlichkeit festzuhalten.
Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Vater, hilf mir aus der Versuchung. Um das zu sagen, um zu zeigen, dass dies der Satz ist, um den es geht, darum bin ich in die Welt gekommen, sagt Jesus. Darum bin ich in die Welt gekommen! Um zu zeigen, dass Gott unsere Stärke ist, es zu predigen, ein Beispiel zu geben, dem ihr nachfolgen könnt.
Das lieber, Luther, ist die Antwort für die Jesus suchenden Griechen, die Ungläubigen, die Gottesfürchtigen, diejenigen, die Jesus suchen, um ihm nachzufolgen. Seid ein fruchtbares Weizenkorn, baut auf Gottes Stärke in euch. Euch das zu sagen, euch das vorzuleben, euch zur Nachfolge aufzufordern, dafür hat Gott mich gesandt. Baut auf Gottes Stärke in euch, seid fruchtbar, tragt Gottes Wort weiter, vermehrt es. Bringt es vor die Ohren aller Menschen. Sprengt die Predigt- und Glaubensgrenzen, die ihr bisher hattet, denn: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen. Wenn meine Saat aus dem Dunkel der Erde aufgeht, dann werde ich alle zu mir ziehen. Mein Wort, meine Stärke, wird ihre Stärke sein, ich werde sie anziehen, nachziehen.
Der Zusatz des Evangelium Schreibers: (Das sagte er aber, zu deuten, welches Todes er sterben würde), ist insofern richtig, als er sagte: Ich sterbe keines Todes, ich bin ein fruchtbares Weizenkorn, das durch seine innere Stärke Frucht in Fülle trägt. Deshalb: Sprenge deine Hülle und bringe Frucht in Fülle! Folge mir nach. Breche durch zum ewigen Leben. Lätare! Freue dich an Gottes Stärke in dir! Amen, Amen, wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es fruchtlos. Lieber Luther, lass uns wandeln, lass uns Jesus nachfolgen, lass uns auf Gottes Stärke in uns bauen, auf dass wir Frucht bringen. Amen, ja Amen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 1. März 2015

Reminiscere

Lieber Luther,
der Mensch scheint unbelehrbar. Das war zu Jesu Zeiten so und ist heute so. Im heutigen Predigttext (Mk 12, 1-12) besteht wieder einmal die Chance, die Botschaft zu verkünden, die verstanden werden will. Aber wer tut das? Welcher Pfarrer wagt dies? Kommt heute die Botschaft, um die es geht, von den Kanzeln oder wird fabuliert und abgelenkt, um ja nicht den Verdacht zu erregen, dass der Gott, von dem sie angeblich predigen, etwas verlangt vom Menschen. Es geht, lieber Luther, um den Herrn des Weinbergs.
Die Geschichte ist einfach und an sich von jedem zu begreifen. Es geht um einen Weinberg, der gepflanzt ist, in den eine Kelter und ein Turm gegraben ist und den der Eigner verpachtet. Als er Knechte schickt, um die Frucht einzusammeln, werden diese gefoltert, misshandelt, getötet. Schließlich schickt der Eigentümer seinen Sohn, weil er denkt, dieser werde respektiert. Aber auch ihn töten die Pächter und werfen ihn aus dem Weinberg. Jetzt wird die Geschichte spannend. Was tut der Eigentümer?
Nach gängiger Kanzellesart müsste er den Folterern und Mördern vergeben, Gott ist die Liebe und vergibt jedem Sünder. Das wird verkündet. Mit Referenz auf Jesus. Jesus ist derjenige, der durch seinen Kreuzestod das vollbringt. Wirklich? Jesus verkündet etwas ganz anderes. Jesus predigt mit dem Gleichnis: Der Hausherr wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben. Es steht kein Wörtchen von Vergebung.
In den Weinberg ist die Kelter gegraben. Die Kelter – in manchen Geschichten die Tenne – steht für Gottes Gericht, dafür, dass Gott jeden ansieht und jede Tat ansieht, die jemand tut. Gott sieht das Morden und Foltern. Gott sieht den Egoismus derer, die in seinem Weingarten arbeiten: Sie sind nur an ihrem Vorteil interessiert, sie wollen die Frucht in die eigene Scheuer bringen, nicht Knecht sein, sondern selbst Herr des Weinbergs, sie wollen bestimmen und das Sagen haben.
