Lieber Luther

Lieber Luther

Sonntag, 1. September 2013

Himmelsleiter

Lieber Luther,
manchmal steigen wir die Lebensleiter hoch, hin und wieder bricht eine Sprosse und ab geht es nach unten, wenn man Pech hat ungebremst. Auf wundersame Weise erkennen wir dann aber, dass wir gar nicht fallen, sondern nur die Leitern gewechselt haben.
Die Geschichte von Jakob und Esau ist ein Beispiel hierfür (1.Mose 25-28). Jakob und Esau waren Zwillingsbrüder, schon gegeneinander kämpfend im Mutterleib. Esau war der wilde, der Instinkt Geleitete, der Naturmensch. Er kam rötlich behaart zur Welt und behaart blieb er. Jakob war der Folgsame, der Ziel-Gerichtete, ein „glatter“ Mann, dabei war er durchaus auch skrupellos.
Jakob versuchte – mit Erfolg – Esau sein Erstgeburtsrecht abzukaufen, was ihm auch gelang, mit einem einfachen Gericht aus roten Linsen. Esau kam von der Jagd, hatte Hunger und wollte von „dem Roten“, das Jakob gekocht hatte, essen. Jakob hat aber nicht brüderlich geteilt, sondern zur Bedingung gemacht, dass Esau ihm sein Erstgeburtsrecht dafür überlasse. Bei Esau war der Magen näher als der Verstand und so willigte er leichthin ein. Zunächst war das nur ein Handel unter den beiden, der Segen Isaaks, des Vaters, fehlte dazu noch.
Rebekka, deren Lieblingssohn Jakob war, hatte einen Plan, Jakobs Erstgeburtsrecht widerrechtlich zu legalisieren. Jakob zog Esaus Kleider und Fellhandschuhe an, so dass sich seine Hand wie Esaus behaarte rauhe Hand anfühlte. Rebekka kochte Isaaks Lieblingsessen, was diesen einschläfern und die Sache befördern sollte.
Isaaks Lieblingssohn war aber Esau. Er fühlte, dass er bald sterben würde und wollte Esau als seinen Erstgeborenen mit all seinen damit verbundenen Rechten segnen. Er schickte ihn deshalb, ein Wild zu schießen und ihm ein Mahl zuzubereiten, „dass ich esse, damit meine Seele dich segnet“.
Das war das Szenario, als Jakob vor Isaak erscheint. Isaak war blind, aber nicht dumm. Er wundert sich, dass Esau schon wieder so schnell von der Jagd zurück ist. Jakob lügt frech beim Namen Gottes: „Weil der Herr , dein Gott es (das Wild) mir (so schnell) begegnen ließ“. Isaak bleibt misstrauisch und will seinen Sohn betasten. Er erkennt: Deine Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände. Er traute nicht der Stimme, er traute den Händen und so segnete er ihn und wurde von Jakob getäuscht.
Jakobs und Esaus Schmerz war groß, als sie den Betrug bemerkten, aber der Segen war ausgesprochen und nicht mehr rückgängig zu machen. Jakob war über Esau gesetzt. Es ist nicht verwunderlich, dass Esau Rachegedanken gegen Jakob hegte und dieser fliehen musste.
Ist das deine Gerechtigkeit, o Gott? Du belohnst einen Betrug? Nun ja, Jakob musste in der Folge 20 Jahre seinem Onkel dienen, bevor er sich wieder in die Heimat aufmachen konnte. Gottes Wege sind für uns nicht nachvollziehbar und wir können sie nicht nach unseren (wechselhaften) Moralvorstellungen bewerten, beurteilen oder gar verurteilen. Da würden wir uns über Gott setzen.
Vor diesem Hintergrund bettete sich Jakob auf der Flucht vor Esau im Staub von Haran unter freiem Himmel zur Ruhe, mit einem Felsstück als Kopfkissen, als sich ihm der Himmel auftat.
Eine Himmelsleiter erschien ihm in Traum, Engel die auf der Leiter herunter und hinaufstiegen, Himmel und Erde verbanden. Gott erschien ihm persönlich, um ihm eine Botschaft zu verkünden, die Gottes Programm für alle Zeiten ist (1.Mose 28, 13-15):
Dir und deiner Nachkommenschaft,
werde ich das Land, auf dem du liegst, geben
ihr sollt wie der Staub der Erde werden und
euch in alle Himmelsrichtungen ausbreiten,
In euch sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden.
Und siehe, ich bin mit dir, und
ich will dich behüten,
überall, wohin du gehst,
und dich in dieses Land zurückbringen,
denn ich werde dich nicht lassen,
bis ich getan, was ich zu dir geredet habe.
Das ist Gottes Botschaft an uns, stellvertretend, vor 4000 Jahren über Jakob an die Menschheit ergangen und immer noch gültig, tief im kollektiven Gedächtnis der Menschheit vergraben, in unserer Seele eingestaubt. Sie ist gültig für alle Geschlechter, selbst wenn man sie wegwischt wie Staub, als Staub wird sie wieder zu Erde und fruchtbar.
Gott verspricht Jakob: Mein heiliges Land werde ich euch geben, meine heilige Stadt, mein Haus. Menschen so zahllos wie die Staubkörner werden mir nachfolgen, das heißt, am Ende alle Menschen, egal von welchem Volk oder welcher Himmelsrichtung sie kommen. Durch den Segen, den ich auf dich lege, sind auch sie gesegnet. Auch wenn du in unbekanntes Land ziehen musst, dich unterwerfen, dienen, nicht alles nach Plan läuft, ich bin bei dir und werde dich behüten, wohin du auch gehst. Ich werde dich immer in mein Haus zurückbringen. Ich werde dich nicht lassen. Auch, wenn du Böses getan hast und noch Böses tun wirst. Ich bleibe bei dir, bis du in mein Haus zurückgekehrt bist.
Gott hat sich höchst selten in der Bibel direkt einem Menschen gezeigt, in solch unvergleichlicher Klarheit und Direktheit nur Jakob. Deshalb ist das eine der zentralsten Bibelstellen überhaupt. Gott hat seine Botschaft selbst verkündet, in einer weltumspannenden Gewissheit, die nur Gott haben kann.
Der äußere Rahmen zeugt davon und ist der Feierlichkeit des Augenblicks angemessen: die Himmelsleiter, die Himmel und Erde verbindet, die Engel, die auf- und niedersteigen, in stetem Dienste im Auftrag Gottes an den Menschen. Sie ist Teil der Botschaft Gottes:
Siehe, Himmel und Erde ist verbunden, durch viele Sprossen, die man rauf und runter gehen kann. Die Engel kennen diese Leiter und sie nutzen sie, wenn ich sie zu euch schicke. Ihr seid nicht allein, ich oder einer der Meinen ist mit euch, wir sind beständig im Einsatz für euch.
Jakob erkennt das: Hier ist heiliges Land, hier ist Gottes Haus, hier ist die Pforte zum Himmel.
Lieber Luther, ehrfürchtig und andächtig wie Jakob sollten auch wir werden, wenn wir uns vergegenwärtigen, was dort eigentlich geschehen ist und vor allem, welche Botschaft uns Gott dort vermittelt: Ich lasse dich nicht. Auch wenn du fehlst. Jakob selbst ist hierfür ein beredtes Beispiel oder davor schon sein Großvater Abraham. Gott lässt uns nicht fallen, er behütet uns, auch wenn wir in die Irre ziehen.
Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du auch hingehst. Ich habe dieses göttliche Zusage seit ein paar Jahren auf meinem Armaturenbrett im Auto kleben. Wenn ich deprimiert, entmutigt, ratlos bin und mein Blick auf dieses Gotteswort fällt, bin ich augenblicklich getröstet. Es geht eine große Kraft von ihm aus. Wir sollten es uns an die Stirn kleben und in jeden Winkel unseres Herzens, damit wir die Lebensleiter besser hochkommen. Einen Klebestift lege ich bei.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 18. August 2013

