Lieber Luther

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Donnerstag, 9. April 2015

Vaterunser (3) - Wie im Himmel, so auf Erden

Lieber Luther,
wie hat Jesus getickt? Das ist die Frage, die mich beschäftigt. Je mehr ich mich in das Wort hineinbegebe, desto mehr entdecke ich, wie schon unsere Bibelübersetzungen Interpretationen enthalten, die den Blick auf das ursprüngliche wahre Wort verdecken, weil sie theologiegeleitet sind. Es will die Religion verkauft werden, nicht das Wort, nicht Jesus. Wenn man ihn andererseits auf seinem Banner führt, ist das eine Missbrauch der Person Jesu. Ich will Jesus verstehen, das Wort, nicht die Theologen und ihre Theo-Logien, auch nicht Paulus, der eine der Wurzel des Übels ist. Wie ist Ostern, das Ostergeschehen mit Jesu Tod und Auferstehung zu verstehen? Ein Kern christlicher Lehre? Ich nähere mich anhand des Vaterunsers. Heute Teil 3:
Wie im Himmel so auf Erden. Dein Wille, o Gott, so beten wir, geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Oder, auf Erden wie im Himmel, wie du, lieber Luther übersetzt? Macht das einen Unterschied? Der Wille Gottes äußert sich im Menschen, in den Menschen, die Gottes Wort und seine Stimme hören, in der Unterwerfung unter den göttlichen Willen. Jesus hat nichts anderes getan, als Gottes Willen. Er hat Gottes Willen auf die Erde gebracht, vorgelebt. Für ihn hat gegolten: Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Jesus ist 100% Gottes Wille. Ihr sollt vollkommen sein, genau wie euer Vater im Himmel (Mt 5, 48). Die Messlatte liegt, im wahrsten Sinne des Wortes, hoch. Oder kommt das Himmelreich zu uns bzw. ist schon da?
Sollte Gott in Wahrheit auf Erden wohnen? fragt Salomon Antwort suchend im Gebet bei der Einweihung seines Tempels: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen; wie sollte es denn dies Haus tun, das ich gebaut habe? Wende dich zum Gebet deines Knechtes, höre das Lob und das Gebet, und wenn du es hörst, mögest du gnädig sein in deiner Wohnung im Himmel (1.Kön 8, 27-32).
Salomon sagt, höre das Lob und Gebet. Jesus sagt: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Wer da bittet, der nimmt, wer da sucht, der findet, wer da anklopft, dem wird (der Schafstall, das Himmelreich oder die Erkenntnis) aufgetan. Wenn der Sohn den Vater um Brot bittet, würde er ihm einen Stein geben? Wenn er ihn um einen Fisch bittet, würde er ihm eine Schlange geben? (Lk 11, 9-13). Jesus gibt Brot und Fisch (= Wortspeise) in Fülle, die Körbe sind immer gefüllt, wie viele auch an seinem Tisch sitzen. Wenn ihr euren Vater im Himmel bittet, wird er euch den Heiligen Geist geben, sagt er. Und dieser treibt dann das Böse aus, so dass ihr das Gute schaffen könnt.
Daran erinnert euch, sagt Jesus, wenn ihr an meinem Tisch sitzt, und Brot und Wein, Wort und Geist, zu euch nehmt. Das ist das Hochzeitsmahl des HERRN mit euch. Schreib: Glückselig, vollständig in die Gemeinschaft mit Gott aufgenommen, sind diejenigen, die zum Abendmahl, wörtlich: "Hochzeitsmahl" des Lammes berufen sind. Und er sprach zu mir: dies sind WAHRHAFTIGE Worte Gottes. Und ich fiel auf die Knie und wollte ihn anbeten. Und er sprach: Tu es nicht. Ich bin dein und deiner Brüder, die das Zeugnis Jesu haben (= sein Wort hören), Mitknecht. Bete Gott an! Gott hat die Herrschaft angetreten (Offenb 19, 6-10).
Blut oder Wein, Leib oder Brot , ist Jesu Gabe an den Menschen (Mk 14, 22-24): Dankt und esst, was ich euch gegeben habe. Esst mein Wort, das aus meinem Mund gekommen ist, gedenkt der Werke, die mein Gott dienstbarer Leib gewirkt hat, der Leib, der sowohl die Wohnung Gottes ist, als auch die Wohnung des Menschen auf der Erde, der Leib, an dem Gott wirkt, und aus dem Gott wirkt. Esst meinen Leib, dass er euren Leib stärke, auf dass er ein genauso starker Leib werde wie meiner. Ein Leib, aus dem Gott wirken kann, ein Gott ausstrahlender Leib. Esst meinen Leib, ihr werdet die Kraft brauchen, esst meine Werke, damit ihr Werke ausscheidet, die wie meine Werke sind: WAHRlich, WAHRLich ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater (Joh 14, 12).
