Lieber Luther

Lieber Luther

Sonntag, 20. Juli 2014

Schriftsprache

Lieber Luther,
für dich nichts Neues, aber für manch anderen: die Bibel spricht in Bildern und Gleichnissen, weil wie Jesus sagt, die Menschen es nicht anders begreifen. Durch die Bilder werden die Botschaften allgemein gültig, über Tausende von Jahren. Es geht nicht um das physische Geschehen, es ist nur das Behältnis für das Heilsgeschehen, das erklärt und bezeugt werden soll. Die Menschen, die die Botschaften in der Bibel aufgeschrieben haben, haben nur in Symbolen gedacht. Jeder Name, jede Zahl, jedes Bild war ein Symbol. Hinter jedem Symbol öffnet sich eine Bedeutungswelt, die mehr aussagt, als tausend Worte und Sätze aussagen könnten. Wäre die Welt hinter jedem Symbol beschrieben, die Bibel hätte ein Vielfaches an Umfang.
Das Wissen der Bedeutung und Symbolik des Wortes hinter dem Wort ist mit der Zeit verloren gegangen und damit auch die Botschaft an sich. Die Bilder des Ersten Testamentes werden heute kaum mehr verstanden. Die Bilder, die Jesus und auch die Apostel gebrauchen, sind die aber Bilder des Ersten Testamentes. Jesus erneuert nur die Botschaft, in Bildern, die auf die alten Bilder verweisen. So wird bei der Auslegung beider Testamente fleißig geraten und phantasiert, was sich aus der Schrift zweifelsfrei herleiten ließe.
Ein gutes Beispiel für die Symbolik in der Bibel ist die Geschichte von David und seiner Auseinandersetzung mit Nabal (heißt übersetzt "Narr"), ein "heilloser" Mann (1.Samuel 25, 1-13). Er war sehr reich, hatte viele Schafe und Ziegen. Er war persönlich böse, aber sein "Wesen" (=Gemeinwesen) war "zu Karmel" (übersetzt: ein Fruchtgarten Gottes), das heißt die Menschen, denen er vorstand, brachten Frucht auf Gottes Acker, sie waren "Hirten" und versuchten ihre Schafe zu schützen, denn Nadal "schor seine Schafe", beutete sie aus, bis sie nackt bis auf die Haut waren. David hörte davon und konnte nicht einfach zusehen. So schickte er Botschafter zu Nadal, um ihn aufzufordern, mit diesem gottlosen Treiben aufzuhören, denn "wir sind auf einen guten Tag gekommen", wir sind gekommen, damit alles gut werde. Gib deinen Knechten, fordert er, und deinem Sohn David, was deine Hand findet. Versuche das Gute aus dir herauszuholen. Nabal aber hört Davids Botschaft nicht, stattdessen sieht er nur, dass David seinem Dienstherrn Saul entflohen ist.
Nadal lässt David ausrichten: Sollte ich mein Brot, Wasser und Fleisch nehmen, das ich für die Scherer geschlachtet habe, und den Leuten geben, die ich nicht kenne, den Hergelaufenen? Soll ich, was durch und für meine Handlanger aus meinem Volk herausgepresst wurde, etwa wieder an es verteilen? Das ist die Kampflinie, um die es geht.
David forderte seine Männer auf: gürte ein jeglicher sein Schwert "um sich", um gegen Nabals Ungerechtigkeiten zu kämpfen. Das gürten ist ein Bild des sich mit Gott Gürten: Und ich will ihm deinen Rock anziehen und ihn mit deinem Gürtel gürten und deine Gewalt in seine Hand geben, dass er Vater sei derer, die zu Jerusalem wohnen (Jes 22, 21). Von Jesus ist vorausgesagt: Denn er zieht Gerechtigkeit an wie ein Panzer, setzt einen Helm des Heils auf sein Haupt, zieht sich an zur Rache und kleidet sich mit Eifer wie mit einem (Waffen-)Rock, in dem er gegen seine Widersacher streiten wird. Jesus streitet für und im Namen seines Vaters mit Eifer (Jes 59, 17-20).
Bei Paulus heißt es sinngleich: Denn die Waffen unserer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig vor Gott, zu zerstören Befestigungen (2.Kor 10,4). Die Ritterschaft besteht im Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit (2.Kor 6, 7). Genau das ist der Kern der Geschichte von David gegen Nadal. Die Bilder, die Paulus benutzt, kommen aus dem Ersten Testament.
David ist ein Krieger Gottes, er streitet mit Gottes Waffen. Wenn David den gottlosen Goliath mit der Schleuder niederstreckt, heißt das, Gott trifft Goliath, der Fels bringt das Böse, das gegen sein Gutes kämpft, bildlich zu Fall. Es ist einer der großen Irrtümer mancher Bibelleser, die meinen, es gehe in der Bibel um irdische Kriege mit irdischen Waffen, Gott sei blutrünstig. "Blut" ist ein Bild für das Leben, Blut ist Lebenssaft. Wenn reichlich Blut fließt, fließt Lebenssaft, Gottes Leben. "Blut" verweist in der Bibel auf Gottes Leben, nicht auf den menschlichen Tod.
Wenn David gegen die Philister zieht, zieht er gegen das Böse bzw. gegen die Heiden zu Felde. Es ist nicht die physische Ermordung gemeint, sondern die geistliche Ermordung der Gottlosigkeit durch Gott. Deshalb kann ein Mann bei diesen Kriegen auch immer gegen eine Übermacht etwas ausrichten, weil Gott seine Streitmacht ist. Gott gibt seine Waffen, um seinen Sieg zu erringen. Der physische Mensch ist keine Kategorie, die gemeint ist, es ist der Gottesmensch gemeint.
Mit den gängigen Bildern des Krieges wird in der Bibel die Macht und Überlegenheit von Gottes Streitmacht bezeugt. Lieber Luther, keiner der großen und gottesfürchtigen Gottesmänner hätte sich vor über 1000 Jahren träumen lassen, dass sie Tausende Jahre später von recht meinenden, unfrommen Friedensbewegten als Kriegstreiber gebrandmarkt würden, als irdische Kriegstreiber, Mörder und zu verachtende Blutrünstige, von denen man sich in jedem Fall distanzieren muss. Welch fehlendes Verständnis. Die Gottesfürchtigen und dem Wort Nachfolgenden der Bibel werden von den Gottlosen und falschen Nachfolgern zu den Bösen gemacht. Welche Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse, welch eine Verblendung.
Lieber Luther, Gottes Wille ist darauf ausgerichtet, alle Völker zu sammeln. Alle Bücher der Bibel beschreiben das in einer logischen Fortsetzung. Die Unterscheidung zwischen Erstem und Zweiten Testament ist eine künstliche Trennung, die völlig aus der Spur führt, hin zu den Grabenkämpfen zwischen Christen und Juden und anderen Gruppierungen, abgelenkt hin zu oberflächlichen Diskussionen über Riten und den rechten Glauben. Es gibt keinen "alten" und "neuen" Gott, Jesus kam nicht zu trennen, sondern fortzuführen. Wenn Jesus die Pharisäer und Schriftgelehrten angeht, geht er nicht das Judentum an, sondern den Missbrauch des Amtes, die falschen Lehrer und Propheten. Glaube an den EINEN Gott kann immer nur EIN Glaube sein, der nicht verbogen und umdefiniert werden kann, wie es einem gerade so gefällt. Jesus geht gerade gegen die Beliebigkeit an, die sich über die Jahrtausende in die Auslegung des Glaubens eingeschlichen hatte, und dagegen, dass man aus einem falschen oder gar keinem Schriftverständnis heraus auf Dinge verfällt, die ursprünglich so gar nicht in der Schrift gemeint waren. Deshalb auch die vielen Wortgefechte Jesu mit den Pharisäern. Beliebig war für Jesus nichts im Glauben, schon gar nicht die Auslegung der Schrift. Dort wird von Gott gezeugt, nicht in der Phantasie der Ausleger.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 13. Juli 2014

