Lieber Luther

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Sonntag, 22. Februar 2015

Verführer

Lieber Luther,
es hätte mich gewundert, wenn ich über den Predigttext vom heutigen Sonntag, Mt 4, 1-11, nicht schon einmal geschrieben hätte, habe ich ihn doch schon viele Male gelesen. Was ich vor zwei Jahren geschrieben habe, kann ich so stehen lassen.
Trotzdem will ich etwas hinzufügen. Von der Penetranz Jesu, von seinem Bestehen auf dem Wort und dem, was in der Schrift steht. Was immer die Versuchung ist: Gott allein, antwortet Jesus. Gott allein zählt, er ist meine Referenz, er ist meine Herausforderung, nicht du, du dümmlicher Versucher, der du denkst, ich könnte mich in der Niedrigkeit der Welt verlieren.
Bist du Gottes Sohn, so lass dich hinab. Eben nicht! Was denkt der Versucher sich, wie dumm ich bin, muss Jesus gedacht haben. Warum soll ich mich, als Kind Gottes, in die Niederungen dieser Welt hinablassen? Ich habe mich wohl dorthin begeben, das bedingt mein Menschsein, aber es bedeutet nicht, dass ich mich in die Niederungen der Verführten hinablasse, mich einlasse auf deren Spiel. Ich spiele nicht nach ihren Spielregeln, meine Spielregeln bestimmt Gott allein. Lieber Verführer, ich durchschaue dich und du kannst mich nicht mit deinen durchsichtigen Spielchen ins Wanken bringen. Gott allein, die Schrift ist es, der ich folge, nicht deinen billigen Versprechungen, von denen du genau weißt, dass sie mich ins Unglück treiben. Du zählst auf meine Dummheit, aber auf mich kannst du nicht zählen, such dir einen anderen Dummen.
Du, lieber Verführer, bist in der Welt, seid es Menschen gibt. Der Mensch ist verführbar. Adam und Eva, die ersten Menschen, der Mensch von Anbeginn, ist auf dich hereingefallen. Aber Gott hat Menschen erweckt, die es besser wissen als du, die dir die Maske vom Gesicht reißen, denen du wohl das Fleisch und das irdene Dasein zerstören kannst, wie an Hiob gezeigt, aber nicht den Geist.  Dem Geist Hiobs, der in Gott ruhte, trotz aller Anfechtung, hast du nichts anhaben können. Es ist das Böse in der Welt, du, die Verführung, ist in der Welt. Sie tritt auf in Form von allerlei "Ich will", "Ich möchte", "Warum nicht ich, warum die anderen", in Form von "ich kann nicht lassen". Die Verführung ist allgegenwärtig, täglich, stündlich, sekündlich.
Wie reagieren wir auf die Verführungskünste des Egos, und es ist nichts als das Ego, das uns vom rechten Pfad abbringt, uns in unserem fleischlichen Sein überleben lassen will, uns vom Pfad, den uns unser Innerstes weist, abbringen lässt, uns auf den Irrweg führt, dem wir folgen, mit mehr oder minder schlechtem Gewissen, mit mehr oder weniger Ablenkung und Selbstbetrug, in Pseudo-spirituellen Wegen, die nichts anderes sind als Selbstverführung auf den falschen Weg, Ablenkung – auch wenn es nach dem Gegenteil aussieht – auf den Weg der Verführung. Ablenkung von der ungeschminkten Wirklichkeit in uns selbst, Selbsttäuschung, Selbstverführung – Selbstverirrung.