Und nahm den Kelch, dankte und sprach: Dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird (Mk 14, 24). Wirklich? Und da sind wir wieder bei einer fatalen Übersetzungssünde, auf der die gesamte Sündentheologie fußt: ekcheo heißt eben nicht vergießen, sondern aus-, herausgießen.
Denn des Leibes Leben ist im Blut, und ich habe es euch auf den Altar gegeben, dass eure Seelen damit versöhnt werden. Denn das Blut ist die Versöhnung, weil das LEBEN in ihm ist (3.Mose 17, 11). Des Leibes LEBEN, die SEELE des Fleisches (Elberfelder), ist im Blut, nicht Jesu Tod! Jesus sagt nicht, ich lasse meinen leiblichen Körper für euch massakrieren, damit ihr fein raus seid. Er spricht nicht von seinem leiblichen Körper, der interessiert ihn nicht, das ist nicht sein Thema. Er spricht von seinem geistlichen Körper. Es geht um weit Größeres, es geht um diatheke, das ist im klassischen Griechisch die Verfügung, die jemand hinsichtlich seines bevorstehenden Todes macht, eben ein Testament, so wie wir das Wort auch gebrauchen. Genau das tut Jesus hier. Er verfügt über sein Erbe. Sein Erbe ist nicht, dass er sein Blut für uns vergießt, das macht überhaupt keinen Sinn, das ist mit keiner Silbe gemeint. Sein Blutvergießen, warum auch immer, vererbt man nicht. Sein Vermögen ist, Gottes Wort in einer Person, in sich, vom Himmel auf die Erde gebracht zu haben, 100% authentisch. Da er wusste, dass er in die Höhle des Löwen gegangen ist und der Löwe ihn fressen würde, war die Frage, wie er seinen vom Geist uninspirierten Brüdern begreiflich machen könnte, wie man Gottes Wort direkt von der Quelle bezieht. Er greift auf die üblichen Bilder zurück. Deshalb sagt er, esst mich, meinen Leib, trinkt mein Blut, meinen Geist. In mir ist Gott, wenn ihr mich esst und trinkt, esst ihr den Vater.
In einem Testament vermacht man den Begünstigten das, was für einen am Kostbarsten ist. Jesu vermacht seinen Leib im Bild des Brotes zur Stärkung unserer Werke und sein Lebenselixier im Bild des Weines, den Heiligen Geist Gottes. Dass es werde wie im Himmel so auf Erden. Für Jesus war sein Leib nicht das Kostbarste was er hat, das ist absurd.
Lieber Luther, Dass es werde wie im Himmel, so auf Erden. Deshalb lädt Jesus zum Hochzeitsmahl. Wenn man diese Einladung als einen Leichenschmaus für unsere Sünden verkauft, ist das eine völlige Verfälschung dessen, was Jesus hier gefeiert hat. Jesus hat uns den Schlüssel zum Himmelreich in die Hand gegeben. Anstatt die Gebrauchsanleitung zum ewigen Leben, die Jesus hier gibt, wird Jesu Opfertod gefeiert: Für uns gegeben, zur Vergebung der Sünden. Gut gemacht, Jesus, ich bin fein raus. Das ist eine Gebrauchsanleitung zur Verfehlung des ewigen Lebens, die direkt aus der Rezeptküche des Verführers kommen könnte.
Wie kann das passieren? Wie kann man eine ganze Religion auf so einer verfälschten Lehre aufbauen? Eigentlich ist es ganz einfach zu erklären. Das Meiste fußt auf Paulus. Paulus war studierter Pharisäer und später selbsternannter Jünger. Paulus ist Saulus geblieben. Das ist nicht nur seinem persönlichen (Fehl-)Verhalten zu entnehmen, das schonungslos und doch folgenlos in den Paulusbriefen festgehalten ist. Er hat die Lehre, die er aus dem Judentum kannte, die Opferriten aus dem Alten Testament, die Tieropfer zur Sühne für die Sünden der Menschen, einfach auf Jesus angewendet und mit viel Brimborium überhöht. Aus Tieropfern wird ein Menschenopfer. Ich habe gestern davon berichtet. Dass das schon die alten Propheten als heidnisch angeprangert haben, scheint er verpasst zu haben. Zur Ablenkung schlägt er auf Mose und die Propheten ein, auf die sich Jesus ausdrücklich immer bezieht. Im Nebeln ist Paulus gut. Und so lässt er mit viel unnachvollziehbaren Setzungen und Behauptungen Jesus den Opfertod sterben, mit einer Argumentation, die wirr ist. Dass Jesus zwar von seinem Tod, aber nicht vom Opfertod gesprochen hat, stört ihn dabei nicht. Paulus geht es um seine Lehre, nicht um Jesu Lehre.
