Lieber Luther

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Dienstag, 12. Januar 2016

Bibel Zwistigkeiten

Lieber Luther,

wie du sicher bemerkt hast, befasse ich mich verstärkt mit der Weisheitsliteratur der Bibel, mit den Sprüchen und Psalmen. Beides sind Schatztruhen für den Glauben. Die Inhalte können auch heute noch bestehen, sofern man sich nicht von kirchlichen Dogmen in seinem Blickfeld begrenzen lässt. So will ich dieses Jahr schauen, wohin mich diese Weisheitsliteratur führt, das ein oder andere mit dir teilen. Womit ich mich sicher nicht befasse, sind die Predigttexte für dieses Kirchenjahr. Episteln. Jede Woche lese ich und versuche, etwas aus ihnen herauszuziehen, was nicht Dogma ist, aber es gelingt nicht. So lasse ich diese Texte links liegen, ich brauche mich nicht selbstkasteien.

Wofür hat Jesus gestanden? Sicher nicht dafür, was in den paulinischen Briefen steht. Fakt ist, dass die Jesusworte von den kirchlichen Bibelredakteuren entsprechend der Kircheninteressen umformuliert wurden. Nehmen wir dagegen das Thomasevangelium. Es ist ein Schatz, eine Sammlung von Jesusworten, ohne zusammenhängende Handlung. Das Thomasevangelium steht nicht in der Bibel. Es hat die kirchliche Zensur aus naheliegenden Gründen nicht passiert. Hier findet man einen anderen Jesus, als den, der uns kirchlich verkauft wird.

Das Thomasevangelium, so wie es in Nag Hammadi gefunden wurde, ist eine Übersetzung vom Hebräischen ins Griechische. Die Übertragung des Hag Hammadi Textes erfolgte etwa im 2. Jahrhundert n.Chr. Die Originaltexte sind damit spätestens im ersten Jahrhundert nach Christus entstanden und damit sehr zeitnah zu Jesu Leben. Für etwa die Hälfte der Texte gibt es Übereinstimmungen mit den synoptischen Evangelien Matthäus, Markus und Lukas, für die andere Hälfte nicht. Nicht alles, was als Jesusworte im Thomasevangelium überliefert ist, passte zu den kirchlichen Lehren. Deshalb wurde kurzerhand das gesamte Thomasevangelium als häretisch aussortiert.

Gott bewahrt sein Wort. Die gesammelten Jesusworte im Thomasevangelium geben einen Blick auf Jesus, der frei ist von Personenkult. Er zeigt, für was Jesus wirklich stand, sofern man das nach über 2000 Jahren und magerer Quellenlage überhaupt noch sagen kann. Er zeigt einen kämpferischen Jesus, der nicht so pazifistisch war, wie er nachträglich gemacht wurde, was allerdings auch schon in den kanonischen Evangelien nicht ganz weg zu redigieren war. Im Logion 16 von Codex II aus Nag Hammadi (NHC) liest man folgendes:

Jesus spricht: „Vielleicht denken die Menschen, dass ich gekommen bin, Frieden in die Welt zu werfen. Doch sie wissen nicht, dass ich gekommen bin, Zwistigkeiten auf die Erde zu werfen: Feuer, Schwert, Krieg. Es werden nämlich fünf in einem Haus sein: Es werden drei gegen zwei sein und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater. Und sie werden dastehen als einzelne.“ (NHC II, 2,16).

Was hat Jesus da vorhergesehen? Wieviel sind in seinem Namen in Kriege gezogen? Heute noch? Wieviel reklamieren ihn für sich, ohne einig zu sein, ja unversöhnlich? Katholische Kirche gegen evangelische Kirche und wiederum in der Lehre unterschiedlich die orthodoxen Kirchen. Nicht zu vergessen die vielen evangelikalen Kirchen oder Freikirchen. Schon nach Jesu Tod fingen die Zwistigkeiten an: Paulus gegen Jakobus, den Jesus nach NHC II, 2,12 zu seinem wahren Nachfolger bestimmt hat (NHC II, 2,12):

Die Jünger sprachen zu Jesus: „Wir wissen, dass du von uns gehen wirst. Wer ist es, der über uns herrschen wird?“ Jesus sprach zu ihnen: „Woher ihr gekommen seid – zu Jakobus dem Gerechten sollt ihr gehen, um dessentwillen der Himmel und die Erde entstanden sind.“

Über den Jakobusbrief in der Überlieferung von Nag Hammadi habe ich schon berichtet. Er eröffnet einen anderen Blick auf das, was Jesus mit „glaubt an mein Kreuz“ gemeint hat. Von Paulus, der Jesus nie getroffen und sich seine Lehre frei zusammengereimt hat, ist im Codex Nag Hammadi mit keiner Silbe die Rede.