Jesus ist gestorben uns zu retten? Und da der König Israels an der Mauer einher ging, schrie ihn ein Weib an und sprach: Hilf mir, Mein König! Er sprach: Hilft dir der HERR nicht, woher soll ich dir helfen? Vor der Tenne etwa oder der Kelter? Die Frau sagte: Gib deinen Sohn her, damit wir ihn essen können, morgen essen wir meinen Sohn. Und er gab seinen Sohn und forderte am anderen Tag den Sohn der Frau: Sie versteckte ihn aber und wollte nicht zu dem Bund stehen, den sie mit ihm getroffen hat (2.Kön 6, 26-29). Jesus ist Nahrung, seinen Leib wollen wir essen, wenn Gott aber unseren Leib essen will, mit Haut und Haaren, dann verweigern wir ihn.
Diejenigen, die von der Kanzel predigen, egal, was Jesus erzählt, Gott ist nur Liebe, nicht auch Gericht, nicht auch einer, der auf die Einhaltung des Bundes, des Pachtvertrages dringt, sind wie das Weib, das den Sohn vom Herrn fordert, aber nicht seinen Teil gibt, wie die Pächter des Weinberges, die so tun, als verschenke Gott die Frucht seines Weinberges für nichts, die seinen Sohn, sein Wort, totschlagen und achtlos vor den Weinberg werfen. Weib oder Pächter im Weinberg: sie entgehen der Kelter nicht. Jesus sagt es deutlich: Er wird kommen und die Weingärtner umbringen! Was heißt das?
Wer ist der, so von Edom kommt, mit rötlichen Kleidern, der so geschmückt ist in seinen Kleidern und einher tritt in seiner großen Kraft? "Ich bin's, der Gerechtigkeit lehrt und ein Meister ist zu helfen." Warum ist dein Gewand so rotfarben und dein Kleid wie eines Keltertreters? "Ich trete die Kelter allein, und ist niemand unter den Völkern mit mir. Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn und zertreten in meinem Grimm. Daher ist ihr Blut auf meine Kleider gespritzt, und ich habe all mein Gewand besudelt. Denn ich habe einen Tag der Rache mir vorgenommen; das Jahr, die Meinen zu erlösen ist gekommen. Und ich sah mich um, und da war kein Helfer; und ich verwunderte mich, und niemand stand mir bei; sondern mein Arm musste mir helfen, und mein Zorn stand mir bei (Jes 63, 1-5).
Die Kelter ist DAS Bild für Gottes Gericht. Eine Kelter war, historisch, eine in Felsen gehauene Vertiefung, in der man die Trauben, die Frucht des Weinbergs, mit den Füßen austrat. Die Trauben waren rot. Die roten Trauben – auch Traubenblut genannt – bespritzten die Kleider des Traubentreters. Die Frucht, die anstatt nährt, besudelt. Jesus ist der Traubentreter, sein Kleid ist weiß. Es wird besudelt von denjenigen, die im Weingarten Gottes angesiedelt sind.
Genau davon spricht Jesus in dem Gleichnis. Von der Tragödie der Arbeiter in Gottes Garten. Er kennt die Schrift und das Wort. Er spricht vom Zorn Gottes über seine Arbeiter: Er wird sie töten, er wird es nicht zulassen, dass sie ihren Bund, ihren Pachtvertrag brechen. Wer den Pachtvertrag bricht, zieht sich seinen unerbittlichen Zorn zu. Wer etwas anderes verkündet, ist einer, der den Pachtvertrag zu seinen Gunsten auslegt, aus Feigheit oder Dummheit das Wort bricht, in die falsche Richtung ableitet. Auch das wird, wenn die Zeit da ist, wie Jesus sagt, ausgekeltert. Der Herr des Weinberges wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen aus seiner heiligen Wohnung; er wird brüllen über seine Hürden (= Zäune); er wird singen ein Lied wie die Weintreter über alle Einwohner des Landes, des Hall erschallen wird bis an der Welt Ende (Jer 25, 30).
Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob Ihr's wohl sahet, tatet ihr dennoch nicht Buße, dass ihr ihm danach geglaubt hättet, so ist im Matthäusevangelium das Gleichnis von den dummen Weinbergpächtern eingeleitet. Und Jesus fragt weiter: Kennt ihr nicht die Schrift? Steht da nicht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Es steht vor euren Augen, es steht da, ihr lest es, tut es aber nicht. Deshalb wird das Reich Gottes von euch genommen und einem Volk gegeben, das Früchte bringt. Wer auf den Eckstein fällt, der wird zerschellen; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen (Mt 21, 32-44).