Aber wie einen guten Gott erklären, der dann seinen Sohn opfert? Das war Paulus Hauptschwierigkeit. Wirklich erklären konnte er es plausibel nicht. Er hat Spekulationen und babylonische Gedankentürme in der kompliziertesten Sprache der gesamten Bibel aufgebaut, die bis heute Potemkinsche Dörfer sind. Nach dem Motto, wird schon keiner merken. Die Masse der Hörer ist ungebildet, sie sind nicht in der Lage, die komplizierten Konstrukte und die Inkonsistenzen zu durchschauen. Immer schön wortreich mit langen Sätzen nebeln, dann begreift hoffentlich auch niemand, dass das, was ich sage, nicht wirklich einen Sinn macht, weil ich nicht wirklich eine Erklärung habe. 
Lieber Luther, das hat gut geklappt. Sein Plan ist aufgegangen. Paulus hatte den Vorteil, dass er studierter Pharisäer war, gebildet. Im Gegensatz zu vieler seiner Zuhörer, die er missioniert hat. Sie waren auf das angewiesen, was er ihnen erzählt hat. Lesen konnten Wenige, Bücher gab es keine und Internet zur eigenen Meinungsbildung war noch nicht erfunden. Es viel ihm leicht, seinen Zuhörern ein X für ein U vorzumachen, und wenn sich Widerstand bildete, wie etwa in Ephesus, wurde er aggressiv. Ich habe mehrfach davon berichtet. Er hatte, durch seine vielen Briefe, die er und seine Anhänger durch die Gegend schickten, ein Auslegungsmonopol. Er kannte Jesus nicht persönlich und war gegenüber den wahren Jüngern Jesu beratungsresistent.
Später, als alle führenden Köpfe der Jesusbewegung von den Herrschenden eliminiert waren, verzettelten sie sich die Nachfolger in verschiedenste Auslegungsrichtungen. Es musste schnell (und unkritisch) gehandelt werden, um die Christliche Kirche, wie sie sich inzwischen nannte, zusammenzuhalten und auf einen verbindlicher Lehrkanon zu verpflichten. Es ging um das Überleben der christlichen Kirche als Organisation und damit um Macht und Einfluss. Paulus war mit seinen Schriften omnipräsent. Er bot sich an. Da hatte man schnell etwas bei der Hand, das man als Grundlage nehmen konnte. Arme Sünder kann man bei der Stange halten, mit viel Teufel garniert, lässt sich daraus eine Abhängigkeit von der Kirche basteln. Auf die Machtposition der kirchlichen Vorsteher hatte Paulus schon geachtet. Was von der Lehre her nicht passt und in die Suppe spuckt, wird aussortiert und kommt nicht in den Kanon.  Es ist wie heute: Der Lauteste wird gehört, ob es wahrhaftig ist, was er vertritt, oder nicht. Derjenige, der das Macht- und Intrigenspiel am besten beherrscht, gewinnt. Die paulinische Lehre war ein wohlfeiles Mittel zum Zweck des christlichen Kirchenbaus. Dass sie Jesus das Wort im Mund umdreht, störte nicht, solange sie dem machtsichernden Zweck diente.
Die Konsequenzen für die heutigen Kirchen: Das müssen sie selbst entscheiden. Die Sündentheologie ist nicht umsonst die Achillesferse der christlichen Kirchen. Nicht umsonst ist so viel Böses aus ihr entstanden. Falsches kann nie Gutes hervorbringen. Ihre Lehre ist eine Irrlehre. Es ist nicht umsonst, dass die Gläubigen den Kirchen davonlaufen. Die WAHRHEIT wird sich Bahn brechen, wie lange die Vertuschungsbemühungen auch andauern. Für Gott sind 1000 Jahre wie ein Tag. Seine WAHRHEIT wird sich durchsetzen.
