Lieber Luther

Lieber Luther
Posts mit dem Label Wolke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wolke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 24. Januar 2015

Klarheit

Lieber Luther,
der Schlüssel zu dem Predigttext dieser Woche, die Verklärung Jesu in der Version bei Matthäus (Mt 17, 1-9) steht eigentlich in der Bibel schon ein Kapitel vorher:
Denn es wird geschehen, dass des Menschen Sohn komme in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln (Mt 16, 27).
Nach sechs Tagen nahm Jesus die 3 Jünger, die ihm am Nächsten waren – Petrus, Jakobus und Johannes – mit sich auf einen hohen Berg. Immer wieder kommt der "hohe Berg" als Bild in der Bibel vor. Gott wohnt in der Höhe. Mose hat mit Gott auf einem hohen Berg geredet, Elia ist vor seinen Verfolgern ins Gebirge geflohen, ebenso David. Wenn in der Bibel von Abgöttern die Rede ist, wird meistens gesagt: Ihr betet auf den Höhen zu Baal & Co., tut sie ab von den Höhen, denn – das ist implizit gemeint – allein Gott ist in der Höhe, Gott ist die Höhe. Dieser Platz gehört nur ihm. Gott kam vom Mittag und der Heilige vom Gebirge Pharan. Seines Lobes war der Himmel voll, und seiner Ehre war die Erde voll. Sein Glanz war wie ein Licht; Strahlen gingen aus von seinen Händen; darin war verborgen seine Macht (Hab 3, 3)
Jesus stieg nach sechs Tagen mit den Jüngern auf den Berg, auf dem Gott ihn mit seinem Licht erleuchtete. Auch auf Moses Angesicht hat Gott seinen Glanz gelegt (2.Mose 34, 29), auch nachdem er auf einem hohen Berg, dem Berg Sinai, mit ihm geredet und ihm sein Wort gegeben hat: Den hört, diese beiden hört. Beides beschreibt einen hohen göttlichen Legitimationsakt. Paulus Polemik gegen Mose ist völlig unberechtigt, undemütig, arrogant und selbstherrlich angesichts solch göttlich-herrlichem Geschehen (2.Kor 3, 13-14), Jesus würde Mose, den Freund Gottes (2.Mo 33,11) nie so abgewertet haben. Nicht ein einziges abwertendes Wort ist von ihm über Mose übermittelt. Aber das nur am Rande.
Über die Zahl sechs habe ich dir, lieber Luther, erst kürzlich geschrieben, ich brauche hier nicht alles wiederholen. Dass das weiße Kleid auf Jesus nach sechs Tagen fällt ist konsistent: Die Sieben steht für die Vollendung, für das reine weiße Kleid, das denen angetan wird, die Gott in seinem neuen Jerusalem sammelt: Und der siebte Engel posaunte: und es wurden große Stimmen im Himmel, die sprachen: Es sind die Reiche der Welt unsers HERRN und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit (Offb 11, 15). Jesus zieht in die Heilige Stadt ein, in das Neue Jerusalem. Deshalb war es so hell. Als er später in das alte Jerusalem einzog, war es nur laut. Er hat seine Meisterprüfung bestanden! Das heißt "Verklärung". Er zieht in das Neue Jerusalem ein und wir, ja wir sind aufgefordert, nachzufolgen, irgendwann, wenn unsere Zeit da ist. Er ist derjenige, der uns als Erster vorangeht, uns zeigt, was auch für uns sein wird.
Die Jünger sehen Gottes Herrlichkeit nicht, sie sind noch nicht im Neuen Jerusalem angekommen. Sie sehen nur den Abglanz. Sie sind voll des Schlafes (Lk 9, 32), wie später in Gethsemane. Was geschieht, ist für die Jünger und Jesu Nachfolger nicht in Jesu Klarheit zu sehen, hören und zu erfahren.
