Lieber Luther

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Montag, 13. April 2015

Vaterunser (6) - Und vergib JEDERMANNs Schuld (2)

Lieber Luther,
die Entdeckung der Bildlichkeit in 1.Mose 4, 17-25, von der ich dir gestern geschrieben habe, hat mich nicht ruhen lassen. Das was da erzählt ist, hat schon eine Vorgeschichte. Also muss ich auch die Vorgeschichte mit neuen Augen betrachten. Mein Thema gerade, das Vaterunser,
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsren Schuldigern,
hat ihre Wurzeln ganz am Anfang. Wir müssen also noch einen Schritt zurück gehen.
Ich habe mich schon verschiedentlich mit der Schöpfungsgeschichte, mit Teilen daraus, beschäftigt. Man spricht von der 1. Schöpfungsgeschichte (den 7 Tagen an denen Gott die Welt erschuf) und der 2. Schöpfungsgeschichte, die Paradiesgeschichte. Gestern ist mir aufgegangen, dass das nicht 1. und 2. Schöpfungsgeschichte ist, sondern EINE Schöpfungsgeschichte, bis man anfängt auf der Erde den Namen des HERRN zu predigen.
Gott erschuf Himmel und Erde und auf der Erde war es finster (1.Mose 1). Gott bringt nach und nach, an jedem neuen Tag, durch sein WORT (.. und Gott sprach..), durch seine Stimme, erst sein Licht, dann LEBEN in die Welt. Es interessiert mich heute eigentlich nur der rote Faden, rund um die Erschaffung des Menschen und die ganze damit verbundene Dramatik, für beide, Gott und Mensch, und was es da anders zu lesen gilt, als bisher.
Am sechsten Tag sagte Gott: Lass uns adama machen, Ackerboden, fruchtbaren Boden, Menschen Söhne (das Wort adama wird so in der Bibel auch gebraucht), die mir gleich sind, mir zum Bilde. Er sagt, lass den Erdboden fruchtbar für mich werden. Er macht sich im Menschen die Erde untertan und macht sich damit zum Herrscher über die Erde.
Er erschuf sein Bild, und jetzt muss man genau sei, männlich, eigentlich männliches Tier, als Widder (d.h. männliches SCHAF) und weiblich, vom hebräischen Wortstamm her, aber als Festsetzer, Bestimmer, einen der das Sagen hat auf Erden. Er sagt, herrscht über alle Tiere, stampft das Gewürm nieder, tretet die Kelter. Gott hat den Menschen mit einem Auftrag versehen: Tretet alles Gewürm (= Schlangen) nieder und richtet über sie (tretet die Kelter), seid der HERRscher. Gott in Menschenhülle.
Aber adama, der Erdboden, will bearbeitet sein, sonst ist er nicht fruchtbar. Um ein fruchtbarer Arbeiter auf Gottes Acker zu werden, bedarf es Gottes Atemhauch. Gott hat den Menschen wie sich geschaffen, ihm also auch einen Willen gegeben. So haucht er seinem Schaf und Bestimmer seinen LEBENshauch, seinen Geist ein, damit der Mensch auch fruchtbar für ihn wird, weiß, wie und was er zu bestimmen hat . Der Mensch ist aus Staub gemacht. Es kann kostbarer Goldstaub sein, aber auch lose Erde, Schutt. Alles ist dabei (1.Mose 2):
Gott macht den Menschen durch seinen Atemhauch zu einem selbst atmenden Menschen, einem der eigenen Atem schöpft, zu einem selbständigen Menschen, der eigenes Verlangen, eigene Wünsche und – einen eigenen Willen hat. Das ist, was mit "lebende" Seele, gemeint ist, eine die nicht tot ist, nicht krank, Gottes Atemhauch in sich spürt, der Mensch ausgerichtet auf Gott. Auch ein Leichnam, der tote Körper, hat napas. Erst der Atemhauch Gottes macht ihn zu einem (ewig) lebenden LEBEN. Gottes Schöpfung birgt beide Möglichkeiten: das Leben und den Tod.
Gott weiß um die Zwiespältigkeit dieses von ihm geschaffenen Menschen. Es ist einzwiespältiges Schwert von Anfang an. Die vom lebenden Gottesmenschen beseelte Erde wird zum Garten, in dem alles gedeiht und jeder in Frieden miteinander lebt. Im Mittelpunkt, das Zentrum, ist das LEBEN, der Baum des Lebens. Es gibt keinen Tod. Aber, daneben steht der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, des Negativen.
