Lieber Luther

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Montag, 13. April 2015

Vaterunser (6) - Und vergib JEDERMANNs Schuld (2)

Lieber Luther,
die Entdeckung der Bildlichkeit in 1.Mose 4, 17-25, von der ich dir gestern geschrieben habe, hat mich nicht ruhen lassen. Das was da erzählt ist, hat schon eine Vorgeschichte. Also muss ich auch die Vorgeschichte mit neuen Augen betrachten. Mein Thema gerade, das Vaterunser,
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsren Schuldigern,
hat ihre Wurzeln ganz am Anfang. Wir müssen also noch einen Schritt zurück gehen.
Ich habe mich schon verschiedentlich mit der Schöpfungsgeschichte, mit Teilen daraus, beschäftigt. Man spricht von der 1. Schöpfungsgeschichte (den 7 Tagen an denen Gott die Welt erschuf) und der 2. Schöpfungsgeschichte, die Paradiesgeschichte. Gestern ist mir aufgegangen, dass das nicht 1. und 2. Schöpfungsgeschichte ist, sondern EINE Schöpfungsgeschichte, bis man anfängt auf der Erde den Namen des HERRN zu predigen.
Gott erschuf Himmel und Erde und auf der Erde war es finster (1.Mose 1). Gott bringt nach und nach, an jedem neuen Tag, durch sein WORT (.. und Gott sprach..), durch seine Stimme, erst sein Licht, dann LEBEN in die Welt. Es interessiert mich heute eigentlich nur der rote Faden, rund um die Erschaffung des Menschen und die ganze damit verbundene Dramatik, für beide, Gott und Mensch, und was es da anders zu lesen gilt, als bisher.
Am sechsten Tag sagte Gott: Lass uns adama machen, Ackerboden, fruchtbaren Boden, Menschen Söhne (das Wort adama wird so in der Bibel auch gebraucht), die mir gleich sind, mir zum Bilde. Er sagt, lass den Erdboden fruchtbar für mich werden. Er macht sich im Menschen die Erde untertan und macht sich damit zum Herrscher über die Erde.
Er erschuf sein Bild, und jetzt muss man genau sei, männlich, eigentlich männliches Tier, als Widder (d.h. männliches SCHAF) und weiblich, vom hebräischen Wortstamm her, aber als Festsetzer, Bestimmer, einen der das Sagen hat auf Erden. Er sagt, herrscht über alle Tiere, stampft das Gewürm nieder, tretet die Kelter. Gott hat den Menschen mit einem Auftrag versehen: Tretet alles Gewürm (= Schlangen) nieder und richtet über sie (tretet die Kelter), seid der HERRscher. Gott in Menschenhülle.
Aber adama, der Erdboden, will bearbeitet sein, sonst ist er nicht fruchtbar. Um ein fruchtbarer Arbeiter auf Gottes Acker zu werden, bedarf es Gottes Atemhauch. Gott hat den Menschen wie sich geschaffen, ihm also auch einen Willen gegeben. So haucht er seinem Schaf und Bestimmer seinen LEBENshauch, seinen Geist ein, damit der Mensch auch fruchtbar für ihn wird, weiß, wie und was er zu bestimmen hat . Der Mensch ist aus Staub gemacht. Es kann kostbarer Goldstaub sein, aber auch lose Erde, Schutt. Alles ist dabei (1.Mose 2):
Gott macht den Menschen durch seinen Atemhauch zu einem selbst atmenden Menschen, einem der eigenen Atem schöpft, zu einem selbständigen Menschen, der eigenes Verlangen, eigene Wünsche und – einen eigenen Willen hat. Das ist, was mit "lebende" Seele, gemeint ist, eine die nicht tot ist, nicht krank, Gottes Atemhauch in sich spürt, der Mensch ausgerichtet auf Gott. Auch ein Leichnam, der tote Körper, hat napas. Erst der Atemhauch Gottes macht ihn zu einem (ewig) lebenden LEBEN. Gottes Schöpfung birgt beide Möglichkeiten: das Leben und den Tod.
Gott weiß um die Zwiespältigkeit dieses von ihm geschaffenen Menschen. Es ist einzwiespältiges Schwert von Anfang an. Die vom lebenden Gottesmenschen beseelte Erde wird zum Garten, in dem alles gedeiht und jeder in Frieden miteinander lebt. Im Mittelpunkt, das Zentrum, ist das LEBEN, der Baum des Lebens. Es gibt keinen Tod. Aber, daneben steht der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, des Negativen.