Prophetenwort

Lieber Luther,
manchmal muss man lange Wege gehen, bis einem ein Licht aufgeht und es einem wie Schuppen von den Augen fällt. Ich musste mich bis ans Ende der Bibel durchlesen, bis zur Offenbarung, bis sich mir der Blick öffnete. Mir ist nochmals deutlich geworden, wie wichtig für das Verständnis es ist, die Bibel im gesamten Zusammenhang zu lesen. In Mosaikteilchen gelesen, kann man insbesondere die Offenbarung nicht verstehen, aber auch das Zweite Testament nicht ohne das Erste und umgekehrt. Beide sind Schlüssel und Schloss.
In den Tagen der Stimme des siebenten Engels, wenn das siebte Siegel bricht, wenn er posaunen wird, soll vollendet werden das Geheimnis Gottes, wie er seinen Knechten, den Propheten, verkündet hat (Offb 10,7). Denn der HERR hat euch einen Geist des harten Schlafs eingeschenkt und eure Augen zugetan, dass euch alle Prophezeiungen sein werden wie die Worte eines versiegelten Buches, welches man gäbe einem, der lesen kann, und spräche: Lies doch das! und er spräche: Ich kann nicht, denn es ist versiegelt; oder gleich als wenn man's gäbe dem, der nicht lesen kann, und spräche: Lies doch das! und er spräche: Ich kann nicht lesen (Jes 29, 10-12).
So stehen viele Menschen vor den Buchstaben, die die heiligen Männer in der Schrift überliefert haben und können sie nicht lesen, verstehen Boten und Botschaft nicht. Auch das ist vorhergesagt: Gehe hin und sprich zu diesem Volk: Höret, und verstehet‘s nicht; sehet, und merket's nicht! Das gilt bis auf den heutigen Tag, solange, bis der siebte Engel posaunen wird. Anstatt dem überlieferten Gesetz und dem Zeugnis, das von Gott gegeben ist, glauben sie lieber den selbstgebastelten Göttern. Deshalb werden sie die Morgenröte nicht sehen, sondern hungrig bleiben, in ihrem Elend und Gott fluchen: Sie werden gaffen, unter sich die Erde ansehen und nichts finden als Trübsal und Finsternis; denn sie sind im Dunkel der Angst und gehen irre im Finstern (Jes 8, 20-22). So steht es auch in der Offenbarung (z.B. Offb 16, 9-11). Anstatt Angst vor der Macht der Verführung zu haben, haben sie Angst vor Gottes Gericht. Anstatt diesem freudig entgegenzufiebern, da es die Erlösung bringt, bleiben sie lieber in Babylon, dem Sitz des Bösen, der Hölle auf Erden, verkaufen sich und ihre Seele an andere Götter. "Hurerei" wird das in der Bibel genannt. Denn die geistlichen Leiter dieses Volkes sind Verführer; und die, die sich leiten lassen, sind verloren (Jes 9, 15).
Ihr schwört bei dem Namen des HERRN und gedenkt Gottes, aber nicht in Wahrheit und Gerechtigkeit. Ihr nennt euch Gottes Kinder und trotzt Gott. Alles, was in der Schrift gesagt ist, ist gesagt, damit ihr nicht sagen könnt, es ist Zufall, veraltet, das gilt für mich nicht. Denn: Ich habe es zuvor verkündet, das Zukünftige ist aus meinem Mund gekommen. Ich habe es sagen lassen. Ich tue es auch. Es kommt plötzlich. Denn ich weiß, dass du hart bist. Deshalb habe ich es dir zuvor sagen lassen, damit du nicht sagen kannst: Mein Götze tut's, und mein Bild und Abgott hat es befohlen. Du hast alles gehört, in der Schrift ist es geschrieben, und du verkündest es nicht. Ich habe dir Neues und Verborgenes gesagt, das du zuvor nicht wusstest. Nun ist es geschaffen. Ich weiß wohl, dass du mein Wort verachten und vom Mutterleib an ein Übertreter sein wirst (Jes 48, 1-6)
Lieber Luther, in der Schrift ist uns Gottes Wort gesagt, es ist uns vorhergesagt bis wir vor Gottes Stuhl – Richter- und Gnadenstuhl zugleich – stehen werden. Es ist alles vorausgesagt, damit wir, wenn es eintritt, erkennen, dass es Gott ist, der da am Werk ist. Deshalb hat Jesus auch gesagt: Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen (Mt 5, 17). Als Jesus nach Nazareth kommt, wird ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht und er schlägt auf: Der Geist des Herrn ist bei mir. Er hat mich gesandt um das Evangelium den Armen zu verkünden, zu heilen, die zerstoßenen Herzens sind, den Gefangenen zu predigen, dass sich ihre Fesseln lösen, den Blinden, dass sich ihre Augen öffnen, und den Zerschlagenen, dass sie wieder aufgerichtet werden (Luk 4, 16-18).
Jesu Leben war ein Erfüllen der Schrift, ein Dienst im Wort dessen, was Gott uns schon durch die Schrift im Ersten Testament hat verkünden lassen: Damit wir glauben, dass das, was geschieht, in seinem Namen geschieht, dass alles bereits im Lebensbuch verzeichnet (Offb 3, 5), alles vorgedacht ist. Was im ersten Testament vorausgesagt ist, hat sich im zweiten erfüllt. Vom Anfang Jesu Wirken bis zu dessen Ende: Mit Jesu Taufe durch Johannes erfüllt sich die Schrift (z.B. Mt 3, 3) bis er am Kreuz hängt: Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen (Joh 19,36). Als er wusste, dass schon alles vollbracht ist, dass die Schrift erfüllt ist, spricht er: Mich dürstet, nimmt den sauren Wein des Lebens und stirbt. Es ist vollbracht! (Joh 19, 28). Er hat erfüllt, es hat sich erfüllt. Wie vorhergesagt.
Lieber Luther, wer denkt, er findet den Gott, von dem Jesus spricht, außerhalb der Schrift, irrt gewaltig. Davon zeugt die gesamt Bibel vom ersten bis zu letzten Buch, vom A bis zum O. Die Lehre der Weisen ist eine Quelle des Lebens, zu meiden die Stricke des Todes (Spr 13, 14). Gott gibt in der Schrift durch seine Auserwählten Zeugnis von sich, von seinem Recht und seiner Gerechtigkeit. Die Offenbarung fasst zusammen und gibt uns einen klaren Blick wie Gottes Gerechtigkeit aussieht, wie er uns sammelt und was passiert, wenn wir Widerstand leisten. Was bei Jesaja steht, steht auch in der Offenbarung. Das zweite Testament bekräftigt das erste. Meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, sollen von deinem Mund nicht weichen, noch vom Mund deiner Kindeskinder, spricht der HERR, von nun an bis in Ewigkeit (Jes 59, 21).
An vielen Stellen der Bibel wird vor falschen Predigern gewarnt, auch Jesus hat eindringlich gewarnt und vorhergesagt, dass sie auftreten werden. Der Verführer wird vortäuschen er wäre ich, hat er gesagt. Die Offenbarung gibt reichlich Zeugnis davon. Lieber Luther, wenn man die bibelfernen Predigten unserer Pfarrer anhört, was sie über Gott sagen und was so gar nicht im Geiste der Bibel und damit in Gottes Geist ist, man Zweifel hat, ob sie die Bibel jemals im Zusammenhang gelesen haben, man sich mit Grausen abwendet, kann einem der Gedanke kommen, dass Gott selbst dafür sorgt, dass sie nicht zu viel Unheil anrichten, indem er ihnen einfach die Kundschaft entzieht und sich eigene Wege sucht, sein Wort zu verkünden. Lieber Luther, der Antichrist hat sich massiv in deiner Kirche im Tarntalar eingenistet, so wie im ersten und im zweiten Testament vorausgesagt, zusammengefasst in der Offenbarung. Man lese, aufdass man lesen lerne! Bis ins Mark erschrocken über den Zustand der Prediger deiner Kirche
herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 6. Juli 2014