Gott warnt den Menschen. Höre auf mich, du darfst von allen Früchten des Gartens essen, aber nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Gott erkennt: Es ist nicht gut, wenn adam, der Gottesmensch, so auf sich allein gestellt ist. Ich muss ihm rettend beistehen, einen schicken, der Gott bei ihm anzeigt, damit er ihn hört, damit er adam bleibt, der aus dem fruchtbaren Boden kommt. Deshalb steht im Hüter-Psalm: Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat (Ps 121, 2). Adam hat für alles Namen gefunden, aber für sein Gegenüber, für den, der sich in seinem NAMEN offenbart, hat er keinen Namen gefunden. Adam findet keinen Namen für seinen Schöpfer, in dem er sich offenbaren kann.
Gott lässt Adam einschlafen und baut auf einen neuen Menschen, den Jemand, der auch mit weniger auskommt. Gott nimmt – übersetzt ist falsch "Rippe" - zela vom Gottesmenschen, er nimmt eine Seite (Jesus wird am Kreuz eine Seite aufgeschlitzt), einen tragenden Balken, eine Lehne und erbaut den Jeder-Mann, den is, was auch "jeder" heißt, und in der weiblichen Form "jede", Mann und Männin ist übersetzt. Gott baut einen "Jeder", der nur ein Teil vom Gottesmenschen ist. Die Stelle der (ewig) tragenden Säule des Gottesmenschen (der falsch übersetzten Rippe), nimmt jetzt das Fleisch ein, die Vergänglichkeit.
Adam erkennt das nicht. Als Gott ihm den neu geschaffenen, reduzierten Jedermann bringt, ist er hocherfreut. Der Jedermann erhebt zum ersten Mal seine Stimme. Zum ersten Mal macht mich dieser Schritt stark, sagt er. Der Wortstamm von "Gebein" ist azam, stark sein. Von MEINEM Gebein, von MEINER Stärke ist er, der Jedermann, gekommen. Der Gottesmensch ist zu einem Jedermann geworden, der seine Stärke in sich selbst sucht, nicht im HERRN, seinem Schöpfer.
Deshalb ist es auch nur logisch, was dann kommt: Deshalb wird der Jeder Vater und Mutter, den Lebenserzeuger und die Lebensspenderin, lassen, sich anderen Jedermanns anschließen und mit ihnen zu einem Fleisch werden, das heißt gemeinsam zu einem Vergänglichen werden. Hier wird nicht, wie fälschlicherweise gelehrt wird, die Ehe gestiftet, sondern ganz im Gegenteil der Ehebruch mit Gott beschrieben. Der Mensch vertraut auf sich selbst anstatt auf Gott. Der Mensch entblößt sich vor Gott, erkennt aber gar nicht dass er sich entblößt hat und schämt sich deshalb nicht. Noch hat er kein Bewusstsein von Gut und Böse.
Das kommt aber im Weiteren (1.Mose 3). Der Mensch hört nicht, die Begierde, das Verlangen, der eigene Wille ist lauter als die Stimme des Schöpfers. Der Mensch macht sie zum Herr über die Schöpfung aus eigenem Willen, aus Eigenwillen. Er hat sich von Gott, seinem HERRN, abgewandt, der Verführung nachgegeben, macht sich zum eigenen Herrn, hört nicht von Anfang an. Die Jedermann-Frau, Eva, wird zur neuen Lebensspenderin, ersetzt den Urquell allen Lebens. Die Schuldfrage wird – wie es bei Jedermanns so ist – hin und hergeschoben: Ich war es nicht, es war der andere: Adam schiebt es auf Eva, Eva auf die Schlange. Keiner will es gewesen sein. So ist es auch heute noch. Aber Gott sieht tiefer. Er weist die Jedermanns aus dem Paradies, aus der Sorgenfreiheit. Der Mensch hat nicht gehört und muss die Konsequenz tragen, er erkennt und tut Gutes und Böses.