Von der Blindheit zum Sehen

Lieber Luther,

der letzte Brief, den ich dir schrieb, handelte von Blindheit. Von der Blindheit des Tilmann Moser und auch von einer partiellen Blindheit des Predigers. Es erfüllt mich mit einer gewissen Ehrfurcht und Andacht, dass es im Predigttext dieses besagten Sonntages um die Heilung eines Blinden ging (Joh 9, 1-7). Das ist in meinem letzten Brief ganz unter den Tisch gefallen und fällt mir gerade ins Auge.

Um das gleiche Thema geht es nämlich auch im heutigen Predigttext (Mark 8, 22-26). Dass es heute schon wieder um eine Blindenheilung geht, auch das erfüllt mich mit Ehrfurcht und Andacht. Es geht – man höre - um einen 2-Stufen-Heilungs-Plan. Gott ist im täglichen Leben sehr präsent.

Wieso tut Jesus gerade an Blinden so viele Wunderheilungen? Für was stand die Blindheit? Was war die Botschaft dahinter? Was sagt uns das heute noch?

Blindheit war schon zu Jesu Zeiten und ist auch heute noch die Volkskrankheit Nr. 1. Wir sind blind gegenüber den Nöten und Bedürfnissen unserer Mitmenschen, wir verschließen die Augen vor so vielem, bei dem wir hinschauen sollten, wir sind manchmal blind vor Zorn. Blind sind wir auch Gott gegenüber, können sein Wort nicht lesen oder ihn nicht sehen.
Oft ist so viel Finsternis in uns und um uns herum, dass wir nur noch im Dunkeln tappen.

Die schlimmste Art der Blindheit ist aber ein blindes Herz. Jesus ist gekommen, um

den Armen das Evangelium zu verkünden,
die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind,
den Gefangenen zu predigen
den Blinden ein „Gesicht“ zu geben (Luk 4, 18),

d.h. die Blinden sehend zu machen, sie aus ihrer Gefangenschaft in der Dunkelheit zu befreien, ihre verletzten Herzen zu heilen, durch sein Wort, durch das Evangelium, Gott in ihm selbst ein Gesicht zu geben, damit wir sehend werden, ihn ansehen können und er uns. Denn ein Blinder kann keinem Blinden den Weg weisen, sie fallen gemeinsam in die Grube ( Lukas 6, 39). Solange die Menschen blind sind, finden sie nicht zu Gott. Grab anstatt Auferstehung, Dunkelheit anstatt Licht, Verirrung anstatt Nachfolge.

Bei der Heilung des Blinden bei Jericho entwickelt sich folgender Dialog:
Jesus fragt den Blinden: Was willst du, dass ich dir tun soll?
Der Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich sehend werde.
Jesus aber sprach zu ihm: Gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege. (Mark 10, 46-52).

Sein Glaube hat ihm geholfen, er ward sehend und folgte nach. Damit ist im Prinzip alles gesagt. So geht es. Dein Glaube hat dir geholfen, hat dich heil gemacht, geh den Weg, den du jetzt siehst.

Ins Auge sticht in der Heilungsgeschichte in Markus 8, dass Jesus zwei Anläufe zu brauchen scheint, um dem Blinden die Augen zu öffnen. Wie auch schon in der Geschichte in Joh 9 heilt Jesus auch hier zunächst mit Spucke. Spucke steht hier für sein lebendiges Wasser, sein Heilwasser, das die Dunkelheit hinwegschwemmt. Aber, was sieht der Blinde: „Ich sehe die Menschen, denn ich sehe sie wie Bäume umhergehen.“ (Mark 8, 24, nach Elberfelder Übersetzung). Das ist der entscheidende Satz in dieser Geschichte.

Der Blinde sieht viele verschiedene Arten von Menschen. Der Baum steht für den Menschen in seinem natürlichen Wachstum. Es gibt kleine und große Bäume, unscheinbare und hervorstechende, schwache und mächtige, Bäume die von innen her faulen und Bäume, die von Schädlingen befallen sind. Manche Bäume nehmen den anderen das Licht, andere wiederum gedeihen im Schatten von größeren Bäumen. Manche Bäume passen gut zusammen, manche können nicht miteinander gedeihen, manche wachsen schnell, manche langsam. Bäume brauchen unterschiedlichen Nährboden und sie gedeihen nur in einem bestimmten Klima. Manchen Bäumen reichen flache Wurzeln, manche haben tiefe Wurzeln. Es gibt Nadel- und Laubbäume, Bäume, die sich gegenseitig befruchten, unfruchtbare und fruchtbare Arten.

Der Baum ist in der Geschichte ein Bild für den Menschen in seiner Vielgestaltigkeit. Der Blinde, den Jesus heilt, sieht zunächst vor lauter Bäumen nicht diejenigen, die auf Gottes Acker wachsen, die für ihn fruchtbaren Bäume. Er muss sich an sein Sehen erst gewöhnen, er muss erst lernen zu sehen. Er weiß nicht, an wem er sich orientieren soll. Ihm ist seine Blindheit zwar genommen, aber noch kann er nicht klar erkennen, welcher Baum für ihn gut ist und welcher nicht. Er sieht, aber er kann nicht einordnen, sieht nicht hinter die Fassade, er sieht die Oberfläche, nicht in die Herzen und nicht mit dem Herzen. Er spürt aber, dass das nicht alles sein kann. Jesus erkennt das an der Art der Antwort, die der Blinde auf seine Frage gibt, ob er etwas sähe. Der Blinde scheint sich zu wundern.

Offensichtlich gibt es unterschiedliche Arten von Sehen: eine oberflächliches und ein tiefer gehendes, unscharfes und klares Sehen. Sehen hat immer zwei Seiten: der der sieht und der der angesehen wird. Der Blinde sieht selbst noch nicht klar und sieht auch diejenigen, die er ansieht, nur undeutlich.

Deshalb geschieht eine zweite Heilung. Jesus legt also dem Blinden ein zweites Mal die Hände auf die Augen, um diesen Grauschleier von seinem innren und äußeren Auge zu nehmen. „und er sah deutlich und ward wieder hergestellt und sah alles klar.“ Es ist ein doppeltes Heilungsgeschehen, zwei Stufen, nach innen und außen gewendet, der Sehende lernt wie man mit dem inneren Auge sieht und die zu sehen, die er ansieht.