Der Versucher steht auf der Zinne des Gotteshauses, des Tempels, der angeblichen Wohnung Gottes. Doch ist es tatsächlich die Wohnung Gottes? Steht der Verführer auf der Zinne der Wohnung Gottes? Wohl nicht. Alles Menschengebäude, das angebliche Gotteshaus ist tatsächlich nicht Gottes Wohnung, es ist nur Gottes Wohnung wie Mensch es behauptet und sich gebaut hat. In Gottes tatsächliche Wohnung kommt der Verführer nicht. Jesus sagt über den Verführer im Gotteshaus: Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen! Lass dich hinab, sagt der Verführer, die Engel Gottes werden dich trotzdem in den Himmel tragen. Mitnichten sagt Jesus, auf diese Propaganda fall ich nicht rein: "Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen. Deshalb: Kannst du dich getrost in Sünden fallen lassen, wenn du dich an dem Sündenstein stößt, wird Gott dir vergeben, wie es im Gotteshaus gelehrt wird? Gott wird seinen Engeln befehlen, dich trotzdem auf Händen zu tragen? Mitnichten sagt Jesus: Auf diese Propaganda fall ich nicht rein. Du sollst den HERRN, deinen Gott nicht versuchen. DU, sollst es nicht, tue es nicht, lass dich nicht verführen, was immer die Verführung sagt. Wähle die Gottesfurcht!
Ich habe gerade gelesen: Gott will die Sünden abtun, aber den Sündern vergibt er. Dies hieße, er sieht darüber hinweg, dass du dich in die Tiefe stürzt und fängt dich auf, wenn du so dumm oder so schwach bist, der Verführung zu folgen. Mitnichten sagt Jesus. Steht so fest, wie ich stehe! Folgt mir darin! Deshalb steht diese Geschichte in der Bibel. Mitnichten! Werft euch nicht hinab in die Verführung, in die Sünden: Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen. Du sollst nicht auf ihn bauen, dass er, wenn du im Bewusstsein des Bösen das Böse wählst, seine Engel schickt, um dich im freien Fall aufzufangen. Nein, so geht es nicht. Tut es nicht! sagt Jesus uns mit dieser Geschichte. Wähle die Gottesfurcht!
Der Teufel geht mit Jesus auf einen sehr hohen Berg, auf einen zu hohen Berg für den Verführer. Um das Bild in Erinnerung zu rufen – Gott wohnt in der Höhe, Jesus steht auf diesem hohen Berg und er wankt nicht, er ist verankert in diesen hohen Berg. Dort, wo Gott wohnt und Jesus steht, ist für den Verführer kein Platz, er hat keine Chance. Was immer er tut, was immer er verspricht, es ist durchsichtig, dass es nur dazu dient, mit falschen Versprechungen ins Verderben zu locken. Wähle die Gottesfurcht!
Ich soll mich die Stadtmauer hinabstürzen? fragt Jesus. Jeder Körper zerschellt, wenn er das tut. Fleisch ist etwas, was Gott nicht interessiert, ihn interessiert allein das, was bleibt, der Geist, die Seele, die innere Einstellung. Wieso sollte ich mich in die Tiefe stürzen? Du befindest dich, lieber Verführer, auf der falschen Veranstaltung, du hast die falschen Gäste eingeladen, mit deiner billigen Masche kannst du bei mir keinen Blumentopf gewinnen. Du bietest mir Reichtümer, die nichts als Tand sind, die zerfallen, so wie du zerfällst. Mein Reichtum ist nicht von dieser Welt, meinen Reichtum kannst du, lieber Verführer, nicht antasten. Über meinen Reichtum hast du keine Macht. Mein Reichtum ist Gott allein! Wähle die Gottesfurcht!
Lieber Luther, eigentlich ist diese Geschichte einfach zu verstehen. Jesus steht in der Versuchung, wir stehen in der Versuchung, jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde. Wollen wir nicht, dass dessen wir gerade bedürfen, uns gereicht wird, dass wir, wenn wir fallen, aufgefangen werden, dass wir auf der Gewinnerseite des Lebens stehen? All das sind Versuchungen, unsere irdene Gewinn- und Verlustrechnung so günstig wie möglich zu gestalten. Njet, sagt Jesus, das Wort öffnet euch das Himmelreich, nicht die verführerischen Verlockungen dieser Welt. Das Njet, lieber Luther, sollte uns immer in den Ohren klicken, wenn wir auf dem hohen Berg stehen, und er uns gerade zu hoch ist. Wähle die Gottesfurcht!
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 4. August 2013

Top, die Wette gilt - Lucifer und Hiob

Lieber Luther,
dass es Bedrohungen für den Menschen gibt von seinen dunklen Seiten, vom Satan, wie du diesen Teil des Menschen genannt hast, war dir selbstverständlich. Satan wohnt irgendwie in der Hölle, was immer wir uns darunter vorstellen. Bedrohlich, dunkel klingt es in jedem Fall.