Gott verlässt den Menschen aber nicht, er begleitet ihn auch in seinem sorgenvollen und beschwerlichen Leben (1.Mose 4). Jedermann hat auch einen Teil von Adam, dem Gottesmenschen. Eva gebiert einen Jedermann, sie sagt: Ich habe einen Jederman (is) erworben mit dem HERRN. Sie hat nicht nur das Böse erkannt, als sie vom Baum der Erkenntnis des Bösen und Guten gegessen hat, sondern auch das Gute. Damit wird sie auch zur Hilfe für den HERRN, seinen NAMEN zu bewahren. Der Bruder des Erworbenen heißt "Atemhauch Gottes". Der eine wird Ackerbauer, der andere Schafhirte. Beides sind Arbeiter im Dienst Gottes. Bilder, die von nun an das dem HERRN-Dienen beschreiben. Jesus greift sie immer wieder in seinen Gleichnissen auf.
Aber der Mensch hat aus Begierde das Böse in sich entfacht. Selbst diejenigen, die auf Gottes Acker arbeiten und seine Schafe hüten, bleiben davon nicht verschont. Gott scheint Abel, den Atemhauch Gottes, den Schafhirten, vorzuziehen. Das äußere Opferzeichen zählt für Kain, der Rauch, der zum Himmel steigt oder nicht. Er lässt sich von der Äußerlichkeit verführen. Gott sagt: Wieso bist du zornig und missgünstig? Wieso fällst du? Es gibt keinen Grund. Sei unbesorgt. Wenn, was du tust, gut ist, erhebt es sich zu mir, unabhängig von äußeren Zeichen. Wenn du aber nicht recht tust, bietest du der Verfehlung ein Einfallstor. Darauf wartet der Verführer, die Schlange, nur, du sollst aber über sie herrschen. Das ist dein Auftrag. Jedoch, der Mensch hört nicht auf Gott, er hört auf den Verführer und so erschlägt Kain den Atemhauch Gottes, seine Stimme buchstäblich.
Kain will vor Gott seine Verfehlung vertuschen, aber vor Gott kann man nichts vertuschen. Gott vertreibt ihn von seinem Ackerboden. Er kann kein Arbeiter mehr in seinem Acker sein. Er hat Gottes Acker entheiligt, er hat nicht gehört, er hat sich widersetzt. Der Acker gibt ihm hinfort keine Kraft mehr, unstet und flüchtig sollst du – gottloser Mensch – sein. Kain fürchtet mehr die anderen Menschen als Gott, sie werden mich erschlagen, da ich eine weitere Last auf sie gebracht habe. Gott setzt sein Friedenszeichen als Mal auf Kains Stirn: Nein, kein Jedermann soll Hand an einen anderen Jedermann setzen, egal, was er getan hat, das würde sich 7fach für ihn rächen. Gott will kein Blutvergießen, das Leben steht für ihn im Mittelpunkt, nicht der Tod und nicht die Rache. Jede Rache ist für ihn ein Vergehen gegen ihn, gegen seinen Willen. Deshalb hat er sie so unter Strafe gestellt. So ging Kain weg vom angesicht des HERRN, bestraft und beschützt in der Bestrafung, und wohnte fortan im Land Nod, in der Heimatlosigkeit, im Elend, östlich von Eden, östlich von Gottes Sorglosigkeit.
Lieber Luther, wie es weitergeht, habe ich gestern schon geschrieben, über die Nachkommenschaft Kains. Die Geschichte von Kain und Abel liest sich wie ein zweiter Sündenfall. Immer die gleichen Verfehlungen, der Mensch hört nicht auf Gottes Wort, gibt Verführung und Begierde nach und klagt dann, wenn er sich im Land Nod wiederfindet.
Aber auch das ist die Botschaft: Gott gibt immer eine neue Chance. Wenn man weiter liest, gibt er auch der Nachkommenschaft Kains wiederum eine Chance, bei ihm Ackerbauer oder Hirte zu werden. So geht es weiter,die ganze Bibel hindurch. Der Mensch fehlt aber immer am eigenen Willen, an seiner Gehörlosigkeit, und Gott gibt ihm immer eine neue Chance. Er lässt den Menschen nicht. Bis hin zu Jesus. Jesus ist der Erste, der wieder zum Gottmenschen wird, zum Menschensohn, zum Ebenbild. Der Erste, der es schafft, nicht zu fehlen. Noch nicht einmal Adam hat das geschafft.
Und vergib uns unsere Schuld! Das muss ich nun, lieber Luther, alles erst einmal sacken lassen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Montag, 6. April 2015

Wortreich

Lieber Luther,
was hat Jesus gedacht? Wofür stand er? Was waren seine Grundüberzeugungen? Wie sieht er sich selbst? Hat er seine Person so in Vordergrund gestellt, wie wir das tun? Ist das nicht ein großes Missverständnis? Die Antwort lässt sich erschließen.