Erst jetzt ist er wirklich sehend. Er war wieder hergestellt heißt, er ist wieder in seinem Urzustand, er ist heil, gesund, die Krankheit, die innere Blindheit ist von ihm gewichen und erst durch die zweite Heilung war er auch in Gottes Klarheit gekommen. Er konnte Jesus ins Gesicht schauen und die Bäume, die Menschen, in all ihren Unterschieden erkennen, in ihrem unterschiedlichen natürlichen Wachstum.

Lieber Luther, eine tolle Geschichte, ich bin ganz begeistert. Das Alte und Neue Testament berichtet viel von Blindheit, geheilte und ungeheilte. In dieser Geschichte wird klar, wieso für Jesus die Heilung von Blinden so wichtig ist, wieso er sich so um sie kümmert, so oft an ihnen Wunder tut. Er will damit sagen: So handele ich an euch. Ich heile euch, ich mache euch sehend, seht was ich vermag, lasst euch von mir anrühren, macht die Augen auf, dann seht ihr klar.

Aber, lieber Luther, manchmal sind wir alle Blindschleichen. Dann sollten wir uns von Jesus in die Augen spucken lassen. Aber nicht zwinkern, damit es nicht daneben geht. Ja, Gott ist im täglichen Leben sehr präsent, ob wir ihn sehen oder nicht.

Herzliche Grüße

Deborrah

Donnerstag, 15. August 2013

Gottesvergiftung

Lieber Luther,
heute schreibe ich dir über ein Thema, das dein Leib und Magen-Thema ist, nämlich Sünden.
Vor ein paar Wochen wurde im Sonntagsgottesdienst ein Wort gebraucht, das mir jedes Mal, wenn es fiel, einen Stich gab. Meine ganze Person weigerte sich, dieses Wort in mich einfließen zu lassen. Wie das so ist, ließ es mir aber keine Ruhe, und als geübter Googler fand ich es schließlich im Internet wieder: Gottesvergiftung, hieß dieses Wort, in einem Gotteshaus in einem Gottesdienst mehrmals gefallen. Ich habe auch den Autor dazu gefunden, der dieses böse Wort in die Welt gesetzt hat: Tilmann Moser. Er wurde auch im Gottesdienst erwähnt, vor Schreck habe ich mir den Namen aber nicht gemerkt.
Im ersten Affekt wollte ich dir sofort schreiben, weil alles in mir sich dagegen aufgelehnt hat. Aber: Ich habe mich dann entschieden, mich zuerst damit auseinanderzusetzen, und nicht dem ersten Impuls zu folgen.
In den 10 Geboten heißt es: Du sollt den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht (2.Mos 20, 7). Das schoß mir sofort durch den Kopf, als ich dieses unselige Wort zum ersten Mal von der Kanzel auf mich zurollte und mich überfuhr.
Was hat es nun damit auf sich? Zusammengefasst handelt es sich um das Werk eines religiös pubertären 30jährigen. Er schlägt auf Gott ein, meint aber sein gesellschaftlich-familiäres Umfeld. Anstatt mit seiner Familie, rechnet er mit Gott ab. Religiosität gehörte zur Familientradition, Pfarrer säumten den Familienstammbaum. Gott wurde als Drohmittel eingesetzt, Sündenängste aufgebaut. Das Kind nahm Schaden und wollte den ihn bedrohenden Gott loswerden. Das ist Zweck des Buches „Die Gottesvergiftung“. Nur, ist Gott dafür verantwortlich?
Mir selbst ist das völlig unbekannt. Mein Großvater vermittelte mir, bis zu seinem Tod, das Bild des guten Hirten. So sehe ich Gott heute noch. Nach dieser kurzen Zeit mit ihm bin ich sozusagen gottlos aufgewachsen. Gott war in unserer Familie quasi nicht existent. Kleine Sünden bestrafte bei uns das Leben, nicht Gott. Im besagten Gottesdienst hörte ich es zum ersten Mal in dieser Version. In meiner Konfirmandenzeit fing ich an, Gott aktiv zu suchen, ich spürte ihn, aber den Türöffner habe ich nicht gefunden, auch niemand, der mir die Tür aufgemacht hätte. Mit (Jugend-)Kirche konnte ich nichts anfangen. Ich befürchte, ich ringe immer noch mit ihr. Ich habe dir schon mehrfach davon geschrieben und vielleicht ist dieser Brief an dich ein Teil davon. Aber, solange man ringt, lebt die Beziehung noch. So hat es noch weitere Jahrzehnte gedauert, bis ich das Schloss, das mir die Tür zu Gott öffnete, endlich fand und Menschen, die mich dabei begleiteten.