Werke

Lieber Luther,
Gott ist ein Gott der Abwägung, der unsere guten Seiten sieht und unsere schlechten. Es entgeht ihm nichts. Sein ganzes Bestreben ist darauf gerichtet, uns zu ihm zu bekehren. Wir sind ein harter Brocken. Unser Alltag frisst uns auf, wir lassen uns aber auch auffressen, so dass wir immer in Gefahr sind, bei allem werkeln das falsche Gewerk anzupacken. Gottes Wort ist Wegzeiger jeden Tag, Maßstab zur kritischen Selbstreflexion, Wegweisung zu Umkehr, Reue und Buße, Betriebsanleitung, dass unser Werk vor ihm gelingen kann.
Die Sendschreiben zu Beginn der Offenbarung sind wie Mahnschreiben, die uns unverblümt eine Analyse unseres Tuns vor Augen halten. Jesus Christus lässt uns ausrichten:
Ich kenne deine Werke, deine Arbeit, deine Geduld um meines Namens willen, deinen unermüdlichen Kampf gegen das Böse, gegen die falschen Apostel und Lehrer, deren Lügen du entlarvst. Aber du lässt dich verwickeln, deine Liebe ist mehr Eigenliebe, mehr Liebe unter Menschen als Gottesliebe, ich nichts als ein Vorwand. Diene Gott anstatt den Menschen. Bedenke, aus was du gefallen bist. Wer die Welt überwindet, dem werde ich vom Holz des Lebens zu essen geben. Tue Buße, sonst sinkt dein Stern und dein Licht wird nicht mehr leuchten (Offb 2, 1-7).
Ich kenne deine Werke, deine Trübsal, deine Nöte, in denen du trotz alledem reich bist , die Anfeindungen, die du von denen erfährst, die von sich behaupten, sie haben die wahre Lehre für sich gepachtet, aber in Wirklichkeit falsche Lehrer sind. Auch wenn sie dich in die Finsternis stoßen, sei getrost, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer die Welt überwindet, dem wird der Tod nichts anhaben können (Offb 2, 8-11).
Ich kenne deine Werke, dass du inmitten Gottloser wohnst, wo das Böse regiert. Du hältst an meinem Namen und an meinem Glauben fest, auch gegen höchste Bedrängung der Gottesverächter. Aber, dein Tun ist zweischneidig. Wie Bileam lässt du dich missbrauchen, heulst mit den Wölfen, verbeugst dich vor Götzenbildern, lehrst vor und von falschen Göttern, wenn es opportun erscheint, und führst dabei meinen Namen im Mund. Lass das sein und tue Buße, sonst schneidest du dich von mir ab. Wer die Welt überwindet, den will ich nähren, der wird ein reiner Stein werden, auf den ich bauen werde, und auf dem der Name stehen wird, bei dem ich dich rufen werde (Offb 2, 12-17).
Ich kenne deine Werke, deine Liebe, deinen Glauben, deine Geduld, dass du je länger, je mehr tust. Aber du lässt falsche Propheten gewähren, die meine Knechte dazu verführen, anderen Göttern nachzulaufen, sie davon abhalten, mein Brot zu essen. Ich habe dir Zeit zum Nachdenken und zur Umkehr eingeräumt, aber du willst nicht. Du schiebst keinen Riegel vor und tust nicht Buße. Deshalb wirst du zusammen mit denen untergehen, denen du nicht wehrst, wirst keine Frucht mehr bringen. Alle werden erkennen, dass ich es bin, der bei jedem Herz und Nieren erforscht und jedem nach seinen Werken geben wird. Wer die Welt überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, den werde ich teilhaben lassen an meiner Macht und Herrlichkeit, ihm, gleich wie mir von meinem Vater gegeben ist, Macht über die Heiden geben, sie zu weiden, um das Böse mit ehernem Stab wie Töpfergefäße zu zerschmettern. Ich werde ihnen den Morgenstern geben, sie werden als erste Lichter am neuen Himmel des neuen Tages leuchten (Offb 2, 18-29).
Ich kenne deine Werke, denn du lebst und bist doch tot. Werde wach und stärke das Übrige, das im Begriff steht zu sterben. Du bewirkst nicht, was du bewirken könntest. Denke daran, jeder tue, nachdem er empfangen und das Wort gehört hat. Bewahre dies und tue Buße. Wach auf, damit du bereit bist, wenn ich komme. Wenn du nicht aufwachst, werde ich in dein Haus kommen wie ein Dieb und du wirst überrascht sein über mein Kommen und es verschlafen. Du weißt weder Tag noch Stunde. Besudle dein weißes Kleid nicht in der Dunkelheit. Wer die Welt überwindet, muss mit weißen, reinen Kleidern angetan sein, dann soll sein Name nicht ausradiert werden aus dem Buch des Lebens und ich will mich zu ihm vor meinem Vater bekennen (Offb 3, 1-6).
Ich kenne deine Werke, ich habe vor dir eine Tür aufgeschlossen, die niemand zuschließen kann. Ich habe dir eine kleine Vollmacht gegeben, du hast meine Worte behalten und meinen Namen nicht verleugnet. Diejenigen, die Böses tun und doch sagen, sie seien christlich und sind es nicht wirklich, werden zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe. Weil du geduldig auf mich geharrt hast, werde ich dich vor der Versuchung durch das Böse bewahren, die alle heimsucht, die auf der Erde wohnen. Siehe, ich komme bald, halte, was dir gegeben ist, damit dir niemand deine Krone nehme! Wer die Welt überwindet, den will ich auf ewig zum Pfeiler im Tempel meines Gottes machen. Ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes, den Namen des neuen Jerusalem und meinen neuen Namen (Offb 3, 7-13).
Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist, dass du nicht anecken, nicht Position beziehen willst. Ach, dass du kalt oder warm wärst! Weil du lau bist, werde ich dich ausspeien. Du sagst: Ich bin reich, satt und bedarf nichts. Du weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und deine Schande offenbar. Ich rate dir, von meiner Wahrhaftigkeit zu kaufen, die von allem Selbstbetrug gereinigt ist, damit du reich wirst. Kaufe dir weiße Kleider, damit die schändliche Blöße, die du dir gibst, bedeckt wird. Salbe deine Augen mit Augensalbe, damit du der Wahrheit in Gesicht sehen kannst. Die ich liebhabe, fordere ich auch. Deshalb mache dich auf, beweg dich und tue Buße. Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und seine Tür aufmacht, zu dem werde ich eingehen und mit ihm das Abendmahl halten und er mit mir. Wer die Welt überwindet, der wird mit mir auf meinem Stuhl sitzen, gleich wie ich überwunden habe und mich mit meinem Vater auf seinen Stuhl gesetzt habe (Offb 3, 14-22).
Ich kenne deine Werke. Lieber Luther, man kann sich an der einen oder anderen Stelle ertappt fühlen und feststellen, dass man auf dem Holzweg ist. Das ist Sinn der Sache, nämlich uns zu belehren, uns zu helfen, uns Orientierung und Anstoß zum Nachdenken zu geben, uns die Richtung zu weisen, uns den Weg zu zeigen. Ich kenne deine Werke, sagt Christus, aber kenne ich seine auch? Oder schönfärbe ich? Gehe ich den Weg seiner Werke, den er vorausgegangen ist? Wer die Welt überwindet ... Fast unüberwindlich für uns.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 29. Juni 2014