Oder hat Jesus mit seinem Wort über die Zwistigkeit, die er bringt, seine kommende Vereinnahmung durch die verschiedensten, nicht miteinander zu vereinbarenden Theologierichtungen gemeint? Die Unterschiede fangen schon mit den verschiedenen Evangelien an, die in ihrer theologischen Richtung bei näherer Betrachtung unvereinbar sind. Das fällt nicht auf, wenn man innerhalb eines Evangeliums liest, oder nur 5 Verse, jedoch wenn man horizontal liest, die verschiedenen Stellen parallel, entdeckt man die Unterschiede. Etwa, um nur ein Beispiel zu nennen, bei der grundlegenden Auffassung, ob das Reich Gottes mit Jesus bereits gekommen ist oder erst noch kommen wird. Wenn man darauf achtet, entdeckt man im horizontalen Lesen der vergleichbaren Bibelstellen den unterschiedlichen Duktus, der zu völlig anderen Schlussfolgerungen, Botschaften und Konsequenzen für die Leser bzw. Gläubigen führt, nimmt man sie ernst.

Das Markusevangelium, das als ältestes Evangelium angesehen wird, ist z.B. aus apokalyptischer Sicht geschrieben. Die Jesusworte werden hier so formuliert, dass die Botschaft ist: Gottes Reich kommt bald, durch den „Menschensohn“. Jesus, der Menschensohn, wird die Welt und ihre Menschen danach richten, ob sie Jesu Lehre angenommen haben oder nicht. Jesus ist derjenige der das Reich Gottes in das irdische Leben bringt. Nach seinem Tod wird Jesus bald zum Gericht zurückkehren und Gottes Reich bringen (was sich dann nicht erfüllt hat).

Das Matthäusevangelium ist dagegen in jüdischer Tradition verfasst. Matthäus Botschaft ist: Die Prophezeiungen aus der Alten Schrift sind mit Jesus in Erfüllung gegangen. Wer die Gesetze und die Gebote nicht einhält, wird das Heil nicht finden. Gottes Reich ist mit Jesus noch nicht gekommen. Eine diametral entgegengesetzte theologische Position vertritt Paulus: In Paulus Sichtweise braucht man kein Gesetz halten, um das Heil nicht zu verlieren, mit einer Ausnahme: das Gebot „Liebe deinen Nächsten“. Wieso genau das gilt und andere Gebote nicht, die wesentlich öfters in der Bibel erwähnt werden, ist unklar. Aber, an sich ist auch das bei Paulus egal, da der Mensch schon durch den Glauben allein an Jesus Christus gerechtfertigt ist. Bei Matthäus geht dagegen ohne Einhaltung des Gesetzes gar nichts. In der Bergpredigt heißt es:

„Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: Bis dass Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüttel vom Gesetz, bis dass es alles geschehe. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute also, der wird der Kleinste hießen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich“ (MT 5, 17-19).

Das nimmt, interessanterweise, der Jakobusbrief wieder auf: Denn so jemand das ganze Gesetz hält und sündigt an einem, der ist’s ganz schuldig (Jk 1,10). Jakobus hat Jesus in einem im Thomasevangelium zitierten Logion wie bereits erwähnt zu seinem Nachfolger erklärt. Jesus war dieser Position gemäß seiner jüdischen Tradition sehr nahe, Paulus sehr ferne.

Der Schreiber des Lukasevangeliums hatte eine noch andere theologische Position: Jesu Tod soll die Menschen dazu bringen ihre Sünden zu bereuen und zu Gott umzukehren. Das Heil erwirkt der Mensch durch Buße, wodurch er Vergebung erlangt. Sünden müssen vergeben werden und dazu ist Umkehr und Buße notwendig. Jesu Tod ist für ihn kein Tod für unsere Sünden. Gleich im Eingangskapitel stellt Lukas seine theologische Position klar.

Die Erkenntnis des Heils besteht, wie im Benedictus festgehalten, „in Vergebung ihrer Sünden durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes“ (Lk 1, 77). Manche übersetzen, dass die Barmherzigkeit unseres Gottes uns „besucht hat“, andere „besuchen wird“. Das ist für einen Gläubigen ein fundmentaler Unterschied. In dem einem Fall hat Gottes Barmherzigkeit uns schon besucht, im anderen Fall wird sie es erst in einer unbestimmten Zukunft tun. Auch in die Übersetzungen spielen die theologischen Positionen hinein. Für Lukas ist Sünde immer mit noch notwendiger Vergebung verknüpft, Jesu Tod erinnert daran, dass die Menschen zu Gott umkehren müssen. Jeder Mensch muss aber für sich Buße tun und Vergebung erlangen.

Eine wesentlich abstraktere Sicht herrscht im Johannesevangelium, das als letztes entstanden ist. Jesus ist hier fleischgewordenes Wort und Jesus wird in seiner Person in den Mittelpunkt gestellt. Der Schreiber legt Jesus eine Vielzahl „Ich bin“ Worte in den Mund. Wer wie er Licht werden will und zum Vater in den Himmel kommen will, glaube an ihn und seine Worte. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich” (Joh 14, 6). Im Johannesevangelium wird Jesus zum Flaschenhals zur Erreichung des Heils. Es hat eine Sonderstellung, da es eine eigene Theologie vertritt, die nicht Jesu Auffassung war und sein konnte, da Jesus in jüdischer Tradition und Kultur aufwuchs und lehrte, nicht in griechischer.