Ich komme quasi von der entgegengesetzten Richtung, die Tillmann Moser beschreibt. Ich hatte eher ein Zuwenig an Gott, denn ein Zuviel. Vielleicht erklärt es meinen Hunger nach ihm und auch, wieso sich alles in mir gegen dieses gottlose Wort sträubt. Gottesdienst ist Dienst an Gott und nicht Verunglimpfung. Wie kann man Gott und Vergiftung zu einem Wort zusammenziehen? Mir tut dieses Wort innerlich weh, es kommt mir, wenn auch schwer, zwar über die Tastatur, aber nicht über die Lippen.
Zurück zu Tillmann Moser. Er kam von seinem Thema, obwohl er nach wie vor verkündet, er brauche Gott nicht mehr, dennoch nicht los. Fast 30 Jahre später hat er ein weiteres Buch über einen „erträglichen“ Gott geschrieben. Er ist Psychoanalytiker und hat im Umgang mit Pfarrern und in der täglichen Arbeit in seiner Praxis dazugelernt. Er versucht, seine Patienten über eine mögliche Gottneurose hinweg zu helfen, lässt ihnen aber Gott oder bestärkt sie gar in ihrem Glauben, da wissenschaftlich erwiesen ist, dass gläubige Menschen körperlich und seelisch gesünder sind.
Von der Seite kommend, kann er Gott wieder akzeptieren. Wie einen Kollegen, der hilft, seine Patienten zu heilen. Als glaubender Mensch kann man darüber schmunzeln.
Seine Analysen brachten ihn zu einem Wort, mit dem ich sehr viel anfangen kann: Andacht. Andacht ist für ihn ein feierlicher Zusammenhang, der durch starke Bilder, Musik oder andere Wahrnehmungen ausgedrückt wird. Er kommt zu einem für ihn erstaunlichen Ergebnis: „Es gehört wohl unabdingbar das Moment eben jener rätselhaften Verknüpfung von Selbst und Kosmos oder höherer Macht hinzu, das in gesteigerten Momenten in mystische Erfahrung übergehen kann.“ (S30). Diese Fähigkeit zur Andacht, die in jedem Menschen liegt, kann etwa durch bedrohliche Bilder, einen bloßen Richtergott oder durch die Sündenbedrohung bei einem Kind verletzt oder ganz beschädigt werden. Damit sind wir beim Glauben und beim missbrauchten Glauben.
Lieber Luther, so habe ich den altersweisen Tillmann Moser doch noch mit Gewinn gelesen und sein Bericht über einen Workshop mit Pfarrern liest sich amüsant, ist aber auch lehrreich und gibt tiefe Einblicke in Pfarrerseelen und ihre Zwiespalte.
Allerdings den Jüngern zu unterstellen, sie litten unter einer Gottesvergiftung, weil sie Jesus fragten, ob der Blinde blind sei, weil er oder seine Eltern gesündigt haben (Joh 9, 1-7), halte ich für abwegig. Die Jünger waren theologisch noch jungfräulich, sie waren einfach lernbegierig und haben den Meister direkt gefragt. Dazu war er da. Die Sündentheologie ist Theologie und kam später auf. Was ist das für eine Botschaft an eine sowieso schon glaubensmäßig unsichere Gemeinde? Wenn schon die Jünger und späteren Apostel an dieser Krankheit litten, wie schwer muss ich dann krank sein?
Ich bleibe dabei, dieses Wort gehört nicht in ein Gotteshaus. Man kann von missbrauchter Andacht, von missbrauchtem Glauben reden, um Ängste zu nehmen und Missbrauch anzusprechen. Aber immerhin: Durch dieses böse Wort habe ich mich mit diesen negativen Aspekten von Glauben auseinandergesetzt. Es ist ja nicht der Glaube, es sind - wie immer - die Menschen, die in diesem Fall im Glauben fehlen.
So sollte es wohl so sein, dass dieses Wort in diesem Gottesdienst gefallen ist. Für mich ist nichts Zufall und damit bin ich auch mit diesem Gottesdienst versöhnt.
Sündenbedrohung von Menschen an Menschen hat übrigens, lieber Luther, nichts damit zu tun, dass Gerechtigkeit und Recht die Stützen Gottes sind. Er nimmt große und kleine Sünden nicht einfach hin. Ansonsten machen große Teile der Bibel keinen Sinn. Alles was von Geboten und Recht handelt, bedarf eines Richters. Er wägt ab und fährt durchaus auch dazwischen, nach seinem Maß. Aber das hat etwas Reinigendes, Befreiendes, manchmal auch subjektiv Bedrohliches, wenn man nicht lassen will, was man lassen soll, aber es dient immer unserer Befreiung, nicht unserer Einschüchterung oder gar Bedrohung. Das wäre eine ziemliche Fehlinterpretation. Man sollte nicht von einem Extrem in das andere verfallen, da geht man fehl.
Herzliche Grüße
Deborrah
Tillmann Moser: Gottesvergiftung, Frankfurt 1980.
Tillmann Moser: Von der Gottesvergiftung zu einem erträglichen Gott. Psychoanalytische Überlegungen zur Religion. Stuttgart 2003.