Richter Simson

Lieber Luther,
der Mensch fehlt, solange er lebt. Deshalb haben soziale Gemeinschaften seit jeher nur existieren können, wenn in dieser sozialen Gemeinschaft oder Gesellschaftsordnung jemand die Autorität hatte, Recht zu sprechen. Ohne Rechtsprechung herrscht in einer Gesellschaft Mord und Totschlag, Anarchie. Keiner kann in Sicherheit wohnen und leben.
In Gottes Ordnung ist es genauso. Auch in seiner Beziehung zu Gott fehlt der Mensch, tut Unrecht, vergeht sich gegen die Ordnung, die Gott gesetzt hat, gegen sein gesetztes Recht.
Dass wir von Menschen gesetztes Recht befolgen, scheint in den Gesellschaftsordnungen heute selbstverständlich. Dass wir von Gott gesetztes Recht befolgen, weniger. Das betrachten wir als von Gott anmaßend und nicht zeitgemäß. Fragt sich nur, wer anmaßend ist, Gott oder seine Kreatur? Wenn wir Gott als höhere Autorität anerkennen, die größer, weiser, herrlicher, mächtiger als wir sind, ihn als die Liebe bezeichnen, wieso sperren wir uns eigentlich so dagegen? Ist das nicht eher egomaner Trotz?
Als Mose anfing, Gottes Volk zu sammeln und in sein gelobtes Land zu führen, war es ziemlich schnell klar, dass es ohne Richter nicht geht, da die Menschheit eben nicht nur lieb miteinander umgeht. Der Anspruch an Richter, die vor Gott bestehen wollen, ist hoch. Sie sollen mit rechtem Gericht richten, sich nicht bestechen lassen, sondern gerecht sein, damit leben miteinander möglich ist (5.Mose 16, 18-20). Nur hehre und falsch verstandene Liebe zu postulieren, reicht für das menschliche Zusammenleben nicht aus. Das haben die Menschen schon vor 3500 Jahren begriffen, inzwischen allerdings anscheinend wieder vergessen, obwohl der Alltag eine andere Sprache spricht. Bei von Gott eingesetzten Richtern geht es nicht um menschliche Streitereien, die geschlichtet werden müssen, es geht um Höheres, um das, was im Willen Gottes und vor ihm gerecht ist. Ein Richter, so wie es die Bibel meint, ist ein Richter, der göttlich geleitet ist und erkennt, was gerecht und wahr ist.
Wenn Gott Richter erweckte, so war er mit den Richtern, schickte ihnen göttliche Eingebungen und verhalf seinem Volk durch die Richter aus ihren Verstrickungen und Feindschaften. Aus Liebe zu den Menschen, die zu seinem Volk zählen: Es jammerte ihn ihr Wehklagen (Richter 2, 18).
Ein Richter, den Gott erweckte, war Simson (Richter 13-16). Seine Mutter war unfruchtbar. Es erschien ihr ein Engel, der seine Geburt ankündigte: Denn du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem kein Schermesser aufs Haupt kommen soll. Denn der Knabe wird ein Geweihter Gottes sein vom Mutterleibe an; und er wird anfangen, Israel zu erlösen aus der Hand seiner Feinde (Richter 13, 5).
Es kommt zunächst so, wie vom Engel vorhergesagt: Simson wird ein Held mit Kräften, die ihn all seine Feinde überwinden lassen. Aber nur, solange kein Schermesser auf sein Haupt kommt, wie der Engel sagte, solange er Gott geweiht ist. Gottes Heilige sollen ihr Haar frei wachsen lassen, vom Scheitel an rein sein vor Gott. Der Engel wollte damit sagen, er soll sich nicht verunreinigen mit Dingen, die gottlos sind (4.Mose 6, 1-5). Er soll die Gnade, die er von Gott verliehen bekommen hat, nicht abschneiden, sich nicht von dem ihn umwallenden Segen entfernen, nichts, was Gott ihm hat zuwachsen lassen, gewaltsam von ihm trennen. Das ungeschnittene Haar als Zeichen der unmanipulierten Natürlichkeit in Gott. Das ungestört wachsende Haar als Zeichen des ungestörten Wachsens hin zu Gott.
Simson hat sich schließlich selbst von Gott abgeschnitten, Gottes Gnade einer Frau geopfert. Er hat seine göttliche Natur den Bedrängungen der menschlichen Natur unterstellt. Gottes Gnade war ihm nicht mehr heilig. Er hat der schönen Verführung nachgegeben und war fortan in der Hölle. Wie er seine Reinheit vor Gott verraten hat, so hat die Frau ihn in der Folge auch verraten. Mensch wie er leibt und lebt. Er ist sehenden Auges und doch blind in sein Verhängnis gestolpert. Anstatt den Feinden Gottes, jagte er seinem Vergnügen nach. Seine ganze Mission der Lust untergeordnet. Er gab seinem Trieb nach und war fortan ein Getriebener. Alles menschlich verbockt.
So wie er blind gegenüber seiner Mission war, war Gott fortan auch blind ihm gegenüber. Simson wurde vom Gottgeweihten zum von Menschen Gejagten, geblendet, gefangen, sein Leben eine bittere Konsequenz seines Tuns, seines Abweichens vom guten Weg. Die Feinde triumphierten über ihn und seine Hilflosigkeit und dankten ihren Göttern dafür.
Lieber Luther, wenn die Geschichte hier enden würde, bräuchte sie nicht in der Bibel stehen. Was ist die Botschaft? Gott lässt keine fremden Götter über sich triumphieren! Auch nicht in diesem Fall. In all seinem selbstverschuldeten Elend betete Simson: HERR, gedenke meiner und stärke mich doch diesmal, dass ich mich für meine beiden Augen räche. Und Gott hörte ihn. Er verlieh Simson ein letztes Mal göttliche Kraft, um den Tempel mit den Götzenbildern einstürzen zu lassen. Gott hat keine Abgötter über sich triumphieren lassen.
Lieber Luther, die Geschichte von Simson ist keine Liebesgeschichte unter Menschen, ganz im Gegenteil. Selbstverliebtheit und Schmeichelei hat Simson von seiner Liebe zu Gott abfallen lassen. Die Liebe, von der die Bibel erzählt, ist keine triebgesteuerte Liebe. Diese Art Liebe als Triebfeder bringt die Menschen zu Fall und führt sie auf Irrwege. Es ist keine Liebe, es ist Eigenliebe. Diese Art Liebe hat Jesus nicht gemeint mit seinem Gebot von der Nächstenliebe. Das wird fatalerweise oft so gedacht. Auch Gottes Heilige können über ihre Geilheit stolpern, auch wenn sie ein Amt innehaben, das von Gott eingesetzt ist. An Simson ist es gezeigt und ein warnendes Beispiel gegeben. Allein deshalb steht es in der Bibel. Umsonst, wie aktuelle Beispiele zeigen.
Trotz alledem ist Gott treu. Obwohl Simson, sein Heiliger, sein von ihm eingesetzter Richter, sich ganz unheilig verhalten hat, den Bund mit ihm gebrochen hat, weil er sich vom Verführer hat einlullen und täuschen lassen, bleibt Gott ihm am Ende treu und erhört sein Flehen aus tiefster Not. Gott kennt ihn beim Namen und vergisst ihn nicht – auch wenn er sein Recht gebrochen hat, auch wenn er am Ende an ihn, seinen gefallenen Heiligen, einen höheren Maßstab anlegt. Lieber Luther, das gibt Trost und Hoffnung für uns alle, denn wir alle brechen im Laufe unseres Lebens auf die ein oder andere Weise Gottes Recht. Es fehlt der Mensch, solange er lebt. Das weiß keiner so genau wie Gott.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 22. Juni 2014