Und was vertreten die Kirchen heute? Sie nehmen sich verschiedene Teile aus allen Evangelien und der Bibel und bauen sich daraus ihre eigenen Theologien und Dogmen, für sich in Anspruch nehmend, dass allein ihre Variante zum Heil führt. Alle Varianten sind gleich richtig oder falsch.

Jesus spricht: „Vielleicht denken die Menschen, dass ich gekommen bin, Frieden in die Welt zu werfen. Doch sie wissen nicht, dass ich gekommen bin, Zwistigkeiten auf die Erde zu werfen: Feuer, Schwert, Krieg. Es werden nämlich fünf in einem Haus sein: Es werden drei gegen zwei sein und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater. Und sie werden dastehen als einzelne.“ (NHC II, 2,16).
Lieber Luther, genauso ist es gekommen und genauso wird es weitergehen.

Weitere Texte aus der Quelle Nag Hammadi: http://deborrahs.com/?s=Nag+Hammadi

Herzliche Grüße
Deborrah

Montag, 9. November 2015

Gefangen in Dogmen

Lieber Luther,

wieso scheinen die Kirchen so unbeweglich, so starr und so tot? Sie sind Gefangene ihrer Dogmen. Diese knebeln sie so sehr, dass sie letzten Endes an ihre Selbstfesselung ersticken werden. Die Grundfrage dahinter ist: Lässt sich Gott und seine Allumfasstheit wissenschaftlich erfassen?

Dogmatik, so schreibt Karl Barth, der evangelische Kirchenvater des 20.Jahrhunderts,

ist die Wissenschaft, in der sich die Kirche entsprechend dem jeweiligen Stand ihrer Erkenntnis über den Inhalt ihrer Verkündigung kritisch, d.h. am Maßstab der Heiligen Schrift und nach Anleitung ihrer Bekenntnisse Rechenschaft gibt.

Es geht um die christliche Kirche und um das Was der Verkündigung. Und es geht um den wissenschaftlichen Anspruch. Wer sich mit Dogmatik befasst, so Barth, müsse sich auf den Boden der christlichen Kirche und ihres Werkes stellen. Das sei eine conditio sine qua non.

Damit sind die Fronten klar. Kritik kann nur von denjenigen kommen, die außerhalb der Kirchen stehen. Sie werden aber per definitionem von der Berechtigung, sich mit den aufgestellten Dogmen zu beschäftigen, ausgeschlossen. Die Schotten sind dicht zu halten.

„Die“ Kirche könne zwar mit der Erkenntnis dessen, was sie zum Dogma erhebt, irren, aber das sei ihr nicht zum Vorwurf zu machen, da man nur das von ihr verlangen könne, was gerade der Stand ihrer Erkenntnis sei. Das sei ihrer Existenz in der jeweiligen Geschichte geschuldet.

Was ist „die“ Kirche? Die Kirche sei, und da hört die Wissenschaft auf und das Dogma fängt an, eine Gabe Gottes. Man könnte sie auch nüchtern als eine Organisation definieren, die wie jede andere, eine Hierarchie hat, Macht und Einfluss ausübt oder ausüben will, verfasst ist, Mitglieder hat, eine Verwaltung, eine Unternehmensphilosophie und, nicht zu vergessen, wirtschaftliche Interessen.

Die Auffassung der Kirche als Gabe Gottes verweist zurück auf ein Theologieverständnis, das „die“ Heilige Schrift, „das“ Evangelium, als das Wort des sich selbst kundgebenden Gottes auffasst. Das Selbstverständnis von Kirche, Theologie, Dogma und Schrift ist, dass es Gottes Wille und Werk ist, das sie ist, was sie ist, wie sie ist und dass sie ist. Es bestehen drei Voraussetzungen, die ihre Existenz begründen:


  • Die Texte der Schrift sind die Selbstkundgebung Gottes
  • Menschen, denen es gegeben ist und die bereit sind anzuerkennen, dass diese Selbstkundgebung Gottes für sie geschehen ist.
  • Die Vernunft, d.h. das Wahrnehmungs-, Urteils- und Sprachvermögen aller (glaubenden) Menschen, dass es diesen technisch ermöglicht, sich an der dem im Evangelium sich selbst kundgebenden Gott zugewendeten theologischen Erkenntnisbemühungen aktiv zu beteiligen.


Die gesamte (evangelische) Theologie wird um das Dogma gebaut, die zur Bibel von Menschen zusammengefassten Schriften seien unanfechtbar und unanzweifelbar Gottes Wort, das er selbst, mitten unter den Menschen an alle Menschen gerichtet und gesprochen hat, spricht und sprechen wird. Es sei das Wort seines Tuns an den Menschen, für die Menschen und mit den Menschen, ein sprechendes Tun.