Die Bergpredigt ist immer eine gute Quelle der Erkenntnis. Gleich der erste Satz der Bergpredigt ist eine Grundsatzerklärung Jesu. Sein Manifest des Glaubens. Von Königsherrschaft und vom Reich Gottes ist die Rede. Schon sein erstes Statement enthält alle Zutaten, aus denen ihm später ein Kreuz gezimmert wird. Er sagt:
Von Gott gesegnet und endgültig in die Gemeinschaft mit ihm aufgenommen werden diejenigen, die sich beugen vor Gottes Wind, das heißt diejenigen, die vor Gott demütig sind. Sie werden Anteil haben an der Königsherrschaft des jenseits aller Materie Allumfassenden, an dem, was Matthäus bildlich das "Himmelreich" nennt. Wie ist das anzustellen? Wie kann man dieses Himmelreich gewinnen?
Jesus beruft sich oft, so auch in der Bergpredigt, auf die Propheten der alten Schrift. Sie sind seine geistige Heimat. Der "Himmel" als Bild für Gottes Wohnung ist nicht neu. David erkennt, dass der HERR ihm, seinem irdischen gesalbten König, hilft, ihn aus seinem "heiligen Himmel" erhört, erkennbar durch die Heilstaten seiner Rechten. Er wirkt allein durch seinen Namen, durch seine Stimme, durch das, was er durch seine ausgewählten Diener - Propheten in der Regel - verkünden lässt. Wer anderes denkt fällt, wer dem folgt, wird stehen und aufrecht bleiben. Deshalb: HERR, du KÖNIG, erhöre uns am Tag unseres Rufens (Ps 20, 7-10).
Gott spricht von Anbeginn von "seinem Volk", er ist der König dieses Volkes. Das Volk ist von Anbeginn als eine brüderliche Gemeinschaft angelegt. Deshalb sagt Gideon: Ich will nicht Herr sein über euch, und auch mein Sohn soll nicht Herr über euch sein, sondern der HERR soll Herr über euch sein (Ri 8, 23). Aber, die Menschen sind intrigant und machtbesessen. Die Mutter Abimelechs hetzte das Volk auf, er kaufte "lose und leichtfertige" Männer und schon fanden sich welche, die ihn zum König machten. Jotham, der jüngste Sohn Gideons, versucht sie aufzuhalten (Ri 9, 9-15):
Die Bäume baten den Ölbaum, dass er König über sie sei. Der Ölbaum lehnt ab, er sagt, ihr schätzt mein Öl, das Götter und Menschen preisen. Ihr müsstet das Fett lassen, damit ich über den Bäumen schwebe. Dann fragten sie den Feigenbaum. Soll ich etwa meine Süßigkeit lassen, damit ich über den Bäumen schwebe? antwortet der Feigenbaum. Dann fragten sie den Weinstock. Der entgegnet: Soll ich meinen Most lassen, der Götter und Mensch fröhlich macht, damit ich über den Bäumen schwebe? Da sprachen die Bäume zum Dornbusch: Komm, sei du unser König. Und der Dornbusch sprach: Ist's wahr, dass ihr mich zum König salbt über euch, so kommt und vertraut euch unter meinen Schatten; wo nicht, so gehe Feuer aus dem Dornbusch und verzehre die Zedern Libanons.
Der Dornbusch- König gibt nichts, was der Mensch so liebt, das Fette, Süße und Gesellige. In der Geschichte ist der Dornbusch die letzte Wahl der Menschen. Erst ist das Üppige, das Füllige, das Fette, das pralle Leben gefragt. Der Dornbusch hat auf den ersten Blick nichts Attraktives zu bieten, nur Dornen und seinen Schatten. Die falschen Könige, die zuerst gefragt sind, dagegen wohl. Was sie bieten, darauf will der Mensch nicht verzichten. Das Volk, das den König sucht, widersteht den Versuchungen des prallen Lebens nicht. Deshalb lieber einen anderen König suchen. Bei dem man scheinbar billiger wegkommt. Aber, weit gefehlt: Der Dornbusch-König fordert. Er fordert nichts materielles, er fordert inwändiges: Vertrauen. Wenn ihr mich zu eurem König macht und kein Vertrauen zu mir habt, sagt der Dornbusch, dann wird Feuer von mir ausgehen und die Zedern des Libanons verbrennen. Er fordert Vertrauen und bietet Schutz und einen Zufluchtsort. Kein Konsumgut, Lebens-gut. Aber: Ihr müsst mich wahrhaftig zu eurem König machen, Lippenbekenntnisse reichen nicht. Wenn ich nur ein Schein-König für euch bin, werdet ihr an eurer Scheinheiligkeit verbrennen. So kommt, sagt der Dornbusch, ihr müsst wahrhaft zu mir kommen, freiwillig.