Daran habe ich gedacht, als ich gefragt wurde, ob ich nicht einmal etwas über Lucifer schreiben könnte. Lucifer, meine erste Assoziation war Unterwelt, Dunkles, Böses. Seit Wochen denke ich über die Dimensionen von Lucifer nach, nicht zuletzt deshalb, weil er mir in letzter Zeit häufiger begegnet ist.
Lucifer hat eine überraschende Seite. Das Wort „Lucifer“ ist lateinisch und heißt „Licht bringend“. Lucifer heißt Morgenstern, der Planet Venus ist Lucifer, in der griechischen Mythologie der Sohn der flatterhaften Eos, der Göttin der Morgenröte. Von ihr hat er das Flatterhafte geerbt. Lucifer steht zunächst für das aufgehende Licht. Lichtbringend und blutrot ist Lucifer. Als ob der über den Menschen aufgehende Tag etwas über die Ambivalenz aller Tage der Menschen wüsste.
Von Lucifer ist in Psalm 139 die Rede. Gott ist mit uns, sieht all unsere Wege, sieht in unsere Herzen, sieht in den finstersten Winkel unseres Seins. Führe ich gen Himmel, so bist du da, bettete ich mich in die Hölle, siehe so bist du auch da, nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde mich auch dort deine Hand halten und deine Rechte mich leiten. Spräche ich, Finsternis möge mich decken, so muss die Nacht auch Licht sein, das mich umhüllt, denn auch Finsternis ist nicht finster bei dir und die Nacht ist dein Licht, das mich umfasst, ich sehe es nur nicht.
Irgendwann ist aus Lucifer im christlichen Verständnis etwas Satanisches geworden. Wann und warum interessiert hier nicht. Im Buch Hiob passiert etwas an sich Unglaubliches. Gott paktiert faustisch mit dem Satan, nur mit entgegengesetztem Ausgang als bei Faust.
Die Kinder Gottes treten vor den Herrn und der Satan ist auch darunter. Der Herr fragt ihn, wo kommst du her? Er antwortet: Ich bin im Land umhergezogen und habe dort gewütet. Gott fragt: Hast du keinen Respekt vor meinem Knecht Hiob gehabt? Es gibt keinen Vergleichbaren im Land, „schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Böse“. Der Satan versucht den Herrn: Meinst du, dass Hiob umsonst Gott fürchtet? Du hast gut für ihn gesorgt, dann ist es auch nicht schwer, gottesfürchtig zu sein. Gott hält dagegen: Nehme ihm alles, was er hat, Satan, sein Habe, seine Gesundheit, nur umbringen darfst du ihn nicht. Der Satan hält dagegen: „Was gilt’s, er wird dir ins Angesicht absagen? (Hiob 1, 6 ff). Top, die Wette gilt.
Das gesamte Buch Hiob beschreibt den Verlauf dieser Wette. Hiob spürt tief in seinem Innern, dass irgendetwas nicht stimmt, dass böse Mächte am Walten sind und er stürzt ob all dem Unglück, das der Satan über ihn bringt, in tiefe Verzweiflung über seinen Gott. Wieso tust du mir das an, o Gott? Was habe ich getan, dass du mich so strafst? Er hadert und klagt an, aber er verliert seinen Glauben nicht.
Seine Freunde eilen herbei, um den verarmten und kranken Hiob zu trösten. Sie sind entsetzt, ob seiner Anklagen an Gott und kommen ihm mit schriftgefälligen Reden, die an seine Demut appellieren. Du versündigst dich Hiob, Gott darf man nicht anklagen, Gott ist Gnade, Gott ist die Liebe. Doch Hiob gibt in allem Elend nicht klein bei, er sieht das Böse, das am Walten ist. Der Satan nimmt ihm nicht nur all seine weltlichen Güter, seine Gesundheit, er kommt auch noch in Gestalt von angeblichen Freunden daher. Hartnäckig versucht der Satan in der Gestalt, Hiob von seinem inneren Gotteswissen abzubringen und auf den Irrweg der schönen Reden und des schönen Gottes-Scheins zu bringen.