Gott warnt den Menschen. Höre auf mich, du darfst von allen Früchten des Gartens essen, aber nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Gott erkennt: Es ist nicht gut, wenn adam, der Gottesmensch, so auf sich allein gestellt ist. Ich muss ihm rettend beistehen, einen schicken, der Gott bei ihm anzeigt, damit er ihn hört, damit er adam bleibt, der aus dem fruchtbaren Boden kommt. Deshalb steht im Hüter-Psalm: Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat (Ps 121, 2). Adam hat für alles Namen gefunden, aber für sein Gegenüber, für den, der sich in seinem NAMEN offenbart, hat er keinen Namen gefunden. Adam findet keinen Namen für seinen Schöpfer, in dem er sich offenbaren kann.
Gott lässt Adam einschlafen und baut auf einen neuen Menschen, den Jemand, der auch mit weniger auskommt. Gott nimmt – übersetzt ist falsch "Rippe" - zela vom Gottesmenschen, er nimmt eine Seite (Jesus wird am Kreuz eine Seite aufgeschlitzt), einen tragenden Balken, eine Lehne und erbaut den Jeder-Mann, den is, was auch "jeder" heißt, und in der weiblichen Form "jede", Mann und Männin ist übersetzt. Gott baut einen "Jeder", der nur ein Teil vom Gottesmenschen ist. Die Stelle der (ewig) tragenden Säule des Gottesmenschen (der falsch übersetzten Rippe), nimmt jetzt das Fleisch ein, die Vergänglichkeit.
Adam erkennt das nicht. Als Gott ihm den neu geschaffenen, reduzierten Jedermann bringt, ist er hocherfreut. Der Jedermann erhebt zum ersten Mal seine Stimme. Zum ersten Mal macht mich dieser Schritt stark, sagt er. Der Wortstamm von "Gebein" ist azam, stark sein. Von MEINEM Gebein, von MEINER Stärke ist er, der Jedermann, gekommen. Der Gottesmensch ist zu einem Jedermann geworden, der seine Stärke in sich selbst sucht, nicht im HERRN, seinem Schöpfer.
Deshalb ist es auch nur logisch, was dann kommt: Deshalb wird der Jeder Vater und Mutter, den Lebenserzeuger und die Lebensspenderin, lassen, sich anderen Jedermanns anschließen und mit ihnen zu einem Fleisch werden, das heißt gemeinsam zu einem Vergänglichen werden. Hier wird nicht, wie fälschlicherweise gelehrt wird, die Ehe gestiftet, sondern ganz im Gegenteil der Ehebruch mit Gott beschrieben. Der Mensch vertraut auf sich selbst anstatt auf Gott. Der Mensch entblößt sich vor Gott, erkennt aber gar nicht dass er sich entblößt hat und schämt sich deshalb nicht. Noch hat er kein Bewusstsein von Gut und Böse.
Das kommt aber im Weiteren (1.Mose 3). Der Mensch hört nicht, die Begierde, das Verlangen, der eigene Wille ist lauter als die Stimme des Schöpfers. Der Mensch macht sie zum Herr über die Schöpfung aus eigenem Willen, aus Eigenwillen. Er hat sich von Gott, seinem HERRN, abgewandt, der Verführung nachgegeben, macht sich zum eigenen Herrn, hört nicht von Anfang an. Die Jedermann-Frau, Eva, wird zur neuen Lebensspenderin, ersetzt den Urquell allen Lebens. Die Schuldfrage wird – wie es bei Jedermanns so ist – hin und hergeschoben: Ich war es nicht, es war der andere: Adam schiebt es auf Eva, Eva auf die Schlange. Keiner will es gewesen sein. So ist es auch heute noch. Aber Gott sieht tiefer. Er weist die Jedermanns aus dem Paradies, aus der Sorgenfreiheit. Der Mensch hat nicht gehört und muss die Konsequenz tragen, er erkennt und tut Gutes und Böses.