Wolke

Lieber Luther,
gerade liegt Himmelfahrt, Pfingsten und Trinitatis hinter uns, lauter Kirchen"feste", vor denen sich mancher Pfarrer fürchtet, weil er selbst nicht so recht weiß, was er davon halten soll. ImSpiegel wird von Religion ohne Gott berichtet und ein Pastor zitiert, der mit Gottes Wolke nichts anfangen kann. "Wie anders wir heute zum Himmel schauen als die Menschen der Bibel, wie viel mehr wir wissen als sie, wie viel weniger wir glauben als sie, wie unterschiedlich unsere Bilder von der Welt sind". Im Himmel sei kein dinglicher Raum, in dem Gott wohne und in diesen Himmel werde heute niemand mehr in einer Wolke aufgehoben. Wirklich Herr Pfarrer? Ist das ernstlich Ihre Botschaft?
In den zehn Geboten heißt es: ich bin der Herr dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst dir kein Götterbild machen, auch keinerlei Abbild dessen, was oben im Himmel ist, noch dessen, das unten auf Erden oder im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern, an der 3. und 4. Generation derer, die mich hassen, der aber Gnade erweist tausenden von Generationen, die mich liebhaben und meine Gebote halten (2.Mose 20, 2-4).
"Ich bin" heißt, ich, Gott, bin eine Realität, meine HERRlichkeit und Fülle ist so groß, dass ihr euch kein Bild davon machen könnt, ihr werdet unweigerlich in die Irre gehen und Götzen nachlaufen und mein Götzenbild nach euren Vorstellungen bauen. Gott kann man nur unmittelbar erfahren. "Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht." (2.Mose 33,20). Wie ist Gott dann zu erkennen?
Ein Bild, das in der gesamten Bibel für die Gegenwart Gottes steht, ist die Wolke: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken, als Zeichen des Bundes zwischen euch und mir, zwischen allen lebendigen Seelen in allem Fleisch, das auf Erden ist (1.Mose 9, 12-17). Den gesamten Auszug des Volkes Israel aus Ägypten begleitet Gott, indem er in der Wolke voranzieht. Mose richtet sich danach. Ob das Volk weiterzieht oder nicht, die Wolke bestimmte die Pace. Gott spricht aus der Wolkensäule. Was man sich darunter vorzustellen hat, ist Psalm 105, 39 zu entnehmen: Er bereitete eine Wolke aus zur Decke.
Das heißt, die Wolke ist ein Bild für den schützenden und leitenden Geist Gottes, sein Segen, der über dem Geschehen liegt. Wie mit einer schützenden Wolkenhülle legt er seine segensreiche Gegenwart um uns, keine Spur von Person, aber viele Spuren von Geist, denn: Sie haben alle einerlei geistliche Speise gegessen und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber vom geistlichen Fels, der mitfolgte, welcher war Christus (1.Kor 10, 1-5).
Bei Jesu Taufe fiel eine Stimme aus der Wolke, die sprach: Dies ist mein lieber Sohn, ihn sollt ihr hören (Luk 9, 35). Bei Jesu Tod verfinsterte sich die Erde durch Wolken, Gottes Trauer legte sich über die Erde und schließlich wurde Jesus emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf.
Was heißt das? Nichts anderes als dass Jesus von Gott zu sich empor gehoben wurde und sich mit ihm vereinigt hat, zukünftig den Blicken in der Wolke entzogen ist, wie Gott. Gott und Jesus vereinen sich wieder zu einem EINEN, für uns offenbart in der Wolke. Die Verheißung ist, dass er so kommen wird, wie die Jünger ihn hingehen haben sehen (Apg 1, 9-11): Sie werden sehen des Menschen Sohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit" (Mk 13, 26). Das heißt am Tag, wenn Gottes Reich auf Erden kommen und jeder ihn schauen wird, wird er sich aus der Wolke offenbaren.