Schlag an mit deiner scharfen Hippe und schneide die Trauben vom Weinstock der Erde; denn seine Beeren sind reif! Und der Engel schlug an mit seiner Hippe an die Erde und schnitt die Trauben der Erde und warf sie in die große Kelter des Zorns Gottes. Und die Kelter ward draußen vor der Stadt getreten; und das Blut ging von der Kelter bis an die Zäume der Pferde durch tausend sechshundert Feld Wegs (Offb 14, 18-20). Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß Treu und Wahrhaftig, und er richtet und streitet mit Gerechtigkeit... Und war angetan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war; und sein Name heißt "das Wort Gottes". Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, dass er damit die Heiden schlüge; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter des Weins des grimmigen Zorns Gottes, des Allmächtigen. Und er hat einen Namen geschrieben auf seinem Kleid: Ein König aller Könige und ein HERR aller Herren" (Offb 19, 11-15).
Lieber Luther, Jesus sagt es immer wieder: Sie hören es und tun es nicht. Das gilt bis heute. Sie hören, was geschrieben steht, bis ins letzte Kapitel der Schrift, und sie lehren etwas anderes. Lieber Luther, er sagt auch: Der Herr des Weingartens wird sie umbringen und anderen den Weingarten geben. Das heißt, er lässt sie ihr Ding machen und geht andere Wege, gibt anderen seinen Weingarten. Er lässt sie sterben heißt, er lässt sie bedeutungslos werden: vor ihm und für seine Botschaft. Der Weingarten ist tot für ihn. Sein Wort wird dort totgeschlagen, über jeden, der es einfordert, fallen sie her und bringen ihn um. Wo "Gottes Weingarten" draufsteht, muss nicht Gottes Weingarten drin sein. Fruchtlose Weingärten. Jesus sagt es mit aller Deutlichkeit. Gott ist der Herr über seinen Weingarten, nicht die Weingärtner, die den Weingarten für sich beanspruchen. Sein Wort gilt, nicht ihr Wort! Reminisce, Arbeiter im Weingarten Gottes, reminisce!
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 8. Februar 2015

Säen und Ernten

Lieber Luther,
Mariä Lichtmeß, der 2. Februar, ist vorbei und damit definitiv auch die Weihnachtszeit, 40 Tage nach Weihnachten. Früher hieß Maria Lichtmeß: Der Winterruhe ist vorbei, die Feldarbeit beginnt wieder, ausgefeiert, es muss wieder in die Hände gespuckt werden. Das Licht, die Sonne steigt, das Licht, das die Heiden erleuchten soll (Lk 2, 32). Jesu Licht im Jahreskreislauf: Es wird geboren, steigt, fällt, steigt in anderer Gestalt. Und das Ganze wieder von vorn an Weihnachten. Ein Kreislauf von Geburt – Leben – Fallen – Neues Leben, Jesu Lebenskreislauf, der Jahreskreislauf des Wortes, der Natur, des Menschen. Geboren werden – Leben - Sterben – Neues Leben. Die Natur der Natur Gottes. Das Wort wird geboren, gesät, fällt an den Weg, auf felsigen Boden, zwischen Dornengestrüpp oder auch auf gutes Land. Damit sind wir beim Predigttext dieser Woche (Lk 8, 5-15).
Säen, Wachsen, Ernten. Es ging ein Sämann aus, seinen Samen zu säen, in der Hoffnung, dass er auf guten, fruchtbaren Boden fällt, dass kein Körnchen verloren geht, sondern die Saat wächst und gedeiht, genährt von fruchtbarem Boden, frischem Wasser, tief verwurzelt und mit Raum zum Wachsen, beschienen von der Sonne bis zur Zeit der Ernte. Lieber Luther, die Natur macht vor, wie es geht. Deshalb griff Jesus sehr oft zu Gleichnissen aus der Natur. In der Natur erkennen wir Gottes Natur. Natur ist Leben, Gottes Wort zeigt den Weg zum Leben.