Gott verlässt den Menschen aber nicht, er begleitet ihn auch in seinem sorgenvollen und beschwerlichen Leben (1.Mose 4). Jedermann hat auch einen Teil von Adam, dem Gottesmenschen. Eva gebiert einen Jedermann, sie sagt: Ich habe einen Jederman (is) erworben mit dem HERRN. Sie hat nicht nur das Böse erkannt, als sie vom Baum der Erkenntnis des Bösen und Guten gegessen hat, sondern auch das Gute. Damit wird sie auch zur Hilfe für den HERRN, seinen NAMEN zu bewahren. Der Bruder des Erworbenen heißt "Atemhauch Gottes". Der eine wird Ackerbauer, der andere Schafhirte. Beides sind Arbeiter im Dienst Gottes. Bilder, die von nun an das dem HERRN-Dienen beschreiben. Jesus greift sie immer wieder in seinen Gleichnissen auf.
Aber der Mensch hat aus Begierde das Böse in sich entfacht. Selbst diejenigen, die auf Gottes Acker arbeiten und seine Schafe hüten, bleiben davon nicht verschont. Gott scheint Abel, den Atemhauch Gottes, den Schafhirten, vorzuziehen. Das äußere Opferzeichen zählt für Kain, der Rauch, der zum Himmel steigt oder nicht. Er lässt sich von der Äußerlichkeit verführen. Gott sagt: Wieso bist du zornig und missgünstig? Wieso fällst du? Es gibt keinen Grund. Sei unbesorgt. Wenn, was du tust, gut ist, erhebt es sich zu mir, unabhängig von äußeren Zeichen. Wenn du aber nicht recht tust, bietest du der Verfehlung ein Einfallstor. Darauf wartet der Verführer, die Schlange, nur, du sollst aber über sie herrschen. Das ist dein Auftrag. Jedoch, der Mensch hört nicht auf Gott, er hört auf den Verführer und so erschlägt Kain den Atemhauch Gottes, seine Stimme buchstäblich.
Kain will vor Gott seine Verfehlung vertuschen, aber vor Gott kann man nichts vertuschen. Gott vertreibt ihn von seinem Ackerboden. Er kann kein Arbeiter mehr in seinem Acker sein. Er hat Gottes Acker entheiligt, er hat nicht gehört, er hat sich widersetzt. Der Acker gibt ihm hinfort keine Kraft mehr, unstet und flüchtig sollst du – gottloser Mensch – sein. Kain fürchtet mehr die anderen Menschen als Gott, sie werden mich erschlagen, da ich eine weitere Last auf sie gebracht habe. Gott setzt sein Friedenszeichen als Mal auf Kains Stirn: Nein, kein Jedermann soll Hand an einen anderen Jedermann setzen, egal, was er getan hat, das würde sich 7fach für ihn rächen. Gott will kein Blutvergießen, das Leben steht für ihn im Mittelpunkt, nicht der Tod und nicht die Rache. Jede Rache ist für ihn ein Vergehen gegen ihn, gegen seinen Willen. Deshalb hat er sie so unter Strafe gestellt. So ging Kain weg vom angesicht des HERRN, bestraft und beschützt in der Bestrafung, und wohnte fortan im Land Nod, in der Heimatlosigkeit, im Elend, östlich von Eden, östlich von Gottes Sorglosigkeit.
Lieber Luther, wie es weitergeht, habe ich gestern schon geschrieben, über die Nachkommenschaft Kains. Die Geschichte von Kain und Abel liest sich wie ein zweiter Sündenfall. Immer die gleichen Verfehlungen, der Mensch hört nicht auf Gottes Wort, gibt Verführung und Begierde nach und klagt dann, wenn er sich im Land Nod wiederfindet.
Aber auch das ist die Botschaft: Gott gibt immer eine neue Chance. Wenn man weiter liest, gibt er auch der Nachkommenschaft Kains wiederum eine Chance, bei ihm Ackerbauer oder Hirte zu werden. So geht es weiter,die ganze Bibel hindurch. Der Mensch fehlt aber immer am eigenen Willen, an seiner Gehörlosigkeit, und Gott gibt ihm immer eine neue Chance. Er lässt den Menschen nicht. Bis hin zu Jesus. Jesus ist der Erste, der wieder zum Gottmenschen wird, zum Menschensohn, zum Ebenbild. Der Erste, der es schafft, nicht zu fehlen. Noch nicht einmal Adam hat das geschafft.