Dass Jesus in der Wolke wieder zu Gott zurückkehrt, spricht für die Konsistenz und die Authentizität dessen, was die Jünger gesehen und erlebt haben und mit ihnen das gesamte Volk Israel zuvor. Zu viele Menschen haben dieses erlebt und bezeugt, um es als Humbug abzutun. Es ergibt sich zwangsläufig so aus der Bibel. Das Gottesgeschehen ist kein alltägliches Geschehen und was auch geschieht, verwundert die Menschen. Damals wie heute. Das war so, als Gott aus der Wolke sprach, bei Jesu Wundertätigkeit, bei seiner Taufe, als die göttliche Stimme aus der Wolke kam, desgleichen bei seiner Aufnahme in den Himmel. Es ist bezeugt, darauf besteht Petrus: Denn wir haben euch die Macht und Ankunft unseres Herrn Jesus Christus kundgetan, nicht in dem wir fabulierten, sondern weil wir Augenzeugen seiner herrlichen Größe gewesen sind (2.Petrus 1, 16). Augenzeugen!
Lieber Luther, schauen wir also anders in den Himmel als die Menschen vor 2000 Jahren? Und wissen wir mehr? Die Antwort heißt: Manche Menschen schauen in den Himmel, wie manche Menschen vor 2000 Jahren. Es gibt immer diese und jene. Jener Teil der Menschheit sieht eine Wolke und nichts als eine Wolke, eine Ansammlung von Wassertröpfchen. Und er wundert sich dann, dass in diesen ihren Himmel niemand aufgenommen wird, auch sie nicht. Sie denken tatsächlich, sie wissen mehr als die Menschen damals und schauen nur auf die Wassertröpfchen, übersehen aber den Urquell der Wassertröpfchen und verstehen schon gar nicht seine Sprache. Welche Blindheit und Taubheit bei all dem Wissen! Wissen kann auch blind und taub machen.
iWissen die Menschen heute mehr als das Volk Israel, das über Jahrzehnte der Wolke gefolgt ist? Aus seiner Gotteserfahrung heraus. Unter Leitung eines Auserwählten Gottes. Sie hatten ein Wissen, Gottes-Erfahrungswissen, das heute weitgehend nicht mehr besteht. Die Menschen sahen, wer diese Wolke gebildet hat und warum, verstanden noch die Zeichen, die ihnen gegeben wurden. Die Menschen heute hantieren mit vielen Zeichen und Formeln, aber wissen weniger, als die einfachen Menschen, die durch die Wüste zogen, als die Apostel, die Jesu Aufnahme in den Himmel gesehen und bezeugt haben. Im Lesen der Zeichen Gottes stehen wir heute weitgehend Analphabeten gegenüber. Der eingangs erwähnte Pfarrer ist nur ein Beispiel.
Lieber Luther, die Frage im Spiegel lautete: Religion ohne Gott? Die Frage müsste heißen, Kirche ohne Bibel? Welche Zukunft hat eine Kirche, deren Lehrer und Pastoren des Bibellesens unkundig sind, die das Wort Gottes dahinter, die Zeichen und die Lehre nicht mehr verstehen, denen manche Teile gar peinlich sind und, wie sie meinen, den Menschen heute unzumutbar? Wobei man, lieber Luther, das weißt auch du, jeden Teil der Bibel mit Gewinn lesen kann, mit Botschaft an jeden von uns, wenn man sie denn entziffern kann. Die Kirche müsste dringend anfangen, ihren Lehrern das ABC wieder beizubringen, damit sie das entscheidende Dokument, auf das sich die Christenheit beruft, wieder lesen lernen und dann vielleicht auch wieder vermitteln können, eine Botschaft an die Menschen haben, die sie verstehen, weil sie selbst sie auch wieder verstehen. Damit sie wieder anstatt von Wolkenkuckucksheimen von Gottes Wolke predigen können.
Lieber Luther, dass die Prediger die Menschen nicht mehr erreichen, weil man den Eindruck hat, sie haben Gott selbst verloren, hat gesellschaftliche Auswirkungen, über die man erschrecken kann. Baal hat Hochkonjunktur und Aarons, die als Pfarrer goldene Kälber bauen, gibt es auch genug. Aber, lieber Luther, auch das zeigt die Bibel, der EINE Gott lässt die Baals eine zeitlang gewähren, aber nur eine zeitlang … Das tröstet.
Herzliche Grüße
Deborrah