Die Schrift wird als absolutes Wort Gottes gesetzt, zum einen Wort des EINEN, das nicht vieldeutig, sondern eindeutig ist und sowohl „dem Weisesten wie dem Törichsten an sich sehr wohl verständlich“. Diese (evangelische) Theologie, ja die ganze Kirche, steht und fällt mit dem Dogma vom Evangelium als gesprochenes Wort Gottes, noch eingrenzender: „Das Wort Gottes ist darum Evangelium, gutes Wort, weil es Gottes gutes Tun ist, das in ihm zur Aussprache und Ansprache wird.“

Gott wird mit menschlichem Maß gemessen, an unserem Begriff von Gut und Böse. Mensch schreibt Gott das „Gut“ zu. Ist das eine Kategorie für Gott? Denkt Gott in Gut und Böse, oder ist es nur der Mensch, der gut und böse ist und auf Gott projiziert, dass auch er gut und böse ist? Gut und Böse sind so oder so Kategorien, die nicht absolut fassbar sind. Wie nicht absolut fassbare Kategorien, deren Inhalt sich in Jahrtausenden vielfach geändert hat, zum Maßstab für Gott setzen? Oder meint man darunter ein ganz bestimmtes Gut und Böse, ein dem „abendländischen“ Kulturverständnis geschuldetes? Gibt es das überhaupt? Ist Gott ein aufrechter Europäer oder Deutscher oder Schweizer? Das wäre uns wohl das Liebste. Schon die Idee, dass Gott ein auf menschliches Maß reduziertes Wort, Denken und Tun hat, ist eine Reduktion Gottes auf menschliches Maß, eine menschliche Anmaßung sondergleichen.

Theologie setzt sich über Gott. Theologie spielt Gott. Sie maßt sich an für Gott zu sprechen, verschanzt hinter einer Pseudowissenschaft, die ihre Dogmen, ihre Existenz an sich, rechtfertigen will. Wie kann sich ein Mensch, eine Kirche, ein Theologe, anmaßen, für Gott zu sprechen, der sich unserer Phantasie und schon gar jeder Wissenschaft entzieht? Es wird zwar eingeschränkt „dem Stand der Erkenntnisse“ entsprechend, aber welche wissenschaftliche Erkenntnis kann es von Gott geben? Gottes Geheimnis entzieht sich jeder menschlichen Wissenschaft und jeglichem menschlichen Verstand. Bescheidenheit steht bei Kirchen und ihrer Theologie nur auf dem Papier, es ist vielmehr eigene Überhöhung, Rechtfertigung der eigenen Existenz.

Lieber Luther, entgegen jeder Wissenschaft, entgegen jeder Vernunft, besteht die christliche Theologie darauf, dass die Schriften, die wir als Bibel kennen, das gesprochene eindeutige Wort Gottes ist. Da erübrigt sich jedes Wort. Aus Macht- und Existenzerhaltungsgründen kann sie gar nicht anders. Eine Kirche, eine Theologie, die ein Sammelsurium von Schriftstücken zum Gott macht, die ihre Existenz und ihr gesamtes Fundament darauf gründet, hat sich selbst in ein dogmatisches schwarzes Loch katapultiert, in dem sie irgendwann verschwinden wird. Jedenfalls wird klar, wieso dieses Dogma mit Zähnen und Klauen verteidigt wird.

Es wird mir dabei auch erschreckend klar, wieso Pastoren, die in dieser Denke ausgebildet wurden, sprachlos sind, nichts zu sagen haben, für nichts einstehen, für nichts jedenfalls, was die Schrift betrifft, die sie rechtfertigen sollen. Als Zeugen 2.Klasse, nach den Autoren der Schrift – den behaupteten „Zeugen“, die sie faktisch nicht waren - sind sie schon per Dogma als ein Zeuge Gottes kastriert. Schon per Lehre kann Gottes Wort nicht an sie ergehen. Gottes Wort ist mit seiner Selbstäußerung in den Schriften der zur Heiligen Schrift kanonisierten Bibel per Dogma verstummt. Wen wundert da die Verirrung der Pastoren, die Predigten, die oft jenseits jeder Schrift sind?

Die (evangelische) Kirche benimmt sich mit der Selbstfesselung in ihren Dogmen die Chance, die Schriften der Schrift als das zu sehen, was sie sind und zu leisten vermögen: Sie geben Zeugnis von Menschen und ihrer Begegnung mit Gott über Jahrtausende. Im Echo dieser Erfahrungen bekommen wir eine Ahnung von Gott, wächst unsere Sehnsucht, diesen Gott in seinem Tun jeden Tag zu erfahren, mit ihm in Kontakt zu treten. Insofern sind diese Zeugnisse von unschätzbarem Wert für uns, weil sie uns auf die Spur Gottes bringen. Die Kirchen und Theologen, welcher Couleur auch immer, braucht es dazu nicht.

Herzliche Grüße
Deborrah

Keine leichte Kost:
Karl Barth: Einführung in die evangelische Theologie; 8.Aufl.; Zürich 2013
Karl Barth: Dogmatik im Grundriß; 11. Aufl.;  Zürich 2013

Montag, 26. Oktober 2015

Bibel - das offenbarte Wort Gottes?