Das Gleichnis vom Sämann ist eines der wenigen, das in drei Evangelien vorkommt, weil es einfach ist und anschaulich erklärt, was Jesu Botschaft ist, um was es geht (Mt 13, 19-32; Mk 4, 3-20). Das Leben der Natur kennt jeder. Also müsste das Gleichnis auch von jedem verstanden werden, auch die Botschaft dahinter. Das ist aber nicht der Fall, da es die Natur der Natur ist, dass nicht immer alles glatt läuft. Die Wechselfälle des Wetters verhageln manchmal die Ernte. Es kann aber auch schon bei der Saat anfangen. Wer auf den Wind achtet, der sät nicht; und wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht (Pred 11,4).
Jesus und vor ihm schon die heiligen Menschen und Propheten und in seiner Nachfolge noch viele weitere, haben Gottes Wort vielfältig gesät, immer wieder in andere Bilder gepackt, sich den Mund fusselig geredet. Wort wird erst zum Wort durch Menschen, die es verkünden und durch Menschen, die es aufnehmen. Das Wort ist die Saat, die in uns gesät ist, wir zertrampeln die Botschaft achtlos auf unserem Weg, leben sie oberflächlich, nicht belastbar, haben eine Gottes-Schönwettererwartung, die bei der ersten Wolke zusammenbricht. Wir ersticken das Wort, indem wir es durch unsere banalen Alltagssorgen überwuchern lassen und uns durch irdische Güter, Reichtum, Ruhm, Schönheit, Wohlfahrt und Wohlstand selbst ersticken, nicht die Kraft haben, die Dornen und das Gestrüpp zurückzuschneiden, unter Kontrolle zu bringen und unter Kontrolle zu halten. Wir merken nicht einmal, dass wir uns selbst ersticken oder schieben es anderen oder gar Gott in die Schuhe. Weit gefehlt.
Wir haben es selbst in der Hand, wie wir unseren Acker bestellen. Wie Aasgeier fallen die bekennenden Nichtgläubigen über die Schein-Gläubigen her oder auch umgekehrt, achtlos jedes Wort zertrampelnd. Beide sind in diesem Tun fruchtlos und zerstörerisch, nur böse Saat geht auf. Sie werden sich gegenseitig zertrampeln und auffressen: Mein Erbe ist wie ein bunter Vogel, um welchen sich andere bunte Vögel sammeln, allesamt schiefe Vögel, die meinen Acker zertreten und meine Saat auffressen; sie haben meinen schönen Acker zur Wüste, zur Öde gemacht, aber niemand will es sich zu Herzen nehmen (Jer 12,8-11).
Auch die Lebens-Wetter abhängigen bringen am Ende keine Frucht, da sie nicht tief genug in Gott verwurzelt sind. Jedes Lüftchen oder Wölkchen lässt sie zweifeln, nicht zu sprechen vom Sturm, der Anfechtung. Gottes Wort wird nur hoch gehalten, solange es einem gut geht und nach dem eigenen Kopf. Wehe Gott, wenn mein Leben sich wendet, dann kündige ich meine Freundschaft mit dir auf. Oder auch umgekehrt: Gott wird nur angefleht und angebetet, wenn es einem schlecht geht, man im Elend und der Finsternis ist. Sobald wieder eine andere glänzende Sonne, eine Liebe, eine vermeintliches Glück oder einfach bequemes Wohlergehen aufgeht, schmilzt Gott in ihnen wie ein Schneemann in der falschen Sonne. Keine Substanz. Vielmehr als ein selbstgebauter Schneemann ist Gott, ist sein Wort und seine Botschaft, in diesen Fällen auch nicht. Die Saat hat sich zum Flachwurzler entwickelt, Flachpfeifen, die nicht begreifen, dass man zum Leben lebendiges Wasser braucht, das nur aus der Tiefe zu gewinnen ist. Sie merken gar nicht, wie sie langsam im Schein ihrer falschen Sonnen verdursten und verwelken. Sie geben dem Samen keinerlei Chance zu gedeihen: … und werden wie das Feldgras und wie das grüne Kraut, wie Gras auf den Dächern, welches verdorrt, ehe es denn reif wird (Jes 37, 27).