Samstag, 7. Juni 2014

Segen und Fluch

Lieber Luther,
Gott ist das ewige Gut und wir ein Teil davon. Doch vor dem ewigen Gut steht viel Ungutes, viel Ungehorsam, viel Leid, mangelnde Demut, Eigenwille und Renitenz, kurz, der Mensch, so wie er geschaffen ist. Anzunehmen, der Mensch erreiche das ewige Gut, solange er menschlich lebt, ist Augenwischerei. Aber nicht nur, es ist auch Last und Belastung, das Postulat allein Beschwernis und Last. Gott wusste das. Deshalb hat er zum Segen auch immer den Fluch gesellt, zum ewigen Heil das ewige Gericht. Im ersten wie im zweiten Testament. Nicht nur der Mensch, auch Jesus und Gott sind zornig. Wären sie es nicht, wir – und unser Tun – wären ihnen gleichgültig, es bräuchte sie gar nicht. Ein Maßstab ohne Maßstab ist keiner. Es ist ja nicht unbegründeter Zorn. Wer das weg definieren will, verschließt die Augen vor 2,5 Millionen Jahren Menschheitsrealität.
Gott hat einen Bund mit uns geschlossen und die dazugehörige Handlungsanleitung ist einfach: So haltet nun die Worte dieses Bundes und tut darnach, auf dass ihr weise handeln möget in all eurem Tun (5.Mose 29, 9 ff). Du, jeder einzelne, der vor mir steht, sich zu dem Bund bekennt, tritt in den Eid auf den Bund mit mir ein. In diesem Bund und mit diesem Eid, besiegelt mit meinem Blut, richte ich dich zu meinem Volk auf. Ich sammle euch in dem Bund und unter diesem Eid. Ob dies der alte oder neue Bund ist, spielt keine Rolle, es ist immer der EINE Bund mit dem EINEN Gott, die EINE Stadt, das EINE Haus, der EINE Tempel, der EINE Zionsberg, das EINE Kreuz, der EINE Christus.
Gedenkt immer des Bundes, den ihr mit diesem EINEN geschlossen habt. Gedenkt eurer Geschichte und nehmt sie als Warnung, fallt nicht in eurem Herzen von mir ab, dient nicht anderen und falschen Göttern. Vor allem hüte dich davor, obwohl du diese Worte und diesen Fluch hörst, dich selbst in deinem Herzen zu segnen und zu sagen: Es geht mir wohl, obwohl du nur tust, was dir dein Herz sagt. Die sich an sich selbst betrinken, werden verdursten: Da wird der Herr nicht gnädig sein; sondern dann wird sein Zorn und Eifer rauchen über solchen Menschen, und es werden sich alle Flüche auf ihn legen, die in diesem Buch geschrieben sind; und der HERR wird seinen Namen austilgen unter dem Himmel (5.Mose 29, 20). Er wird ihr Land mit Schwefel und Salz verbrennen, dass es nicht besät werden kann, noch etwas darin wächst, noch ein Kraut aufgeht, gleich wie in Sodom und Gomorra. Warum? Weil du den Bund verlassen hast, den Eid gebrochen.
Gott ist ein zorniger Gott, aber auch ein langmütiger Gott: Wenn nun alles über dich kommt, nach deiner Wahl, der Segen und der Fluch, und du in dein Herz gehst, auch wenn du unter den Heiden bist, zu denen du verstoßen bist, Gott nicht kennst, und umkehrst, dich zu Gott bekehrst, seiner Stimme gehorchst, von ganzem Herzen und ganzer Seele, so wird dein Gott dir dein selbstgewähltes Gefängnis wenden. Selbst wenn du bis an der Himmel Ende verstoßen wärst, wird dich der Herr, dein Gott, von dort sammeln (5.Mose 30, 4).
Ihr habt keine Ausrede. Das Gebot, das ich euch gebe, ist nicht verborgen, ihr könnt nicht sagen, wer will uns über das Meer fahren und dein Wort uns holen, dass wir es hören und tun. Es ist da, es ist in der Welt. Es ist Verheißung, Hoffnung und Warnung. Denn seht, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben Mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und heilen, und ist niemand, der aus meiner Hand errette (5.Mose 32, 39).
Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst (5.Mose 30, 19). Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens (Heb 4, 12). Mensch, du hast die Wahl, auf mich, deinen Gott, kannst du es nicht schieben, wenn du meiner Stimme nicht gehorchst und du die Konsequenzen tragen musst.
Und es wird Konsequenzen haben. Auch darüber habe ich euch ausführlich belehrt. Denn, alle Menschen, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben und mich dennoch zehnmal versucht, meiner Stimme nicht gehorcht, mir gelästert haben, sollen das Land nicht sehen, das ich ihren Vätern verheißen habe, sie werden nicht in meine Ruhe kommen (4.Mose 22 ff). Welchen schwur er aber, dass sie nicht zur Ruhe kommen sollten, wenn nicht den Ungläubigen (Heb 3, 18)?
Lieber Luther, auch mit mancherlei Speis und Trank, mancherlei Taufen und äußerlicher Heiligkeit ist es nicht getan, den Gott sieht in alle Herzen (Heb 9, 10) und wartet hinfort, bis dass seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden (Heb 10, 13). Mir kommen die Konfirmationen dieser Tage in den Sinn. Oder auch Taufen. Viel äußerliche Heiligkeit, wenn überhaupt, nicht nur von denen, die so scheinheilig vor den Altar treten, sondern auch derjenigen, die mitspielen und ihren Segen dazu geben.
Und, passend zu Pfingsten, lieber Luther, eine wie viel ärgere Strafe wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt, den Bund, den er geschlossen hat, das Blut des Testamentes, unrein achtet, durch welches er geheiligt ist, und den Geist der Gnade schmäht? Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen (Heb 10, 29-31), in jeglicher Beziehung, in Gutem wie im Schlechten. Erschrecken von der Größe des Segens, aber auch vor der Größe des Zorns. Ich kenne beides, du, lieber Luther, sicher auch. Umfassende, mich ganz erfassende Gottesfurcht und –ehrfurcht.
Die An- und Aufforderung, lieber Luther, ist also nicht, vor all dem Unguten die Augen zu verschließen, sich in die vereinfachte Formel zu flüchten, Gott vergibt alles. Am Ende, lieber Luther, vielleicht ja, das ist die Hoffnung, aber davor steht der zornige, der richtende Gott, der sich unsere Untaten alle ansieht. Und das ist gut so. Mich erleichtert das. Ich kann vor ihn nicht nur meine Fürbitten, sondern auch meine Flüche legen. Er kennt beides. Er, der gerechte Richter, wird sie wiegen und wägen und nach seiner Gerechtigkeit bewirken, richten und rächen. Zu Gott wie auch zu mir, gehören Segen und Fluch. Wer nur den Segen sieht und den Fluch negiert, halbiert Gott und Mensch. Licht macht die Dunkelheit zum Licht.
Herzliche Grüße
Deborrah