Lieber Luther,

ist das Neue Testament gefährlich, frauenfeindlich, antisemitisch und homophob? So einfach ist die Frage nicht zu beantworten, deshalb muss ich nochmals an meinen letzten Brief anknüpfen. Jeder Text, so auch die biblischen Texte, haben Verfasser, die mit dem Text etwas bewirken wollen. Sie sind in einer bestimmten Zeit und Kultur, mit individuellem Bildungshintergrund des Verfassers, entstanden. Das beeinflusst was und wie sie schreiben. Davon habe ich dir schon geschrieben. Bei der Bibel, Altem und Neuen Testament, handelt es sich um eine Vielzahl solcher Texte, zusammengefasst in „der“ Schrift. Beinhaltet die Schrift das offenbarte Wort Gottes? Damit möchte ich mich heute auseinandersetzen.

Die Bibel ist ein Konglomerat aus Schriftstücken, die über viele Jahrhunderte hinweg produziert worden sind. Die Bibel ist zur Bibel geworden, indem diese verschiedenen Schriftstücke wiederum über Jahrhunderte hinweg letzten Endes kanonisiert und in ein Buch zusammengefasst wurden. Das macht sie an sich noch nicht zu etwas Besonderem. Den Homer‘schen Göttergeschichten ist es ähnlich ergangen oder Grimms Märchen.

Die Bibel wurde erst zur Bibel, indem das, was in ihr steht, durch kirchliche Zuschreibung zum Wort Gottes gemacht wurde. Gott wird zum eigentlichen Autor der Bibel erklärt. Ihr wird dadurch ein Alleinstellungsmerkmal zuerkannt, hinter dem man Gott als unanfechtbare Autorität vermutet. In Wirklichkeit sind es aber kirchliche Amtsinhaber, die diese Texte als Gotteswort postulieren und damit ihre Autorität gleich mit unantastbar machen wollen. Aus vielen Schriften wurde „die“ Schrift, garniert mit „heilig“, was half, die Autorität dieser Schriften zu unterstreichen. In der Bibel ist in keinem Text von „heiliger“ Schrift zu lesen, nur von „Schrift“, womit immer ein ganz bestimmter Text gemeint ist. Von Kirchenpolitik im Sinne von Machtsicherung ist diese angeblich heilige Zuschreibung nicht zu trennen, genauso wenig die Behauptung, dass der Vorgang der Kanonisierung göttlich inspiriert sei.

An die Stelle der traditionellen prophetischen Auslegung des göttlichen Willens im Judentum tritt in christlicher Uminterpretation die Schrift als kodifizierter Wille Gottes. Aus durch Prophetenmund gesprochenem Wort wird eine kodifizierte Buchstabenfolge, über deren Auslegung und Stellenwert bis heute gestritten wird, trotz aller dogmatischer Setzungen, dass sich „die“ Schrift als in sich konsistent selbst auslege.

Um bei der Auslegung der Schrift das Feld nicht Hinz&Kunz zu überlassen, wurde in der frühen Kirche die Auslegungshoheit dem Papst zuerkannt. Luther tat sein Scherflein dazu, um den Wortsinn der jüdischen Texte des Alten Testamentes christologisch umzuinterpretieren. Einzelne Bibeltexte werden ins Feld geführt und mit der ihnen zugesprochenen Autorität der (Schein)Beweis geführt, dass die kirchliche Lehre in ihren dogmatischen Aussagen mit „der“ Schrift und damit dem Wort Gottes übereinstimmt. Dass es „die“ Schrift niemals gegeben hat, fällt unter den Tisch. Der Gesamtzusammenhang und historische Kontext der völlig verschiedenen Texte, die Intention der Schreiber, der Tenor der Glaubenserfahrungen wird der Rechtfertigung der kirchlichen Dogmen geopfert. Theologisch angeleitete Bibelexegese, universal behauptete Verbalinspiration direkt von Gott, stellvertretend für den Rest der Menschheit empfangen.

Ist das von Gott gewollt, dass ich meine Beziehung zu Gott von der herrschenden Lehre bestimmen lasse oder ist es von ihm gewollt, dass ich diese durchschaue? Wieso sollte die kirchliche Position richtig und meine falsch sein? Mit welchem Recht setzt die Kirche mich vor Gott ins Unrecht und sich ins Recht? Kirchenrecht ist nicht Gottes Recht.

Die Bibeltexte insbesondere des Neuen Testaments wurden prägend für das christliche Ethos, für die abendländische Kultur mit ihren Vorstellungen von Gütern, Pflichten und Tugenden. Die Auseinandersetzung zwischen rechter Lehre und Irrlehre vollzieht sich im dogmatisch geleiteten Irrlichtern zwischen der Lehre von der Bibel als Wort Gottes und den modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen, in deren Spiegel diese Position ad absurdum geführt ist.