Lieber Luther, dass es werde wie im Himmel, so auf Erden. In diese Nachfolge ruft Jesus uns. Das ist sein Vermächtnis und seine Aufforderung an uns. Das WAHRHAFTIGE Bitten und Beten ist der Schlüssel zum Heiligen Geist, Brot und Wein die Symbole hierfür. Er, das Ebenbild Gottes, hat uns alles gegeben, alles gesagt, alles übermittelt, dass wir es ihm nachtun können, dass es auf Erden werden kann, wie im Himmel. Jedoch: Der Mensch, jeder Einzelne, ist weit weg, von der göttlichen Wahrheit und Gerechtigkeit Jesu. Das sind unsere Stolpersteine. Mehr davon morgen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 1. März 2015

Reminiscere

Lieber Luther,
der Mensch scheint unbelehrbar. Das war zu Jesu Zeiten so und ist heute so. Im heutigen Predigttext (Mk 12, 1-12) besteht wieder einmal die Chance, die Botschaft zu verkünden, die verstanden werden will. Aber wer tut das? Welcher Pfarrer wagt dies? Kommt heute die Botschaft, um die es geht, von den Kanzeln oder wird fabuliert und abgelenkt, um ja nicht den Verdacht zu erregen, dass der Gott, von dem sie angeblich predigen, etwas verlangt vom Menschen. Es geht, lieber Luther, um den Herrn des Weinbergs.
Die Geschichte ist einfach und an sich von jedem zu begreifen. Es geht um einen Weinberg, der gepflanzt ist, in den eine Kelter und ein Turm gegraben ist und den der Eigner verpachtet. Als er Knechte schickt, um die Frucht einzusammeln, werden diese gefoltert, misshandelt, getötet. Schließlich schickt der Eigentümer seinen Sohn, weil er denkt, dieser werde respektiert. Aber auch ihn töten die Pächter und werfen ihn aus dem Weinberg. Jetzt wird die Geschichte spannend. Was tut der Eigentümer?
Nach gängiger Kanzellesart müsste er den Folterern und Mördern vergeben, Gott ist die Liebe und vergibt jedem Sünder. Das wird verkündet. Mit Referenz auf Jesus. Jesus ist derjenige, der durch seinen Kreuzestod das vollbringt. Wirklich? Jesus verkündet etwas ganz anderes. Jesus predigt mit dem Gleichnis: Der Hausherr wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben. Es steht kein Wörtchen von Vergebung.
In den Weinberg ist die Kelter gegraben. Die Kelter – in manchen Geschichten die Tenne – steht für Gottes Gericht, dafür, dass Gott jeden ansieht und jede Tat ansieht, die jemand tut. Gott sieht das Morden und Foltern. Gott sieht den Egoismus derer, die in seinem Weingarten arbeiten: Sie sind nur an ihrem Vorteil interessiert, sie wollen die Frucht in die eigene Scheuer bringen, nicht Knecht sein, sondern selbst Herr des Weinbergs, sie wollen bestimmen und das Sagen haben.
Jesus ist gestorben uns zu retten? Und da der König Israels an der Mauer einher ging, schrie ihn ein Weib an und sprach: Hilf mir, Mein König! Er sprach: Hilft dir der HERR nicht, woher soll ich dir helfen? Vor der Tenne etwa oder der Kelter? Die Frau sagte: Gib deinen Sohn her, damit wir ihn essen können, morgen essen wir meinen Sohn. Und er gab seinen Sohn und forderte am anderen Tag den Sohn der Frau: Sie versteckte ihn aber und wollte nicht zu dem Bund stehen, den sie mit ihm getroffen hat (2.Kön 6, 26-29). Jesus ist Nahrung, seinen Leib wollen wir essen, wenn Gott aber unseren Leib essen will, mit Haut und Haaren, dann verweigern wir ihn.
Diejenigen, die von der Kanzel predigen, egal, was Jesus erzählt, Gott ist nur Liebe, nicht auch Gericht, nicht auch einer, der auf die Einhaltung des Bundes, des Pachtvertrages dringt, sind wie das Weib, das den Sohn vom Herrn fordert, aber nicht seinen Teil gibt, wie die Pächter des Weinberges, die so tun, als verschenke Gott die Frucht seines Weinberges für nichts, die seinen Sohn, sein Wort, totschlagen und achtlos vor den Weinberg werfen. Weib oder Pächter im Weinberg: sie entgehen der Kelter nicht. Jesus sagt es deutlich: Er wird kommen und die Weingärtner umbringen! Was heißt das?
Wer ist der, so von Edom kommt, mit rötlichen Kleidern, der so geschmückt ist in seinen Kleidern und einher tritt in seiner großen Kraft? "Ich bin's, der Gerechtigkeit lehrt und ein Meister ist zu helfen." Warum ist dein Gewand so rotfarben und dein Kleid wie eines Keltertreters? "Ich trete die Kelter allein, und ist niemand unter den Völkern mit mir. Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn und zertreten in meinem Grimm. Daher ist ihr Blut auf meine Kleider gespritzt, und ich habe all mein Gewand besudelt. Denn ich habe einen Tag der Rache mir vorgenommen; das Jahr, die Meinen zu erlösen ist gekommen. Und ich sah mich um, und da war kein Helfer; und ich verwunderte mich, und niemand stand mir bei; sondern mein Arm musste mir helfen, und mein Zorn stand mir bei (Jes 63, 1-5).