Mittwoch, 21. Mai 2014

Mut zum Wort

Lieber Luther,
das Leben ging weiter. Nachdem Jesus endgültig zu seinem Vater zurückgekehrt war, waren die Jünger auf sich selbst gestellt. Es war niemand mehr da, der erklärt hätte, was unklar war und geklärt hätte, worüber keine Einigkeit herrschte. Die göttliche Wahrheit musste fortan über Menschen vermittelt und ausgelegt werden. Wenn Jesus, seine Lehre, schon in Frage gestellt wurde, wie schwierig war es erst für die Jünger, eine Bresche für den christlichen Glauben durch Heiden- und Judentum zu schlagen. Eine unendlich schwere Aufgabe. Jesus hat die Jünger beauftragt: Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes (Mt 28, 19).
Die Jünger nahmen den Auftrag an. Allerdings wäre es blauäugig zu glauben, dass mit Jesu Tod der schwelende Konflikt zwischen Jesu Lehre und den jüdischen Geistlichen mit einem Schlag beendet gewesen wäre. Mitnichten. Jesu war nur der Erste, der in seinem Namen verfolgt und getötet wurde, viele folgten. Der Konflikt verschärfte sich noch mit der Kunde von Jesu Auferstehung. Das wurde als weitere Provokation angesehen.
Einerseits verstanden viele Menschen das Zeichen der Auferstehung, die göttliche Botschaft dahinter. Sie trieb die Menschen in Scharen den Jüngern zu, öffnete sie für den Glauben an Christus. Natürlich war das den jüdischen Glaubenshütern weiterhin ein Dorn im Auge, bedrohlich für ihre Autorität. Jetzt soll dieser Jesus auch noch auferstanden sein.
Andererseits gab es auch viele, die zweifelten, so wie heute auch.
Als Jesus noch körperlich auf der Erde weilte, gab er den Jüngern schon Mut: sorgt euch nicht, ihr werdet dem Volk predigen, was ihr predigen sollt, ich lege euch das Wort durch den Heiligen Geist in euern Mund. Da Jesus wusste, dass einer die Führung übernehmen musste, gab er Petrus die Rolle. Er war die Autorität, die anerkannt wurde und so war es auch Petrus, der die Richtung vorgab (Apg 2, 14 ff): Es ist in der Schrift verheißen, dass Christi Seele nicht dem Tode überlassen wird und sein Fleisch die Verwesung nicht sieht. Wir Jünger können bezeugen, dass dies so eingetreten ist, wir haben den Auferstandenen gesehen. Er ist nun, wie es geschrieben steht, durch die Rechte Gottes erhöht, er hat den Heiligen Geist von seinem Vater empfangen und ihn wiederum über uns ausgegossen. "So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zu einem HERRN und Christus gemacht hat". Deshalb tut Buße, lasst euch taufen zur Vergebung eurer Sünden, dann werdet auch ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn das ist euch und allen, die Gottes Ruf folgen, verheißen.
In der Nachfolge Jesu tat auch Petrus Zeichen und Werke, die nicht jeder vermag. Das Volk war beeindruckt und das war Sinn und Zweck der Sache. Gottes Geist wirkte mit. Die geistlichen Würdenträger waren, wie schon bei Jesus, pikiert: Wie konnten diese ungebildeten Menschen all dies reden und bewirken? Sie mussten verschwinden, wobei sie, wie schon bei Jesus, die große Zahl der Anhänger fürchteten (Apg 4,21). Deshalb gingen sie durchtrieben Schritt für Schritt vor, schüchterten die Apostel ein, indem sie sie stäupten (Apg 5, 40) und aus der Stadt vertrieben. Mit Stephanus wurde ein erstes tödliches Fanal gesetzt. Er war angesehen, voll großem Glauben, wundertätig und voller Weisheit. Mit seiner Verurteilung konnte man ein Zeichen setzen. Nach dem gleichen Rezept wie Jesus, wurde er verleumdet und schließlich gesteinigt (Apg 6-7). Jakobus starb als nächster (Apg 12, 2). Das Wunder war, sie verzagten nicht, ließen sich weder einschüchtern noch beirren, räumten das Feld nicht.
Lieber Luther, wieso erzähle ich das alles? Wir sind beim heutigen Predigttext angelangt. Paulus, der über den Heiligen Geist die Mission hatte, insbesondere Gottes Wort unter die Heiden zu bringen, ist in Athen angekommen. Dort herrschen die griechischen Götter und Paulus ist zornig über das Maß der Abgötterei dort. Er versucht, die philosophisch gebildeten Griechen mit ihren Mitteln zu schlagen: Er sagt, auf einem eurer Altäre habe ich gelesen: Dem unbekannten Gott. Ich sage euch, wer der euch unbekannte Gott ist (Apg 17, 23). Er wohnt weder in euren Tempeln, noch bedarf er eurer. Die goldenen, silbernen und steinernen Bilder, die ihr gemacht habt, sind falsche Götterbilder. Gott hat bisher eure Unwissenheit übersehen, aber nun fordert er von euch Buße. Ihr werdet einst, nach eurer Auferstehung, vor Gott stehen und er wird euren Glauben ansehen (Apg 17, 22-31).
Was passierte, liebe Luther? Als die wohlgebildeten Griechen die Botschaft von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten sie über Paulus. Buße? Das entsprach nicht derepikurischen Lebensphilosophie der maximalen irdischen Glückseligkeit. Leben nach dem Tod? Der Tod geht uns nichts an, denn solange wir sind, ist der Tod noch nicht da; aber wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr.
Kommt uns das nicht, lieber Luther, bekannt vor? Paulus und die Athener damals, die sauertöpfischen christlichen Mahner, die wagen, daran zu erinnern, dass es auch ein Leben und eine Verantwortung für sein Leben nach dem Tod gibt, heute. Das will unsere körperorientierte Wellness- und Spaßgesellschaft nicht wirklich hören. Sich mit dem Tod und unserer Eigenverantwortung für unser Leben nach dem Tod auseinandersetzen? Muss das sein? Haben unsere Prediger den gleichen Mut, die gleiche Unverzagtheit, die gleiche Geradlinigkeit und Klarheit in der Botschaft wie die Apostel und Jünger? Wagen sie unbequem zu sein? Oder ziehen sie sich auf die Wellness konforme Botschaft "Gott ist die Liebe" zurück? Da kann man weder anecken noch etwas falsch machen. Die Jünger waren mutiger, konsequenter, einsatzbereiter, haben eine Mission und eine Berufung verspürt, der sie persönliche Belange, bis hin des eigenen Lebens, unterstellt haben. Freiwillig und aus eigener Glaubensüberzeugung. Dietrich Bonhoeffer ist ein jüngeres Beispiel für solch einen Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Was lernen wir also, lieber Luther, aus dem heutigen Predigttext? Wir sollten uns an den Aposteln und Jüngern ein Beispiel nehmen: Durchhalten, nicht verzagen, nicht klein beigeben, sich nicht verstecken, unermüdlich sein in der Botschaft, im Wort, in der Predigt, nicht nach dem Mund reden, sich nicht einschüchtern lassen, wahrhaftig sein im Wort, auch wenn es nicht gern gehört wird. Anecken, wenn es sein muss. Auferstehen aus dem nichtssagenden Schlaf.
Ich weiß wohl, lieber Luther, auch Mut gehört dazu, Löwenmut, wie ihn die Apostel vorgelebt haben. Heute wird man, zumindest in unseren Breitengraden, zwar nicht mehr den Löwen vorgeworfen, wenn man von der Auferstehung nach dem Tod und unserer eigenen Verantwortung für unser Leben nach dem Tod spricht, aber ein Shitsturm kann einen trotzdem treffen. Sehen wir auf die Apostel und Jünger und lernen wir bei ihnen, haben wir Mut zum wahren Wort.
Herzliche Grüße
Deborrah