Hier ist Wohlsein, soviel begreifen sie, und wollen für Mose, Elia und Jesus je eine Hütte bauen. Intuitiv spüren sie, dass sie hier an etwas Großartigem teilhaftig werden, an etwas, das ihr Verstehen übersteigt. Sie spüren: Hier ist Wohlsein, hier will ich bleiben, hier will ich meine Wohnung und mein Haus bauen.
Und ich hörte eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein (Offb 21, 3). Gott hat seine Hütte in Jesus aufgerichtet: Eine lichte Wolke überschattet sie und eine Stimme kommt aus der Wolke, die sagt: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören! (Mt 17,5). Eine andere Hütte muss nicht aufgerichtet werden. Das ist mein lieber Sohn: Das ist die Hütte, das ist die Wohnung.
Die Jünger erschraken, fielen auf ihr Angesicht. Gottes Herrlichkeit übersteigt jedes menschliche Verstehen, das Unbegreifliche schürt Ängste. Jesus rührte sie an und sprach: Fürchtet euch nicht. … und siehe, es kam einer in des Himmels Wolken wie eines Menschen Sohn bis zu dem Alten und ward vor ihn gebracht. Der gab ihm Gewalt, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen sollten. Seine Gewalt ist ewig, die nicht vergeht, und sein Königreich hat kein Ende. Ich, Daniel, entsetzte mich davor, und solches Gesicht erschreckte mich (Dan 7, 13-15). Der Mensch kann sich Gott nur begrenzt aussetzen.
Das ist mein Lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe: Und als ich mich umwandte sah ich .. einen, der war eines Menschen Sohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und begürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee … und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne. Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie ein Toter; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! (Offb 1, 12-17).
Er rührte ihn an und sage: Fürchte dich nicht! Sein Kleid war weiß wie Schnee, dass kein Färber auf Erden kann so weiß machen (Mk 9, 3). Fürchtet euch nicht! Denn: Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, sei von dir. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben; und sie haben es angenommen und erkannt wahrhaftig, dass sie glauben, dass du mich gesandt hast. Ich bitte nicht für die Welt, sondern für die, die mir gegeben sind; denn sie sind dein. Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verklärt. Und ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt (Joh 17, 7-11).
Auch bei Jesu Taufe kam dieses Wort aus dem Himmel: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe (Mt 3, 13). Seither war aber schon vieles geschehen, Jesus hat gelehrt, Gottes Wort durch Jesus war geschehen, Jesu Meisterschaft des Wortes, deshalb heißt es jetzt: Den sollt ihr hören, den Prediger!
Lieber Luther, was zeigt uns das alles? Hört! Hört Jesus zu. Folgt nach, werdet zur Hütte, werdet zur Wohnung Gottes wie Jesus. Wo Gottes Wohlgefallen ist, ist unser Wohlsein. Selbst wenn ihr es nicht verstehen, unverständig seid wie die Jünger. Lasst euch anrühren von Jesus, fürchtet euch nicht, hört den, der euch vorangegangen ist, folgt nach, strebt nach dem weißen Kleid. Hört den Prediger, was er gesagt hat, führt zur Klarheit, verklart ihn in uns.  Das Neue Jerusalem ist dort, wo Jesus mit seiner Klarheit in uns ist, wo er in uns verklärt ist. Lasst euch von Jesus anrühren!
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 22. Juni 2014

Wolke

Lieber Luther,
gerade liegt Himmelfahrt, Pfingsten und Trinitatis hinter uns, lauter Kirchen"feste", vor denen sich mancher Pfarrer fürchtet, weil er selbst nicht so recht weiß, was er davon halten soll. ImSpiegel wird von Religion ohne Gott berichtet und ein Pastor zitiert, der mit Gottes Wolke nichts anfangen kann. "Wie anders wir heute zum Himmel schauen als die Menschen der Bibel, wie viel mehr wir wissen als sie, wie viel weniger wir glauben als sie, wie unterschiedlich unsere Bilder von der Welt sind". Im Himmel sei kein dinglicher Raum, in dem Gott wohne und in diesen Himmel werde heute niemand mehr in einer Wolke aufgehoben. Wirklich Herr Pfarrer? Ist das ernstlich Ihre Botschaft?