Und vergib uns unsere Schuld! Das muss ich nun, lieber Luther, alles erst einmal sacken lassen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 5. April 2015

Ackermann

Lieber Luther,
was hat sich kurz vor der Verhaftung Jesu abgespielt, was an seinem Todestag und was danach? Ein großes Rätsel? Oder ist es nachträglich zum Rätsel gemacht worden? Aus diversen (Macht-) Interessen heraus? Spielt bei der ganzen Diskussion überhaupt Jesus noch eine Rolle? Wird auch nur ein Versuch gemacht, das Geschehene aus seinem Lebenswerk und –wirken heraus zu erklären? Jesus wird zum Sündenopfer für uns alle erklärt, uns mit seinem Tod von aller Sünde befreiend. Stimmt das? Ist das aus Jesu Wort wirklich zu entnehmen oder ist das hineingepredigt worden? Dazu gibt es so viel zu sagen, dass sicher nicht alles in einen Brief passt. Fangen wir also mit Teil 1 an: Was ist verheißen?
Bei Sacharja (Sach 13, 1-9) steht es am kompaktesten. Er braucht nur 9 Verse dazu. Die Übersetzungen sind, gelinde gesagt, wieder einmal schwierig bis völlig irreführend. Ich verzichte heute auf Details, weil es mir auf Sacharjas Botschaft ankommt. Die Elberfelder übersetzt scheinbar völlig zusammenhang-entleert oder man könnte auch sagen unverständig. Sie trennt sogar das "Wach auf, Schwert" in einen gesonderten Abschnitt als "Schwertlied" ab und trennt damit, was unabdingbar zusammengehört. Du, lieber Luther, machst nicht einmal einen Absatz und liegst damit, wie meistens, wieder einmal richtiger als andere. Was steht also bei Sacharja, wenn man den Übersetzungsnebel lichtet?
Zu jenem Tag wird für das Haus David und die Bewohner von Jerusalem ein frei zugänglicher Brunnen geöffnet sein, dessen Heilwasser gegen absichtliche Verfehlungen und das sich Ausscheiden vom (ewigen) Leben hilft. Der Brunnen wird aber sagen müssen: Ich bin kein Prophet, sondern ein Ackermann; denn ich habe Menschen gedient von Jugend auf. So man aber sagen wird zu ihm: Was sind das für Wunden in deinen Händen? wird er sagen: So bin ich geschlagen im Hause meiner Geliebten.
Schwert, mache dich auf über meinen Hirten und über den Mann, der mir der Nächste ist! spricht der HERR Zebaoth. Schlage den Hirten, so wird die Herde sich zerstreuen, so will ich meine Hände kehren zu den Kleinen. Der dritte Teil wird übrigbleiben. Den werde ich durchs Feuer führen und läutern, wie man Silber läutert, und prüfen, wie man Gold prüft. Dieser wird dann meinen Namen anrufen, und ich will sie erhören. Ich will sagen: Es ist mein Volk; und sie werden sagen HERR, mein Gott!
Für das Haus David und die Bewohner Jerusalems wird ein freier Zugang zu einer Quelle geöffnet sein. Was ist damit gemeint? David heißt: Geliebter, Verbinder, Vereiniger. Jerusalem heißt: Besitztum, Erbteil des Friedens, des Ganzen, des Heilen, des Unversehrten. Wenn vom Haus David die Rede ist, ist der Ort gemeint, an dem Gottes Geliebte wohnen, wenn von Jerusalem die Rede ist, ist Gottes Erbteil des Friedens gemeint, der Ort des Heilen und Unversehrten, die Stadt Davids, die Heilige Stätte, der Zufluchtsort für die Geliebten Gottes. Für die Bewohner dieses Ortes, für die Geliebten Gottes, wird sich eine Quelle öffnen. Was ist nun über diese Quelle gesagt:
Das Wasser, das aus der Quelle fließt, hilft das Ziel – Gottes Wohnung – nicht zu verfehlen, sie hilft, dass Mensch sich nicht selbst abscheidet vom Leben, vom ewigen Leben in beiderlei Leben. Der Brunnen, aus dem die Quelle fließt, ist Jesus. Es ist eine Quelle, die frei zugänglich ist für jeden. Das Wasser, das er schöpft, ist Gottes Wort. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte, spricht Gott der HERR. Ich will den Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Selig sind, die seine Gebote halten, auf dass sie Macht haben an dem Holz des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt (Offb 21, 6; 8; 22, 13-14). Der Born, der Lebensquell, das Wasser, das Holz des Lebens, das die Geliebten Gottes nährt, seine Wohnstätte, ist das Wort: Und sie werden sagen: HERR, mein Gott!