Wenn ich mein Bibel- und Christenbild, das mir in Jahrzehnten eingetrichtert wurde, so in Trümmern liegen sehe, frage ich mich, was das in der Konsequenz für mich, meinen Glauben, mein Verständnis der Bibel heißt. Eigentlich ist das einfach: Die Schrift, besser die Schriften, als das nehmen, was sie sind: Als Texte, die von Menschen für Menschen geschrieben wurden, um ihre Glaubenserfahrungen zu bezeugen und Zeugnis abzulegen von dem EINEN Gott. Die Autoren haben ihr jeweiliges Verständnis aufgeschrieben, um die Nachwelt zum Glauben an diesen Gott zu bringen, vor dem Hintergrund ihrer sozialen, kulturellen und politischen Lebenswelt. Es sind Zeugnisse dessen, wie Gott im Leben, in vielen unterschiedlichen Leben, über Jahrtausende, zu erfahren ist. Sie berichten von dem was bleibt, wenn der Mensch, der in seiner Lebenswelt verhaftet ist, geht. Ohne diese Zeugnisse weiß Mensch das nicht, hat nicht das Wissen oder die Erfahrung von diesem Gott, keine Chance sich bei diesem Gott zu bergen.

Zum Verständnis der Schriften braucht man Religion und Kirchen nicht, im Gegenteil, sie behindern und hemmen einen im Glauben, nehmen die eigene Offenheit den Texten, der schon einmal erlebten Glaubenserfahrung gegenüber und begrenzen einen auf die dogmatische Brille, verführen einen, unreflektiert nachzuplappern und die Dogmen nicht zu hinterfragen. Nur, dass man in dem Fall nicht Gott und Jesus folgt, sondern den Kirchenoberen. Es ist wie bei dem Rattenfänger von Hameln. Die Hidden Agenda wird nicht offengelegt, sondern einem von Kanzel, Ritus und Liturgie untergejubelt. Man wird, um es direkt auszudrücken, manipuliert. Man hinterfragt nicht mehr oder nicht mehr viel, da als Wahrheit von Kindesbeinen an vermittelt wird, was nichts als subjektive Setzungen, als dogmengetriebene Auslegungen der Schrift durch die Institution Kirche sind. Wenn man diese Brille absetzt, ist es wie eine Befreiung von einem Korsett, dann versteht man, was es heißt, wenn Jesus sagt: Mein Joch ist leicht. Die eigentliche Herausforderung beim Lesen der Schriften ist, die eigenen Scheuklappen, die einem aufgesetzt wurden, die Seh-, Denk-, Lese- und Handlungsverbote, zu überwinden.

Der Mensch vermag noch nicht einmal „das“ wahre Wort unter allen Menschen zu erkennen, schon gar nicht „das“ wahre Wort Gottes. Auch kein Verschriftlichtes. Jede Wahrheit auf Erden ist menschlich eingeschränkt und hält nur solange, bis jemand diese Wahrheit durch eine andere vermeintliche Wahrheit ersetzt und andere davon überzeugen kann. Unsere Wahrheiten sind zeitlich und sozial begrenzt und sind keine objektiven Wahrheiten, das heißt Wahrheiten, die alle Zeit, alle Kulturen, alle Menschen, alles Sein überdauern. Reine Wahrheit ist allein bei Gott und wir werden sie eines Tages erfahren. Menschen zu Göttern zu machen, ist Menschenwerk, nicht Gotteswerk. Wenn sich Menschen anmaßen, für Gott für andere Menschen zu entscheiden, erheben sie sich über Gott. Wenn sie aus Jesus etwas machen, was er selbst nie so gesehen hat, dann erheben sie sich über Gott. Wenn sie aus der Schrift das in Text gemeißelte Wort Gottes machen, erheben sie sich über Gott. Gott und sein Wort steht den Menschen nicht zur Disposition und nicht in ihrer Definitionshoheit.

Hat man sich erst einmal vom Kirchen-, Dogmen-, Religionsjoch befreit, ist man frei für seine Beziehung zu Gott. Uneingeschränkt kann man die Bibel- und andere Texte lesen und verstehen, was im eigenen Lebenskontext und –zusammenhang zu verstehen an der Reihe ist. Es gibt darin kein objektives Richtig und Falsch. Alles Lesen ist subjektiv und vom jeweiligen subjektiven Augenblick geprägt. In den Texten, die von Gott zeugen, scheint die Vieldimensionalität Gottes in unser eindimensionales Menschschein. Wie oft man die Bibeltexte auch liest, jedes Mal liest man sie anders, weil sich im Menschsein kein Augenblick wiederholt. Gott erschließt sich im Gesamtkontext dieser Texte im Lichte des eigenen Lebenskontexts, in der eigenen Glaubenserfahrung vor dem Hintergrund der Gesamtglaubenserfahrung. Das Zutrauen, Gott selbst in der Bibel zu erfahren, im Gesamtkontext ihn selbst zu finden, ist uns in zwei Jahrtausenden von den Kirchen genommen worden. Die Definitionsmachtanmaßung der Kirchen hat zur Entmündigung der Gläubigen geführt, aus der sie sich wieder Stück für Stück entwinden müssen. Das braucht seine Zeit. Die Entwicklung ist in vollem Gang.