Sonntag, 4. August 2013

Top, die Wette gilt - Lucifer und Hiob

Lieber Luther,
dass es Bedrohungen für den Menschen gibt von seinen dunklen Seiten, vom Satan, wie du diesen Teil des Menschen genannt hast, war dir selbstverständlich. Satan wohnt irgendwie in der Hölle, was immer wir uns darunter vorstellen. Bedrohlich, dunkel klingt es in jedem Fall.
Daran habe ich gedacht, als ich gefragt wurde, ob ich nicht einmal etwas über Lucifer schreiben könnte. Lucifer, meine erste Assoziation war Unterwelt, Dunkles, Böses. Seit Wochen denke ich über die Dimensionen von Lucifer nach, nicht zuletzt deshalb, weil er mir in letzter Zeit häufiger begegnet ist.
Lucifer hat eine überraschende Seite. Das Wort „Lucifer“ ist lateinisch und heißt „Licht bringend“. Lucifer heißt Morgenstern, der Planet Venus ist Lucifer, in der griechischen Mythologie der Sohn der flatterhaften Eos, der Göttin der Morgenröte. Von ihr hat er das Flatterhafte geerbt. Lucifer steht zunächst für das aufgehende Licht. Lichtbringend und blutrot ist Lucifer. Als ob der über den Menschen aufgehende Tag etwas über die Ambivalenz aller Tage der Menschen wüsste.
Von Lucifer ist in Psalm 139 die Rede. Gott ist mit uns, sieht all unsere Wege, sieht in unsere Herzen, sieht in den finstersten Winkel unseres Seins. Führe ich gen Himmel, so bist du da, bettete ich mich in die Hölle, siehe so bist du auch da, nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde mich auch dort deine Hand halten und deine Rechte mich leiten. Spräche ich, Finsternis möge mich decken, so muss die Nacht auch Licht sein, das mich umhüllt, denn auch Finsternis ist nicht finster bei dir und die Nacht ist dein Licht, das mich umfasst, ich sehe es nur nicht.
Irgendwann ist aus Lucifer im christlichen Verständnis etwas Satanisches geworden. Wann und warum interessiert hier nicht. Im Buch Hiob passiert etwas an sich Unglaubliches. Gott paktiert faustisch mit dem Satan, nur mit entgegengesetztem Ausgang als bei Faust.
Die Kinder Gottes treten vor den Herrn und der Satan ist auch darunter. Der Herr fragt ihn, wo kommst du her? Er antwortet: Ich bin im Land umhergezogen und habe dort gewütet. Gott fragt: Hast du keinen Respekt vor meinem Knecht Hiob gehabt? Es gibt keinen Vergleichbaren im Land, „schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Böse“. Der Satan versucht den Herrn: Meinst du, dass Hiob umsonst Gott fürchtet? Du hast gut für ihn gesorgt, dann ist es auch nicht schwer, gottesfürchtig zu sein. Gott hält dagegen: Nehme ihm alles, was er hat, Satan, sein Habe, seine Gesundheit, nur umbringen darfst du ihn nicht. Der Satan hält dagegen: „Was gilt’s, er wird dir ins Angesicht absagen? (Hiob 1, 6 ff). Top, die Wette gilt.
Das gesamte Buch Hiob beschreibt den Verlauf dieser Wette. Hiob spürt tief in seinem Innern, dass irgendetwas nicht stimmt, dass böse Mächte am Walten sind und er stürzt ob all dem Unglück, das der Satan über ihn bringt, in tiefe Verzweiflung über seinen Gott. Wieso tust du mir das an, o Gott? Was habe ich getan, dass du mich so strafst? Er hadert und klagt an, aber er verliert seinen Glauben nicht.
Seine Freunde eilen herbei, um den verarmten und kranken Hiob zu trösten. Sie sind entsetzt, ob seiner Anklagen an Gott und kommen ihm mit schriftgefälligen Reden, die an seine Demut appellieren. Du versündigst dich Hiob, Gott darf man nicht anklagen, Gott ist Gnade, Gott ist die Liebe. Doch Hiob gibt in allem Elend nicht klein bei, er sieht das Böse, das am Walten ist. Der Satan nimmt ihm nicht nur all seine weltlichen Güter, seine Gesundheit, er kommt auch noch in Gestalt von angeblichen Freunden daher. Hartnäckig versucht der Satan in der Gestalt, Hiob von seinem inneren Gotteswissen abzubringen und auf den Irrweg der schönen Reden und des schönen Gottes-Scheins zu bringen.
Aber Hiob steht felsenfest. Er steht ein für seinen Glauben, auch wenn er arm, krank, verlassen, in die gottlose Ecke gestellt allein auf weiter Flur steht. Er lässt sich nicht beirren. Und Gott verlässt ihn nicht. Der Herr fragt Hiob, wo warst du, als ich die Erde gründete, wer hat das Maß und den Eckstein gesetzt, als mich die Morgensterne miteinander lobten und alle Kinder Gottes jauchzten, wer hat dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Ort gezeigt, dass sie alle Ecken der Erde erfasse und die Gottlosen herausgeschüttelt werden? (Hiob 38, 1-13).
Wer ist der Herr über das Maß, wer setzt den Eckstein, wer zeigt dem Morgenrot seinen Platz, blutrot oder licht? Wer schüttelt den Satan, die Versucher, die Versuchungen, das Böse aus dem anbrechenden Tag heraus? Als Hiob Gott wieder hört, versteht er, was er ihm sagen will. Er demütigt sich vor dem Herrn und findet aus seinem Hader heraus und wieder in die Demut vor Gott hinein. Gott hatte schließlich Erbarmen mit ihm, seinem gottesfürchtigen Diener.
Hiob war der Versuchung, dem Versucher ausgesetzt und Gott hat es ausdrücklich zugelassen. Gott wusste um die Glaubensstärke von Hiob. Er war sich Hiobs so sicher, dass er sogar auf ihn gewettet hat. Deshalb hat er Hiob gewählt, um dem Satan vorzuführen, dass Gott der Herr ist und nicht der Satan. Um das Pharisäertum zu entlarven. Seht, auch die scheinbar Gläubigen können nicht immer das Teuflische vom Göttlichen unterscheiden. Die Versuchung Jesu, als er 40 Tage in der Wüste war, zeigt, wie souverän Gottes Sohn die satanische Herausforderung meistert. Hiob verkörpert den Menschen in dieser Versuchung. Von Souveränität keine Spur.
Gott zeigt der Morgenröte ihren Ort. Lucifer steht nicht nur für den Lichtbringenden, sondern auch für den gefallenen Engel, wie im Buch Henoch beschrieben, für die gefallene Schöpfung Gottes, Adam und Eva, für diejenigen, die Gott gut und böse schuf. Die Versuchungen, die das menschliche Leben bringt, sind für uns oft größer, als Gottes Maß, sein Recht und Gesetz, sein Wille. Lucifer, der gefallene Lichtbringende, verkörpert das Licht, aber auch das Fleischliche, das Blutrot, das Verwundete und Verwundbare. Wir sind alle irgendwie Lucifer. Lichtbringend, gefallen und immer in Gefahr noch weiter zu fallen.
Hiob hat Demut lernen müssen. Er hat das Teuflische durchleiden müssen, seinen Stolz begraben, seine Selbstsicherheit, ein von Gott Geschützter zu sein, dem nichts passieren kann. Gott hat nicht verhindert, dass er so leiden und mit ihm hadern musste. Im Gegenteil, Hiob ist von Gott der Versuchung ausgesetzt, durch all sein Leiden hindurch geschickt worden. Und auch hier: Damit offenbar werde, dass ich, Gott der Herr bin. Gott war sich des Ausgangs von vornherein sicher.
Lieber Luther, diese Hiobsgeschichte ist einzigartig in der Bibel. Ein Buch, das erzählt, wie Gott mit dem Bösen, den dunklen Seiten, der Versuchung, dem Versucher umgeht. Ein Buch, das erzählt, wie Lucifer, der Licht Bringende, am Ende siegt, nicht der Gefallene. Das Hiobsbuch zeigt uns den Weg, gibt Zuversicht und Hoffnung, auch wenn es zunächst nach Hiobsbotschaften aussieht. Ein wunderbares Buch von der Tiefe des Glaubens. Wenn wir von Satan, dem Versucher, bedroht werden oder mehr Lucifer, dem Gefallenen, gleichen, dann sollten wir das Buch Hiob lesen und Psalm 139. Gott und das Böse, im Glauben immer eine Herausforderung für uns Menschen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Sonntag, 14. Juli 2013