Aber Hiob steht felsenfest. Er steht ein für seinen Glauben, auch wenn er arm, krank, verlassen, in die gottlose Ecke gestellt allein auf weiter Flur steht. Er lässt sich nicht beirren. Und Gott verlässt ihn nicht. Der Herr fragt Hiob, wo warst du, als ich die Erde gründete, wer hat das Maß und den Eckstein gesetzt, als mich die Morgensterne miteinander lobten und alle Kinder Gottes jauchzten, wer hat dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Ort gezeigt, dass sie alle Ecken der Erde erfasse und die Gottlosen herausgeschüttelt werden? (Hiob 38, 1-13).
Wer ist der Herr über das Maß, wer setzt den Eckstein, wer zeigt dem Morgenrot seinen Platz, blutrot oder licht? Wer schüttelt den Satan, die Versucher, die Versuchungen, das Böse aus dem anbrechenden Tag heraus? Als Hiob Gott wieder hört, versteht er, was er ihm sagen will. Er demütigt sich vor dem Herrn und findet aus seinem Hader heraus und wieder in die Demut vor Gott hinein. Gott hatte schließlich Erbarmen mit ihm, seinem gottesfürchtigen Diener.
Hiob war der Versuchung, dem Versucher ausgesetzt und Gott hat es ausdrücklich zugelassen. Gott wusste um die Glaubensstärke von Hiob. Er war sich Hiobs so sicher, dass er sogar auf ihn gewettet hat. Deshalb hat er Hiob gewählt, um dem Satan vorzuführen, dass Gott der Herr ist und nicht der Satan. Um das Pharisäertum zu entlarven. Seht, auch die scheinbar Gläubigen können nicht immer das Teuflische vom Göttlichen unterscheiden. Die Versuchung Jesu, als er 40 Tage in der Wüste war, zeigt, wie souverän Gottes Sohn die satanische Herausforderung meistert. Hiob verkörpert den Menschen in dieser Versuchung. Von Souveränität keine Spur.
Gott zeigt der Morgenröte ihren Ort. Lucifer steht nicht nur für den Lichtbringenden, sondern auch für den gefallenen Engel, wie im Buch Henoch beschrieben, für die gefallene Schöpfung Gottes, Adam und Eva, für diejenigen, die Gott gut und böse schuf. Die Versuchungen, die das menschliche Leben bringt, sind für uns oft größer, als Gottes Maß, sein Recht und Gesetz, sein Wille. Lucifer, der gefallene Lichtbringende, verkörpert das Licht, aber auch das Fleischliche, das Blutrot, das Verwundete und Verwundbare. Wir sind alle irgendwie Lucifer. Lichtbringend, gefallen und immer in Gefahr noch weiter zu fallen.
Hiob hat Demut lernen müssen. Er hat das Teuflische durchleiden müssen, seinen Stolz begraben, seine Selbstsicherheit, ein von Gott Geschützter zu sein, dem nichts passieren kann. Gott hat nicht verhindert, dass er so leiden und mit ihm hadern musste. Im Gegenteil, Hiob ist von Gott der Versuchung ausgesetzt, durch all sein Leiden hindurch geschickt worden. Und auch hier: Damit offenbar werde, dass ich, Gott der Herr bin. Gott war sich des Ausgangs von vornherein sicher.
Lieber Luther, diese Hiobsgeschichte ist einzigartig in der Bibel. Ein Buch, das erzählt, wie Gott mit dem Bösen, den dunklen Seiten, der Versuchung, dem Versucher umgeht. Ein Buch, das erzählt, wie Lucifer, der Licht Bringende, am Ende siegt, nicht der Gefallene. Das Hiobsbuch zeigt uns den Weg, gibt Zuversicht und Hoffnung, auch wenn es zunächst nach Hiobsbotschaften aussieht. Ein wunderbares Buch von der Tiefe des Glaubens. Wenn wir von Satan, dem Versucher, bedroht werden oder mehr Lucifer, dem Gefallenen, gleichen, dann sollten wir das Buch Hiob lesen und Psalm 139. Gott und das Böse, im Glauben immer eine Herausforderung für uns Menschen.
Herzliche Grüße
Deborrah