Nun lieber Luther, beinhalten die Bibeltexte nun „das“ offenbarte Wort Gottes, das Gott den Schreibern in die Feder diktiert hat? Nein, „das“ Wort Gottes kennt nur Gott. Wir hören nur das Echo, das es in uns auslöst. Wenn es Stellen in der Bibel gibt, die gefährlich, frauenfeindlich, brutal, homophob sind, dann zeugen sie vom Verfasser, nicht von Gott. Aber nicht nur, auch vom Leser, der dies so wahrnimmt. Davon nächstes Mal mehr.

Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 12. Juli 2015

In Gottes Namen

Lieber Luther,
gehet hin und lehret alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, heißt es im heutigen Predigttext (Mt 16-20). Das ist die Kernaufgabe, die Jesus seinen Predigern aufgetragen hat. Tauft auf den NAMEN des Vaters, den NAMEN des Sohnes, den NAMEN des Heiligen Geistes. LEHRT HALTEN, alles, was ich euch gelehrt habe.
Tauft auf den NAMEN der göttlichen Einheit zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist. Lehrt sie halten das WORT, das ich euch gelehrt habe. Jesus sagt nicht, tauft sie in meinen Tod, wie Paulus lehrte, er sagt auch nicht, tauft sie zur Buße, wie Johannes, Jesus sagt: Tauft sie im NAMEN der göttlichen Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Tauft und lehrt sie, heißt stellt sie in den NAMEN Gottes, stellt sie in Gott, macht sie zu Schafen seiner Herde, zu Arbeitern in seinem Garten, zu seinem Samen, der Früchte trägt und sich vermehrt. Werdet zu Menschenfischern. Es geht in der gesamten Bibel um nichts anderes, als um den NAMEN Gottes. Ihn zunächst den Menschen überhaupt bekannt zu machen. Das ist eine Aufgabe, an der wir uns bis heute die Zähne ausbeißen. Ohne Gott einen Namen zu geben, kann man nicht über ihn kommunizieren, kann man nichts von ihm wissen, ist er ein Unbekannter. GOTT ist sein Name, aber was IST er? Was will er? Wie müssen wir uns ihn vorstellen? Wie können wir im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes taufen, wenn wir ratlos sind, was Gott, wer und was der Sohn und was der Heilige Geist ist? Was mit den Menschen, die nicht getauft sind? Was hat das für Konsequenzen? Wann taufen? Das Neugeborene oder den Erwachsenen, der entscheiden kann, ob er das will, wieso auch immer? Was lehren, was predigen, wenn die Erkenntnis schweigt?
Lieber Luther, letzten Sonntag habe ich mit meinem weisen Bruder telefoniert. Er macht sich Gedanken um mich, wegen meines Kirchenaustritts. Er ruft mich regelmäßig an, damit er mit eigenen Ohren nachhören kann, dass es mir nicht entgegen meinen Beteuerungen doch schlecht geht. Dabei ist es ihm wie ein Stoßseufzer entwichen: Du bist ja getauft! Macht das einen Unterschied? habe ich prompt entgegnet, in mir das Bild des 4 Wochen alten Kindes, das am 2. Weihnachtssonntag getauft wurde. Was mit den Massen der Nichtgetauften? Was mit anderen Religionen, die keine Taufe kennen? Ist für sie der EINE Gott, um den es geht, nicht bereit seinen Gnadenschirm über sie aufzuspannen? Zuerst muss getauft sein? Das waren die Menschen des Alten Testamentes auch nicht. Hatten sie einen anderen Gott? Standen sie nicht unter seinem Schirm? Das kann wohl keiner behaupten.
Einen Abraham, einen Jakob, einen Joseph, einen Mose abzuwerten, als vor Gott schlechter gestellt zu betrachten als wir, die priviligierten Getauften, sie als nicht erlöst einzuordnen, weil sie von keinem kirchlich ermächtigten Würdenträger mit H2O betröpfelt sind, ist arrogant, kirchlich theologisch absurd, selbstgefällig und lächerlich. Oder, noch absurder: Ist Erlösung etwa erst seit Jesus möglich und nur für Christen, die das kirchliche Dogma annehmen? Das ist nicht Jesu Lehre. Jesus hätte sich nie gegenüber den Heiligen Männern Gottes, die Gottes Namen erst bekannt gemacht und hochgehalten haben, die für ihn eingestanden sind bis zur Selbstaufgabe, so verfehlt geäußert. Jesus stand in ihrer Reihe. Er wusste, er ist einer dieser Menschen, der wie sie im Auftrag Gottes, im Namen Gottes handeln. Jeder zu seiner Zeit an seinen Platz gestellt. Gottes Name will über die Jahrtausende hochgehalten werden. Menschen sind biologisch zeitlich sehr begrenzt. Auf einen allein kann Gott nicht bauen. Das wusste Jesus besser als jeder andere vor und nach ihm.