Gott allein ist König, ein Mensch vermag solchen Schutz nicht zu geben. Er braucht den Schatten Gottes: Behüte mich wie ein Augapfel, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel heißt es in Psalm 17, 8. Jesus ist Dornbusch für uns. Wie erklärt er uns Gottes Königsherrschaft? Sie ist wie ein Senfkorn. Wenn es auf die Erde gesät wird, ist es der kleinste Same (sperma), doch wenn es gesät ist, geht es auf und wird größer als alle Kräuter und es treibt große Zweige, so dass unter ihren Schatten die Vögel des Himmels ihren Platz finden (Mk 4, 30-32). Jotham und Jesus erklären in ähnlichen Bildern die Königsherrschaft Gottes.
Das Volk verlangt trotz alledem nach einem König und bringt es vor Samuel: Gib uns einen König, der uns richte. Samuel will das nicht und betet. Gott antwortet ihm: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht soll König über sie sein. Sie gehorchen nur anderen Königen, sie gehorchen nur ihrer eigenen Stimme. Doch bezeuge ihnen und verkündige ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen wird (1.Sam 8, 5-22):
Er wird euch dienstbar machen und euch vor sich her treiben, er wird euch eure Söhne nehmen und für sich in den Krieg schicken, ihr werdet seine Äcker bebauen müssen, er wird eure Töchter zu Dienstmägden machen, er wird eure besten Äcker, Weinberge und Ölgärten nehmen und denen geben, die ihm willfährig sind. Ihr werdet Steuern zahlen müssen und von ihm abhängig sein. Wenn ihr euch dann über EUREN König beklagt, so werde ich euch nicht hören.
All das schreckte das Volk nicht, sie wollten nicht auf Samuel hören, sondern bestanden darauf, ihren eigenen König zu haben: …, dass uns unser König richte und vor uns her ausziehe und unsere Kriege führe. Der HERR sprach zu Samuel: Gehorche ihrer Stimme und mache ihnen einen König. Und Samuel sprach: Geht hin, ein jeglicher in seine Stadt.
Es hört sich an, wie ein weiterer Sündenfall. Das Volk verwirft Gott als Richter und als denjenigen, der für es in den Streit zieht. Sie tauschen tatsächlich Gott, den weltumspannenden König, gegen ein Menschlein. Sie wollen nicht von Gott gerichtet werden, sondern von einem irdischen Richter. Sie begreifen noch nicht einmal, als Samuel die Konsequenzen aufzeigt, dass sie sich verkaufen, sich versklaven, sich abhängig machen von menschlicher Willkür. Sie gehen sehenden blinden Auges in ihr Unglück. Die irdenen Könige, die kommen werden, Saul, David und alle folgenden, bis auf den heutigen Tag, werden es so machen, wie vorausgesagt.
Aber: Gott gibt die Fäden nicht aus der Hand: Denn siehe, der HERR hat einen König über euch gesetzt (1.Sam 12, 13-18). Er mischt mit und lässt sein Volk nicht. Er gibt ihm immer und jederzeit die Chance umzukehren und auf ihn zu hören. Wenn nicht, soll das Volk seinen Willen haben, es wird darunter immer welche geben, die auf ihn hören und seine Saat weitertragen. Gehorcht, sagt Samuel, seht die großen Zeichen, die Gott tut. Ist nicht Weizenernte? Ich will den HERRN anrufen, dass er es donnern und regnen lassen soll, dass ihr innewerdet, welch großes Übel ihr vor den Augen des HERRN getan habt, als ihr euch einen König erbeten habt. Und Gott ließ donnern und regnen.