In den zehn Geboten heißt es: ich bin der Herr dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst dir kein Götterbild machen, auch keinerlei Abbild dessen, was oben im Himmel ist, noch dessen, das unten auf Erden oder im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern, an der 3. und 4. Generation derer, die mich hassen, der aber Gnade erweist tausenden von Generationen, die mich liebhaben und meine Gebote halten (2.Mose 20, 2-4).
"Ich bin" heißt, ich, Gott, bin eine Realität, meine HERRlichkeit und Fülle ist so groß, dass ihr euch kein Bild davon machen könnt, ihr werdet unweigerlich in die Irre gehen und Götzen nachlaufen und mein Götzenbild nach euren Vorstellungen bauen. Gott kann man nur unmittelbar erfahren. "Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht." (2.Mose 33,20). Wie ist Gott dann zu erkennen?
Ein Bild, das in der gesamten Bibel für die Gegenwart Gottes steht, ist die Wolke: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken, als Zeichen des Bundes zwischen euch und mir, zwischen allen lebendigen Seelen in allem Fleisch, das auf Erden ist (1.Mose 9, 12-17). Den gesamten Auszug des Volkes Israel aus Ägypten begleitet Gott, indem er in der Wolke voranzieht. Mose richtet sich danach. Ob das Volk weiterzieht oder nicht, die Wolke bestimmte die Pace. Gott spricht aus der Wolkensäule. Was man sich darunter vorzustellen hat, ist Psalm 105, 39 zu entnehmen: Er bereitete eine Wolke aus zur Decke.
Das heißt, die Wolke ist ein Bild für den schützenden und leitenden Geist Gottes, sein Segen, der über dem Geschehen liegt. Wie mit einer schützenden Wolkenhülle legt er seine segensreiche Gegenwart um uns, keine Spur von Person, aber viele Spuren von Geist, denn: Sie haben alle einerlei geistliche Speise gegessen und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber vom geistlichen Fels, der mitfolgte, welcher war Christus (1.Kor 10, 1-5).
Bei Jesu Taufe fiel eine Stimme aus der Wolke, die sprach: Dies ist mein lieber Sohn, ihn sollt ihr hören (Luk 9, 35). Bei Jesu Tod verfinsterte sich die Erde durch Wolken, Gottes Trauer legte sich über die Erde und schließlich wurde Jesus emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf.
Was heißt das? Nichts anderes als dass Jesus von Gott zu sich empor gehoben wurde und sich mit ihm vereinigt hat, zukünftig den Blicken in der Wolke entzogen ist, wie Gott. Gott und Jesus vereinen sich wieder zu einem EINEN, für uns offenbart in der Wolke. Die Verheißung ist, dass er so kommen wird, wie die Jünger ihn hingehen haben sehen (Apg 1, 9-11): Sie werden sehen des Menschen Sohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit" (Mk 13, 26). Das heißt am Tag, wenn Gottes Reich auf Erden kommen und jeder ihn schauen wird, wird er sich aus der Wolke offenbaren.
Dass Jesus in der Wolke wieder zu Gott zurückkehrt, spricht für die Konsistenz und die Authentizität dessen, was die Jünger gesehen und erlebt haben und mit ihnen das gesamte Volk Israel zuvor. Zu viele Menschen haben dieses erlebt und bezeugt, um es als Humbug abzutun. Es ergibt sich zwangsläufig so aus der Bibel. Das Gottesgeschehen ist kein alltägliches Geschehen und was auch geschieht, verwundert die Menschen. Damals wie heute. Das war so, als Gott aus der Wolke sprach, bei Jesu Wundertätigkeit, bei seiner Taufe, als die göttliche Stimme aus der Wolke kam, desgleichen bei seiner Aufnahme in den Himmel. Es ist bezeugt, darauf besteht Petrus: Denn wir haben euch die Macht und Ankunft unseres Herrn Jesus Christus kundgetan, nicht in dem wir fabulierten, sondern weil wir Augenzeugen seiner herrlichen Größe gewesen sind (2.Petrus 1, 16). Augenzeugen!