Und etliches vom Samen viel unter die Dornen und die Dornen gingen auf und erstickten die Saat. Das Lebensgestrüpp überwuchert das Wort und die gute Botschaft. Sie hat keine Chance, bekommt nicht genügend Platz und Raum, sich zu entfalten. Alles andere ist wichtiger. Und am Ende flechten wir noch aus unserem Dornengestrüpp, in dem wir uns verfangen haben, eine Dornenkrone und drücken sie dem Sämann auf das Haupt, behauptend, der eigene Same sei damit aufgegangen, fruchtbar gewesen und werde in Gottes Scheuer gefahren. Welch ein Unsinn. Mit Jesu Lehre oder dem, was bei den Propheten steht, hat das nichts zu tun:
Denn es soll zu der Zeit geschehen, dass die Propheten mit Schanden bestehen mit ihren Gesichten, wenn sie weissagen; und sollen nicht mehr einen härenen Mantel anziehen, damit sie betrügen; sondern er wird müssen sagen: Ich bin kein Prophet, sondern ein Ackermann; denn ich habe Menschen gedient von meiner Jugend auf. So man aber sagen wird zu ihm: Was sind das für Wunden in deinen Händen? wird er sagen: So bin ich geschlagen im Hause derer, die mich lieben (Sach 13, 4-6).
Sie säen Weizen und werden Disteln ernten (Jer 12, 13): Denn das Kalb ist aus Israel hergekommen, und ein Werkmann hat's gemacht, und es kann ja kein Gott sein; es wird zerpulvert werden. Denn sie säen Wind und werden Ungewitter ernten; ihre Saat soll nicht aufkommen und ihr Gewächs soll kein Mehl geben; und ob's geben würde, sollen's doch Fremde fressen (Hos 8, 6-7). Genau so ist es gekommen! Pflügt ein Neues und sät nicht unter die Hecken (Jer 4, 3), damit ihr ein guter Acker werdet! Gebt Acht, begebt auch nicht auf den falschen Acker, lasst euch nicht böse Saat für gute verkaufen!
Der Menschen Sohn ist es, Jesus, der den Guten Samen sät. Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder in Gottes Reich. Das Unkraut sind die Kinder der Bosheit. Der Feind, der sie sät, ist das Böse. Die Ernte aber ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. Gleichwie man das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird's auch am Ende dieser Welt gehen: des Menschen Sohn wird seine Engel senden; und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die da unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappen (Mt. 13, 37-42; Jak 5, 1-7). Und die sieben Engel mit den sieben Posaunen rüsten sich zu posaunen (Offb 8, 6).
Die Zeit der Ernte wird kommen, ist schon da: Saget ihr nicht: Es sind noch vier Monate, so kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebet eure Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte. Und wer da schneidet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf dass sich miteinander freuen, der da sät und der da schneidet. Denn hier ist der Spruch wahr: Dieser sät, der andere schneidet. Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen (Joh 4, 32-38). Das Feld ist schon weiß zur Ernte, das weiße Kleid liegt bereit. Wir müssen es nur anziehen wollen.
Der gute Acker trägt Frucht, der gute Same geht auf, wenn auch nicht jeder Same gleichermaßen, mancher 100fältig, mancher 60fältig, mancher 30fältig (Mt 13, 23; Mk 4, 8). Man kann das verstehen wie beim Gleichnis von den tüchtigen und dem nutzlosen Knecht (Mt 25, 14-30). Jeder hat unterschiedliche Gaben, von jedem wird nur soviel Frucht verlangt, wie in seinem Vermögen steht. Nur gar keine Frucht bringen, bringt am Ende gar nichts ein, da bleibt jede Scheuer leer. Denn siehe, ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und ist geduldig darüber, bis er empfange den Frühregen und den Spätregen (Jak 5, 7).
Lieber Luther, ich könnte noch viel anreihen, aber es ist spät. Wer sät heute? Was heute wohl wieder von den Kanzeln kommt, guter oder schlechter Same? Mich kümmert das nicht. Das Himmelreich ist, als wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft, mag er noch so klein wie einSenfkorn sein, und wächst und gedeiht, so dass auch die Vögel unter der Sonne unter seinen Zweigen Schutz finden (Mk 4, 31-33). Jeder Mensch kann ein fruchtbarer Acker sein, Gottes Wort in sich Raum zum Wachsen geben und aus der Frucht säen, damit sie sich vermehrt. Jeder kann das, jeder kann ein guter Acker sein, wenn er will. Deshalb auf, lieber Luther, in die Hände gespuckt und den Acker bestellt. Maria Lichtmeß ist vorbei. Von nichts kommt nichts!
Herzliche Grüße
Deborrah