Jesus beginnt seine Bergpredigt mit dem, was ihm am wichtigsten ist: die Königsherrschaft Gottes, Gottes Reich. Er fängt an, wieder geradezurücken, was Samuel nicht vermocht hat: Das Volk wieder dazu zu bringen, Gottes Königsherrschaft anzuerkennen: Von Gott gesegnet und endgültig in die Gemeinschaft mit ihm aufgenommen werden diejenigen, die sich beugen vor Gottes Wind, das heißt diejenigen, die ihn als ihren König anerkennen. Sie werden Anteil am Reich des allumspannenden Königs haben.
Lieber Luther, das ist Jesu Programm. Jesus sät das Senfkorn Wort, er errichtet die Gottesherrschaft neu, indem er wieder Gottes Reich über jegliches irdische Reich, über jeden irdischen König und Götzen setzt. Jesus sät das Senfkorn Wort, er erzählt kraftvoll von Gott. Er will den Menschen die Gottesherrschaft, das Himmelreich, wieder schmackhaft machen, sie dazu bewegen, die irdischen Könige und Götter zu lassen, ihm darin nachzufolgen, Gott allein zu folgen.
Gottes Reich ist das Wort, ist logos. Für die Erzväter, für Mose, Samuel, David, Salomon, Elia, Jesaja, Jeremia, Hiob, Hesekiel, um nur die Prominentesten zu nennen, war das selbstverständlich. Außer ihnen gab es noch viele, zu denen Gott geredet hat, die sein Wort erkannt und weitergetragen haben. Jesus steht in dieser Reihe. Auch in seinem Verständnis der Anerkenntnis der Königsherrschaft Gottes. Er hat sich immer nur als Sohn, Knecht, Hirte verstanden, seinem himmlischen Königs-Vater gegenüber ohne Ausnahme demütig und gehorsam. Er war Wortdiener, er hatte niemals einen Anspruch, König zu sein. Oberste Autorität war für ihn Gott allein, sein Wort.
Geschichte wiederholt sich, fast bis ins Detail. Auch Glaubensgeschichte. Etwa 1000 Jahre nach Samuel gibt es wieder ein Volk, das nach einem König verlangt. "König der Juden" steht über Jesu Kreuz. Wieder ist es das Nichthörenwollen dessen, der das Wort Gottes verkündet. Sie verwerfen den Eckstein zu Gottes Reich. Gott könnte genauso wie zu Samuel zu Jesus gesagt haben: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht soll König über sie sein.
Nach der Johannesversion fragt Pilatus Jesus (Joh 18, 33-38): Bist du der König der Juden? Jesus antwortet logischerweise: Mein Reich unterliegt nicht dieser Weltordnung, sonst hätten diejenigen, die mich auf dem Weg begleiten, um den Sieg gekämpft. Will heißen: In dem Königreich, von dem ich spreche, braucht man nicht um den Sieg zu kämpfen. Man hat, so man Gottes Wort folgt, Anteil daran.
Pilatus hakt nochmals nach: Bist DU dann doch ein König? Jesus hatte vorher schon auf diese Frage eine Gegenfrage gestellt? Fragst du das von dir aus oder haben dir das andere ins Ohr geflüstert? Bin ich denn Jude, wehrt Pilatus ab. Nun also nochmals ein Versuch: Bist DU mit deinem Reich jenseits dieser Welt dann doch ein König? Jesus sagt: Das sagst DU, ich aber sage: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die WAHRHEIT (der Gottesherrschaft) Zeugnis ablege. Jeder, der wahrhaftig ist, der an Gottes Reich teilhat, hört meine Stimme, da er auf das Wort, das ich geredet habe, hört. Pilatus fragt: Was ist Wahrheit? Er gehört also offensichtlich nicht dazu.
Lieber Luther, Jesus ist der Dornbuschkönig, die Dornenkrone haben sie ihm symbolträchtig aufs Haupt gesetzt. Diese Dornenkrone hat er mit Überzeugung getragen. Seine Botschaft war: Vertraut mir, ich vertraue Gott. Gott allein ist unser König. Sein Reich ist das Wort. Ich bin gekommen, um diese Botschaft zu erneuern, um euch zu sagen, wie ihr an Gottes Reich Anteil haben könnt. Ich lasse durch das Wort, das ich predige, Gottes Reich wachsen, ich lege das Saatkorn. Es ist ganz einfach, Anteil an Gottes Reich zu gewinnen: Hört auf das Wort! Nur das kann euch vor dem Verderben retten. Ich vermag es nicht, was immer die Sündentheologie fabuliert, das vermag nur das Wort meines Vaters. Das Himmelreich ist ein Wortreich!
Herzliche Grüße
Deborrah