Lieber Luther, schauen wir also anders in den Himmel als die Menschen vor 2000 Jahren? Und wissen wir mehr? Die Antwort heißt: Manche Menschen schauen in den Himmel, wie manche Menschen vor 2000 Jahren. Es gibt immer diese und jene. Jener Teil der Menschheit sieht eine Wolke und nichts als eine Wolke, eine Ansammlung von Wassertröpfchen. Und er wundert sich dann, dass in diesen ihren Himmel niemand aufgenommen wird, auch sie nicht. Sie denken tatsächlich, sie wissen mehr als die Menschen damals und schauen nur auf die Wassertröpfchen, übersehen aber den Urquell der Wassertröpfchen und verstehen schon gar nicht seine Sprache. Welche Blindheit und Taubheit bei all dem Wissen! Wissen kann auch blind und taub machen.
iWissen die Menschen heute mehr als das Volk Israel, das über Jahrzehnte der Wolke gefolgt ist? Aus seiner Gotteserfahrung heraus. Unter Leitung eines Auserwählten Gottes. Sie hatten ein Wissen, Gottes-Erfahrungswissen, das heute weitgehend nicht mehr besteht. Die Menschen sahen, wer diese Wolke gebildet hat und warum, verstanden noch die Zeichen, die ihnen gegeben wurden. Die Menschen heute hantieren mit vielen Zeichen und Formeln, aber wissen weniger, als die einfachen Menschen, die durch die Wüste zogen, als die Apostel, die Jesu Aufnahme in den Himmel gesehen und bezeugt haben. Im Lesen der Zeichen Gottes stehen wir heute weitgehend Analphabeten gegenüber. Der eingangs erwähnte Pfarrer ist nur ein Beispiel.
Lieber Luther, die Frage im Spiegel lautete: Religion ohne Gott? Die Frage müsste heißen, Kirche ohne Bibel? Welche Zukunft hat eine Kirche, deren Lehrer und Pastoren des Bibellesens unkundig sind, die das Wort Gottes dahinter, die Zeichen und die Lehre nicht mehr verstehen, denen manche Teile gar peinlich sind und, wie sie meinen, den Menschen heute unzumutbar? Wobei man, lieber Luther, das weißt auch du, jeden Teil der Bibel mit Gewinn lesen kann, mit Botschaft an jeden von uns, wenn man sie denn entziffern kann. Die Kirche müsste dringend anfangen, ihren Lehrern das ABC wieder beizubringen, damit sie das entscheidende Dokument, auf das sich die Christenheit beruft, wieder lesen lernen und dann vielleicht auch wieder vermitteln können, eine Botschaft an die Menschen haben, die sie verstehen, weil sie selbst sie auch wieder verstehen. Damit sie wieder anstatt von Wolkenkuckucksheimen von Gottes Wolke predigen können.
Lieber Luther, dass die Prediger die Menschen nicht mehr erreichen, weil man den Eindruck hat, sie haben Gott selbst verloren, hat gesellschaftliche Auswirkungen, über die man erschrecken kann. Baal hat Hochkonjunktur und Aarons, die als Pfarrer goldene Kälber bauen, gibt es auch genug. Aber, lieber Luther, auch das zeigt die Bibel, der EINE Gott lässt die Baals eine zeitlang gewähren, aber nur eine zeitlang … Das tröstet.
Herzliche Grüße
Deborrah