Brot und Fisch

Lieber Luther,
der heutige Predigttext befasste sich mit der Speisung der 5000 (Luk 9, 10-17). Irgendwie bin ich dabei nicht ganz satt geworden. Deshalb habe ich das Bedürfnis, noch einen Happen nachzuschieben, ich verspüre immer noch Hunger.
Ich will versuchen, mich nicht zu wiederholen. Ich habe dir zum Thema "Ich bin das Brot"schon mehrmals geschrieben , auch im Hinblick auf das Abendmahl, das untrennbar auf das "Brot" verweist.
Brot und Fisch kommen bei Jesus immer an Schlüsselstellen vor. Als er seinen Jüngern nach der Auferstehung erscheint und sie ungläubig sind, isst er mit ihnen Brot und Fisch. Mit dem Brot haben wir es leichter als mit dem Fisch. Als "Brot" definiert er sich selbst, In der wichtigen "Brotrede": Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. (Joh 6.51). Im Abendmahl essen wir dieses Brot des Lebens immer von neuem.
Viele Menschen hatten sich an Jesu Fersen geheftet, da sie von seinen Wundertaten gehört hatten. Sie hatten eine gewisse Erwartungshaltung. Jesus war dessen müde und wollte dem entkommen. Das Volk blieb aber hartnäckig und so tat er, was sie erwarteten, er lehrte das Wort Gottes und heilte. "Entlass die Volksmenge", meinten die Jünger abends, wie wenn Jesus sie festhalten würde. Vielleicht war das auch so. Er wollte davon nichts wissen. Wie könnte auch ein Vater seine Kinder hungrig wegschicken? So bewirkte er das Wunder der Speisung der 5000 mit 5 Broten und 2 Fischen. Aber was vermehrte er da?
Die Zahl 5 symbolisiert in der biblisch-hebräischen Zahlensymbolik die menschliche Bedürftigkeit und die Erlösung durch die Gnade Gottes. Genau das geschah bei der Speisung der 5000. Jesus nahm sich der Bedürftigkeit der hungrigen Menschen an, hielt sie vor Gott und durch Gottes Gnade wurden am Ende alle satt. Nicht nur ihre Mägen wurden satt, sie wurden alle satt im Glauben.
Ähnlich wie später bei den ungläubigen Jüngern und wie heute noch bei uns durch das Abendmahl wächst durch das Essen des Jesus-Brotes der Glaube. Jesu Leib für uns gegeben. Trotz aller Müdigkeit, die Jesus ob der an ihm zerrenden Menschen beschlichen haben mag, gibt er sich, seinen Leib, die Kraft seines Wortes vor Gott für die hungernden Menschen, für uns. Brot ist für Jesus nicht nur ein Nahrungsmittel, um den Hunger zu stillen und die Kraft der Menschen zu stärken, sondern immer auch ein Mittel um den Glauben zu stärken. Dafür gibt er sich ganz, setzt sich mit allem, was er hat ein, am bitteren Ende gibt er auch seinen Körper, sein Leben dafür.
Jesus teilt das Brot nicht selbst aus, er beauftragt seine Jünger. "Gebt ihr ihnen zu essen". Die Jünger sehen sich aus eigener Kraft nicht in der Lage, so hilft er und gibt genaue Anweisung. Lasst sie sich setzen in Schichten, je fünfzig und fünfzig. Im Markusevangelium heißt es dazu verständlicher: Und er gebot ihnen, dass sie sich alle lagerten, tischweise, auf das grüne Gras. Und sie setzten sich nach Schichten, je hundert und hundert, fünfzig und fünfzig (Mark 6, 39).
Er versammelte die Massen gruppenweise um Tische, sie bildeten eine Tischgemeinschaft um seinen Tisch. Materielle Tische werden sie kaum plötzlich in der Wüste aufgetrieben haben. Es wurden größere und kleinere Gruppen gebildet. Sie sitzen im Gras, was einigermaßen erstaunlich ist, da sie sich nahe der Wüste aufhalten: Fürwahr, das Volk ist Gras, das Gras verdorrt, aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit (Jes 40, 6ff). Das Volk bildet kleine Gemeinschaften. Sie werden von den Jüngern mit Fisch und Brot versorgt, wie später die neuen Gemeinden durch die Apostel, wie heute unsere Kirchengemeinden von ihren Pfarrern und Pfarrerinnen. Das Geschehen weist bis zu uns.
Was aber mit den zwei Fischen? Jesus sammelt seine Jünger u.a. bei den Fischern: Ich werde euch zu Menschenfischern machen (Matth 4, 19). Das "Fischen" meint, um das zerstreute Volk Gottes zu sammeln, sind Fischer notwendig: Siehe, ich will zu vielen Fischern senden, spricht der Herr, die sollen sie fischen" (Jer 16,16). Dass Jesus die Jünger die Massen speisen lässt und es nicht selbst tut, verweist darauf. Er fordert von den Jüngern Aktion, heißt auch: Ich alleine kann es nicht richten, ich brauche euch, um dem vielen Volk die wahre Nahrung zu geben, die es braucht, um meine Netze zu füllen. Und siehe, ich bin bei euch, ob es hier in der Wüste ist, wo ihr das Volk allein nicht satt machen könnt, oder ob es in rauher See ist, wo ihr die Netze nur füllt, wenn ich bei euch bin. Vergesst nie, dass immer etwas übrig bleibt. Ihr könnt geben und trotzdem verbleibt ein gefüllter Korb. Die Jünger "legten vor", ob und wie viel jeder aß, lag bei jedem einzelnen, der um den Tisch versammelt war. So ist es auch noch heute.
Der Korb ist prall gefüllt mit Gottes Wort. Ob und wer isst, ob und wer zum Menschenfischer wird, ob und wer in das Netz des Glaubens schwimmt, wer satt wird und wer nicht: Jesus macht da keine Vorschriften. Er bietet den vollen Tisch an, ob man sich daran setzt und isst, liegt in der Entscheidung des Einzelnen.
Brot in Wort und Schrift gibt uns immer Nahrung, zwei Fische sind immer da: der eine Gott und sein Mittler, Jesus, der Vater und der Sohn.  Mahl halten mit dem Einen in beiden, können wir bei jedem Abendmahl. Bei ihnen und mit ihnen werden wir nie hungern. Wir sitzen mit am Tisch der 5000, wenn wir wollen.
Lieber Luther, schon die gewaltige Symbolik dieser "Speisung der 5000" macht uns satt, glaubenssatt. Jesus, der in Beth'lehem geboren wurde, im "Haus des Brotes", Jesus tut dieses Nähr-Wunder mit Brot und Fisch in Beth‘saida, was übersetzt heißt "Haus des Fischens". Er sättigt mit Brot und Fisch, macht glaubensstark mit seinem Wort, lässt uns wie ein Fisch in sein Netz schwimmen, gibt Anweisung und Hilfestellung, wenn uns das Nähren und Fischen nicht so gelingen mag. Unglaublich kraftgebend und sättigend ist diese Speise.
Guten Appetit wünscht Dir
Herzlich
Deborrah