Das heißt, das, was von der Taufe gelehrt wird, stimmt nicht. Es stimmt so nicht, wie es gelehrt wird und schon gar nicht, wie es praktiziert wird. Taufe meint etwas anderes, es bedeutet nicht vor einem Taufstein zu stehen, umringt von der fotografierenden Verwandtschaft, der Pfarrer/Priester im Blitzlichtgewitter den Text runterratternd, den manche nach der 500. Taufe noch nicht einmal auswendig zu können scheinen, mit der immer gleichen Zungenrede bekräftigend, wie toll doch der Taufspruch sei. Das tut schon weh. Taufe als Event, bei dem außer formaler Worte aber auch gar keiner das Wort hört, von dem gesprochen wird, geschweige denn versteht oder gar tut. Ein Trauerspiel, eine Tragödie der verpassten Chancen, eine Karikatur der Taufe.
Mit der Taufe an sich, der Geisttaufe, auch mit Jesu Taufe durch Johannes, habe ich mich schon beschäftigt. Was heißt aber, tauft "IM NAMEN" des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes? Sehen wir es ganz im Irdischen verhaftet, dann heißt rechtlich "im Namen" handeln, die Ermächtigung zu haben, im Namen des Ermächtigenden zu handeln. Der Ermächtigende ist in dem Fall Gott selbst, Jesus selbst, der Heilige Geist selbst. Es ist nicht die Kirche und nicht das Amt, das ermächtigt. Das ist eine unangemessene und arrogante Machtanmaßung von Kirche. Nur, wenn die Ermächtigung von Kirche kommt, vom Amt, kann Taufe zu einem Event ausarten, zu reinem Formalismus, zu kirchlicher Folklore, die so üblich ist, oder auch mehr und mehr nicht mehr. Mehr nach Gusto, denn nach Glaube, der bei diesen Anlässen meistens keine größere Rolle spielt. Von der Farce von 99% der Konfirmandentaufen ganz zu schweigen.
Im NAMEN des Vaters taufen heißt, den Geist weitergeben, den der Vater in uns gelegt hat. Das ist nur möglich, wenn man ihn erkennt, erfährt, hört, sieht, schmeckt. Mit Amt und Kirche hat das nichts zu tun. Es hat mit Ermächtigung zu tun, die vom Vater kommt, von Gott selbst, von der Einheit des Willens im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist. Ich als Kind, das in der Nachfolge Jesu in der Sohnschaft nachfolge, und seine direkte Ermächtigung habe, sein Geist in meinem Geist, sein Wille in meinem Willen, seinen Geist und seinen Willen weiterzugeben auf die, die dafür bereit und bereitet sind. Jeder, der die Ermächtigung vom Vater hat, hat den Auftrag Jesu: Geht hin und taufet, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Lehrt sie alles, was ich gelehrt habe, handelt, tauft, lehrt in seinem Namen.
Wahre Taufe geht nur in der Dreiheit der Ermächtigung vom Vater, vom Sohn und in deren Äußerung in mir im Heiligen Geist, der eins ist mit meinem Geist. Sie ist direkte Ermächtigung, nicht von kirchlichen Beamten verliehene Ermächtigung. Taufe ist Geisttaufe, ist Beseeltsein vom Geist Gottes. Wer vom Geist Gottes beseelt ist, ist Teil von Gottes Geist, handelt in seinem Willen und seiner Wahrheit,  ist ermächtigt im Namen des Vaters und des Sohnes zu taufen. Die Taufe im Wasser symbolisiert das Bad im Wort und im Willen Gottes. Derjenige, der sich aus wahrhaftigem Herzen taufen lässt, lässt sich ein in das Bad des Wortes, des Geistes und des Willens Gottes.
Wenn ein Kind getauft wird, ist es das Bekenntnis der Eltern, das Kind im Wort, im Geist und im Willen Gottes baden zu lassen, auf dass das Kind erfahre, was es heißt, im Wort, im Geist und im Willen Gottes zu baden, dass es seinen NAMEN erfahre und Gott in ihm Erkenntnis und offenbar werde. Wenn in dem Kind niemand das Saatkorn zum Wachsen bringt, es unter der Erde vergeht und verschimmelt, ihm niemand von Gott und Jesus erzählt, es sie nicht kennt, hat das Kind keine Chance, war die Taufe nichts als bloße äußere Form ohne Wert und Inhalt, da kann kein Priester, keine Kirche und keine Theologie etwas daran ändern. Nichts als Spektakel.
Wenn der Konfirmand sich taufen lässt, damit er die Kohle von der Verwandtschaft einsacken kann, macht sich das kirchliche Personal, das mitspielt, obwohl es Bescheid weiß, zum Handlanger und Mitkomplizen, verkauft den Heiligen Geist gegen Heilige Moneten und Kirchenmitglieder-Headcount, eine moderne evangelische Form des Ablasses. Mit Taufe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes hat dieses Gebaren nichts zu tun. Hat derjenige, der es tut, eine Ermächtigung von Gott, in seinem Namen seinen Namen zu verkaufen?
Lieber Luther, Taufe und Lehre gehören zusammen. Darum, alle, die ihr ermächtigt seid von Gott und Jesus, geht hin und lehrt sie sein Wort und das Handeln in Wort und Tat in seinem Willen. Tauft sie in ihrem Namen auf diesen Geist. Und wer die Ermächtigung nicht hört, sieht und erkennt, der sollte weder taufen noch in Gottes und Jesu Namen lehren. Amen.
Herzliche Grüße
Deborrah