Jedoch: Es ist viel falsches Volk unterwegs, falsche Predigerfalsche Propheten. Sie verkünden nicht, was aus der Quelle kommt, sie führen das Volk in die Irre. Derjenige aber, der aus dem Brunnen schöpft, der das Wort verkündet, ist kein Prophet, sondern ein Ackermann, ein einfacher Mann aus dem Volk, keiner, der hofiert wird. Jesus war ein Ackermann, keinSchriftgelehrter, kein Studierter. Einer, der das Wort gearbeitet hat. Viele Gleichnisse hat er erzählt, wie man seinen Acker richtig bestellt, vom Saatgut, vom Weizen, der Spreu, der Tenne, vom Weingarten, von den Arbeitern im Weingarten, er hat erzählt wie man auf Gottes Acker, in seinem Weinberg, sät und erntet.
Er wird sagen: Ich habe den Menschen gedient mein Leben lang. Er hat gepredigt, er hat disputiert, er hat sich gegen falsche Lehren aufgelehnt, er hat geheilt, er hat Brot und Fischverteilt, er hat gelehrt. Von Gott zu erzählen, von Gott zu zeugen, Gott den Menschen näher zu bringen, für Gott einzustehen – auch unter Einsatz seines Lebens – war sein Leben. Er war kein Prophet, er WAR, IST und WIRD Arbeiter in Gottes Acker sein: Und auf der Wolke saß einer, der gleich war eines Menschen Sohn; der hatte eine goldene Krone auf seinem Haupt und in seiner Hand eine scharfe Sichel. Und der Engel schrie mit großer Stimme: Schlag an mit deiner Sichel und ernte, denn die Zeit zu ernten ist gekommen, … und die Erde ward geerntet (Offb 14, 14-20): Ackermann.
Und was haben sie mit ihm gemacht? Sie haben ihn geschlagen, ans Kreuz geschlagen. Die Wunden an seinen Händen zeugen davon. Er wird sagen: So bin ich geschlagen im Haus meiner Geliebten, in der Stadt Davids, in meinem Erbteil, in Jerusalem. Sie haben den Ort des Friedens geschändet. Da, wo sie meinen, sei mein Heiliger Ort, ist mein Heiliger Ort nicht. Nun ist es offenbar. Gottes Heiliger Ort lässt sich von Menschen nicht verorten.
Sie haben den geschlagen, der mir am Nächsten ist, spricht Gott der HERR, deshalb: Schwert mache dich auf! Das Schwert steht für den Zorn Gottes über die Missetat an seinem Hirten und an dem Menschen-Mann, der ihnen als Menschen-Sohn das Wort brachte. Sein Volk wird zerstreut werden. Wenn man den Hirten schlägt, ist keiner mehr da, der die Schafe physisch hütet, keiner, der die verlorenen Schafe physisch bei der Hand nimmt, keiner, der die Hürdenrepariert, wenn sie Wind und Wetter ausgesetzt sind. Die Zäune brechen und die Schafe zersprengen sich in alle Himmelsrichtungen.
So will ich kehren meine Hand zu den Geringen, spricht Gott der HERR. "Geringe" ist übersetzt, du, lieber Luther, übersetzt gar "Kleine". Und was steht im Hebräischen – man staune: Zoar.Zoar war die Stadt, in die sich Lot geflüchtet hat! Und was ist uns damit gesagt: Die Heilige Stadt, Jerusalem, ist gefallen. Sie haben den Hirten geschlagen. Es ist zu Sodom geworden. Der Zorn Gottes wird über diese Stadt kommen wie über Sodom. Es wird nichts von dieser Stadt übrigbleiben. Aber: Es gibt einen Zufluchtsort, eine Rückzugsmöglichkeit für mein wahres Volk, für diejenigen, die ihr Wasser aus dem Brunnen des Lebens schöpfen. Wie Lot, werde ich ihnen den Weg zeigen, wenn sie auf das hören, was ich sage, wenn sie sich nicht umblicken, sondern von den Missetätern weggehen, werden sie leben. Über Sodom-Jerusalem und die Missetäter wird es aber Feuer regnen wie in Sodom: Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und GELIEBTEN Stadt. Und es fiel Feuer von Gott aus dem Himmel und verzehrte sie (Offb 20, 9).