Samstag, 6. Juli 2013

Grenzüberschreitungen

Lieber Luther,
mitten in meine Erstarrung und Lesehemmung hinein ist mir ein Büchlein zugeflogen, über "Grenz-Gängerinnen". Es handelt von vier Frauen, den vier Frauen aus dem Stammbaum Jesu. Das vermochte mich nun doch zu locken.
Wieso sind bei Matthäus (nicht bei Lukas) diese Frauen erwähnt? Wieso überhaupt Frauen, die Handelsware in damaliger Zeit? Es ist Tamar, Rahab, Ruth und Bathseba. Was soll uns das sagen? Welcher Gewinn sind sie mir heute noch?
Alle vier Frauen sind tief ins Leben verstrickt, so wie Leben spielt, auch heute noch: Verrat, Vergehen, Täuschung, Enttäuschung, Lüge, Unrecht, Verlassenwerden, Verlassenheit, Ehebruch, bis hin zu Mord. Beteiligt daran, Ursache, Verursacher, Versucher, Auslöser sind Männer. Es sind Gottes Männer, die tief menschlich sind und – wie alle Menschen – gute und böse Züge haben. Alle stehen trotz ihrer teilweise bösen Taten in der Ahnenreihe Jesu.
David ist der Hervorstechendste unter ihnen. Seine Frau, ist eigentlich "die des Urija". Er lässt Urija in einem Auftragsmord beseitigen, um zu verbergen, dass Batscheba schwanger von ihm ist. David, der Psalmschreiber, der Schöngeist. Er erliegt den weiblichen Verlockungen, dem Allzumenschlichen. Er kann dem Versucher nicht widerstehen und übertritt die Gesetze, die er gut kennt. Das erste Kind, während des Ehebruchs gezeugt, stirbt. Batscheba weiß es von vornherein, David erdrückt fast der Schmerz um das Kind. Da kommt Nathan, der weise Prophet und öffnet David die Augen für sein Unrecht. Jetzt erst erkennt es David. Er betet, bereut ehrlich und Gott verzeiht. Erst jetzt findet er zurück ins Leben. (2. Samuel 11-12)
Weiter zurück, Rut. Sie heiratet einen Einwanderer. Als alle Männer der Familie sterben, ist das Unglück groß bei den drei verwitweten Frauen. Als Witwe hatte man nichts mehr vom Leben zu erwarten. Die Schwiegermutter, Noemi, die Liebliche, gibt nicht auf, sondern handelt. Sie entschließt sich, in ihre Heimat zurückzukehren, in der Hoffnung, ein Überleben bei der Verwandtschaft zu finden. Rut geht mir ihr, aus ihrer Heimat in die Fremde, wie zuvor ihre Schwiegermutter. Sie sagt "dein Gott ist mein Gott". Eine unendlich lange Reise in damaliger Zeit, noch dazu zwei Frauen ohne männlichen Schutz. Sie haben Mut, die zwei Frauen, unendlich viel Gottvertrauen und sie haben Glück. Bòas, ein angesehener Verwandter, stellt sie unter seinen Schutz, verliebt sich in Rut und nimmt sie schließlich zur Frau. Eine wunderschöne, poetische Geschichte mit Happy End nach viel Leid, Entbehrung, Strapazen, Angst. Die beiden Frauen vertrauen in Demut auf Gott und Gott nimmt sie bei der Hand und führt sie einen weiten Weg nach Hause. (Ruth 1-4)
Die Geschichte der Rachab, einer Tempeldirne, beginnt mit Verrat. Sie verrät ihr Volk, die Bewohner von Jericho, und trägt damit zum Fall Jerichos bei. Die Israeliten stehen vor den Toren, Kundschafter haben sich eingeschlichen und werden gesucht. Rachab versteckt sie, belügt die eigenen Leute und lässt sie nachts über die Stadtmauer entkommen. Wieso tut sie das? "Ich weiß, dass der Ewige euch dies Land gegeben hat." Sie beruft sich auf Gott. Ihm allein fühlt sie sich verantwortlich und handelt entsprechend. Auch sie ist äußerst mutig. Zum Dank wird sie beim Fall Jerichos verschont. Sie wird die Frau von Jehoschùa und damit eine Ahnin von Jesus. (Josua 2)
Schließlich Tamar, die Frau, die den Söhnen des Juda den Tod brachte und deshalb von Juda aus der Familie verstoßen wurde, zurückgeschickt zu ihrer Familie. Eine Katastrophe für Tamar in damaliger Zeit. Recht- und schutzlos war sie dadurch geworden. Doch Tamar weiß sich zu wehren. Sie verdingt sich als Zonàh, als Hure, und als Juda des Weges kommt, setzt sie sich in Positur. Juda kommt nicht an ihr vorbei. Sie verlangt ein Pfand von ihm: Siegelring, Richterschnur und Hirtenstab, die ganzen Insignien seiner Macht. Und, kaum zu glauben: Er gibt sie ihr, liefert sich aus. Tamar, die sich nicht zu erkennen gab, wird schwanger. Ein weiteres "geht gar nicht" in ihrem Leben. Juda hört, dass seine Schwiegertochter schwanger ist und will sie zur Rechenschaft ziehen. Tamar zieht ihren Trumpf aus der Tasche: Siegelring, Richterschnur und Hirtenstab. Juda sieht sein hässliches Gesicht im Spiegel. Er lenkt ein: "Lasst sie. Wahrlich , sie ist eine Gerechte! Sie ist im Recht gegen mich." Sie ist schön, so nimmt er sie zur Frau und hilft ihr aus der Not, in die er sich gleich doppelt gebracht hat (1. Mose 38)
Alle vier Geschichten sind Geschichten der Bewegung, der Umkehr von Unrecht in Recht: Juda und David sehen ihr Unrecht an den Frauen ein, sie bereuen und kehren um zu den Frauen und damit zu Gott. Noemi, Rut und Rachab brechen auf im Vertrauen auf Gott. Für alle ist ein Weg zu Ende und fängt ein neuer an. Der Weg ist steinig, Unglück, Not, Angst und Bedrängnis säumen die Wegränder. Es kommen aber alle an. Keine der Frauen gibt auf. Gott ist ihnen Stecken und Stab, der einzige, auf den sie sich wirklich verlassen können.
Das Verwunderliche ist, dass aus so viel Not, Elend, Vergehen und Sünde Menschen hervorgegangen sind, die zu Jesus hinführen. Zu demjenigen, der allein ohne Sünde ist. Das ist eine starke Botschaft, die uns heute auch noch betrifft, eine Botschaft, die klärt.
Genau deshalb stehen die Frauen bei Matthäus in Jesu Stammbaum. Jesus ist körperlich aus einer Frau hervorgegangen. Frauen haben ihren Platz bei Gott und er sorgt für sie, in allem Unglück. Die Zahl vier meint in der biblischen Zahlensymbolik die Vollständigkeit der Schöpfung. Nur mit Männern und Frauen ist die Schöpfung vollkommen, wenn auch nicht vollkommen nach Gottes Recht. Vollkommene unvollkommene Schöpfung, eine ewige Dialektik. Genau das zeigen uns die vier Geschichten.
Wie unvollkommen wir auch sind, sofern wir ehrlich unsere Vergehen vor Gott bekennen, solange wir umkehren, solange wir uns wieder dem anderen zukehren können, bei allem Unrecht, das zwischen Mann und Frau geschehen kann, wie die Geschichten zeigen, solange verzeiht Gott und nimmt uns bei der Hand. Die Geschichten dieser Frauen zeigen, menschliches Leben hat oft mit Grenzverletzungen und Grenzüberschreitungen zu tun, ist oft grenzwertig. Opfer sind wir alle, unserer selbst und des anderen. Und das Wunderbare daran ist: Es kommt trotz allem immer neues Leben hervor. Das Leben siegt. Gerade deshalb stehen hierfür auch diese Frauen in Jesu Stammbaum.
Lieber Luther, das tröstet ungemein. Wenn ich all diese Prüfungen sehe, die diese Frauen – und in ihrem Gefolge auch die mit ihnen verbundenen Männer - über sich ergehen lassen mussten, wenn ich sehe, wie sie immer wieder die Kraft gefunden haben, aufzustehen und weiterzugehen, dann färbt etwas von ihrer Kraft auch auf mich ab. Über Jahre sind sie weitergegangen, auch wenn es geschmerzt hat, auch wenn sie zwischendurch gefallen sind, im festen Vertrauen auf Gott. Gott ist mit den Sündern. Gott gibt den Sündern Kraft, Einsicht und Wegweisung. Manchmal ist dazu auch – oder gerade – eine Grenzüberschreitung notwendig. Aufmachen und umkehren müssen immer alle Beteiligten, auch das zeigen diese Geschichten.
Passt irgendwie zur Losung heute. Muss in der Luft liegen.
In diesem Sinne,
Herzliche Grüße
Deborrah
PS: Das Buch, das mir den Impuls gab: Elsbeth Weymann: Grenz-Gängerinnen. Die Frauen im Stammbaum Jesu. Urachhaus. 2007