Die Kelter ist DAS Bild für Gottes Gericht. Eine Kelter war, historisch, eine in Felsen gehauene Vertiefung, in der man die Trauben, die Frucht des Weinbergs, mit den Füßen austrat. Die Trauben waren rot. Die roten Trauben – auch Traubenblut genannt – bespritzten die Kleider des Traubentreters. Die Frucht, die anstatt nährt, besudelt. Jesus ist der Traubentreter, sein Kleid ist weiß. Es wird besudelt von denjenigen, die im Weingarten Gottes angesiedelt sind.
Genau davon spricht Jesus in dem Gleichnis. Von der Tragödie der Arbeiter in Gottes Garten. Er kennt die Schrift und das Wort. Er spricht vom Zorn Gottes über seine Arbeiter: Er wird sie töten, er wird es nicht zulassen, dass sie ihren Bund, ihren Pachtvertrag brechen. Wer den Pachtvertrag bricht, zieht sich seinen unerbittlichen Zorn zu. Wer etwas anderes verkündet, ist einer, der den Pachtvertrag zu seinen Gunsten auslegt, aus Feigheit oder Dummheit das Wort bricht, in die falsche Richtung ableitet. Auch das wird, wenn die Zeit da ist, wie Jesus sagt, ausgekeltert. Der Herr des Weinberges wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen aus seiner heiligen Wohnung; er wird brüllen über seine Hürden (= Zäune); er wird singen ein Lied wie die Weintreter über alle Einwohner des Landes, des Hall erschallen wird bis an der Welt Ende (Jer 25, 30).
Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob Ihr's wohl sahet, tatet ihr dennoch nicht Buße, dass ihr ihm danach geglaubt hättet, so ist im Matthäusevangelium das Gleichnis von den dummen Weinbergpächtern eingeleitet. Und Jesus fragt weiter: Kennt ihr nicht die Schrift? Steht da nicht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Es steht vor euren Augen, es steht da, ihr lest es, tut es aber nicht. Deshalb wird das Reich Gottes von euch genommen und einem Volk gegeben, das Früchte bringt. Wer auf den Eckstein fällt, der wird zerschellen; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen (Mt 21, 32-44).
Schlag an mit deiner scharfen Hippe und schneide die Trauben vom Weinstock der Erde; denn seine Beeren sind reif! Und der Engel schlug an mit seiner Hippe an die Erde und schnitt die Trauben der Erde und warf sie in die große Kelter des Zorns Gottes. Und die Kelter ward draußen vor der Stadt getreten; und das Blut ging von der Kelter bis an die Zäume der Pferde durch tausend sechshundert Feld Wegs (Offb 14, 18-20). Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß Treu und Wahrhaftig, und er richtet und streitet mit Gerechtigkeit... Und war angetan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war; und sein Name heißt "das Wort Gottes". Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, dass er damit die Heiden schlüge; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter des Weins des grimmigen Zorns Gottes, des Allmächtigen. Und er hat einen Namen geschrieben auf seinem Kleid: Ein König aller Könige und ein HERR aller Herren" (Offb 19, 11-15).
Lieber Luther, Jesus sagt es immer wieder: Sie hören es und tun es nicht. Das gilt bis heute. Sie hören, was geschrieben steht, bis ins letzte Kapitel der Schrift, und sie lehren etwas anderes. Lieber Luther, er sagt auch: Der Herr des Weingartens wird sie umbringen und anderen den Weingarten geben. Das heißt, er lässt sie ihr Ding machen und geht andere Wege, gibt anderen seinen Weingarten. Er lässt sie sterben heißt, er lässt sie bedeutungslos werden: vor ihm und für seine Botschaft. Der Weingarten ist tot für ihn. Sein Wort wird dort totgeschlagen, über jeden, der es einfordert, fallen sie her und bringen ihn um. Wo "Gottes Weingarten" draufsteht, muss nicht Gottes Weingarten drin sein. Fruchtlose Weingärten. Jesus sagt es mit aller Deutlichkeit. Gott ist der Herr über seinen Weingarten, nicht die Weingärtner, die den Weingarten für sich beanspruchen. Sein Wort gilt, nicht ihr Wort! Reminisce, Arbeiter im Weingarten Gottes, reminisce!
Herzliche Grüße
Deborrah