Die Missetat liegt darin, den Hirten zu schlagen, anstatt aus seinem Mund das Wort entgegen zu nehmen. Missetäter sind nicht nur diejenigen, die dem Hirten die physischen Wunden beigebracht haben, die ihn physisch getötet haben. Missetäter sind alle, die nicht seinem Wort folgen. Das ist die Missetat, von dieser Missetat ist er geschlagen.
Das ist auch bei Jesaja gemeint (Jes 53, 2-12). Bei Jesaja steht sinngemäß das gleiche wie bei Sacharja. Jesaja spricht nicht vom Ackermann, aber genauso von dem den Menschen Dienenden, genauso vom Heiler, der das Heilwasser bringt: Fürwahr, er trug UNSERE Krankheit und lud auf sich UNSERE Schmerzen. Auch bei Jesaja ist er wie der Ackermann, ohne Macht und Ansehen, der Allergeringste und Verachtetste. Er gehört nicht zur Machtkaste, sondern zur Dienstklasse. Und dann kommt der Satz, der immer falsch interpretiert wird: Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsre Sünde willen zerschlagen. Auch bei Jesaja hat es die gleiche Bedeutung wie bei Sacharja: Er wurde und ist zerschlagen, weil wir unsere Treue zu Gott gebrochen haben und brechen, dieser bösen Tat willen. Die böse Tat ist aber, nicht dem Wort Gottes zu folgen.
Und dann kommt wieder eine Übersetzungssünde, Tendenzübersetzung könnte man auch sagen. Übersetzt ist: Die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, heißen tut es aber: die Erziehung, unsere Erziehung, lag auf ihm zu unserem Frieden! Genauso wie bei Sacharja: der Brunnen, aus dem das Wort kommt, Jesus, der uns mit dem Wort zu Gottes Frieden führen wollte und will. Nein, Gott wollte ihn nicht schlagen, die Menschen haben ihn geschlagen und schlagen ihn noch. Durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Er ließ sich schlagen und nicht mundtot machen, er hat uns das Heil, den Frieden Gottes verkündet, trotz aller Schläge, die wir ihm zufügten und zufügen. Uns ist Heilung geworden – aber nicht alle nehmen sie an, trinken sein Heilwasser, essen sein Wort.
Deshalb sagt Sacharja wie auch Jesaja im weiteren Verlauf: Es werden nicht viele sein, die übrigbleiben. Nur der dritte Teil, so Sacharja, wird sich in Gottes Wohnung flüchten. Gott der HERR wird sie durch die brennende Stadt, durch das Feuer, aus Sodom heraus führen, wird sie prüfen und rein machen. Lot hat er einen Engel geschickt, uns Jesus. Sie werden sagen: Der HERR ist mein Gott. Und ich werde sagen: Dieser dritte Teil ist mein Volk.
Lieber Luther, Jesus WAR, IST und WIRD Ackermann sein auf dem Acker Gottes, der Heiler, der das heilsame Wort bringt. Bei Sacharja und bei Jesaja ist es vorhergesagt. Wie vorhergesagt ist es gekommen, die Prophezeiungen sind wahr geworden. Jesus hat sich immer wieder auf die Propheten berufen, er wusste warum. So wie er das Wort schöpfte, so wurde auch in ihnen Gottes Wort geschöpft. Gott braucht Sprachrohre, um sich Gehör zu verschaffen. Jesus war nicht nur sein Sprachrohr, er war der Brunnen, der Quell, aus dem Gott sein Wort sprudeln ließ, seine Heilquelle, die Quelle, aus der Gott selbst sprudelte. Er hat sich in den Dienst des Wortes gestellt. Er war kein Lastesel für unsere Sünden. Unsere Missetaten dürfen wir selbst abarbeiten, entweder indem wir aus Jesu Heilbrunnen oder aus unseren eigenen vergifteten Brunnen trinken. Wir haben die Wahl. Alle Propheten sagen es und auch Jesus.
Herzliche Grüße
Deborrah