Montag, 1. Juli 2013

Hassen - Perspektivwechsel

Lieber Luther,
heute ist der 5.Sonntag nach Trinitatis. Nichts besonderes. Gottesdienstalltag in der Kirche, möchte man meinen. Und doch war es heute nicht so, der Predigttext eine Herausforderung: Lukas 14, 25-33. Man muss jedoch den ganzen Abschnitt lesen, da er zusammengehört und eine eindeutige Botschaft enthält. Ich kann ihn nicht ganz hier wiedergeben, du kannst ihn selbst nachlesen. (Luk 14, 25-35)
Die Pastorin hat ihn in 3 Teile geteilt und keinen Zusammenhang gefunden. Sie hat sich sehr schwer getan mit dem Teil: "So jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein" (Luk 14, 26). Wie soll man das auch auffassen, als Mutter, Familienmensch? Guter Gott, was mutest du uns da wieder zu? Das kann doch nicht dein Ernst sein?
Doch, es ist sein Ernst. Es heißt in diversen Bibelübersetzungen (Luther, Elberfelder, Schlachter, Herder) tatsächlich "hassen". Nur in der "Guten Nachricht" in meiner schon sehr alten Fassung heißt es "an die zweite Stelle setzen". Daran klammerte sich dann auch der Predigttext. Wie soll man dieses Wort sonst auch jemanden vermitteln? Das klingt nicht nach froher Botschaft und Liebe.
Die Aufforderung Jesu, unsere Familie, unser soziales Umfeld zu hassen, ist auf den ersten Blick starker Tobak, aber nur auf den ersten Blick. Was ist damit gemeint?
Hassen hat etwas damit zu tun, dass man jemanden oder etwas nicht leiden kann. Man mag "nicht leiden" mit demjenigen, um den es geht. Man wendet sich nicht dem anderen zu, auch wenn es schmerzt, sondern von ihm weg. Hassen bedeutet, sich von jemandem abwenden, hassen heißt: verlassen. Innerlich oder äußerlich oder beides. Solange man seinen Nächsten hasst, d.h. nicht lieber selbst leidet als ihn nicht leiden kann, ist man nicht in der Liebe Gottes seinem Nächsten gegenüber. Solange man hasst, regieren die Emotionen, nicht die Nächstenliebe, die Gott von uns fordert. Lieber den anderen "nicht leiden" können, als sich selbst verleugnen.
Deshalb heißt der nächste Vers auch: Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein" (Luk 14, 27). Sein Kreuz tragen heißt in diesem Zusammenhang: Wer sich in den Vordergrund stellt vor dem anderen, vor sich selbst und vor Gott, liebt nicht den Nächsten wie sich selbst. Das ist nicht Jesu Weg. Jesus sieht nur uns, nicht sich. Für uns geht er ans Kreuz. Das verlangt er auch von uns: Jeder trage des anderen Last, auch wenn du dafür ans Kreuz musst.
In den Überschriften diverser Bibeln heißt es "Bedingungen" der Nachfolge. Es ist genau umgekehrt. Was hier beschrieben ist, ist bedingungslose Nachfolge. Aber nicht in dem Sinn, dass wir unsere Familie, unsere Heimat, die die wir lieben, verlassen sollen, uns der Verantwortung und der Aufgabe entziehen, uns davonmachen. Man soll nicht die verlassen, die man liebt, sondern sich selbst lassen und sich dem anderen zuwenden, auch wenn es schmerzt. Hassen in dem Sinn zielt auf die eigene Selbstzentriertheit. Sie hassen heißt, alles tun, um sie zu verlassen. Hassen in diesem Sinne ist ein bewusster Akt der Selbst- und der Nächstenliebe, den Jesus hier einfordert. Es muss etwas passieren, du musst dich bewegen. Weg von deinen eigenen Interessen, hin zu Gott, den du zu allererst in dem findest, der dir am nächsten ist.
Der Weg dorthin ist dornenreich. Er führt – wie bei Jesus – so auch bei uns über das Kreuz. Das Kreuz bedeutet Läuterung, bedeutet Schmerz, bedeutet Anfechtung im Glauben. Wer nicht dieses Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein. Deshalb prüfe jeder genau, ob er bereit ist, diesen Weg zu gehen. Will oder kann ich den Preis dafür zahlen? Fühle ich mich stark genug, um gegen das Heer der inneren und äußeren Widerstände anzukämpfen und zu bestehen. Wer helfen kann, ist nur Gott. Er allein kann den Frieden und die Unterstützung geben, die wir brauchen, um in allen Anfechtungen bestehen zu können .
Nein, leicht ist diese Nachfolge nicht, da macht Jesus keinen Hehl daraus. Wer etwas anderes denkt, ist auf dem Irrweg. Erst wenn man sich von sich selbst gelöst hat, ist man in seiner wahren Nachfolge, sein Jünger. Ist das überhaupt jemals möglich? Man muss alle irdenen Bindungen lösen, um bedingungslos zu lieben, so wie Jesus uns das gelehrt hat. Um bedingungslos für den anderen leiden zu können, ihn "nicht leiden" sehen zu können. Um das zu können, muss man bereit sein, selbst bedingungslos und selbstlos zu leiden, sich nicht an "zweiter Stelle" zu sehen, wie in der "Guten Nachricht" steht, sondern sich gar nicht zu sehen. Das hat eine ganz andere Qualität und ist eine ganz andere Dimension. Das eine ist menschlich gedacht, das andere göttlich.
Hassen hat auch etwas mit "hässlich" zu tun. Unsere eigenen Mängel erkennen und anerkennen wir nicht gern, viel leichter diejenigen der anderen. Jedoch, indem wir die Mängel der anderen erkennen, schauen wir in Wahrheit in den eigenen Spiegel und sehen die eigene Hässlichkeit. Das "Hassen" wird so zur Voraussetzung, um die eigene Hässlichkeit zu überwinden. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein. Schonungslos.
Hass hat auch mit Verfolgung zu tun. Mit Passion. Man verfolgt andere und wird selbst verfolgt. Ein Kreislauf des Leides und des Leidens. Viele Jünger Jesu haben Verfolgung erlitten, Hass, Martyrium und Tod. Nachfolge in der Verfolgung, trotz Verfolgung. Mir fällt Bonhoeffer ein. Prüfe genau: Bist du bereit, den Preis zu zahlen? Jesus ist ganz transparent, er verschweigt nichts.
Was hat das alles mit uns zu tun? Wir leben in Sicherheit. Verfolgungen des (christlichen) Glaubens wegen gibt es in unseren Regionen derzeit nicht. Märtyrer sind bei uns gerade nicht gefragt. Ein paar Nummern kleiner tut es auch. Kommt jemand auf die Idee, seine Familie zu verlassen, um Jesus nachzufolgen? Nein?
Jesus nachzufolgen, heißt ihm bedingungslos nachzufolgen, ohne Wenn und Aber. Ein bisschen Nachfolge, solange es nicht weh tut und ich nicht anfange zu leiden, geht nicht. Was tun wir, wenn Gott uns in die Wüste führt? Wenn du vor dem Kreuzweg stehst? Gehen wir mit aller Konsequenz oder schaudern wir lieber zurück, zögern, zaudern, schieben hinaus? Heraus aus der Komfortzone hinein ins Unbekannte? Sehend, vertrauend, nicht zurückzuckend? Widerstehen wir der Versuchung, uns aufs Sofa zurückzuziehen und uns in unserer Schein-heil(ig)en Welt hinter dem schönen Schein zu verstecken?
Lieber Luther, nein, bequem ist Jesu Nachfolge sicher nicht. Auch – oder gerade – bei uns, in unserer übersättigten Wohlstandgesellschaft nicht. Man steht da ziemlich schnell am Pranger. Bedingungslos folgen, bedingungslos den Nächsten lieben ist ein Kreuzweg, egal an welchem Ort und zu welcher Zeit wir in der Menschheitsgeschichte stehen. Gern gehört wird das nicht. Aber Jesus lässt keinen Zweifel: Wenn das Salz dumm wird, womit wird's man würzen?
Herzliche Grüße
Deborrah